23. April – Der UNESCO-Welttag des Buches

Schon wieder ist ein Jahr vergangen und erneut feiern wir heute, am 23.04.2014, den UNESCO-Welttag des Buches.

Eine regionale Tradition ist zu einem internationalen Ereignis geworden: 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum „Welttag des Buches“, dem weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung hat sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Über diesen Brauch hinaus hat der 23. April auch aus einem weiteren Grund besondere Bedeutung: Er ist der Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes.

Wie schon vor zwei Jahren, gibt es auch in diesem Jahr wieder die Aktion “Lesefreunde teilen Lesefreude” und ich freue mich sehr, erneut als Buchschenkerin dabei sein zu dürfen. Ganz besonders freut mich, dass ich “Die Korrekturen” von Jonathan Franzen verschenken darf und ich hoffe, diejenigen, die ich heute mit dem Buch überrasche, freuen sich ebenso darüber.

"Die Korrekturen" von Jonathan Franzen. "Die Korrekturen" von Jonathan Franzen.

Ich wünsche euch allen einen schönen (und buchreichen) Welttag des Buches!

,

Hinterlasse einen Kommentar

Roman Graf/ Niedergang

Ein Berliner Paar, er Schweizer, sie gebürtige Mecklenburgerin, bricht in den Schweizer Bergen zu einer mehrtägigen Hüttentour auf. Die Stimmung ist eisig, nicht nur wegen der Kälte am Berg. Vielmehr wird die Wanderung Richtung Gipfel mehr und mehr Sinnbild für die Beziehung der beiden und je höher sie steigen, umso mehr entfernen sie sich voneinander …

Roman Graf/ Niedergang @Knaus Verlag

“Niedergang” ist ein recht kurzes Buch – das mir sehr an die Nieren gegangen ist.
Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, Roman Graf habe meine langjährige Beziehung genommen, ausgewrungen und das Essentielle zwischen diese Buchdeckel gepresst, es war stellenweise beängstigend.

André und Louise bilden von Anfang an kein harmonisches Paar.
Sie, die immerzu meckert und viel lieber an der Mecklenburger Seenplatte Eis essen und schwimmen würde, und er, der hoch hinaus will, der Schmerz spüren will, der Erfolge will, der seine Freundin davon überzeugen will, dass sie gerade das größte Abenteuer ihres Lebens erlebt; der zwar in Berlin lebt, aber in seiner Heimat auf der Wanderung plötzlich seine eigenen Ressentiments gegenüber den Deutschen und ihren Eigenarten realisiert.

Eine Wanderung, bei der es nicht steil aufwärts ging, war für ihn keine Wanderung. Er brauchte die Steigung und das Gewicht des Rucksacks, um zu spüren, dass mit seinem Körper etwas geschah, das ihm guttat; Spaziergänge hingegen auf ebenem Gelände, etwa um einen See herum, waren so leicht, dass er glaubte zu schweben und kaum etwas fühlte. Nein, mit einer richtigen Wanderung war das nicht vergleichbar [...]

Die Wanderung steht von Anfang an unter keinem guten Stern, die Anspannung und unterdrückte Aggression zwischen den beiden ist durch die Zeilen hindurch fast greifbar.

Sie liebten sich schnell und gierig, weder liegend, da zu unbequem, noch stehend – auf allen vieren auf geradezu animalische Art. André mochte ihren mageren Körper sehr; nichts Überflüssiges gab es an ihm, er war wunderbar funktional.

Der Leser wandert mit dem Paar den Berg hinauf und spürt die eisige Stimmung, und so verwundert es nicht, dass es schließlich zur Eskalation zwischen den beiden kommt.
Dies geschieht jedoch nicht auf brachiale, laute Art, denn so ist das ganze Buch nicht. Es geschieht leise, fast beiläufig, fast nicht der Rede wert, doch wird es das Leben beider verändern.

Roman Grafs Sprache ist auf das Notwendige reduziert, kein Wort, kein Satz ist deplatziert oder überflüssig. Gerade diese nüchterne Erzählweise ließ mir die Geschichte umso mehr ans Herz gehen und ich war nach der Lektüre erst einmal eine Weile sprachlos und musste mich sammeln.

“Niedergang” ist kein Wohlfühlbuch. Es ist ein Psychogramm.
Es weckt unangenehme Gefühle, es hat mir Magenschmerzen bereitet.
Aber es hat mir auch dabei geholfen, einige Dinge zu verstehen und mit einigem aus meiner Vergangenheit meinen Frieden zu machen.

Für ein Buch, das solche Emotionen weckt und sprachlich so einwandfrei ist, kann es nur volle fünf Sterne geben.
5sterne

 

 

Autor: Roman Graf
Titel: Niedergang
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (26. August 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3813505665

, , , ,

6 Kommentare

Liebe – The World Book of Love

Lassen Sie uns doch mal über Liebe sprechen.

The World Book of Love/ Leo Bormans @Dumont Verlag

Liebe ist so eine Sache: Jeder erlebt sie, mal in dieser, mal in jener Form. Mal erzeugt sie Glück, mal Schmerz, Eifersucht, Leidenschaft, Hass, Hingabe … aber ein Leben ohne Liebe ist undenkbar und unmöglich. Sie wirklich zu verstehen leider auch.

Der Herausgeber Leo Bormans hat in “Liebe – The World Book of Love” den Versuch unternommen, dem Leser die Thematik “Liebe” aus verschiedenen Blickwinkeln näherzubringen. Dazu hat er eine Vielzahl internationaler Forscher aus verschiedenen Fachrichtungen dazu gebracht, sich dem Thema anzunähern und über verschiedene Aspekte zu berichten.

Man findet in dem Buch keine bloße Abhandlung darüber, was Liebe ist.
Vielmehr ist das Buch als Lesebuch zu verstehen.
Die Kapitel sind unabhängig voneinander zu lesen und laden dazu ein, das Buch stets griffbereit (in meinem Fall auf dem Nachttisch) liegen zu haben und immer mal wieder darin zu schmökern.

The World Book of Love/ Leo Bormans @Dumont Verlag

Mir gefällt besonders gut, dass im Inhaltsverzeichnis neben dem Kapiteltitel und dem Autorennamen auch dessen Herkunftsland verzeichnet ist, denn so kann man (wenn man denn mag) die Puzzlestücke wunderbar aneinanderreihen und alles in einen internationalen Kontext setzen.
Thematisiert wird so ziemlich alles, was einem zum Stichwort Liebe einfällt, als Beispiele seien hier die Kapitel “Glückliche Singles”, “Ökonomie der Liebe”, “Die Chemie der Liebe”, “Reife Liebe”, “Liebende Eltern”, “Liebe in Vietnam”, “Heilige Regeln” oder auch “Aus Liebe töten” genannt.

Der Aufbau und die Zusammenstellung des Buches gefallen mir ausgesprochen gut und ich gehe stark davon aus, dass das Buch noch eine lange Zeit als Dauerlektüre auf meinem Nachttisch liegen wird, denn auch mit mittlerweile 34 Jahren stellt sich mir in Liebesdingen oft nur eine Frage: WTF?!? ;) Da ist es dann nicht schlecht, einfach mal zum “World Book of Love” zu greifen und so irgendeine Erklärung für die schrägen Dinge zu finden, die mal wieder geschehen.

Von mir gibt es für dieses Buch volle fünf Sterne.
5sterne

 

Ich habe das Buch inzwischen auch schon zweimal verschenkt, falls ihr also mal ein für nahezu jedermann geeignetes Buchgeschenk sucht, liegt ihr mit dem “World Book of Love” sicher nicht verkehrt.

Herausgeber: Leo Bormans
Titel: Liebe. The World Book of Love
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Dumont Buchverlag; Auflage: 1 (26. August 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3832194734
Originaltitel: World Book of Love

, , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Rückblick auf das Lesejahr 2013, Ausblick auf das Lesejahr 2014

2013 war ein gutes Lesejahr für mich.
Das hat sich nun nicht unbedingt im Blog widergespiegelt, aber das muss es ja auch nicht zwingend, denn letztlich ist Lesen doch etwas sehr persönliches, für mich jedenfalls.
Seit ich den Vorsatz abgelegt habe, jedes gelesene Buch im Blog zu besprechen, bereitet mir das Lesen auch wieder mehr Freude. Ich lese analog und digital, je nachdem, wo ich gerade bin und wozu ich gerade Lust habe. Ich habe generell das Lustprinzip wiederentdeckt, das meinem Leseverhalten seit längerer Zeit abhanden gekommen war. Dieses Lustprinzip gilt nicht dem Lesen allein, sondern auch dem Bloggen.
2013 habe ich erlebt, wie es ist, etwas zu bloggen, das jemandem mit großer Reichweite nicht gefällt. Das war ein unangenehmes und aufreibendes Erlebnis, aber im Grunde bin ich dafür dankbar, denn genau deswegen habe ich meinen eigenen Leseweg wiedergefunden, von dem ich irgendwann vollkommen abgekommen war (siehst du, S., du hattest dann doch recht, dass ich irgendwann auch die positiven Seiten des Shitstorms sehe ;) ).
Es gab sehr gute, es gab weniger gute, es gab ganz grauenvolle Bücher, die meinen Weg 2013 kreuzten.
Ich habe mich durch die Longlist des Deutschen Buchpreises gelesen – einfach, weil ich Lust dazu hatte, weil ich Lust auf moderne deutschsprachige Literatur hatte, die in den Jahren zuvor bei mir doch recht kurz gekommen ist, vielleicht auch des Brotjobs wegen, dessen Profil sich 2013 doch sehr gewandelt hat. Auch Hörbücher haben wieder einen festen Platz in meinem Leben gefunden.

Vor allem aber habe ich jedes “MUSS” im Zusammenhang mit meinem Hobby eliminiert. Ich muss nicht lesen, was ich nicht lesen will, ich muss nicht über das Lesen schreiben, ich muss ein Buch nicht beenden, wenn es mir nicht gefällt und selbes gilt auch für Hörbücher, und wenn ich keine Lust aufs Lesen habe, weil ich zu müde bin oder zu unkonzentriert, dann ist es auch vollkommen legitim, stattdessen Serien zu gucken. Das macht mich nicht zu einer schlechteren Leserin, das macht mich nicht ungebildeter oder unkultivierter – es macht mich einfach nur frei.
Wir müssen schon genug im Leben. In meiner Freizeit will ich ganz alleine regulieren, was ich tue, ungehindert und unblockiert von jedem “MUSS”.
Das liest sich jetzt so selbstverständlich, aber diese Erkenntnis war wichtig für mich und hat aus so manchem den Druck herausgenommen.

2013 habe ich (so ich mich nicht verzählt oder ein Buch vergessen habe) 72 Bücher vollständig gelesen und acht Bücher als Hörbuch angehört.
Das war schon mal mehr – aber gerade in den letzten 2,5 Jahren, nach dem schmerzhaften und unfreiwilligen Einschnitt in meinem Leben, war es doch deutlich weniger und ich hatte zeitweise wirklich Angst, die Liebe zu den Büchern verloren zu haben.
Die abgebrochenen Bücher und Hörbücher habe ich nicht gezählt oder aufgelistet, sie landen bei mir auf einem Stapel und ich verschenke oder tausche sie.
Auch das ist neu: Ich behalte nicht mehr jedes Buch, ich gebe auch nicht mehr jedem Buch eine zweite oder dritte Chance. Wenn es nicht passt, dann passt es eben nicht (siehe auch diesen Beitrag von Zoë Beck).
Ich kaufe etwa 70% meiner Neuanschaffungen gebraucht über Rebuy.de oder das ZVAB, auch mal auf Flohmärkten, denn es macht mir nichts aus, wenn ein Buchrücken Knicke hat oder ein Buch sichtbar bereits gelesen wurde. Das werde ich so auch beibehalten. Grundsätzlich achte ich beim Buchkauf mehr darauf, ob ich ein Buch auch wirklich lesen werde und lasse mir mehr Zeit bei der Auswahl, damit die Bücher nicht auf dem SuB (Stapel ungelesener Bücher) verstauben.

Mein SuB bringt mich in Verlegenheit, denn der zeugt immer noch sehr vom Sammler-Gen und meiner Zeit in der Romandie, wo ich nicht jederzeit Zugang zu deutschsprachigen Büchern hatte und infolgedessen bei jedem Deutschlandbesuch Bücher gehamstert habe.
Und damit komme ich auch direkt zu meinen Plänen für das Lesejahr 2014: SuB-Abbau.
Ok, das liest man immer wieder in vielen Literaturblogs, viele Blogger nehmen dafür an Challenges teil oder erstellen Regeln, wie sie ihren SuB abbauen wollen (als Beispiel sei hier stellvertretend Ada Mitsous Projekt “Ungelesene Bücher” genannt).
Das würde nun allerdings wieder meinem Lustprinzip widersprechen. Bislang haben Challenges nur unnötigen Druck bei mir erzeugt, ich habe keine einzige je erfolgreich und planmäßig beendet.

Für den Anfang möchte ich Ordnung in meinen SuB bringen. Meine ungelesenen Bücher stapeln sich in einem verdammt großen Raumteiler im Schlafzimmer, grob sortiert nach Genre, im wesentlichen jedoch mit mechanischer Aufstellung. Sprich: Das Buch wird dahin gestopft, wo es gerade noch reinpasst. Das sieht nicht nur nicht schön aus, es macht mir bei jedem Gang ins Schlafzimmer schon ein schlechtes Gewissen.
Ich werde kritisch durch den SuB gehen und aussortieren. Viele Bücher befinden sich seit Jahren in diesem Regal. In diesen Jahren haben sich meine Leseansprüche verändert und es ist unwahrscheinlich, dass ich diese Bücher je lesen werde – also werde ich sie aussortieren.
Eine grobe Zählung ergab 250 Bücher auf dem SuB – ich schäme mich richtig. Na klar ist es toll, jede Menge ungelesener Bücher zu haben, für jede Stimmung etwas parat zu haben. Aber 250 ist absurd viel und nimmt auch absurd viel Raum in Anspruch. Anders als bei eBooks, die man nicht jederzeit vor Augen hat.
Meine eBooks sind hübsch in Calibre geordnet nach Anschaffungsdatum, Genre und Verlag. Die Zahl der ungelesenen eBooks bewegt sich im mittleren dreistelligen Bereich, dies vor allem deswegen, weil darunter auch viele eBooks sind, die mir unaufgefordert zugesandt wurden oder die ich im Rahmen meiner Arbeit zur Verfügung gestellt oder einfach so geschenkt bekommen habe. Auch der digitale SuB ist also verdammt hoch, aber ich habe ihn nicht ständig vor Augen und dank Calibre zumindest System dabei. Ich möchte aber auch bei eBooks wählerischer werden und nicht mehr jedes abspeichern, das mir geschickt/geschenkt wird oder unreflektiert welche kaufen, weil sie gerade in einer Aktion so supergünstig zu bekommen sind.

Sichtbarer SuB-Abbau also durch kritisches Aussortieren und vor allem: Lesen.
Achtsamer werden, nicht mehr unreflektiert kaufen oder tauschen, sondern mich fragen: Warum möchte ich dieses Buch haben?

Das ist also mein Plan für dieses Jahr. Und natürlich möchte ich den Kontakt zu den lieben Buchmenschen, die ich über Blogs, Twitter oder Facebook kennengelernt habe, aufrechterhalten und gerne auch vertiefen, nicht nur virtuell. Ich bin froh über diese Kontakte und glücklich darüber, dass auf diesem Wege einige echte Freundschaften entstanden sind, die das Internet längst verlassen und im Alltag Platz gefunden haben.

Auf ein gutes Lesejahr!

Do more what makes you happy!

, , ,

5 Kommentare

Alexander Wolkow/ Der Zauberer der Smaragdenstadt

Ich bin ostsozialisiert. So selten in meinem Leben Unterschiede zwischen Ost und West noch eine Rolle spielen (immerhin schreiben wir in diesem Jahr den 25. Jahrestag des Mauerfalls), so schlägt es eben doch manchmal durch. Ein Beispiel dafür ist wohl die Tatsache, dass ich nie, nie nie niemals den “Zauberer von Oz” lieber mögen könnte als den “Zauberer der Smaragdenstadt”. Alexander Wolkow hat mit seinen Geschichten rund um Elli und die Smaragdenstadt meine Kindheit sehr bereichert und bringt mich auch als Erwachsene zum Schwärmen und Träumen.

Alexander Wolkow/ Der Zauberer der Smaragdenstadt

Alexander Wolkow/ Der Zauberer der Smaragdenstadt

1939 erschien “Der Zauberer der Smaragdenstadt” erstmals auf Russisch. Laut Wikipedia handelt es sich hierbei um eine “Nachdichtung des amerikanischen Kinderbuches ‘The Wonderful Wizard of Oz’” von Lyman Frank Baum. Diese Nachdichtung ist jedoch facettenreicher, aufgrund der Fortsetzungsgeschichten (von Wolkow sind insgesamt sechs Bücher rund um Elli und ihre Freunde erschienen, die Reihe wurde später von anderen Autoren fortgesetzt) umfangreicher und für mein Leseempfinden auch liebevoller als das Original.
Hauptfiguren sind die kleine Elli aus Kansas und ihr Hund Totoschka, kurz auch Toto genannt, die aufgrund eines durch Zauberei entstandenen Wirbelsturms im Zauberland landen, wo sie Freundschaft mit der Vogelscheuche Scheuch, dem Eisernen Holzfäller und dem Feigen Löwen schließen und gemeinsam gegen böse Feinde kämpfen. Elli und Toto möchten einen Weg zurück nach Hause finden, Scheuch wünscht sich Verstand, der Eiserne Holzfäller ein Herz und der Feige Löwe Mut, und so führt sie ihr Weg zu Goodwin, dem Zauberer der Smaragdenstadt, der alle ihre Wünsche erfüllen soll …

Gerade die vielen Details, die Wolkows Buch doch sehr vom Original unterscheiden, machen es in meinen Augen so liebenswert. Die Figuren sind wie echte Menschen nicht nur gut und böse, auch die Guten sind nicht fehlerfrei und jeder kann sich verändern und besser werden, wenn er es nur wirklich will und bereit ist, etwas dafür zu tun, das war für mich eine wichtige Lektion, die zu verstehen dieses Buch mir half.
Der Feige Löwe war von Anfang an meine Lieblingsfigur, ich war eben schon von kleinauf ein Katzenfan ;).
Als ich klein war, hatten wir alle Wolkow-Bände im Regal und ich habe sie wieder und wieder begeistert gelesen.
Irgendwann zeigte sich allerdings, dass es schwierig ist, wenn vier Geschwister dieselben Lieblingskinderbücher haben ;) und so zogen die Bücher zusammen mit meinen Geschwistern aus.
Ich wurde größer und vergaß sie – bis ich im letzten Jahr auf einmal wieder an Elli und Toto, die Scheuche und alle ihre Freunde denken musste. Seitdem versuche ich, auf Flohmärkten, im ZVAB und Co. die Originalausgaben aus den 1960ern zu jagen. So toll es auch ist, dass es Neuauflagen gibt, man möchte doch lieber die Formate im Regal haben, die man schon als Kind kannte; noch wichtiger aber: Man möchte genau die Inhalte lesen, die man schon damals las.
Offenbar dachten sich bei den Neuauflagen allerdings ein paar Leute, man könne ruhig an Klassikern rumpfuschen und diese neu übersetzen, zusammenstreichen und Passagen wegkürzen – noch ein Grund mehr für mich, weiter die Originalausgaben zu jagen.
Auf dem Bild zu sehen ist die ungekürzte Taschenbuchausgabe des S. Fischer Verlags, die ich meinem Patenkindkind (nein, kein Verschreiber) zum Geburtstag schenke.

Müsste ich Bücher aufzählen, die mich geprägt haben und auf die ich niemals verzichten möchte, “Der Zauberer der Smaragdenstadt” wäre garantiert dabei.

, , , , ,

8 Kommentare

Ich lese noch

Ja, ich lese noch.
Ziemlich viel sogar.
Nur fehlt es mir momentan an der Zeit, und ehrlich gesagt auch an der Lust, darüber zu bloggen.
Das liegt zum einen an meinem angeschlagenen Gesundheitszustand und viel viel Stress im Job, zum anderen aber daran, dass ich seit dem, was mein Litfaßsäulen-Beitrag ausgelöst hat, dreimal überlege, bevor ich etwas poste – das nimmt dem Bloggen die Unbeschwertheit und mir die Freude daran.
Aber früher oder später erlebt wohl jeder, der sich im Internet bewegt, so einen Moment, in dem ihr oder ihm bewusst wird, dass Missverständnisse in Windeseile entstehen können und dann viele Internetkontakte ihr Fähnlein gerne nach der Shitstormwindrichtung ausrichten.
An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an all die Leute, die mich unterstützt haben! <3

Um den Blog jetzt aber nicht völlig verwaisen zu lassen, wollte ich euch wenigstens kurz zeigen, was es zuletzt auf meinem Kindle zu lesen gab.

Vielleicht kommt die Rezensionsfreude ja zurück, ich hoffe es sehr, denn einige der Bücher möchte ich eigentlich nicht unreflektiert und unkommentiert auf den “Gelesen”-Stapel ablegen.
Natürlich lese ich auch noch “analog” ;), der Beweis befindet sich weiter unten, da ich momentan aber leider viel Zeit in Wartezimmern verbringe, erweist sich der Kindle immer mehr als guter Freund und noch bessere Investition.

zuletzt auf meinem Kindle ... Analoge Lesefreuden

 

,

8 Kommentare

Akif Pirinçci/ Göttergleich. Ein Felidae-Roman.

Akif Pirinçci: Göttergleich

Keine Zeit, keine Zeit …

Kater Francis, Protagonist der Felidae-Reihe, ist in die Jahre gekommen. Für Abenteuer fühlt er sich längst zu alt, doch dann katapultiert ihn ein Unfall wieder mitten hinein: Auf einmal läuft die Zeit rückwärts – zumindest jeweils für acht Minuten und sechsundfünfzig Sekunden. Francis hält sich selbst schon für senil und seine Familie schickt ihn zu einer Art “Katzenpsychiater”, doch natürlich steckt hinter den Zeitreisen sehr viel mehr, wie Francis schon bald herausfindet …

Ich habe die ersten vier Bände der Felidae-Reihe geliebt, was für fantastische Katzen-Krimis waren das!
“Göttergleich” ist nun Band sieben, der achte Band ist bereits in Vorbereitung … doch schon seit Band fünf ist für mich irgendwie die Luft raus.
Akif Pirinçci schreibt ganz wunderbar, daran hat sich nichts geändert, eher im Gegenteil.
Aber was zu Beginn den Reiz der Reihe ausmachte, dieser freche, kluge, gewitzte, mutige Kater, der Abenteuer erlebt, der die Grenzen des Kätzischen immer wieder überschreitet, indem er z.B. im Flugzeug heimlich mitreist oder lernt, einen Computer zu bedienen, dabei aber trotzdem die ganze Zeit hier in unserer Welt ist, das wird nun zunehmend zur Luftnummer. Ein bisschen Fantasy – ok, aber inzwischen wird die Felidae-Reihe eindeutig zu sehr Fantasy, fast schon Science Fiction; nichts mehr vom ursprünglichen Krimi-Stil zu finden. Alles wirkt überzogen, nichts ist mehr realistisch und Francis ist kein gewitzter Detektiv, sondern ein alter, tölpelhafter, ungeschickter Katzenherr, der von einem Unglück ins nächste stolpert.

Vielleicht sollte Francis endlich in den wohlverdienten Ruhestand geschickt werden. Ich für meinen Teile werde keine weiteren Bände mehr lesen, denn ich möchte Francis als den in Erinnerung behalten, als der er sich einst in mein Leserherz gestohlen hat.

Drei Sterne. Sprachlich wie gewohnt gut, aber als Fortsetzung der Francis-Reihe eine Katastrophe. Selbst die Untigerin ließ sich nur mit Tricks zu Coverfotos überreden …
3sterne

 

Autor: Akif Pirinçci
Titel: Göttergleich. Ein Felidae-Roman.
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3453268463

, ,

2 Kommentare

Maya Onken/ Nestkälte. Vom Lügen, Betrügen und Verzeihen.

Maya Onken: Nestkälte. Alé führt eine festgefahrene Ehe und so kommt es zu dem, was eigentlich zu vermeiden ist, nämlich einem Seitensprung. Zu groß ist die Kälte innerhalb der Beziehung, zu sehr vermisst Alé (als Stellvertreterin für viele sich als vernachlässigt betrachtende Ehefrauen) das Prickeln, die Spannung, die Begierde. Und doch wünscht sie sich eigentlich nichts mehr, als mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter ein glückliches Leben zu führen.

Er scheint in einer anderen Welt zu leben. Am Morgen geht er in seine Computerfirma, und am Abend kommt er zwar nach Hause, aber seine Gehirnausläufer sind immer noch im Office. Er quatscht mich und Lea dann voll über Meetings, den doofen Chef, den idiotischen Programmierer. Er erzählt von der Implementierung eines neuen Programms bei einem wichtigen Kunden und kündigt somit seine nächsten Absenzen an – und merkt dabei nicht, dass ich beim Friseur war und extra für ihn den Lippenstift weggelassen haben.

Die Problematik werden sicher viele kennen, die sich in langjährigen Beziehungen befinden oder befunden haben. In unserer Gesellschaft ist das “… und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage” längst überholt. Wir leben schneller, wir leben intensiver, wir erwarten mehr – auch von unseren Beziehungen. Und wenns total schief geht, gibts ja noch die Scheidung … (an dieser Stelle mag mir ein Hauch Zynismus verziehen sein). Anstatt aktiv zu reparieren, wird zerstört und alles auf Anfang gesetzt.
Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und sage (ebenso wie die Autorin es m.E. transportiert):
Jeder steht irgendwann mal auf einer der beiden, wenn nicht sogar auf beiden Seiten – als der, der betrügt und der, der betrogen wird. Beides ist schwer, beides tut weh, mit beidem müssen alle Beteiligten fertig werden. Dass das nicht immer einfach ist, versteht sich wohl von selbst.

Maya Onken hat mit diesem Buch ihren zweiten Roman über Alé und deren Liebesleben abgeliefert, auch wenn “Ratgeberroman” wohl besser passt, wie es der liebe Flattersatz in seiner Rezension so schön gesagt hat. So gibt es zum Buch dazu ein kleines Büchlein im Hosentaschenformat, in dem die Autorin alle Seiten der Dreiecksbeziehungen beleuchtet, auch die unvermeidliche Schuldfrage, und wertvolle Hinweise gibt und Beratungsstellen nennt. Wer will schließlich schon beim Fremdgehen erwischt werden (sorry, wieder dieser zynische Unterton …).
Auch schlägt Maya Onken im gesamten Buch einen Ton an, den ich irgendwo zwischen erzählend, beratend und aufklärend-erläuternd anordnen würde; manchmal ist mir die Sprache zu gewollt, irgendwo zwischen flappsig und hochgestochen; in jedem Fall ein für mich gewöhnungsbedürftiger, ungewöhnlicher Schreibstil.
Man merkt ihrer Schreibe deutlich den pädagogischen Background an.
Maya Onken lässt ihre Protagonistin alles analysieren, reflektieren, auswerten – für meinen Geschmack ein wenig zu sehr, worunter auch die erzählerische Ebene leidet. Für alles hat sie Fallbeispiele in Form von Freundinnen, alles wird bis ins Kleinste auseinandergenommen und systematisiert. Vielleicht wäre eine Markierung als Ratgeber treffender gewesen; ich sortiere das Buch hier im Blog kurzerhand in beide Rubriken ein, als Ratgeber UND als Roman.

Es ist mir, trotz eines guten Beginns, nicht gelungen, eine Verbindung zu Alé aufzubauen, weder im Positiven noch im Negativen. Ich blieb nach dem Lesen zurück mit dem Gefühl: Joa. Nett. Aber ein Roman war das jetzt nicht wirklich und eine Initialzündung hat das Buch auch nicht ausgelöst.
Wenn überhaupt, haben mich einige Dinge ziemlich sauer gemacht und daran erinnert, dass ich in meinem Denken und Beziehungsleben offenbar naiv-konservativ bin und nicht schwarz-weiß denke; bei Problemen gibt es in meinen Augen immer zwei Beteiligte und Probleme sind auch nur zu lösen, indem beide daran arbeiten. Gemeinsam. Keiner sollte sich für den Partner aufgeben, aber beide müssen sehr wohl investieren: Gefühle, Zeit, Achtsamkeit.
So gesehen muss ich der Autorin dann doch zugestehen, dass sie mich schon emotional gepackt hat – wenn auch wohl anders als erhofft.

Um es deutlich zu sagen: Ich habe ja in den letzten Jahren einiges zur grundlegenden Thematik gelesen (aufmerksamen LeserInnen wird dies wohl nicht entgangen sein und sie werden ihre -wohl treffenden- Rückschlüsse gezogen haben …) und sollte ich ein Buch empfehlen – “Nestkälte” wäre es wohl eher nicht.
Das mag bei jemandem, der sich noch so gar nicht mit Affairen, Seitensprüngen, Beziehungsdramen und dergleichen, vor allem deren Folgen befasst hat, ganz anders sein und ich kann mir gut vorstellen, dass das Buch vielen Frauen in festgefahrenen Beziehungen helfen kann, sich zu sortieren.
Ich war dafür offenbar nicht die richtige Leserin, vielleicht gerade weil ich nicht unbelastet an das Thema herangehen konnte.

Maya Onken: Nestkälte.

Ich gebe dem Buch drei Sterne. Auch wenn ich mit der Protagonistin nicht warmgeworden bin, ist es stilistisch doch interessant zu lesen und sprachlich sauber aufgebaut.
3sterne

Eine sehr schöne (und wie immer umfassende) Rezension zu dem Buch gibt es beim lieben Blogger-Kollegen Flattersatz zu lesen, auf den ich an dieser Stelle nachhaltig verweisen möchte, allein schon, um auch die männliche Sicht auf das Buch kennenzulernen :D.

Autorin: Maya Onken
Titel: Nestkälte. Vom Lügen, Betrügen und Verzeihen.
Broschiert: 250 Seiten
Verlag: Xanthippe
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3905795240

, , ,

2 Kommentare

[Hörbuch] Michael Ende/ Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Michael Ende: Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch, gelesen von Rufus BeckBeelzebub Irrwitzer hat ein riesiges Problem. Er hat einen Vertrag mit Seiner Höllischen Exzellenz abgeschlossen und sich darin verpflichtet, jedes Jahr eine bestimmte Anzahl an Schundtaten zu vollbringen. Nun ist Silvester – und er hat nicht genügend Naturkatastrophen, Seuchen und Unglücke ausgelöst. Natürlich nicht aus Faulheit, sondern weil ihm in Person eines kleinen, dicken und unglaublich neugierigen Katers namens Maurizio di Mauro vom Hohen Rat der Tiere  ein kleiner Spion ins Haus gesetzt wurde, der herausfinden soll, ob Irrwitzer hinter der zunehmenden Anzahl an Katastrophen steckt.
Nun droht Irrwitzer die Pfändung – wenn er nicht bis Mitternacht sein Soll an Schandtaten erfüllt hat. Als wäre das nicht schlimm genug, schneit ihm nun auch noch seine Tante, die Geldhexe Tyrannja Vamperl, ins Haus. Sie hat dasselbe Problem und auch sie hat einen tierischen Spion im Schlepptau, den vorlauten Raben Jakob Krakel.
Die beiden erfolglosen Magier sind verzweifelt und sehen nur noch einen Ausweg: In den letzten verbliebenen Stunden des Jahres brauen sie den legendären Wunschpunsch, der jeden ausgesprochenen Wunsch erfüllen soll. Damit sie keine Probleme mit ihren kleinen lauschenden Spionen bekommen, nehmen sie eine magische Umkehrung des Tranks vor, der alle Wünsche in ihr Gegenteil verkehrt und aus einem netten Wunsch eine Katastrophe macht. Das klappt natürlich keineswegs so, wie die beiden sich das vorgestellt haben …

Hach, was habe ich dieses Buch als Kind geliebt! Beim Hören sah ich mich zurück in die 4. Klasse versetzt, in der meine überaus fantastische Kunstlehrerin uns dieses Buch vorgelesen hat, während wir passende Bilder dazu malen sollten (es wird jetzt sicher jeden überraschen, wenn ich beichte, dass ich ausschließlich den mopsigen Miezekater gemalt habe).
Jetzt, mit den Ohren der Erwachsenen, ist mir allerdings erst klar geworden, was für ein Meisterwerk Michael Ende hier abgeliefert hat, das absolut verdient mit etlichen Preisen ausgezeichnet wurde.
Rückblickend können wir als Kinder unmöglich alles begriffen und erfasst haben (ich wusste jedenfalls ganz sicher nicht mit 9 Jahren, was eine “Vivisektion” ist), aber wir hatten unseren Spaß, wir hatten eine Geschichte, die uns gefiel. Und denselben Spaß hatte ich als Erwachsene erst recht, nur dass diese Geschichte noch viel viel umfassender geworden ist.
Wie großartig allein die Erklärung des Kofferwortes “satanarchäolügenialkohöllisch” ist!
Und die Dispute zwischen den Figuren, die dank des fabelhaften Rufus Beck (ja, ich bin ein kleines bisschen verliebt ;) ) wirklich zu Leben erwachen.
Das Hörbuch ist übrigens tatsächlich nur wegen Rufus Beck auf meinem Player gelandet, denn ich hatte gezielt nach Hörbüchern von ihm gesucht, die ich noch nicht kannte. Dass damit dann gleich so wunderschöne Kindheitserinnerungen geweckt wurden, war mehr als ein glücklicher Zufall.

Ihr merkt, ich bin begeistert und da kann es nur 5 Sterne für geben. Dieses Hörbuch wird mich unter Garantie viele viele Jahre immer wieder begleiten.
5sterne
Hörbuch-Download bei Audible
Spieldauer: 5 Stunden und 1 Minute
Format: Hörbuch-Download
Version: Ungekürzte Ausgabe
Verlag: Der Audio Verlag
Audible.de Erscheinungsdatum: 16. November 2009
Sprache: Deutsch
ASIN: B0030UMDXY

, , ,

8 Kommentare

Stephen King/ Joyland

Wenn es um die Vergangenheit geht, erfindet jeder Geschichten.

Stephen King: Joyland

Devin Jones, genannt Jonesy, ist noch ein junger Student, als er in den 1970er Jahren über die Semesterferien eine Stelle als “Happy Helper” im Vergnügungspark Joyland annimmt. Es ist die Zeit, in der Nichtraucherzonen innovativ sind und Disney noch nicht alle Konkurrenz-Vergnügungsparks in den Ruin getrieben hat. Und es ist die Zeit, in der Devin zum ersten Mal so richtig das Herz gebrochen wird.

Man kann darüber streiten, wie die gruseligste Liedzeile in der Popmusik lautet, aber für mich stammt sie von den Beatles – von John Lennon, genau genommen -, und zwar heißt es da: ‘I’d rather see you dead, little girl, than to see you with another man’.

So lernen wir Devin als nachdenklichen, fast schon trübsinnigen jungen Mann kennen, der depressive Musik hört und sich ganz seinem Herzleid hingibt.
Der Job im Park ist zum Glück weit genug von der Herzensbrecherin entfernt und bietet genügend Ablenkung. Da sind zum einen die “Schausteller von altem Schrot und Korn”, die mit ihrer ganz eigenen Jahrmarktssprache Devin in ihren Bann ziehen, zum anderen beschäftigt ihn jedoch auch nachhaltig eine Gruselgeschichte, die Devin gleich zu Arbeitsantritt erzählt wird. Darin heißt es, vor einigen Jahren sei ein junges Mädchen in der Joyland-Geisterbahn brutal ermordet worden und ihr Geist würde sich ab und zu einem der Mitarbeiter zeigen. Ihre Seele könne nicht ruhen, da der Täter nie gefasst wurde. Devin ist von der Story fasziniert. Gleichzeitig lernt er einige außergewöhnliche Menschen kennen, die ihn und sein Denken nachhaltig verändern, und so bleibt er nach Ablauf der Ferien kurzerhand in Joyland und stellt Nachforschungen zum Mord in der Geisterbahn an …

Stephen King: Joyland

“Wir leben in einer traurigen Welt, einer Welt voller Kriege, Grausamkeit und sinnloser Tragödien. Jedes menschliche Wesen bekommt seine Portion Unglück und schlaflose Nächte serviert. Diejenigen unter Ihnen, die das noch nicht wissen, werden es noch lernen.”

Wer immer noch glaubt, Stephen King würde nur Horror und Schund schreiben, der muss spätestens jetzt einsehen, dass diese Zeiten lange zurückliegen.
Mit “Joyland” liefert er eine fast schon klassische Kriminalgeschichte ab, die ohne Radau und brachiale Effekte auskommt. Der Protagonist, inzwischen in die Jahre gekommen und über 60, erzählt die Geschichte selbst, die ihm als jungem Mann widerfahren ist und sein Leben komplett verändert hat. King-typisch wird auch mit, mal mehr, mal weniger subtiler Gesellschaftskritik nicht gespart.


“Mein Sohn, weißt du, was Geschichte ist?”

“Äh … Dinge, die halt früher passiert sind.”
“Falsch. [...] Geschichte ist die kollektive Kacke unserer Vorfahren, der ganzen Menschheit – ein riesiger Scheißehaufen, der mit jedem Tag größer wird. Im Moment stehen wir noch obendrauf, aber ziemlich bald werden wir unter dem Dünnpfiff nachfolgender Generationen begraben. Deshalb sehen die Klamotten eurer Eltern auf alten Fotografien auch so komisch aus, um nur ein Beispiel zu nennen. Denkt daran – auch ihr werdet bald unter der Scheiße eurer Kinder und Enkel begraben sein. Da ist ein kleines bisschen Nachsicht angebracht.”

Bei Büchern von Stephen King habe ich es mir seit einigen Jahren zur Angewohnheit gemacht, das Buch erst im englischen Original und danach in der deutschen Übersetzung zu lesen.
Das liegt natürlich einmal daran, dass ich als King-Fan meistens sofort das neue Buch lesen will und nicht auf die Übersetzung warten mag, zum anderen liegt es aber auch daran, dass ich mich zunehmend über ungelungene Übersetzungen ärgere – und den Verdacht habe, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt. Die Übersetzungen erscheinen seit einiger Zeit recht zeitnah zum Originalwerk, was natürlich den Gedanken nahelegt, dass die Übersetzer einem enormen zeitlichen Druck ausgesetzt sind. Nur leider bleibt dies nicht ohne Folgen und dies gilt auch für “Joyland”, wobei ich allerdings mal ganz klar sagen möchte, dass die Übersetzung qualitativ dennoch deutlich besser war als bei “Der Anschlag”, dem bisherigen übersetzerischen King-Tiefpunkt, wenn man mich fragt.

Ein Beispiel aus “Joyland” gefällig?

Originalsatz:

I was going to win a gold medal at the Olympics. I was going to see strange and fabulous places [...]

Übersetzt:

Eine Goldmedaille bei der Olympiade gewinnen und fremde, wunderbare Länder besuchen.

Ja, klar, man kann “Olympics” mit “Olympiade” übersetzen – wenn es im Kontext richtig ist. Hier ist es das nicht.

Wikipedia erläutert dazu:

Eine Olympiade ist

  • der vierjährige Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen, siehe Olympiade
  • eine gängige (aber streng genommen falsche) Bezeichnung für Olympische Spiele

Dies sollte insbesondere bei Menschen, die mit Sprache arbeiten, zum Allgemeinwissen gehören und da gerade im Englischen sehr viel Wert auf den Unterschied zwischen Olympiade und Olympischen Spielen gelegt wird, wird diese Übersetzung umso unschöner.
Wäre dies der einzige Schnitzer im Buch, könnte man vielleicht noch darüber hinwegsehen; ist es aber leider nicht und vertauschte “mir-mich” und “dir-dich” werden auch leider nicht unauffälliger, je häufiger sie auftreten.

Jetzt darf der geneigte Leser gerne wieder auf meine Korinthenkackerei schimpfen, aber solche Schnitzer halte ich einfach für vermeidbar und wenn eine Woche längere Wartezeit auf das Buch dazu beiträgt, dann, bitte, lieber Heyne-Verlag, gebt den Übersetzern diese eine zusätzliche Woche Zeit, um uns Lesern ein sprachlich sauberes Produkt anzubieten.

 

Ich gebe “Joyland” 5 von 5 Sternen. Hätte ich es nur auf Deutsch gelesen, wäre das vielleicht nicht so.
Es ist insgesamt ein wunderbares, ruhiges Buch mit viel Subtext und einer greifbaren, angenehm gruseligen Atmosphäre, das fast vollständig ohne Horror- und Schock-Elemente auskommt und dem dennoch nichts fehlt. Zumindest, wenn man über unsaubere Übersetzungen hinweg sieht …
5sterne

Im Herbst soll bereits der nächste King-Neuling erscheinen, der als eine Art Fortsetzung von “Shining” angekündigt wird. Ich bin gespannt!
Autor: Stephen King
Titel und Originaltitel: Joyland
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
gelesen auf: Englisch und Deutsch; diese Rezension bezieht sich auf die deutschsprachige Ausgabe
ISBN-13: 978-3453268722

, , ,

6 Kommentare

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 1.501 Followern an