Gwen Cooper / Homer und ich: Wie mir ein blindes Kätzchen die Freude am Leben zurückgab

Gwen ist mitsamt zwei Katzen, gebrochenem Herzen und reichlich orientierungslos auf Wohnungssuche und lebt vorübergehend bei einer Freundin, als sie einen Anruf von ihrer Tierärztin erhält: Es gäbe da ein sehr besonderes Kätzchen, das dringend ein Zuhause suche und das niemand haben wolle. Um nicht als eiskalt dazustehen, ist Gwen einverstanden, es sich anzusehen – aber nehmen will sie es auf keinen Fall, ihr Leben ist doch schon chaotisch genug, auch ohne eine dritte Katze. Als sie das kleine, augenlose Fellbündel sieht, kippt ihr Entschluss jedoch ganz schnell. Der kleine Kater, nur wenige Wochen alt, konnte nie sehen, wegen einer Infektion mussten ihm die Augen entfernt werden und doch wirkt er kräftig, lebensfroh, richtiggehend selbstbewusst.

“Er ist so winzig, war mein erster Gedanke. Meine beiden Katzen waren fast ebenso jung gewesen, als ich sie aufgenommen hatte, aber ich hatte vergessen, wie unglaublich klein ein vier Wochen altes Kätzchen ist. [...] Sein Fell war ganz schwarz und hatte die statisch-elektrische Flaumigkeit, die sehr kleine Kätzchen nun einmal haben, als lehne ihr Pelz sich gegen die Vorstellung auf, flach zu liegen. Wo seine Augen gewesen waren, befanden sich zwei kleine Nähte, und um den Hals trug er einen dieser Plastikkegel, mit denen man Tiere daran hindert, an Nähten oder Wunden zu kratzen.”

Der kleine blinde Kater bekommt den Namen Homer, nach dem blinden Verfasser des Heldenepos “Odysseus”, denn eins steht ohne Zweifel fest: Homer ist ein Held. Mit Heldenart orientiert er sich in seiner neuen Umgebung, erschnüffelt und erlauscht sich Hindernisse und Ziele und passt sich so schnell an, dass Gwen immer wieder nur staunen kann. Homer ist sich seiner Behinderung nicht bewusst – er kennt das Leben ja gar nicht anders! Er springt, spielt, balgt, tollt und kuschelt wie jede andere Katze seines Alters, er erforscht seine Welt und er hat keine Angst.
Und Gwen lernt von ihm. Sie lernt, sich einfach mal etwas zu trauen und ganz selbstverständlich das Gute vom Leben zu erwarten, sie lernt, Verantwortung zu übernehmen und das Leben von einer neuen Warte aus zu betrachten.

“Ich habe Homer also nicht aufgenommen, weil er süß und klein war oder weil er hilflos war und mich brauchte. Wenn man in einem Wesen etwas so Kostbares zu sehen glaubt, sucht man einfach nicht nach Gründen – ungünstige Zeit, Geldmangel und so weiter -, es sich selbst zu überlassen. Man nimmt sich vor, stark genug zu sein, um mit diesem Geschöpf zu leben, egal was passiert. Wenn man das tut, wird man allmählich zu dem, was man bewundert.
Damit will ich sagen, dass ich meine erste wirklich reife Entscheidung hinsichtlich einer Beziehung traf, als ich beschloss, dieses augenlose Kätzchen mit nach Hause zu nehmen.”

Ob Umzüge, Jobwechsel oder Männergeschichten, Homer legt die Rahmenbedingungen fest: Das Umfeld muss passen und wer nicht mit Homer kann, wer nur Mitleid für ihn empfindet und nicht seine Stärke sieht, ist nicht der Richtige für Gwen. Sie und ihre drei Katzen wachsen zu einer festen kleinen Familie zusammen und fast jeder, der Homer trifft, ist überrascht, wie gut der Kater seine Blindheit kompensiert. Natürlich besteht Gwens Leben nicht nur aus Höhen, doch auch die Tiefen wie bspw. den 11. September 2001 (Gwen und die Katzen sind kurz zuvor nach New York und auch noch ausgerechnet in die Nähe der Twin Towers gezogen) meistern sie mit Bravour und schließlich gelingt es auch einem Mann, nicht nur Gwens, sondern auch sämtliche Katzenherzen zu erobern …

“Homer und ich” ist ein wunderschönes und zu Herzen gehendes Buch, das von tiefer Liebe und viel Verständnis und Einsicht zeugt.
Sicherlich geht mir das Buch auch deswegen so ans Herz, weil auch meine eigenen Katzen weder gesund noch auf gewöhnlichem Weg zu mir gekommen sind, aber ich glaube, das Buch hat diese Wirkung auf jeden, der Tiere und insbesondere Katzen liebt. Gwen Coopers Geschichte ist nicht nur wahr, sie ist auch wunderschön geschrieben.
Ich hatte das Buch binnen einer Nacht durch, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte, denn Homers Wesen hatte mich ganz schnell in seinen Bann gezogen und Gwen Coopers Art, die Dinge in Worte zu packen, fesselt mindestens genauso. Dieses Buch ist wie eine feste, warme, kätzische Umarmung.

Wer Gwen und Homer mal in bewegten Bildern sehen möchte, hat hier die Gelegenheit:

Autorin: Gwen Cooper
Titel: Homer und ich: Wie mir ein blindes Kätzchen die Freude am Leben zurückgab
Originaltitel:Homer’s Odyssey: A Fearless Feline Tale, or How I Learned about Love and Life with a Blind Wonder Cat
Gebundene Ausgabe: 340 Seiten
Verlag: mvg Verlag
Gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3868821673

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  1. #1 von Fiona am 23. August 2011 - 17:00

    Oh wie wundervoll! Ich musste sofort an meinen kleinen Kasi denken, den alle wegen seinen Pfötchen immer für putzig und bemitleidenswert halten. Dabei ist er der größte Kämpfer und pfeift auf Mitleid und ich lerne so viel von ihm.
    Ich danke dir für diese tolle Rezension (dass sie sprachlich immer überragend sind, versteht sich von selbst ;) ) und werde mir das Buch auf jeden Fall kaufen! :)
    Die liebsten Grüße!

    • #2 von Grete_o_Grete am 23. August 2011 - 17:06

      Du wirst das Buch lieben!
      Bei uns waren am Anfang alle entsetzt, nach dem Motto “Wie könnt ihr nur diese verwahrlosten, kranken Tiere nehmen?!”. Da fehlt mir heute noch jedes Verständnis für. Und die Miezen haben sich ja toll entwickelt und ich bin jeden Tag froh, dass sie sich uns als Zuhause ausgesucht haben :-).
      Dein Kasi ist auch sooo goldig, der hat kein Mitleid nötig!

  2. #3 von rheinsberg am 9. September 2013 - 14:37

    Hätte ich auch gerne, hört sich sehr gut an. Neben mir liegt ein GdD gesundes, vielleicht zwei Monate altes Katerchen und schläft. Das manierlichste und anschmiegsamste, das ich je hatte – Anfang August in einem Karton unter dem Müllcontainer gefunden.
    Ich hoffe, dass es bleibt. Erst Anfang Juli verschwand mein geliebtes, bei uns geborenes Graukätzchen, die seit einer bösen Infektion gehbehindert war. Manchmal wende ich heute noch den Kopf, wenn ich im Garten sitze und denke, sie liegt dort im Schatten wie früher.
    Katzen-oT – sorry.

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