Archiv für die Kategorie Ratgeber
Lothar Koopman/ Mission Marathon. Wie ich kein Superläufer wurde.
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Biographie/ Autobiographie, Gelesen, Humor, Ratgeber am 5. August 2011
Klappentext:
Lothar Koopmann, einst korpulentes Kind einer rheinischen Arbeiterfamilie, wird in späten Jahren sportlich: Mit seiner angetrauten Ehefrau Christa schließt sich der gelegentliche Jogger einem Lauftreff an und schnauft erhitzt auf immer längeren Strecken durch Feld, Wald und Flur. Er verwirklicht schließlich den großen Traum, Marathon zu laufen. Seine vergnüglichen Erinnerungen sind durchsetzt mit vielen kuriosen Ereignissen und heiteren Begegnungen am Rande der Wege und erzählen mit einem geistreichen Augenzwinkern von der Lust am Laufen und der Last des Trainings. Der Essener Karikaturist Thomas Plaßmann setzte die „Mission Marathon“ in humorvolle Zeichnungen um, die den Weg des Autors bis zum Ziel begleiten.
Meinung:
Ich lese sehr gerne Erlebnisberichte von Läufern, denn diese halten oft Inspiration und Anregung parat oder man findet sich mit seinen eigenen Lauferfahrungen in ihnen wieder.
Bei diesem Buch habe ich leider weder eigene Erfahrungen wiedererkennen können noch hat es mich inspiriert; es hat mich ehrlich gesagt nicht einmal besonders gut unterhalten.
Es ist zu gewollt lustig, das beginnt schon mit den diversen Einleitungen (Widmung, Danksagung, Grußwort, Vorlauf und Anlauf), die man zu Beginn des Buches findet und das setzt sich leider durchs gesamte Buch hinweg fort. Was bei Achim Achilles lockerflockig und witzig wirkt, wirkt hier leider sehr gezwungen, aufgesetzt, zu gewollt, die Sätze zu überladen. Der Leser soll offenbar unbedingt lachen – hat bei mir so ganz und gar nicht geklappt.
Aber, um auch etwas Positives festzuhalten: Die Karikaturen sind tatsächlich sehr gut.
Bewertung:
Ein Stern.

Titel: Mission Marathon. Wie ich kein Superläufer wurde.
Autor: Lothar Koopmann.
Broschiert: 251 Seiten
Verlag: Sportwelt Verlag
ISBN-13: 978-3941297043
Alexandra Reinwarth/ Das Glücksprojekt. Wie ich (fast) alles versucht habe, der glücklichste Mensch der Welt zu werden.
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Biographie/ Autobiographie, Gelesen, Humor, Ratgeber am 29. Juli 2011
Um es gleich vorweg zunehmen: Dieses Buch ist bislang mein Jahreshighlight 2011.
Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, wann mir jemals ein Buch so einen Spaß gebracht hat!

Alexandra Reinwarth hat ein Jahr lang alles Mögliche und Unmögliche getestet, um ihr persönliches Glückslevel zu optimieren.
Nicht, dass sie zuvor übermäßig unglücklich gewesen wäre, aber eine gewisse Grundunzufriedenheit war einfach da und das Gefühl: Das muss noch besser gehen.
Mein Entschluss steht fest: Ich will aus meinem Leben das Größtmögliche herausholen. Ich will größt-glücklich-möglich sein.
Und zwar ab: Jetzt.
Und so hat sich die tapfere Heldin in die Schlacht gestürzt, hat sich mit vielen Ratgebern bewaffnet und es mit Sport und Buddhismus, mit Lach-Yoga, Wallfahrten, Kleiderschrankoptimierung, Bestellungen beim Universum oder auch Tricks aus der Psychokiste aufgenommen und sich (was längst überfällig war) ein Haustier angeschafft. Eben all die Dinge, die in den ach so populären “wie werde ich zufrieden”-Ratgebern immer so empfohlen werden (als Beispiele seien hier mal Eckart von Hirschhausens “Glück kommt selten allein” oder Marie Mannschatz’ “Buddhas Anleitung zum Glücklichsein” genannt, auf beide Bücher bezieht sich die Autorin immer wieder und sie stehen auch bei mir im Regal, aber das nur so am Rande…).
Wer jetzt einen drögen Ratgeber erwartet, liegt Kilometer, ach, Galaxien weit entfernt von der Realität!
Mit viel Humor geht die Autorin an die Sache, berichtet von Pleiten, Pech und Pannen, lässt sich auch immer wieder überraschen und überrascht auch den Leser, denn so unterhaltsam das Buch auch ist, aus jedem Kapitel kann man etwas für sich selbst mitnehmen, reflektieren, sich selbst mal einer kleinen Bestandsprüfung unterziehen. Und immer wieder lachen.
Insbesondere das Haustierkapitel hat mir einen Lachflash par excellence beschert, die Tränen liefen mir dermaßen, dass der Hausherr schon ganz besorgt ob meines Geisteszustandes war.
Ich will jetzt gar nicht weiter auf den Inhalt des Buches eingehen, das endet dann nur wie in Rezensionsversuch 1 + 2 damit, dass ich mich wieder festlese und außerdem will ich auch nicht zu viel verraten, ihr sollt nämlich selbst mit Lachmuskelkater gesegnet werden.
Bestellt hatte ich mir dieses Buch mehr oder weniger durch Zufall, ich hatte mir bereits die “Yoga Bitch” in den Warenkorb gelegt und sah dann, dass “Das Glücksprojekt” von den Käufern des Buches wärmstens empfohlen wurde.
Neugierig habe ich es also auch bestellt, aber ich hätte nie, wirklich NIE erwartet, dass es mich derart begeistern könnte. Und damit steh ich nicht allein da, Katrin von BuchSaiten ging es nicht anders als mir
und inzwischen findet man immer mehr begeisterte Rezensionen zu dem Buch.
Spart euch all die anderen Ratgeber, dieses Buch macht schon beim Lesen glücklich, versprochen!
Geht am besten sofort in den Buchladen und holt euch dieses Buch. Jetzt gleich!

Der erste Satz:
Dies ist kein Glücksratgeber.
Bewertung:
Eigentlich müsste ich für “Das Glücksprojekt” die sechs Sterne einführen
, aber ich belasse es einfach bei der Höchstnote, den fünf Sternen und betone noch einmal: Lest dieses Buch!

Titel: Das Glücksprojekt. Wie ich (fast) alles versucht habe, der glücklichste Mensch der Welt zu werden.
Autorin: Alexandra Reinwarth
Taschenbuch: 250 Seiten
Verlag: mvg Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3868822052
[abgebrochen] Hörbuch: Bernd Stelter/ Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Biographie/ Autobiographie, Gehört, Ratgeber am 28. Juli 2011
Worum geht es?
Herr Stelter, der ehemalige Pfundskerl, hat ordentlich abgenommen und wie jeder andere Promi mit Diäterfolg muss er also nun auch in Buch- und Hörbuchform davon berichten …
Grund des Abbruchs:
Laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig.
Nicht nur, dass Herr Stelter so gar keine Hörbuchstimme hat (also zumindest nicht für meine wählerischen Ohren), er schwafelt und labert und schwafelt und labert, und zwar ausschließlich langweiliges Alltagsgeschwätz.
Für Stelter-Fans mag das wenigstens amüsant sein, da ich mit dem Stelter-Humor aber so gar nicht kompatibel bin, hat es mich einfach nur entsetzlich angeödet und wurde irgendwann dermaßen nervig, dass ich schnell und schmerzlos abgeschaltet habe.
Am liebsten würde ich null Sterne vergeben, aber ich halte mich mal schön brav an meine eigene Regel, die da besagt: Bewerte nur, was du wirklich gelesen/ gehört hast. Aber es fällt diesmal wirklich schwer. Wirklich.
Gabriel A. Neumann / Masala Highway. Abenteuer Alltag in Indien
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Gelesen, Ratgeber, Reisen und Erleben, Sachbuch am 7. Juli 2011
Kurzinfo:
Masala nennen sich die Gewürzmischungen, die Curry-Gerichten ihre unverkennbare Note geben. Je nach Region, Ort oder auch Haushalt werden sie anders zusammengestellt, süßlich, mild oder scharf. Genauso vielfältig wie die Masala-Varianten ist das Land selbst, aus dem die Mischung kommt: Indien.
Der Subkontinent ist die der Bevölkerungszahl nach größte Demokratie der Welt – zugleich bleibt es aber auch das Land der bemalten Elefanten, heiligen Männer und des scharfen Essens. Was an einem Maharaja im Land der Könige modern ist und wie man die richtige von neun Eisenbahnklassen wählt, erzählt der Autor, der das Land seit Mitte der neunziger Jahre bereist. Folgen Sie ihm auf seinem persönlichen Masala Highway: Namaste und willkommen in Indien!
Quelle: Dryas Verlag
Indien liegt seit Jahren im Trend, nicht zuletzt dank des weltweiten Erfolgs der Bollywood-Filme.
Indien, das bedeutet für viele Europäer und Amerikaner: exotische Mahlzeiten, überfüllte Städte, Dschungel, Yoga, Selbstfindung.
Doch Indien hat auch darüber hinaus viel zu bieten.
Gabriel A. Neumann schafft es, die typischen westlichen Vorstellungen von Indien mit den tatsächlichen Gegebenheiten in Einklang zu bringen, und das in einem vollkommen kitschfreien Reiseführer – seit “Eat Pray Love” auch nicht mehr ganz selbstverständlich
.
Von Beginn an merkt man, dass der Autor selbst sehr indienerfahren ist, dass er auch abseits der ausgetretenen Touristenpfade unterwegs war, völlig untouristische Dinge entdeckt und erlebt hat.
Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt, die so schöne Namen tragen wie “Die Zeit läuft anders auf Bahnsteig B” oder “Auch Heilige müssen arbeiten”.
Im Detail befasst sich der Autor darin mit den Möglichkeiten des Reisens in Indien, mit der Religion, Bollywood und seinen Filmen, Tabus und Fettnäpfchen, Politik, den indischen Tieren und dem Alltag auf dem indischen Land. Alle Kapitel greifen ineinander, sodass man am Ende des Buches alle wesentlichen Bereiche zum Thema Indien-Reise touchiert hat. Garniert werden die Erzählungen mit einigen farbenfrohen und ausdrucksstarken Bildern, die ebenso wie der Text sehr vom eigenen Erleben des Autoren geprägt sind. Und zum Schluss kommt noch ein kleiner Anhang zum Thema Bollywood, in dem einige wesentliche Punkte des indischen Films erläutert werden – genau mein Ding, denn ich bin bekennender Bollywood-Fan
.
Das Buch ist keiner jener Reiseführer, die man immer dabei hat, um noch mal nachzuschlagen, sondern eher ideal zur Reisevorbereitung und zum “Appetit anregen”. Dabei ist es aber keinesfalls oberflächlich gehalten, sondern kratzt auch mal etwas kritisch an der Fassade.
Interessant und lobenswert: Mit dem Kauf des Buches wird der Verein „Deutsch-Indische Zusammenarbeit e.V.“ unterstützt, 50 Cent von jedem verkauften Buch gehen direkt an den Verein, der gemeinsam mit lokalen Partnern die Lebensbedingungen der armen Bevölkerung Indiens zu verbessern versucht.
Bewertung:
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und meine Neugier auf Indien deutlich verstärkt.
Vier Sterne.

Titel: Masala Highway. Abenteuer Alltag in Indien.
Autor: Gabriel A. Neumann
Broschiert: 174 Seiten
Verlag: Dryas
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3940855183
Herzlichen Dank an BloggDeinBuch.
Danijela Pilic / Yoga Bitch
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Biographie/ Autobiographie, Catcontent, Gelesen, Ratgeber am 20. Juni 2011
Wer “in” ist, macht Yoga. Ob nun Stars wie Madonna oder die stylishe Großstadtfrau aus Berlin. Wobei “Yoga machen” es nicht ganz trifft; manche Frauen leben Yoga. Nicht in der ursprünglichen Weise, sondern eher im durchaus weltlichen Stil, der vor allem darauf abzielt, einen knackigen Hintern und straffe Kurven zu bekommen. Dazu gehören nicht einfach nur die Asanas, sondern auch die Wahl des richtigen Lehrers, des richtigen Studios, der richtigen Klamotten, des richtigen Essens. Und wenn frau nicht aufpasst, erweitert sich das Ganze schnell hin zur Wahl des richtigen Schönheitsdoktors und sie selbst wird zur Yoga Bitch …
Yoga Bitch, die: (ugs.)
Frau über 30 auf der Suche nach ihrem perfekten Selbst. Dafür ist sie bereit, nie wieder Kohlenhydrate zu essen, chemische Peelings und Radiofrequenztherapie durchführen zu lassen und fünfmal die Woche ins Yoga zu gehen, um fit auszusehen und nebenbei noch die Erleuchtung zu erlangen.

Danijela Pivic beschreibt in dem Buch ihre eigenen Erfahrungen und die ihres Freundinnenkreises mit dem Yoga-Lifestyle. Das ist manchmal recht erheiternd, an vielen Stellen macht es jedoch nachdenklich. Der spirituelle Aspekt bleibt nahezu vollkommen auf der Strecke, dafür konzentriert sich das Buch viel mehr auf den ICH-Kult, den immer mehr Frauen in den thirtysomethings betreiben. Frau muss gesellschaftlichen Anforderungen entsprechen, Erfolg im Beruf haben, Partner, Familienplanung, gutes Aussehen, gutes Auftreten und das -bitte schön- auch noch komplett im Reinen mit sich selbst, ausgeglichen und entspannt. Das stellt für die Frauen, die sich darauf einlassen, eine Überforderung dar – es ist doch auch schlichtweg übermenschlich, all diesen Dingen gerecht zu werden. Die Frage ist: Wollen wir das?
Danijela Pivic möchte das im Buch zunächst nicht. Dann leckt sie Blut und begibt sich in den Hype rund um die Selbstoptimierung, will nicht nur die überflüssigen Pfunde killen, sondern sich selbst auf das bestmögliche Maß trimmen, angefangen beim idealen Hintern über die Zahnkorrektur bis hin zur Botoxbehandlung, nur um am Ende festzustellen, dass der einzige Weg zum Glück die Zufriedenheit ist.
Ursprünglich hatte ich mir das Buch in der Annahme gekauft, es ginge wirklich intensiv um Yoga und war dann doch einigermaßen überrascht vom breiten Spektrum der “Yoga Bitch” und der Abwesenheit der eigentlichen Yoga-Philosophien.
Manche Kapitel haben mir gut, manche weniger gut gefallen.
Alles in allem berichtet das Buch doch eher von Frauen, die es sich leisten können, mal eben 200 Euro für Yoga-Hosen auszugeben und bei denen Optik und Status im Vordergrund stehen. Da zähle ich mich nicht unbedingt zu, von daher war einiges doch sehr befremdlich für mich.
Das wirklich Erschreckende war dann allerdings, dass ich mich immer wieder selbst dabei ertappt habe, bei Selbstoptimierungsschilderungen zu nicken oder für mich zu denken “Stimmt, es reicht nicht wie ich bin, ich muss besser sein”. Glücklich all jene Frauen, die von diesen Gedanken frei sind!
Ich begann unweigerlich, einige meiner Verhaltensweisen zu hinterfragen, auch wenn ich weit von dem entfernt bin, was die Autorin in ihrem Buch schildert und mich auch nicht zu dem beschriebenen Typ Frau zähle, der dem aktuellen Schönheitsideal hinterherhechelt und für die Optik auch immense Schulden in Kauf nimmt.
Besonders gut gefallen haben mir die immer wieder eingestreuten Fakten und die “Aufklärungskästchen” (so nenne ich sie einfach mal), in denen beispielsweise Unterschiede zwischen Couch Potatoes und Fitness Freaks und die Eigenarten des “Lebenswandel-Schizos” erklärt werden oder Auflistungen zum Thema “sie sagen – sie meinen” zu finden sind.
Leider wirkte der Text auf mich an vielen Stellen zu sehr distanziert, zu sachlich für eine Erlebnisschilderung.
Alles in allem ist das Buch jedoch recht unterhaltsam, hält so manchen AHA-Effekt parat und regt auch zum reflektieren und nachdenken über das eigene Leben, das persönliche Schönheitsideal und eigene Verhaltensweisen an.
Bewertung:
Drei Sterne.


Titel: Yoga Bitch
Autorin: Danijela Pivic
Taschenbuch: 250 Seiten
Verlag: mvg Verlag (15. November 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3868822038
Haruki Murakami / Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Biographie/ Autobiographie, Gelesen, Ratgeber am 5. Februar 2011
“Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist eine Option.”

Haruki Murakami ist für seine Romane bekannt, doch er ist mehr als Schriftsteller, er ist auch ein Läufer.
Schon die Kurzbeschreibung verrät viel von seiner Lebenshaltung:
“Für seinen Grabstein wünscht er sich die Inschrift:
Haruki Murakami 1949 – 20**, Schriftsteller (und Läufer) – zumindest ist er nie gegangen.”
In “Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede” berichtet Murakami von seiner Motivation zum Laufen, von der engen Verbindung zwischen Laufen und Schreiben, und von seinem Leben als laufender Schriftsteller. Dies geschieht in tagebuchartigen Erzählungen, in denen er sich an dieses und jenes Erlebnis erinnert und daraus Rückschlüsse über seine Geisteshaltung und seine Einstellung zum Laufen zieht. Er berichtet von seinen Läufen in Japan, Griechenland und den USA, von den Menschen, denen er begegnet, hauptsächlich jedoch von sich selbst. Seit über 30 Jahren läuft Murakami, beinahe jedes Jahr nimmt er an einem Marathon teil und stellt sich selbst in jeder Hinsicht immer wieder auf den Prüfstand.
Wer sich Tipps zum Laufen erhofft, ist mit diesem Buch falsch beraten. Murakami gibt keine Hinweise, wie man richtig oder falsch läuft, er erzählt einfach von sich selbst. Dass dieses Buch dennoch in manchen Buchhandlungen unter “Sportratgeber” einsortiert wird, finde ich etwas grenzwertig und kann daher verstehen, dass viele Lauffans von dem Buch enttäuscht sind – die Erwartungshaltung ist einfach eine ganz andere, wenn man das Buch als “Laufratgeber” aus dem Regal zieht.
Viele Leser bemängeln auch einen fehlenden roten Faden. Dem kann ich mich nicht vollständig anschließen, denn der eigentliche rote Faden ist doch Murakami selbst, es sind seine (manchmal diffusen) Gedanken. Im Buch betont er immer wieder, dass ihm erst beim Schreiben klar wird, in welche Richtung es gehen soll und genau das merkt man dem Buch auch an. Da ist kein Konzept, kein chronologischer Ablauf, keine klassische Erzählweise und kein erkennbares Ziel.
Ich fand es interessant, wie Murakami über sich selbst, sein Schriftstellerdasein und seine Liebe zum Laufen berichtet und sicher ist es ein sehr persönliches Buch, das auch philosophische Ansätze enthält. Und doch wirkt es an manchen Stellen wie zusammengeschustert und man fragt sich, sind das nun Murakamis abschweifende Gedanken oder hat er einfach verschiedene Passagen zusammenaddiert, die in unterschiedlichen Phasen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden sind? Ab und an driftet der Autor auch vom eigentlichen Thema zu sehr ab; andererseits sind es meist auch genau die Abschnitte, in denen er Sätze schreibt, die mir noch länger im Gedächtnis bleiben werden.
Bewertung:
Nach längerer Überlegung, bei der ich zwischen drei und vier Sternen geschwankt habe, gebe ich nun drei Sterne, einfach aus dem Bauch heraus. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, aber sicher ist es nicht Murakamis Meisterwerk und auf einer anderen Ebene als seine Romane zu bewerten. Manche Dinge werden mir lange im Gedächtnis haften bleiben, aber ich fürchte, den Großteil des Buches werde ich recht schnell nur noch nebelig in Erinnerung haben – deswegen die drei Sterne.

Autor: Haruki Murakami
Titel: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede
Originaltitel: Hashirukoto ni tsuite katarutoki ni boku no katarukoto
Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: btb Verlag
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3442739455
Kristin Rübesamen / Alle sind erleuchtet
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Biographie/ Autobiographie, Gelesen, Ratgeber am 26. November 2010
Kurzbeschreibung:
Es ist die Welt der Verdrehten. Jeden Tag schieben und schlängeln sich Menschen erwartungsvoll in Haltungen, die Tiernamen tragen wie Hund, Cobra, Fisch, stellen sich auf den Kopf und atmen durch ein Nasenloch. Was suchen sie in dieser schwindelerregenden Disziplin? Kristin Rübesamen unterrichtet seit zehn Jahren Yoga in New York, London, Berlin und hat dabei die Menschen und ihre Sehnsüchte sehr gut kennengelernt. Manchmal zu gut.Immer wenn etwas schiefläuft, tauchen Yogis auf. Noch nie war es so schick, Yoga zu üben, noch nie hat die Sehnsucht nach einem friedlichen Leben so sexy ausgesehen. Yoga ist im Westen zum Mittelstandsphänomen geworden und scheint die Antwort zu geben auf die Frage nach einem Halt in unwirtlichen Zeiten.
Yoga hat Kristin Rübesamen gelehrt, genau hinzuschauen. Yoga hat ihre Aufmerksamkeit geschärft, ihr Disziplin beigebracht und Kraft gegeben. Anderen nimmt es die Rückenschmerzen und lässt sie vielleicht zum ersten Mal mit erhobenem Kopf durchs Leben gehen. Bluthochdruck, Depressionen, Impotenz – modernes Yoga soll immer helfen.
Aber Genügsamkeit und Nähe zu Gott? Macht es die Nervösen nicht vielleicht empfindlicher, die Geknickten noch wehleidiger, die Sanften debil und die Aggressiven unerträglich? Materialisten sind auch im Yoga die größten Körperfetischisten. Hat der Westen Yoga ruiniert? Kann Yoga überhaupt das erschöpfte Selbst, wie es die Soziologen nennen, retten? Oder führt es doch zur stillen Revolution? Kristin Rübesamen erzählt von ihrem Weg von New York bis Berlin-Wedding: Warum sie anfing, im Studio um die Ecke zu üben, berichtet von ihren Lehrern und ihrer Erfahrung als Lehrerin. Sie führt uns einmal um die Welt, um dann wieder beim Geheimnis des nach unten schauenden Hundes zu landen – flüchtig, staunend und voller Respekt.
Yoga ist Entspannung? Nur was für Hippies? Falsch. Aufklärung statt Erleuchtung.
Quelle: Amazon
Meinung:
Ich lese sehr gerne Tagebücher, Autobiographien und persönliche Erzählungen und in diesem Fall war das wohl für mich und das Buch ein großer Vorteil, wenn ich mir so die Rezensionen anderer Leser anschaue. Viele ärgern sich darüber, dass das Buch sehr auf die persönliche Laufbahn von Frau Rübesamen fokussiert ist. Offenbar hat man sich da mehr allgemeine Anleitung und auch Erleuchtung erhofft
, obwohl eigentlich schon die Kurzbeschreibung diesbezüglich ausreichend Informationen liefert: Es ist die Beschreibung eines sehr persönlichen Weges und die bringt nun einmal eine sehr persönliche, bisweilen auch egoistische, möglicherweise sogar egomanische Berichterstattung mit sich.
Für mich stellt das nun so gar kein Problem dar, ich empfinde es sogar als großen Vorteil, denn bei so einem Buch erwarte ich keine Anleitung à la “Wie werde ich der perfekte Yogi”.
Ich habe Yogaerfahrung, ich mag Yoga, aber als Yogi würde ich mich nicht bezeichnen. Vielleicht auch ein Vorteil, so konnte ich lockerer an dieses Buch herangehen als so mancher verbissene Yogafan.
Halten wir also mal fest: ich fand besonders diesen tagebuchähnlichen Stil und die Reisebeschreibungen schön. Und was mir noch mehr gefallen hat, war, dass Kristin Rübesamen Yoga nicht auf Teufel komm raus VERKAUFEN will. Sie propagiert nicht, dass Yoga ALLES besser macht und das macht das Buch für mich sympathisch.
Dennoch bekommt “Alle sind erleuchtet” keine absolute Empfehlung.
Der Schreibstil macht es nicht ganz einfach, am Ball zu bleiben; manche Formulierung ist einfach zu abgehoben, zu abgedreht, zu abschweifend.
Bei manchen Dingen konnte ich nicht folgen, weil einige Einschiebungen mich so dermaßen aus dem Kontext gebracht haben, dass ich ganze Absätze mehrfach lesen musste, um den Sinn erfassen zu können.
Diverse Satzkonstruktionen sind wirklich nicht gelungen und werden bedauerlicherweise von so manchem Schreib-, manchmal auch Sinnfehler ergänzt, der nicht hätte sein müssen (wobei ich jetzt einfach mal zugeben muss, dass mich die “Verse”, die einen Körperteil bezeichnen soll, zum schmunzeln gebracht hat, der Fehler sei verziehen, der passiert den Besten
).
Wer sich also nicht von Abschweifungen und sich windenden Sätzen stören lässt und lieber tagebuchartige Erzählungen denn dröge Anweisungen liest, wer kein verbissener Yogi ist und sich einfach dafür interessiert, warum manche Menschen einen bestimmten Weg einschlagen, der wird wohl an diesem Buch sein Vergnügen haben.
Ich hatte es, auch wenn es manchmal nicht ganz so leicht war
.
Der erste Satz:
Wenn Sie genau hinsehen, werden Sie feststellen, dass ich etwas schief stehe.
Bewertung:
Ich gebe drei Sterne.

Herzlichen Dank an die Berlinverlage für dieses Rezensionsexemplar!
Autorin: Kristin Rübesamen
Titel: Alle sind erleuchtet
Gebundene Ausgabe: 347 Seiten
Verlag: Berlin Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3827009494
Heike Blümner und Jacqueline Thomae / Eine Frau – ein Buch
Veröffentlicht von Grete_o_Grete in Gelesen, Geschenktipp, Ratgeber am 18. September 2010
Mein großer Bruder ist mindestens so ein Buchjunkie wie ich, nennt eine wirklich beeindruckende Privatbibliothek sein Eigen und schenkt mir mit schöner Regelmäßigkeit Bücher, die ich mir vermutlich nie selbst kaufen würde
.
Ein solches Buch ist das in drei Farben erhältliche “Eine Frau- ein Buch” (ich habe übrigens die cremefarbene Ausgabe bekommen), eine Art Ratgeber für alle nur erdenklichen Lebenslagen.
Kurzbeschreibung:
Frauen pflegen andere Vorlieben und Interessen als Männer und nicht nur das: Zwei Frauen in einem Raum können durchaus drei verschiedene Meinungen hervorbringen. Deshalb richtet sich dieses Buch an die neugierige und faktverliebte Frau. An die, die wissen möchte wie man an der Börse spekuliert und einen Striptease tanzt ohne peinlich zu wirken. An die, die sich fragt wie sie einen Heiratsantrag ablehnt oder Sterneköchin wird. Und an die, die zumindest theoretisch durchspielen will, wie man als Frau den Ironman macht, einen LKW einparkt, seine Memoiren verfasst, oder sich heilig sprechen lässt. Dieses Buch verrät mehr Geheimnisse als die beste Freundin, kümmert sich wie eine Mutter, durchschaut die Rivalin, überzeugt die Chefin, treibt an wie ein Personal Trainer, erstaunt die Anwältin und lästert wie der schwule Freund. Selbst auf die Frage in welche Handtasche sie dieses Buch stecken soll, wird jede Frau hier eine Antwort finden.
Meinung:
Das Buch ist in Abschnitte unterteilt, die so schöne Überschriften tragen wie “Die Frau zuhause”, “Die Frau mit Mann”, “Die Frau ohne Mann” oder “Die Frau und das Alter”.
In den jeweiligen Abschnitten findet man dann meist recht kurze und verständlich bis amüsant verfasste durchnummerierte Artikel.
Mein Favorit ist aus der Rubrik “Die Frau zuhause” der Artikel “Gelassen mit Spinnen umgehen”. Wobei ich auf die Info, dass man pro Haus von 200- 300 Spinnen ausgeht, wirklich hätte verzichten können. Da ich in einem Chalet wohne, kann man die Zahl wahrscheinlich locker verdoppeln und … nein, ich hör jetzt auf damit, sonst bekomm ich noch Schnappatmung.
Jedenfalls gefällt mir, wie der Artikel an die Vernunft appelliert und sehr schön sachlich wider die Spinnenhysterie argumentiert. Der Tipp mit dem Glas und der Postkarte wird nun in diesem Haus konsequent angewandt – wenn auch nicht von mir, sondern vom Mann
Leider trägt er die Spinne nicht, wie im Buch erklärt, 30 Meter vom Haus weg, aber da arbeite ich noch dran.
Nicht alle Artikel entsprechen meinen Interessensgebieten, für vieles bin ich schlicht zu wenig Tussi, aber informativ sind sie alle zu lesen und ich habe einiges dazu gelernt.
Allzu viel Tiefgang darf man allerdings nicht erwarten, aber ich glaube, das war auch nicht das primäre Bedürfnis der Autorinnen
.
Ganz davon abgesehen ist das Buch optisch sehr gelungen dank Einband, Lesebändchen und geschwärzten Seitenrändern, es liegt wirklich angenehm in der Hand und sieht im Regal sehr gut aus (ich habe in meiner Buchaufstellung in einem Regal auf jegliche Systematik verzichtet, dort stehen einfach nur die Bücher, die ich von meinem Bruder bekommen habe und ich muss gestehen, dieses Regal ist optisch wirklich das ansprechendste von allen).
Bewertung:
Die Idee hinter dem Buch gefällt mir, auch wenn man inhaltlich sicher noch einiges hätte anders machen können. Als Geschenkidee finde ich es sehr schön, selbst kaufen würde ich es mir eher nicht. Solide 3 Sterne.

Titel: Eine Frau – ein Buch
Autorinnen: Heike Blümner und Jacqueline Thomae
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3866156524












