Conni Lubek/ Entlieben für Fortgeschrittene
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Frauenroman, Gelesen, Humor am 19. Mai 2013
Die Liebe ist langmütig und freundlich, sagt die Bibel. Sie verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
Die Liebe hört niemals auf.Dass die Liebe klug ist, hat doch kein Schwein gesagt.
Wir erinnern uns: Mit “Anleitung zum Entlieben” gab Conni Lubek den Startschuss zu dieser aus einem Blog geborenen, nennen wir es mal Trilogie (mein inneres Fangirl schreit an dieser Stelle ganz laut auf und hätte gerne unbedingt weitere Fortsetzungen
).
Im ersten Band liebte sie 119, doch der liebte nicht zurück. Und dann kam Dick, der Holländer, der Lchen vom Fleck weg liebte, bei dem sie aber nicht wusste, ob sie angemessen zurück liebt.
An dieser Stelle setzt “Entlieben für Fortgeschrittene” an, es geht also weiter mit Dick und Lchen, einem ewigen Hin und Her, und gerade, als sie sich sicher ist, dass sie ausreichend liebt, lässt Dick eine Bombe platzen, die einer Seifenoper würdig ist …
Wieder macht das Lchen viel viel Mist, wieder hab ich viel mit ihr, noch mehr aber mit dem Tulpenkopp gemeckert. Das ist schon allerhand, was der allerliebste arme Curd Rock da mitmachen muss.
Das sieht insbesondere die liebe Bonny auf dem Foto unten genauso, für sie war Curd Liebe auf den ersten Blick
Mir hat dieses Buch noch besser gefallen als der erste Band. Viel Drama, viel Herz, viel “du doofes Schaf!”, viel Reflektion, eben einfach alles, was solche Herzkrüppel wie ich brauchen, um auf andere Gedanken zu kommen.
Deswegen bekommt “Entlieben für Fortgeschrittene” auch 5 Sterne von mir, auch wenn ich zugebe, dass die Bewertung extrem subjektiv ist (zum Glück darf ich ja auf meinem Blog auch meine eigenen Regeln aufstellen und die besagen, dass ich nicht immer objektiv bewerten muss und dass Lesen sowieso eine subjektive Geschichte ist).

Autorin: Conni Lubek
Titel: Entlieben für Fortgeschrittene
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3548268088
Bonny und Ann sagen Hallo
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in just me, Sonstiges am 11. Mai 2013
Neben den beiden puschelschwänzigen Fellnasen bekomme ich in Zukunft noch zwei weitere Assistentinnen, die mir bei der einen oder anderen Rezension zur Seite stehen und auch mal einen Kommentar abgeben werden.
Darf ich vorstellen: meine beiden neuen Bürohühner Bonny (rechts) und Ann Oyed.
Bonny ist eher friedlicher Natur, ihre Harmonie- und Flauschsucht kompensiert ihre Schwester Ann Oyed dafür ganz fabelhaft mit Dauergrummelfresseziehen.
Ihre Namen haben sie, wie sich das gehört, von ihrer Puppenmama bekommen, der lieben, überaus kreativen, selbst hochschwanger noch bei Knorkator mitheadbangenden Lieblings-Sandy von Hazel Nuts -upcycled goods (auch auf Facebook). Ihre Puppen werden aus alten Stoffen quasi zurück ins Leben upcycled und ich find das total knorke und hab Bonny und Ann schon sehr ins Herz geschlossen <3.
Literaturblogger oder "Die Heuschrecken"?
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Literaturallerlei, Sonstiges am 21. April 2013
Gestern wurde im Culturmag ein Text der Autorin Zoë Beck veröffentlicht, der sich mit dem Thema Literaturblogger beschäftigt und auf eine Art "Anleitung für Blogger" aus dem Hause Blanvalet Bezug nimmt. Ich schätze Frau Becks analytische Vorgehensweise, ihre kritische Haltung und ihre Erfahrungen in der digitalen Welt sehr. Daher habe ich den Artikel zum Anlass genommen, mich einmal selbst zum Thema Blogger zu äußern.
Annick Cojean/ Niemand hört mein Schreien: Gefangen im Palast Gaddafis
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Biographie/ Autobiographie, Gelesen am 20. April 2013
“Die vorliegenden Recherchen verdanken viel dem Engagement einer mutigen, unabhängigen Libyerin. Einer Rebellen-Anführerin, die sich vom ersten Tag an mit Leib und Seele der Revolution verschrieben hat und jede Gefahr auf sich nahm, um in aller Diskretion und Zurückgezogenheit Frauen in größter Not zu helfen; Frauen, die Opfer dieses schändlichen Verbrechens waren, das von Gaddafi selbst verübt oder von ihm befohlen wurde und das anzuerkennen Libyen sich bis heute schwertut.”
Wir schreiben das Jahr 2013.
Während in Deutschland Frauen um die Frauenquote kämpfen und die tatsächliche gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau erarbeiten, Sexualdelikte jedweder Form geahndet werden und Gewalt ebenfalls, leben nicht weit entfernt von uns, aber anscheinend in einer vollkommen anderen Welt, Frauen, die sich nicht zeigen dürfen. Deren Missbrauch und Folter von der Gesellschaft als Schmutz, als eigenes Fehlverhalten, als Schande betrachtet werden. Die mit dem Leben bezahlen müssen, weil ihnen Gewalt angetan wurde.
Die Revolution in Libyen haben wir wohl alle mitbekommen, über Nachrichten, Twitter, Facebook. Live-Streams aus einem Krieg, Krieg 2.0.
Zu der Zeit lebte ich in der Schweiz und hatte seit 2008 eifrig jede Information über Libyen und Gaddafi gelesen. Die Schweizer Berichterstattung war eine vollkommen andere als die in Deutschland; hatte ich in Deutschland vielleicht ab und an mal den Namen Gaddafis gehört, tauchte er in der Schweizer Medienlandschaft praktisch jeden Tag auf, vor allem in der Romandie, wo sich der Gaddafi-Clan nicht selten persönlich herumtrieb.
Ich würde sagen, dass ich relativ gut informiert war über Gaddafis Diktatur und Politik.
Was ich jedoch in diesem Buch las, und was immer häufiger auch in der internationalen Berichterstattung belegt wird, schuf neue Dimensionen.
“Muammar al-Gaddafi propagierte einen aufgeklärten Islamismus und die Gleichberechtigung der Frau, offiziell existierte unter Gaddafi keine Gewalt gegen Frauen – dabei, so wird nun bekannt, hielt der Diktator über Jahrzehnte unzählige Mädchen und Frauen im Keller seines Palastes gefangen, misshandelte und missbrauchte sie.”
Nach außen Verteidiger der Frauen, in Wahrheit ihr schlimmster Gegner; Prediger und Vater des modernen Islamismus, aber hinter der Mauer ein Säufer, Drogenabhängiger, der im Rausch Frauen, aber auch Männer missbrauchte und erniedrigte, das war Gaddafi.
Gefiel ihm eine junge Frau, die er bei einem öffentlichen Anlass sah (so besuchte er z.B. nur aus diesem Grund Schulen und Universitäten), legte er ihr die Hand auf den Kopf. Das war das stumme Zeichen für seine Gefolgschaft, ihm dieses Mädchen, und sei es noch so jung, zu eigen zu machen. Es in seinen Keller zu verschleppen, seiner Familie zu entreissen und ihm den Glauben an das Gute für immer zu zerstören. Dabei halfen ihm zahlreiche Machtbesessene; Männer, erschreckenderweise aber auch viele Frauen.
In jeder Stadt, sogar unterirdisch auf dem Campusgelände der Universität in Tripolis, hatte Gaddafi seine “Folterkammern”: Zimmer mit Bett, Bad und Sex”spielzeug”, die er zwischen Politik und Show täglich mehrmals aufsuchte, denn er konnte nie genug bekommen. Nicht genug von Frauen, von Männern, von Drogen, Alkohol, von Macht, es war nie genug.
Ich kann und möchte dieses Buch nicht bewerten.
Stilistisch mag es seine Schwächen haben, das ist recht offensichtlich, doch sind sein Inhalt und seine Intention über diese Schwächen erhaben.
Es ist ein Zeitzeugnis, das ich für wichtig und absolut lesenswert halte und über das zu schreiben mir schwer fällt. Die Ausmaße Gaddafis Tyrannei sind entsetzlich und ebenso, wenn nicht sogar noch viel entsetzlicher, ist die Tatsache, dass seine weiblichen Opfer bis heute statt Gerechtigkeit nur Schweigen ernten – im besten Fall. Im schlimmsten Fall Schande und Tod.
Es ist mir unbegreiflich, dass es auch im neuen, postrevolutionären Libyen keine Gerechtigkeit, nicht einmal Akzeptanz für die vielen von Gaddafi und seinem Clan misshandelten, vergewaltigten, erniedrigten und gequälten Frauen gibt.
“Und auf der ganzen Welt werden Frauen weiterhin schweigen. Schamhafte Opfer eines Verbrechens, das ihren Körper zu einem Machtobjekt oder zu einer Kriegsbeute macht. Sie sind die Zielscheibe von Raubtieren, denen unsere Gesellschaften, von den barbarischsten bis zu den höchstentwickelten, immer noch eine erbärmliche Nachsicht entgegenbringen.”
Umso wichtiger, dass wenigstens einige wenige nicht schweigen und den Mut haben, die Welt über das aufzuklären, was geschah.
Ich ziehe meinen Hut vor all den Frauen und den wenigen Männern, die der Journalistin Annick Cojean bei der Entstehung dieses Buches halfen und so den Opfern, wenn schon nicht Gerechtigkeit, so doch wenigstens Gehör verschafften.
“Ich entdeckte, dass der in einer Familie armer Beduinen geborene Diktator mit dem Sex regierte, besessen von der Vorstellung, eines Tages auch die Frauen oder Töchter der Reichen und Mächtigen, seiner Minister und Generäle, die von Staatschefs und Souveränen zu beschlafen. Den Preis dafür wollte er bezahlen. Jedweden Preis. Da kannte er keine Grenzen.
Aber darüber zu reden ist das neue Libyen nicht bereit. Tabu! Dabei zögert man keineswegs, Gaddafi zu belasten und zu fordern, dass die zweiundvierzig Jahre seiner absoluten Macht mit all ihren Schändlichkeiten ans Licht kommen. Man spricht von den Misshandlungen der politischen Gefangenen, den Ausschreitungen gegen Oppositionelle, der Folterung und Ermordung von Rebellen. Man wird nicht müde, seine Tyrannei und seine Korruption anzuklagen, seine Doppelzüngigkeit und seinen Wahnsinn, seine Manipulationen und seine Perversität. Und man fordert Entschädigung für alle seine Opfer. Aber von den Hunderten junger Mädchen, die er sich unterworfen und die er vergewaltigt hat, will man nichts hören. Sie sollten sich verkriechen oder, unter einem Schleier verborgen, ihren Schmerz zu einem Bündel geschnürt, ins Ausland gehen. Das Einfachste wäre, sie würden sterben. Manch einer der Männer in ihren Familien wäre schon bereit, das zu übernehmen.”
Lest dieses Buch.
Autorin: Annick Cojean
Titel: Niemand hört mein Schreien: Gefangen im Palast Gaddafis
Originaltitel: Le Proies. Dans le harem de Kadhafi
Gebundene Ausgabe: 296 Seiten, gelesen als eBook
Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 2 (6. März 2013)
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3351027667
Conni Lubek/ Anleitung zum Entlieben
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Biographie/ Autobiographie, Frauenroman, Gelesen, Roman am 4. April 2013
“Wer je einen Menschen von Herzen geliebt hat und irgendwann aus irgendwelchen Gründen einsah, dass es wohl besser wäre, damit aufzuhören, der weiß, wie schwer das ist.
Die Wege, die jene Glücklichen, die es schaffen, schließlich ans Ziel führen, sind nicht immer gerade. Sie sind verschlungen, voller Schlaufen und Kreise, von denen man manchmal erst im Nachhinein erkennt, dass sie kein Umweg waren. Sondern notwendig.
Und vor allem ist jeder Weg anders. Weil jede Liebe einzigartig ist – und auch jeder Umstand, der einen Menschen so etwas Kostbares aufzugeben zwingt. Einzigartig scheiße, soweit es mich betrifft.”

Lchen, auch Lpunkt genannt, liebt 119.
119 liebt dummerweise nicht zurück.
Damit lässt sich im Wesentlichen zusammenfassen, worum es in diesem Buch geht und jeder, der schon einmal geliebt hat, ohne zurückgeliebt zu werden, weiß, wie schmerzhaft so etwas sein kann.
In Lchens Fall ganz besonders schmerzhaft, denn 119 mag sie ja. Sehr sogar. Genug jedenfalls, um sie drei Jahre lang hinzuhalten, jeden Freitag mit ihr zu schlafen und ihr immer wieder zu sagen, dass er sie trotzdem nicht liebt. Für jede Frau vermutlich eine Horrorvorstellung, für Frauen wie Lchen, die jenseits der 35 sind und sich doch eigentlich nur Liebe, Disneyfluff und eine eigene Familie wünschen, ganz besonders.
Immer wieder versucht Lchen, diese unglückselige Beziehung zu beenden, immer wieder scheitert sie.
Irgendwann beginnt sie, anonym in einem Blog über ihre Versuche des Entliebens zu schreiben. Stets dabei ihr treuer (ein wenig sprachgestörter) Begleiter, Stofftier Curd Rock. Und aus dem Blog entstand dann dieses Buch.
Hätte ich es vor einem Jahr gelesen, hätte ich Lpunkt vermutlich einfach nervig gefunden und nicht verstehen können, wie jemand so naiv sein, so ein Schaf sein kann. Nun war das letzte Jahr bei mir aber sehr turbulent und ich musste zwangsläufig lernen, dass man noch so reflektiert, reif, erwachsen und fokussiert sein kann – wenn es um Liebe geht, wird auch die vernünftigste Frau ganz schnell zum Schaf
Dank dieser eigenen Erfahrungen hab ich also kräftig mit Lchen mitgelitten, 119 mehr als einmal im Geiste so richtig kräftig ins Gemächt getreten und mit Curd Rock auf der weißen Couch gekuschelt. Und ich war mächtig traurig, als das Buch zuende war und ich ein wenig ratlos da stand mit der Frage: Liebt Lchen denn nun die holländische Frikandel? Kommt sie dauerhaft von 119 los? Die gute Nachricht ist: Es gibt noch zwei weitere Bücher über Lchens Liebeschaos und sie liegen bereits hier neben mir
4 Sterne (einen musste meine innere Neurotikerin aka Böslektorin wegen wirklich unglaublich vieler Rechtschreib- und Interpunktionsfehler abziehen)

Autorin: Conni Lubek
Titel: Anleitung zum Entlieben
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3548268071
Mathias Malzieu/ Die Mechanik des Herzens.
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Fantasy, Gelesen, Roman am 27. Februar 2013
“Verschenke niemals dein Herz – an niemanden!
Denn sonst wird der Stundenzeiger deiner Uhr sich dir durch die Haut bohren, deine Knochen werden bersten, und die Mechanik deines Herzens wird für immer stillstehen.”

Tickende Herzen, Menschen, die repariert werden müssen und die eine, einzige wahre Liebe sind Sujet des Romans “Die Mechanik des Herzens”.
Der kleine Jack wird als ungewolltes, kränkliches Kind anonym im Edinburgh des Jahres 1874 geboren. Die Hebamme Doktor Madeleine, die ausgegrenzt vom Rest der Gesellschaft lebt und Zuflucht für die Skurrilen, Seltsamen, für die Trinker und Prostituierten, eben für alle Andersartigen ist, und die Menschen so repariert als seien sie Uhren, holt Jack auf die Welt. Sein Herz ist schwach und so setzt Doktor Madeleine dem Baby eine Uhr als “Herzschrittmacher” ein. Jack wächst heran, ein Sonderling wie alle, die im Hause Doktor Madeleines auflaufen, und als er erstmals im Alter von elf Jahren in die Stadt geht, begegnet er der hinreißenden kleinen Tänzerin Miss Acacia – der einzigen Frau, die er je lieben wird …
Beschrieben wird das Buch als “Ein phantastisches Kunstmärchen mit überbordenden Bilderwelten” oder auch “Ein Märchen für Erwachsene – über die Liebe”.
Nach einigen Befremdlichkeiten habe ich versucht, das Buch genau so zu betrachten und anzunehmen. Mit Befremdlichkeiten meine ich das, was viele andere Leser vor mir schon bemerkt haben, nämlich die doch etwas überzogenen, expliziten sexuellen Sichtweisen und Empfindungen, die Malzieu dem elfjährigen Jack zuschreibt – einem Kind also, dem man solche Begehrlichkeiten doch eher ungern zudenkt.
Da dieses Buch aber auch sonst in kein Schema passt, ist es zumindest mir nicht allzu schwergefallen, mich nicht in diese Tatsache zu verbeißen.
Malzieus Sprache ist so wunderbar, seine Gedanken so klug, seine Beobachtungen des Menschen so treffend, seine Bilder so intensiv, dass ich am liebsten in seinen Worten gebadet hätte, so kitschig das auch klingt
Keiner der Protagonisten war mir übermäßig sympathisch oder gar liebenswert, jede Figur hat ihre Sonnen-, aber auch Schattenseiten, niemand ist nur gut oder nur böse. Dieses Gefühl zu vermitteln und gleichzeitig eine Geschichte zu entwerfen, die wie ein Sog wirkt, ist in meinen Augen eine schriftstellerische Leistung, die viel zu selten gelingt!
“Kann ich die Zeit zurückdrehen, indem ich meine Zeiger in die entgegengesetzte Richtung drehe?”
“Nein, du machst dir nur die Zahnräder kaputt und tust dir höllisch weh. So was funktioniert nicht. Man kann sein Tun nicht ungeschehen machen, auch nicht, wenn man eine Uhr als Herz hat.”
Fünf Sterne.

Dies war übrigens mein erstes vollständig auf dem Kindle gelesenes Buch – den geb ich tatsächlich nicht mehr her.
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 419 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 193 Seiten
ISBN-Quelle für Seitenzahl: 3570585085
Verlag: carl’s books
Sprache: Deutsch
ASIN: B00739NK30
Kevin Smith/ Tough Shit. Ein Fettsack mischt Hollywood auf!
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Biographie/ Autobiographie, Gelesen, Humor am 27. Februar 2013
Tough Shit. Eigentlich würden genau diese beiden Worte aus dem Titel ausreichen, um das gesamte Buch in kürzester Form zusammenzufassen: TOUGH SHIT.
Kevin Smith ist wohl so ziemlich jedem bekannt, der seit 1994 mal im Kino war oder Fernsehen geschaut hat. Entweder, weil er die Drehbücher geschrieben und/oder Regie geführt hat, oder auch, weil er der knuffige und schweigsame Part des Idioten-Duos “Jay and Silent Bob” war. Unvergessen “Dogma”, in dem er Ben Affleck und Matt Damon als rachsüchtige Engel durchs Land ziehen lässt und Gott von Alanis Morissette dargestellt wird.
Also eben jener Kevin Smith hat nun ein Buch geschrieben. Seine Autobiographie, wenn man so will. Und wenn man seine Filme schon schräg findet, dann muss für das Buch wirklich ein komplett neues Adjektiv erfunden werden.
Ich brauchte doch einige Seiten, um mich in den Schreibstil reinzufinden – Beispiel gefällig?
Der heiße Scheiß auf dem Sundance Film Festival zu sein ist nichts im Vergleich zu dem Kraftakt, den ich als Einzelkämpfer-Spermatozoon in der von meinem alten Herrn gedankenlos abgefeuerten und glücklicherweise in meiner Mutter gelandeten Spermaladung vollbrachte. [...] Immer wenn mir jemand sagt, dass ich ein Fettsack sei, erwidere ich, dass das nicht immer so war: Irgendwann war ich sogar mal fit genug, um einer Heerschar Spermien davonzuschwimmen. [...]
Jeden Tag werden Unmengen von Socken mit zum Tode verurteilten Spermaladungen vollgepumpt. Wie hoch ist da wohl die Chance, dass ausgerechnet du in einer Eizelle statt in einem Tempo-Taschentuch landest? Ich sag’s dir: astronomisch gering.
Der holprige, weil doch ziemlich gewöhnungsbedürftige Start (mal ehrlich, wer von uns will denn wirklich seitenlang über den Flüssigkeitsaustausch seiner Erzeuger nachdenken müssen?) wurde dann aber recht schnell durch unkontrollierte Lachsalven und feuchte Augen belohnt. Vermutlich muss man dafür aber generell auf den Humor von Silent Bob stehen. Was für ein Glück, dass das bei mir der Fall ist
Wer also auf Kevin Smith und schrägen Humor steht, sollte unbedingt einen Blick in “Tough Shit” riskieren!
Von mir gibts dafür vier Sterne.

Autor: Kevin Smith
Titel: Tough Sh*t
Originaltitel: Tough Sh*t
Broschiert: 336 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3453268548
Ich gestehe reumütig …
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in just me, Sonstiges am 9. Februar 2013
… dass auch bei mir inzwischen ein Kindle eBook-Reader eingezogen ist, und das, obwohl ich doch immer eine Verfechterin der unvergleichlichen Haptik “echter” Bücher war.

Daran wird sich freilich nichts ändern, richtige Bücher werde ich immer bevorzugen.
Nur muss ich doch zugeben: Praktisch ist er schon, der Kindle.
Keine überschweren Handtaschen mehr, keine schmerzenden Handgelenke durch schwere und unergonomische Buchformate, etliche Nachschlagewerke jederzeit mit dabei, ebenso wie eine Vielzahl von Büchern zur Auswahl – und augenfreundlich ist das Ganze auch noch.
Außerdem gefallen mir die %-Anzeige, die Möglichkeit, Textstellen zu markieren und per Mail zu versenden und das automatische Speichern des Lesezeichens, sodass ich, falls ich den Reader doch mal nicht unterwegs dabei habe, auch einfach über die Kindle-App vom Smartphone an genau der Stelle weiterlesen kann, an der ich aufgehört habe.
Alles in allem habe ich so das Gefühl, das mit dem Kindle und mir könnte eine ernste Sache werden
.
E.M. Delafield/ Tagebuch einer Lady auf dem Lande
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Biographie/ Autobiographie, Frauenroman, Gelesen am 9. Februar 2013
Im England der 1930er Jahre lebt eine waschechte Lady zusammen mit Familie und Bediensteten in der Provinz auf dem Lande. Eifrig schreibt sie Tagebuch und hält darin alles fest, was ihren Alltag ausmacht, angefangen bei der richtigen Sorte von Hyazinthenzwiebeln über den Tratsch der Gesellschaft bis zu ihrer Intimfeindin, der “grässlich perfekten Lady B.”.
Wer die Serie “Downton Abbey” mag, die momentan wohl eine der beliebtesten Fernsehserien weltweit ist, der könnte vermutlich auch Gefallen am “Tagebuch einer Lady auf dem Lande” finden.
E.M. Delafield, Tochter eines französischen Grafen und einer britischen Schriftstellerin, beschreibt darin in Tagebuchform das Leben als Dame der Gesellschaft. Dies macht sie auf durchaus amüsante Weise und so liest sich das Buch auch gemütlich an einem Nachmittag weg, kommt allerdings auch ohne nennenswerte Höhen und Tiefen aus.
Es ist eben genau so, wie man sich die adlige britische Gesellschaft der damaligen Zeit vorstellt: Gesittet, höflich, charmant und gewürzt mit einer Prise trockenen englischen Humors.
Spannend finde ich die Tatsache, dass die Autorin, die in Großbritannien bis heute sehr bekannt ist, ihre autobiographischen Geschichten ursprünglich als Kolumne für eine feministische Frauenzeitschrift schrieb und während des Zweiten Weltkriegs für das britische Informationsministerium arbeitete, dessen Aufgabe hauptsächlich in der Informationsüberwachung und der Verbreitung von Propaganda lag.
Autorin: E.M. Delafield
Titel: Tagebuch einer Lady auf dem Lande
Originaltitel: Diary of a Provincial Lady
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Manhattan
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3442546916
Stephen Fry / Geschichte machen
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Gelesen, Roman am 31. Dezember 2012
Was, wenn man an der Geschichte herumdrehen könnte? Wenn Hitler nie geboren worden wäre? Hätte es den Nationalsozialismus dann nicht gegeben, wären Millionen Menschenleben verschont geblieben, würden wir in einer besseren Welt leben?
Stephen Fry nimmt sich in “Geschichte machen” dieses Gedankenexperiments an – und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis …

Leo folgte meinem Blick. “Primo Levi hat seinem Buch ‘Das periodische System’ ein jiddisches Sprichwort vorangestellt”, sagte er. “Ibergekumene zoress is gut zu derzajln. – Überstandene Leiden lassen sich gut erzählen.
Vielleicht hatte er und vielleicht haben andere ihre Leiden überstanden. Ich werde meine niemals überstanden haben. Und sie haben sich auch nicht gut erzählen lassen. Ich bin mit einem Blut befleckt, das sich in dieser Welt nicht abwaschen lässt. Vielleicht in einer anderen. Wohlan, Michael, lassen Sie uns jene andere Welt erschaffen.”
Michael, ein 24jähriger Historiker und Leo, Physiker fortgeschrittenen Alters, lernen sich durch Zufall kennen und stellen fest, dass sie eine Gemeinsamkeit haben: Beide sind fasziniert von der Vorstellung, die Existenz Adolf Hitlers – und damit die des Nationalsozialismus – auszulöschen. Das Unmögliche gelingt ihnen – das Ergebnis ist jedoch keineswegs das, welches beide sich erhofft haben.
Stephen Fry ist ein großartiger Schauspieler – und ein fantastischer Autor. Nicht nur, dass er ganz wunderbar schreibt, man merkt auch jeder Zeile des Buches an, welch Genius sich in seinem Kopf verbirgt.
Klingt nach heftiger Schwärmerei? Ist es auch! Selten hat mich ein Buch in diesem Ausmaß begeistert und mitgerissen. Die Handlung ist so gut durchdacht, die Hintergründe so exakt recherchiert, der Bogen so gekonnt gespannt, dass man einfach begeistert sein muss.
Lesen!
















