Was man als Autor eher nicht tun sollte …

… eben jenes beweist momentan ein Herr, der Wind gesät und, wie man es so schön neudeutsch nennt, einen Shitstorm erntet.
Als Ausdruck meiner Sympathie und Solidarität mit Myriel (hier der Original-Post mit derzeit rund 370 Kommentaren) und aus Ärger über den Vorwurf, Literaturblogger seien allesamt Nichtskönner, erpresserisch und kriminell und  noch mehr über den Versuch, die Meinungsfreiheit zu beschneiden und Zensur auszuüben, hier einige zusammenfassende Links zur Causa Asht (falls es denn noch jemanden gibt, an dem diese Realsatire vorbei gegangen ist).
Zumindest eins wurde eindrucksvoll bewiesen: Virales Marketing funktioniert.

http://christianritter.wordpress.com/2012/01/24/john-ashts-self-fulfilling-prophecy/

http://arschhaarzopf.wordpress.com/2012/01/24/okkulte-titanen/

http://thrillerkiller.wordpress.com/2012/01/23/von-literaturkritikern-autoren-und-wirtschaftskriminellen/

http://www.fandomobserver.de/2012/01/name-verbrannt-john-asht/

Update:

http://www.muellermanfred.de/2012/01/john-asht-abnormale-typen-rangeln-sich-hinterfotzig-an-die-macht/#more-863

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Sibylle Berg / Das war’s dann wohl. Abschiedsbriefe von Männern.

„Spätestens zehn Jahre nach der Adoleszenz bekommen die meisten von uns die Backpfeifen des ungewollten Abschiednehmens um die Ohren gehauen: der erste Job, den man verliert, ohne dass man darum gebeten hätte, die erste Flut, die das Bettchen wegschwemmt, die erste Liebe, die geht, weil sie glaubt, hinter der nächsten Ecke lauere das große Glück.
So prügelt einen das Leben langsam zu Boden, und jeder normale Mensch beginnt, Abschiede zu hassen.“

Ganz langsam und allmählich kommt meine Lust aufs Lesen zurück und zum Teil ist das der von mir sehr geschätzten Frau Berg zu verdanken, die mich mit dieser Sammlung von nachdenklichen, kuriosen und oft sehr privaten Abschiedsbriefen quasi hinter dem Nichtleser-Ofen hervorgelockt hat.
Ich fand nicht das Buch, sondern es fand mich; einsortiert zwischen den Beziehungsratgebern und der „Wie überstehe ich die Trennung“-Lektüre stand es dort in der „Psycho“-Ecke und rief „Nimm mich mit!“. Wer kann da schon Nein sagen ;-) .

Klappentext:
Abschiedsbriefe sind ein Faszinosum. Sie sind voller Wahrheiten, hin und wieder auch voller Lügen. Immer aber kann man zwischen den Zeilen lesen. Sie trennen sich von Frauen und Freunden, von Autos und Aufsichtsratsposten, manchmal vom eigenen Leben. Unverblümte, intime Einsichten in die Gefühlswelten von Männern bietet Sibylle Berg mit dieser Auswahl von Briefen, die auf berührende Weise deutlich machen, wie Männer um Worte ringen, wenn der Abschied naht.
Mit Briefen von Leo Tolstoi, Edgar Allan Poe, Fernando Pessoa, Charles Baudelaire, Alain Delon, Wiglaf Droste, Karl Kraus, Moritz Rinke, Friedrich Dürrenmatt und vielen anderen mehr.
Liebevoll eingeleitet und kommentiert von einer der bekanntesten Autorinnen Deutschlands.

Quelle: Goldmann

“ Ständiges Sich-Verabschieden bekommt keinem Menschen. Schau dir die an, die ohne Besitz zwischen den Welten wandern: aussteigen, aber richtig, mal in Asien, dann in Frankreich, und immer neue Freunde – hey, wie locker, und dann sind sie vierzig Jahre alt, sehen aus wie Schrumpfköpfe und knallen sich mit Drogen voll, weil der Geist des Menschen mit zu viel überspielter Trauer nicht klarkommt.“

Genau das richtige Buch zur richtigen Zeit. Die Texte sind abwechslungsreich, unbekannte und bekannte Autoren wechseln sich ab, schreiben mal aggressiv, mal lakonisch, mal lockerflockig, mal tieftraurig über den Abschied von Dingen, Tieren, Menschen. Und beim Lesen wird einem klar: Nicht nur ich muss Abschied nehmen und dies wird auch ganz sicher nicht der letzte Abschied meines Lebens gewesen sein, es sei denn, der nächste Abschied würde mein eigener werden. Das ganze Leben besteht aus den verschiedensten Abschieden und es geht trotzdem immer weiter. Irgendwie.

Danke, Frau Berg!

Titel: Das war’s dann wohl. Abschiedsbriefe von Männern.
Autorin: Sibylle Berg
Taschenbuch: 208 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (11. Mai 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3442155675

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Es lebt noch

Heute sind es auf den Tag genau drei Monate, dass sich mein Leben schlagartig verändert hat und ich wollte nun doch mal wenigstens ein kurzes Lebenszeichen hierlassen. Ich lebe noch, allerdings lese ich aktuell wenig bis gar nicht. Es fehlt dafür die Zeit, aber vor allem die innere Ruhe. Nehme ich doch ein Buch zur Hand, merke ich meist recht schnell, dass einfach die Konzentration fehlt. Das ist eine Premiere in meinem Leben, bislang waren Bücher in nahezu allen Lebenslagen meine Stütze und meine Zuflucht, aber dieses Mal klappt es einfach nicht, zu gravierend sind der Einschnitt und die Veränderungen.
Ich lebe inzwischen leider nicht mehr in der Schweiz, sondern bin -unfreiwillig- nach Berlin zurückgekehrt und der Weg in mein neues Leben ist steinig und hält viele Hindernisse parat, aber es geht langsam voran. Ich hoffe, dass ich bald auch wieder meine Katzen bei mir habe und vielleicht kehrt mit ihnen dann auch wieder ein wenig innerer Frieden zurück.

Wie es Umzüge, vor allem solch ungeplante, mit sich bringen, muss man sich auch von alten Dingen trennen. In diesem Zuge werde ich demnächst eine Reihe von Büchern hier einstellen, die ich gerne verkaufen, tauschen oder auch einfach gegen Porto verschenken würde. Es fehlt mir schlicht der Platz, all meine Lieblinge zu behalten, denn meine neue Wohnung ist nicht einmal halb so groß wie die alte. Ich würde mich freuen, wenn sie bei dem einen oder anderen von euch ein liebevolles neues Zuhause fänden :-) .

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In eigener Sache

Mein Leben steht Kopf, nichts ist mehr, wie es war.
Da jetzt viele Veränderungen bevorstehen, werde ich in naher Zukunft keine Zeit haben, hier regelmäßig Rezensionen zu veröffentlichen.
Ich hoffe, dass bald Ruhe in Kopf und Herz einkehrt und ich mich dann auch wieder hier betätigen kann. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir trotz der bevorstehenden Pause erhalten bleiben würdet.

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Simone van der Vlugt / Klassentreffen

In der Kindheit eng befreundet, findet die Freundschaft zwischen Sabine und Isabel während der Pubertät ein jähes Ende. Isabel avanciert zum beliebtesten Mädchen der Schule und macht Sabine das Leben schwer. Doch eines Tages verschwindet Isabel spurlos, niemand hört je wieder etwas von ihr.
Neun Jahre später holt Sabine die Vergangenheit ein. Depressionen, Probleme auf der Arbeit, eine sich anbahnende Beziehung zu einem Freund aus der Jugendzeit machen ihr zu schaffen und dann steht auch noch ein Klassentreffen an. Immer öfter muss sie an damals denken: Was ist mit Isabel geschehen? Verdrängte Erinnerungen kämpfen sich an die Oberfläche und Sabine muss erkennen, dass sie mehr zu wissen scheint als sie bislang glaubte …

Ich glaube, dies war tatsächlich mein erster niederländischer Thriller und es war mein erstes Buch von Simone van der Vlugt, aber es wird sicherlich nicht mein letztes gewesen sein.
Gekonnt stellt sie die Charaktere vor und baut die Spannung langsam, aber konstant auf. Eh man es merkt, steckt man mitten drin in der Geschichte und kann das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Die Sprache ist einfach gehalten, aber sehr präzise, die Sätze sitzen punktgenau und  damit schafft es die Autorin, ihre Leser so in den Bann  zu ziehen. Man stolpert nicht über irgendwelche pompösen Stilmittel, man gleitet einfach durch den Text und kann sich ganz der Geschichte widmen.
Und obwohl man zwischendurch immer wieder ahnt, was mit Isabel geschehen sein könnte und obwohl der mögliche Täterkreis sehr klein und übersichtlich ist, schafft es die Autorin doch, einen immer wieder auf eine andere Fährte zu führen.

Der erste Satz:

„Das letzte Stück fährt sie allein.“

Das Buch hat mir sehr gut gefallen, einen Stern Abzug gibt es nur, weil für mich am Ende doch noch ein, zwei offene Fragen geblieben sind. Insgesamt handelt es sich bei „Klassentreffen“ um einen wirklich fesselnden, atmosphärischen Thriller und ich kann es kaum erwarten, mehr von der Autorin zu lesen.

Autorin: Simone van der Vlugt
Titel:
Klassentreffen
Originaltitel: De reünie
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Diana Taschenbuch
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3453351776

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Gwen Cooper / Homer und ich: Wie mir ein blindes Kätzchen die Freude am Leben zurückgab

Gwen ist mitsamt zwei Katzen, gebrochenem Herzen und reichlich orientierungslos auf Wohnungssuche und lebt vorübergehend bei einer Freundin, als sie einen Anruf von ihrer Tierärztin erhält: Es gäbe da ein sehr besonderes Kätzchen, das dringend ein Zuhause suche und das niemand haben wolle. Um nicht als eiskalt dazustehen, ist Gwen einverstanden, es sich anzusehen – aber nehmen will sie es auf keinen Fall, ihr Leben ist doch schon chaotisch genug, auch ohne eine dritte Katze. Als sie das kleine, augenlose Fellbündel sieht, kippt ihr Entschluss jedoch ganz schnell. Der kleine Kater, nur wenige Wochen alt, konnte nie sehen, wegen einer Infektion mussten ihm die Augen entfernt werden und doch wirkt er kräftig, lebensfroh, richtiggehend selbstbewusst.

„Er ist so winzig, war mein erster Gedanke. Meine beiden Katzen waren fast ebenso jung gewesen, als ich sie aufgenommen hatte, aber ich hatte vergessen, wie unglaublich klein ein vier Wochen altes Kätzchen ist. [...] Sein Fell war ganz schwarz und hatte die statisch-elektrische Flaumigkeit, die sehr kleine Kätzchen nun einmal haben, als lehne ihr Pelz sich gegen die Vorstellung auf, flach zu liegen. Wo seine Augen gewesen waren, befanden sich zwei kleine Nähte, und um den Hals trug er einen dieser Plastikkegel, mit denen man Tiere daran hindert, an Nähten oder Wunden zu kratzen.“

Der kleine blinde Kater bekommt den Namen Homer, nach dem blinden Verfasser des Heldenepos „Odysseus“, denn eins steht ohne Zweifel fest: Homer ist ein Held. Mit Heldenart orientiert er sich in seiner neuen Umgebung, erschnüffelt und erlauscht sich Hindernisse und Ziele und passt sich so schnell an, dass Gwen immer wieder nur staunen kann. Homer ist sich seiner Behinderung nicht bewusst – er kennt das Leben ja gar nicht anders! Er springt, spielt, balgt, tollt und kuschelt wie jede andere Katze seines Alters, er erforscht seine Welt und er hat keine Angst.
Und Gwen lernt von ihm. Sie lernt, sich einfach mal etwas zu trauen und ganz selbstverständlich das Gute vom Leben zu erwarten, sie lernt, Verantwortung zu übernehmen und das Leben von einer neuen Warte aus zu betrachten.

„Ich habe Homer also nicht aufgenommen, weil er süß und klein war oder weil er hilflos war und mich brauchte. Wenn man in einem Wesen etwas so Kostbares zu sehen glaubt, sucht man einfach nicht nach Gründen – ungünstige Zeit, Geldmangel und so weiter -, es sich selbst zu überlassen. Man nimmt sich vor, stark genug zu sein, um mit diesem Geschöpf zu leben, egal was passiert. Wenn man das tut, wird man allmählich zu dem, was man bewundert.
Damit will ich sagen, dass ich meine erste wirklich reife Entscheidung hinsichtlich einer Beziehung traf, als ich beschloss, dieses augenlose Kätzchen mit nach Hause zu nehmen.“

Ob Umzüge, Jobwechsel oder Männergeschichten, Homer legt die Rahmenbedingungen fest: Das Umfeld muss passen und wer nicht mit Homer kann, wer nur Mitleid für ihn empfindet und nicht seine Stärke sieht, ist nicht der Richtige für Gwen. Sie und ihre drei Katzen wachsen zu einer festen kleinen Familie zusammen und fast jeder, der Homer trifft, ist überrascht, wie gut der Kater seine Blindheit kompensiert. Natürlich besteht Gwens Leben nicht nur aus Höhen, doch auch die Tiefen wie bspw. den 11. September 2001 (Gwen und die Katzen sind kurz zuvor nach New York und auch noch ausgerechnet in die Nähe der Twin Towers gezogen) meistern sie mit Bravour und schließlich gelingt es auch einem Mann, nicht nur Gwens, sondern auch sämtliche Katzenherzen zu erobern …

„Homer und ich“ ist ein wunderschönes und zu Herzen gehendes Buch, das von tiefer Liebe und viel Verständnis und Einsicht zeugt.
Sicherlich geht mir das Buch auch deswegen so ans Herz, weil auch meine eigenen Katzen weder gesund noch auf gewöhnlichem Weg zu mir gekommen sind, aber ich glaube, das Buch hat diese Wirkung auf jeden, der Tiere und insbesondere Katzen liebt. Gwen Coopers Geschichte ist nicht nur wahr, sie ist auch wunderschön geschrieben.
Ich hatte das Buch binnen einer Nacht durch, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte, denn Homers Wesen hatte mich ganz schnell in seinen Bann gezogen und Gwen Coopers Art, die Dinge in Worte zu packen, fesselt mindestens genauso. Dieses Buch ist wie eine feste, warme, kätzische Umarmung.

Wer Gwen und Homer mal in bewegten Bildern sehen möchte, hat hier die Gelegenheit:

Autorin: Gwen Cooper
Titel: Homer und ich: Wie mir ein blindes Kätzchen die Freude am Leben zurückgab
Originaltitel:Homer’s Odyssey: A Fearless Feline Tale, or How I Learned about Love and Life with a Blind Wonder Cat
Gebundene Ausgabe: 340 Seiten
Verlag: mvg Verlag
Gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3868821673

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Roma Ligocka / Die Handschrift meines Vaters

Jeder, der den Film „Schindlers Liste“ gesehen hat, wird sich an das kleine Mädchen im roten Mantel erinnern.
Roma Ligocka war dieses kleine Mädchen; sie besaß einen roten Mantel, sie irrte bei der Räumung des Krakauer Gettos durch die Straßen.
Als sie gemeinsam mit anderen Holocaust-Überlebenden bei der Premiere den Film „Schindlers Liste“ sieht, erkennt sie sich wieder und beginnt, ihre traumatischen Kindheitserlebnisse aufzuarbeiten. Dies tut sie zunächst in dem wunderbar geschriebenen und sehr berührenden Buch „Das Mädchen in dem roten Mantel“ (Rezension von Ada Mitsou), doch damit ist die Vergangenheitsbewältigung noch nicht vollendet, denn die Bekanntheit, die ihr nun zuteil wird, birgt auch Schattenseiten.

Erst ein seltsamer Anruf, dann ein Brief.

„Es gibt Briefumschläge, die signalisieren: Es ist nichts Gutes darin. Man mag sie gar nicht öffnen.
[...]
Jahrelang habe ich mich gefragt, was ich tun werde, wenn jemand diese alte Geschichte herausholen sollte. Die Wahrheit ist: Ich habe es bis jetzt nicht geschafft, mit irgendjemandem darüber zu sprechen. Selbst mit mir selber nicht. Möglicherweise habe ich das Unglück meiner Familie mein Leben lang mit mir herumgetragen – seitdem ich sieben Jahre alt war.“

Roma öffnet den Brief, er bezieht sich auf den Anruf, anbei ein Zeitungsartikel mit Fotos ihrer Eltern und einem Text, der sie wie ein Keulenhieb trifft:

„Der Vater der Bestsellerautorin Roma Ligocka, deren Buch über eine Kindheit im Holocaust in der Welt bekannt geworden ist, soll ein Kapo im Lager gewesen sein. Angeblich hat er Menschen geschlagen und in den Tod geschickt. Nach dem Krieg ist er verhaftet worden und starb kurze Zeit später im Gefängnis.“

Roma macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.
War ihr Vater wirklich ein grausamer Kapo? Obwohl doch Menschen, die mit ihm im Lager waren, etwas ganz anderes berichten?

In „Die Handschrift meines Vaters“ geht es nicht nur um die Spurensuche an sich, sondern vor allem um das Gefühlsleben von Roma Ligocka, dass sie wunderbar zu Papier zu bringen versteht. Es handelt sich nicht um eine stringente Erzählung, nicht um einen schieren Bericht, viele Passagen sind eher tagebuchartig, psychologisch angehaucht, sehr emotional und stark auf das Umfeld, das Drumherum während der Spurensuche, konzentriert.
Mir gefällt genau dieser Aspekt, mir gefällt die Art, wie hier ein schweres Trauma aufgearbeitet wird und mir gefällt, wie die Autorin schreibt.
Manches hätte vielleicht etwas anders angeordnet sein können, manche Abschnitte wären vielleicht nicht nötig gewesen, aber alles in allem halte ich das Buch für sehr lesens- und empfehlenswert.

Leseprobe: „Die Handschrift meines Vaters“.

Autorin: Roma Ligocka
Titel: Die Handschrift meines Vaters
Broschiert: 335 Seiten
Verlag: Diana
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3453351615

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Anonymus / Das Buch ohne Gnade

Ein Hotel irgendwo in der Wüste. Etwas Großes steht bevor: Abgehalfterte Barkeeper, schizophrene Musiker und eine Handvoll Zombies machen sich auf den Weg zu dem Rock-Festival, das unter dem Motto „Zurück von den Toten“ steht. Die Teilnehmer sollen längst verstorbene Stars imitieren. Keiner von ihnen ahnt, dass sie dem Tod näher sind, als ihnen lieb ist. Denn ein weiterer Gast steht auf der Liste: ein wahnsinniger Killer namens Bourbon Kid …

Quelle: Bastei Lübbe

Bourbon Kid ist also wieder da.
Aufmerksame Blogleser wissen, dass ich an „Das Buch ohne Namen“ und „Das Buch ohne Staben“, den ersten beiden Bänden dieser Bourbon Kid- Reihe, riesigen Spaß hatte und das, obwohl das ja nicht wirklich mein bevorzugtes Genre ist ;-) .
Umso enttäuschender fand ich nun den dritten Band.
Dieser spielt zehn Jahre vor Band eins und zehn Jahre nach den Geschehnissen, die Bourbon Kid zum Killer werden ließen.

Bourbon Kid ist noch im Killerbusiness unterwegs (das will er ja am Ende des zweiten Bandes ändern), Sanchez hat bereits seine Bar, Elvis lebt noch und sie treffen sich alle drei in einem Hotel in der Wüste, an einem Ort namens Devils Graveyard (so lautet übrigens auch der Titel des Buches im Original – man muss wohl kaum darüber diskutieren, wie wahnsinnig bescheuert der deutsche Titel ist …).
Dort sind natürlich wieder einige andere Killer unterwegs und die Untoten dürfen auch nicht fehlen.

Doch im Gegensatz zu den ersten beiden Büchern fehlt irgendwie der … Esprit? Der überspringende Funke? Der Tarantino-in-Buchform-Effekt?
Es wird gelabert und ein klein wenig gemetzelt (aber deutlich unkreativer als früher) – und mehr nicht. Die eigentliche Handlung ist dröge wie die Wüste Gobi, nichts zu finden von dem bösen schwarzen Humor, der kennzeichnend für die ersten beiden Bände war.
Bourbon Kid verhält sich nicht wie der Bourbon Kid, den man in den beiden ersten Büchern kennengelernt hat, es menschelt alles viel zu sehr und dadurch leidet die Action.
Der Handlungsbogen ist durchzogen von Anspielungen auf die Jetzt-Zeit (Michael Jacksons Tod, die allgegenwärtigen Castingshows usw.) und auch das unterscheidet sich von den ersten beiden Büchern, deren Handlungszeit man bislang nicht wirklich einordnen, lediglich wage erahnen konnte.
Auch leidet das Buch schwer unter dem Wechsel des Handlungsortes – Santa Mondega kennt man und ebenso sein Untotenproblem; das nun auf den Rest der Welt auszuweiten, das ist einfach doof und dann tauchen auch nur Zombies auf, keine Vampire, keine sonstigen Untoten. Laaaaaaaangweilig.
Am meisten aber hat mich wirklich die Darstellung des Bourbon Kid gestört, der in diesem Band zu einem stinknormalen 08/15-Killer verkommt, dessen geheimnisvolle Aura völlig flöten geht, der einfach viel zu viel QUATSCHT.

Alles in allem kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass dieses Buch nicht vom selben Autor stammt wie die ersten beiden. Und wenn doch, dann muss er wohl unter enormem Druck gestanden oder einfach eine schlechte Phase gehabt haben, denn „Das Buch ohne Gnade“ kann nicht einmal im Ansatz mit den ersten beiden Bänden mithalten.

Das Buch bekommt überhaupt nur zwei Sterne von mir, weil mich das Wiederlesen mit Elvis gefreut hat und weil der dumme Sanchez immer noch derselbe dumme Sanchez ist, über dessen Idiotie man ordentlich schmunzeln kann.

Autor: Anonymus
Titel: Das Buch ohne Gnade
Originaltitel: The Devil’s Graveyard
Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3785760482

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Tobias Wimbauer (Hg.) / Ausweitung der Bücherhöhle

Tobias Wimbauer, Autor und Antiquar in Hagen, spricht in fünf Interviews über Leben und Schreiben, Bibliophilie, Biokochen, die Jüngerforschung und über seine politische Vergangenheit.

„muss mal gesagt werden. wunderbar, was wimbauer von seinem leben erzählt. klingt wie eine katze hinter warmen ofen. also noch lebend, das tier.“
Sibylle Berg

Und da hat die Frau Berg recht!

Wem Tobias Wimbauer kein Begriff ist, der ist ganz offensichtlich weder auf Twitter noch auf Facebook oder neuerdings auf Google+ , und wenn ich normalerweise solche Social-Media-Verweigerer auch beglückwünsche, in diesem Fall kann man einfach nur sagen: Da entgeht euch was.

Tobias Wimbauer

Umtriebig ist er da, der Herr Wimbauer, seines Zeichens Antiquar, Autor und Verleger. Neben einem eigenen Buchversand (klickt auf den Link, kauft reichlich! ;-) ) ist er Verleger des Eisenhut-Verlags.

Im (oder eher dem?) Web 2.0 zeigt der Herr Wimbauer Dinge aus seiner Welt, zum Beispiel kätzisches aus seinem sechs-Katzen-Katzarchiat oder postet Fotos von verlockendem, von ihm gekochtem Bio-Essen.
Mein persönliches Zeichen dafür, dass es Zeit ist, Feierabend zu machen, ist, wenn Herr Wimbauer in die Küche hüpft (umso tragischer, dass er das gelegentlich vergisst und ich dann viel zu spät vom Schreibtisch aufstehe ;-) ).
Tobias war einer der ersten, denen ich bei Twitter regelmäßig folgte und ich finde die Berichte aus seinem Alltag hoch interessant und war daher erfreut, durch „Ausweitung der Bücherhöhle“ noch mehr von und über ihn zu erfahren.

"Mit Büchern leben" - einen passenderen Titel gibt es für die Bücherhöhle und Familie Wimbauer wohl kaum.

Im vorliegenden Büchlein findet man nun fünf Interviews, die von Martin Böcker, Frank Fischer, Nicole Rensmann, Andreas Schneider und André Seelmann geführt wurden und dank der man die Person Tobias Wimbauer noch besser kennenlernt.
Offen und ehrlich steht er Antwort, erzählt aus seinem Leben, spricht auch völlig offen über seine „Rechtskurve“.

Mit Anfang zwanzig ist die Mischung aus Grössenwahn, Samenstau und grandios überzogenem Konto ein politischer Beschleuniger, und mit Anfang zwanzig ist wohl jeder irgendwie radikal, oder nicht? Mit Familie und eigener Firma werden andere Dinge wichtig, auch änderte sich meine Bewertung der Dinge [...].

Natürlich kommt auch seine Leidenschaft für Ernst Jünger nicht zu kurz und endlich erfährt man, wie das alles eigentlich begann und er erzählt ebenfalls, wie er seine Frau Silvia kennengelernt hat und wie so ein Alltag als Antiquar und Verleger aussieht (so viel sei gesagt: so ein Tag ist verdammt lang).

Einblick in die Bücherhöhle inkl. Kater Casimir

... und vom Wein (Bio-Wein!) versteht der Herr Wimbauer auch noch etwas.

Kater Omma Alfred, der sogar seine eigene Facebook-Seite mit rund 150 Freunden und Sklaven hat, posiert in der Bücherhöhle.

Mir hat die Lektüre von „Ausweitung der Bücherhöhle“ ausgesprochen gut gefallen, was zum einen daran lag, dass es einfach spannend ist, auf die Art Neues über jemanden zu erfahren, an dessen Leben man irgendwie tagtäglich Anteil nimmt, zum anderen aber auch, weil der Herr Wimbauer sich großartig ausdrücken kann. Es macht einfach Spaß, seine Worte, seine Texte und Antworten zu lesen.

Was macht ein Antiquar, wenn er gerade nicht liest, schreibt oder Bücher katalogisiert, verpackt und versendet?

Er schläft, kocht, krault die Katzen, ist im Garten und kümmert sich um die Rosen. Weniger konkret: So taumeln wir voran … der pluralvirtuelle Sog, der einen aufschlürft und als Marginalie wegspült, auskotzt aus Angstgebilden und Peripherwahrheiten, durch die man sich durchgehangelt und hindurchgewühlt hat, ein paar Lichter hier und da. Das Wenige, das Echte, das lebt und pulsiert und bleibt …

Katzenkino mit vier von derzeit sechs Herrschern der Bücherhöhle.

Wer also etwas (mehr) über Tobias Wimbauer oder generell das Leben eines selbständigen Antiquars und Verlegers erfahren möchte, dem sei dieses Büchlein dringend ans Herz gelegt!

Titel: Ausweitung der Bücherhöhle.
Herausgeber: Tobias Wimbauer
Broschiert: 64 Seiten
Verlag: Eisenhut Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3942090094

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Lorna Martin / Das Leben, die Liebe und ein Jahr auf der Couch.

„Die Therapie hatte mir in vieler Hinsicht geholfen, erwachsen zu werden, doch oft fühlte ich mich auch wieder wie ein Kind, als würde ich von vorn anfangen. Viele Dinge, vor allem einfache Dinge, die ich lange als selbstverständlich betrachtet hatte, bestaunte ich wie kleine Wunder.“

Lorna Martin ist Mitte 30 und hat eigentlich schon einiges in ihrem Leben erreicht – glücklich ist sie aber dennoch nicht. Ständig kommt sie zu spät, macht alles komplizierter als es ist und geht damit auch ihrem Umfeld gehörig auf die Nerven. Trotz anfänglichem Widerstand lässt sie sich schließlich von ihrer Schwester und einer guten Freundin -beide Psychologinnen- dazu bewegen, sich selbst mal einer Bestandsaufnahme durch den Profi zu unterziehen. Zu Beginn begegnet Lorna ihrer Therapeutin Dr. J. mit Argwohn, doch mit der Zeit erkennt sie, dass ihr nichts Besseres hätte passieren können, als bei dieser Frau auf der Couch zu landen. Lorna beginnt, sich mit all den Facetten, die ihre Gefühlswelt so parat hält, aktiv auseinanderzusetzen, mit all der unterdrückten Wut und Eifersucht, dem Neid, dem Egoismus und ihrem Wunsch nach Liebe. Dabei schießt sie oft übers Ziel hinaus, was dem Leser manchen Fremdschäm-Moment, aber auch manchen Lacher beschert.

Alles in allem hat Lorna Martin ein sehr persönliches und durchaus tiefgehendes Buch geschrieben und berichtet ganz offen über viele Dinge, über die wir anderen gerne das Mäntelchen des Schweigens decken. Dabei bedient sie sich einer lockeren, humorigen Sprache, die es leicht macht, das Buch in einem Rutsch zu lesen.
Viele Rezensenten werfen der Autorin vor, absolut jedes Klischee zu bedienen, aber mal ehrlich: Zum Klischee werden die Dinge doch erst, weil sie zum Leben vieler Menschen gehören und immer wieder vorkommen und Lorna Martin erzählt eben aus ihrem Leben; wessen Leben ist denn bitte komplett klischeefrei?
Gerade, weil einem so viele Dinge in dem Buch selbst bekannt vorkommen, gewinnt das Buch an Tiefgang, denn es regt dazu an, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, sich zu fragen, wie man in der jeweiligen Situation reagiert und gehandelt hätte, sich mit dem eigenen „Mut zur Mittelmäßigkeit“ in einer Welt voller vermeintlicher Perfektionisten zu konfrontieren und auch die eigenen weniger erfreulichen Charaktereigenschaften einfach mal hinzunehmen, ohne permanent Selbstkritik zu üben.

Kritikpunkte:
Ich finde das Cover, im Vergleich zur englischen Ausgabe, saumiserabel, kitschig, weibchenmäßig (ok, das amerikanische Cover ist noch fürchterlicher, aber dennoch) und noch saumiserabler finde ich diesen dämlichen Aufkleber auf dem Buch, der einen Zusammenhang zu „Bridget Jones“ herstellen und somit wohl direkt mal die vermeintliche Zielgruppe ansprechen soll: Frauen über 30 mit Hang zu verkitschtem, romantischem Weltbild und geringfügiger Bodenhaftung. Das ist jetzt keine Kritik an „Bridget Jones“ oder allen, die das Buch toll fanden, aber beim besten Willen sehe ich keinen Zusammenhang zwischen diesen Büchern, mal abgesehen vom ähnlichen Alter der Protagonistinnen, und ja, es macht mich richtig ärgerlich, dass dieser Vergleich gezogen wird!
Diese Tendenz, das Buch zu „verniedlichen“, kann man auch gut anhand der Titelgebung beobachten. Heißt das Buch im englischen Original noch „Woman on the Verge of a Nervous Breakdown: Life, Love and Talking It Through“, so trägt es im amerikanischen den Titel „Girl on the Couch: Life, Love, and Confessions of a Normal Neurotic“. Aus der Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs wird das normal-neurotische Mädchen wird ein Pendant zu Bridget Jones. Fehlt nur noch die Schokolade. Och nööööööööööö.

Am Buch selbst habe ich recht wenig auszusetzen, lediglich einige langgezogene, zu arg dahin plätschernde Passagen im letzten Drittel wären meines Erachtens nicht nötig gewesen.

Von mir gibt es vier Sterne für Lorna Martin.

Titel:Das Leben, die Liebe und ein Jahr auf der Couch.
Originaltitel: Woman on the Verge of a Nervous Breakdown: Life, Love and Talking It Through.
Autorin: Lorna Martin
Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH; Auflage: 1 (1. Januar 2009)
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3596179244

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