Artikel getaggt mit Geschenkidee

Kai Splittgerber und Dorothea Huber / Brehms Tierland

“Mit Stolz und Genugtuung darf ich von den ersten Tieren berichten, die ich auf Tierland entdeckte. Ich nenne sie zu Ehren meines lieben Vaterlandes: Deutsche.¹ Strandulen.

¹ In Anbetracht der widrigen Umstände meiner Expedition hat mein Vaterland diese Ehre doch nicht verdient. Dies soll auch eine Lehre für die hohen Herren von der Akademie sein: Kein Tierlandtier soll Deutscher heißen, solange nicht endlich das Geld für meine zweite Expedition bereitgestellt worden ist.”

Edmund Alfred Brehm (nicht zu verwechseln mit dem wohl weit berühmteren Alfred Edmund Brehm ;-) ) ist ein verkanntes Genie.
Missverstanden, unterschätzt, bedauerlicherweise auch an einer gewissen Katzenproblematik leidend, stets um die ihm zustehende Anerkennung ringend.
Seine Tierforschungen werden, ebenso wie seine glorreichen Erfindungen, nicht ernst genommen, seine Expeditionen von der Akademie nicht finanziert, die hohen Herren von der Akademie wagen es sogar, ihn komplettweg zu ignorieren!

Also macht er sich todesmutig auf und segelt mit dem betrügerischen Halsabschneider Kapitän Pamphile, dessen fragwürdigen Mannschaft und einem Haufen suizidaler Kaninchen auf eigene Kosten auf nach Tierland (dessen Existenz von den hohen Herren der Akademie freilich verleugnet wird).
Brav notiert er jedes Erlebnis in seinem Expeditionstagebuch, skizziert jedes seltsame Tierlandtier und in seiner unendlichen Güte legt er den hohen Herren der Akademie dieses Expeditionsbuch samt Karte von Tierland vor. Welch Glück für uns schnöde, nichtswissende Leser, da auch wir so in den Genuss der Brehmschen Genialität kommen und Anteil nehmen dürfen an dieser waghalsigen Expedition!

Hier ein kleiner Eindruck:

Meinung:
Als jemand, der mit dem Dicken Schmitt-Buch und dem dDicken Schrader-Buch groß geworden ist (Ossis ab 25 Jahren aufwärts dürften wissen, wovon ich spreche ;-) ), liebe ich illustrierte und humorige Geschichten.
Mit “Brehms Tierland” hatte ich wahnsinnig viel Spaß, es war fast wie damals, als ich als Kind kichernd und glucksend über dem Dicken Schmitt gehangen habe – und das, liebe Autoren, dürft ihr als dickes, fettes Kompliment auffassen!

Eine aberwitzige Geschichte, die zu gleichen Teilen aus Text (der mittels verschiedener typographischer Schriften dargestellt wird und jede Menge erheiternde Fußnoten enthält) und Illustration besteht; eine Geschichte also, die gleichermaßen durch Wort und Bild erzählt wird und die so gespickt ist mit Anspielungen und Feinheiten, dass man sich wirklich Zeit nehmen und genießen muss.

Ein tolles Buch, das eigentlich schon eher ein Kunstwerk ist.


Bewertung:

Ganz klar, fünf Sterne.

Titel: Brehms Tierland
Autoren: Kai Splittgerber (Text) und Dorothea Huber (Illustrationen)
Gebundene Ausgabe: 234 Seiten
Verlag: Edition Büchergilde
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3940111821

, , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

[Geschenktipp] LeseBlüten Prosa 2010

Die Anthologie “LeseBlüten Prosa 2010″ enthält Kurzgeschichten aus vielen verschiedenen Genres.
Spannendes, Witziges, Nachdenkliches, Fantastisches – all das ist in der Kurzgeschichtensammlung, die im Piepmatz-Verlag erschienen ist, zu entdecken.

Dieses Buch enthält so viele verschiedene Geschichten, dass man sich beim Lesen wirklich Zeit nehmen, auch mal Pausen einlegen muss, um diese bunte Mischung wirklich aufnehmen zu können.
Die Themen der 58 enthaltenen Geschichten sind ebenso vielfältig wie die Autoren selbst, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Prosa war das Stichwort, ansonsten gab es keine weiteren Einschränkungen.

Was ich wirklich besonders an dieser Anthologie finde, ist, dass die Geschichten nahezu unverändert abgedruckt wurden, man liest also wirklich das, was die Autoren geschrieben haben – und da tun sich mitunter Welten auf.
Ich gebe es ganz offen zu, einige Geschichten habe ich nicht zu Ende gelesen, sie trafen nicht meinen Geschmack, weder thematisch noch vom Sprachgefühl her; bei manchen wollte sich mir die Aussage auch so gar nicht erschließen.

Manche Geschichten jedoch haben mich richtig umgeworfen, ich möchte sie als wahre Rohdiamanten bezeichnen, von deren Autoren man hoffentlich in Zukunft noch viel mehr lesen und hören wird!
Viele von ihnen sind auf Twitter, bei Facebook oder in eigenen Blogs sehr aktiv, mein FeedReader ist dank der “LeseBlüten” deutlich dicker geworden, denn ich möchte den Weg dieser Autoren unbedingt weiterverfolgen.

Zur Auseinandersetzung mit der Literatur, mit den eigenen Präferenzen und Wünschen an das geschriebene Wort, aber auch den Vorstellungen anderer Menschen haben mich die “LeseBlüten” allesamt angeregt und daher kann ich euch dieses Buch guten Gewissens ans Herz legen.

, , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Ulrich Holbein / Narratorium

Heute möchte ich ein weiteres Buchgeschenk meines großen Bruders vorstellen, erneut aus der Abteilung “hätte ich mir nie selbst gekauft”. Allerdings kann ich gleich vorweg sagen: dieses Buch ist wirklich toll und ich bin sehr froh über dieses Geschenk. :-)

Kurzbeschreibung:
Kein Jahrgang ohne Klassenkasper, kein Kartenspiel ohne Joker, keine Regel ohne Ausnahme – Narren kommen in den besten Familien vor. In seinem aberwitzigen Kompendium der Narretei sammelt Ulrich Holbein die unglaublichen Lebensgeschichten von 555 lebenden und toten Persönlichkeiten. Er läßt unterschätzte Übermenschen aus den Nebeln der Weltgeschichte hervortreten und wirft neues Licht auf weltberühmte Heilige wie Franziskus von Assisi oder den Dalai Lama. Die Viten von Laozi, Kaspar Hauser, Peter Handke bis hin zu Osama bin Laden bieten Stoff für dieses hochamüsante und welthaltige, alphabetisch geordnete Erzählwerk. Ein gigantomanisches Sammelsurium kultureller Kuriosa, in dem sich Prinz Charles neben Sexguru Osho, Mohammed Ali neben Nina Hagen und Papst Benedikt XVI an der Seite von Till Eulenspiegel findet. Ein unverzichtbares Nachschlagewerk für alle Liebhaber kurioser Enzyklopädien, eine von Wissen strotzende Subsumierung der Torheiten und Genialitäten der Weltgeschichte, mit Geist und Witz erzählt von einem der hellsten Köpfe unserer Zeit.

Quelle: Amazon

Meinung:
Wie bei vielen Buchgeschenken meines Bruders war ich erst einmal stutzig. Narratorium? Was soll das sein? Ein lustiges Wortspiel? Ein Lexikon über Narren? Und wenn ja, wer kann da schon drin vorkommen, Till Eulenspiegel vielleicht?

Das Aufschlagen des Buches hilft dann schon weiter, denn im Vorwort erklärt sich der Autor ein wenig:

Kleine Narrenkunde für Anfänger: Die Welt wimmelt von Normalnarren und Extremnarren, und zwar jede Welt. Hinzu kommen Scheiche, Spinner und Schelme, und nicht zuletzt Oberspinner und – viele andere Sorten und Typen. Öffnest du einem die Tür, kommen 333 herein!

Gleichzeitig zeigt Holbein die Schwierigkeit der Abgrenzung zwischen Genie und Scharlatanerie auf und vergisst auch nicht, auf den Spiegel zu verweisen, in den man ab und an gucken sollte, eh man sein Urteil über die Narren und Spinner fällt.

Ums mal so zu sagen: Nach dem Vorwort ist man sich eigentlich direkt sicher, dass der Autor selbst einen Artikel in seinem Buch verdient hätte, allein schon für die Selbstbezeichnung als Wolkenkuckuck ;-) .
Das ist durchaus positiv gemeint, denn wie sähe die Welt ohne diese Extremcharaktere aus, die einem doch durch ihr seltsames Verhalten immer mal wieder alles in den rechten Blickwinkel rücken, schockieren, aber auch amüsieren und irgendwie der Farbtupfer im grauen Einheitsbrei sind?

Die Auswahl der “Narren” ist dann auch etwas überraschend, denn wer hätte schon auf Anhieb Ernst Bloch oder Elisabeth Kübler Ross zu jenen gezählt? Nach Lektüre der jeweiligen Artikel wird aber schnell klar: Narr ist, wer anders ist, wer was bewegt, wer extrem agiert (egal, ob menschenfreundlich oder menschenfeindlich), zumindest bei Holbein. Narr ist, wer die Welt verändert. Und dazu zählt laut Holbein ein Bloch ebenso wie ein Dieter Bohlen, ein Lessing wie ein Osama bin Laden oder der Dalai Lama.

Die Artikel selbst sind manchmal nicht so ganz verständlich geschrieben, bei vielen werden Vorkenntnisse vorausgesetzt und manchmal ist die Sprache des Autoren so fantasievoll, dass man dem Gedankengang nicht auf Anhieb folgen kann; an anderen Stellen ist die Wortwahl recht derbe, sodass man vielleicht beim Lesen des “Narratoriums” nicht unbedingt Nahrungsmittel konsumieren sollte, die Flecken hinterlassen (ich bin selbst beim Artikel über Gerhard Polt zum Lama mutiert, an dieser Stelle eine ernstgemeinte Entschuldigung an meinen leidgeprüften Mann ;-) ).
Gespickt mit Aussagen anderer über die Person, Selbsteinschätzungen, Zitaten und einem Haufen Ironie macht die Lektüre aber auf jeden Fall Spaß und der eine oder andere BILD-Redakteur dürfte freudig überrascht gewesen sein, in einem “Nachschlagewerk” zitiert zu werden ;-) .

Die Aufmachung des fast zwei Kilogramm schweren “Narratorium” ist ebenso massiv wie der Inhalt: Hardcover mit fantasievoll gestaltetem Schutzumschlag (auf der Rückseite findet sich eine Auswahl der im Buch enthaltenen Narren), Lesebändchen, hochwertiges Papier, viele Bilder.
Der Preis des Buches ist mit derzeit 39,90€ recht stolz – wahrscheinlich der Hauptgrund, warum ich es mir nicht selbst gekauft hätte.
Wer jedoch das Geld hat und sein Bücherregal mit einem außergewöhnlichen Nachschlagewerk schmücken möchte, der kann hier beherzt zugreifen.

Bewertung:
Ich gebe dem “Narratorium” vier Sterne. Das Lesen hat Spaß gemacht, das Buch ist immer mal für zwischendurch sehr gut geeignet (am Stück lesen wird es wohl kaum jemand), aber ein paar Narren habe ich doch vermisst, während mir bei einigen wohl einfach auch das Vorwissen gefehlt hat und ich mit vielen Fragezeichen über dem Kopf erst einmal Wikipedia bemühen musste – aber so lernt man immerhin etwas dazu ;-) .

Titel: Narratorium
Autor: Ulrich Holbein
Gebundene Ausgabe: 1008 Seiten
Verlag: Ammann Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3250105237

, ,

2 Kommentare

Heike Blümner und Jacqueline Thomae / Eine Frau – ein Buch

Mein großer Bruder ist mindestens so ein Buchjunkie wie ich, nennt eine wirklich beeindruckende Privatbibliothek sein Eigen und schenkt mir mit schöner Regelmäßigkeit Bücher, die ich mir vermutlich nie selbst kaufen würde :-D .

Ein solches Buch ist das in drei Farben erhältliche “Eine Frau- ein Buch” (ich habe übrigens die cremefarbene Ausgabe bekommen), eine Art Ratgeber für alle nur erdenklichen Lebenslagen.

Kurzbeschreibung:
Frauen pflegen andere Vorlieben und Interessen als Männer und nicht nur das: Zwei Frauen in einem Raum können durchaus drei verschiedene Meinungen hervorbringen. Deshalb richtet sich dieses Buch an die neugierige und faktverliebte Frau. An die, die wissen möchte wie man an der Börse spekuliert und einen Striptease tanzt ohne peinlich zu wirken. An die, die sich fragt wie sie einen Heiratsantrag ablehnt oder Sterneköchin wird. Und an die, die zumindest theoretisch durchspielen will, wie man als Frau den Ironman macht, einen LKW einparkt, seine Memoiren verfasst, oder sich heilig sprechen lässt. Dieses Buch verrät mehr Geheimnisse als die beste Freundin, kümmert sich wie eine Mutter, durchschaut die Rivalin, überzeugt die Chefin, treibt an wie ein Personal Trainer, erstaunt die Anwältin und lästert wie der schwule Freund. Selbst auf die Frage in welche Handtasche sie dieses Buch stecken soll, wird jede Frau hier eine Antwort finden.

Meinung:
Das Buch ist in Abschnitte unterteilt, die so schöne Überschriften tragen wie “Die Frau zuhause”, “Die Frau mit Mann”, “Die Frau ohne Mann” oder “Die Frau und das Alter”.
In den jeweiligen Abschnitten findet man dann meist recht kurze und verständlich bis amüsant verfasste durchnummerierte Artikel.

Mein Favorit ist aus der Rubrik “Die Frau zuhause” der Artikel “Gelassen mit Spinnen umgehen”. Wobei ich auf die Info, dass man pro Haus von 200- 300 Spinnen ausgeht, wirklich hätte verzichten können. Da ich in einem Chalet wohne, kann man die Zahl wahrscheinlich locker verdoppeln und … nein, ich hör jetzt auf damit, sonst bekomm ich noch Schnappatmung.
Jedenfalls gefällt mir, wie der Artikel an die Vernunft appelliert und sehr schön sachlich wider die Spinnenhysterie argumentiert. Der Tipp mit dem Glas und der Postkarte wird nun in diesem Haus konsequent angewandt – wenn auch nicht von mir, sondern vom Mann :-D Leider trägt er die Spinne nicht, wie im Buch erklärt, 30 Meter vom Haus weg, aber da arbeite ich noch dran.

Nicht alle Artikel entsprechen meinen Interessensgebieten, für vieles bin ich schlicht zu wenig Tussi, aber informativ sind sie alle zu lesen und ich habe einiges dazu gelernt.
Allzu viel Tiefgang darf man allerdings nicht erwarten, aber ich glaube, das war auch nicht das primäre Bedürfnis der Autorinnen ;-) .
Ganz davon abgesehen ist das Buch optisch sehr gelungen dank Einband, Lesebändchen und geschwärzten Seitenrändern, es liegt wirklich angenehm in der Hand und sieht im Regal sehr gut aus (ich habe in meiner Buchaufstellung in einem Regal auf jegliche Systematik verzichtet, dort stehen einfach nur die Bücher, die ich von meinem Bruder bekommen habe und ich muss gestehen, dieses Regal ist optisch wirklich das ansprechendste von allen).

Bewertung:
Die Idee hinter dem Buch gefällt mir, auch wenn man inhaltlich sicher noch einiges hätte anders machen können. Als Geschenkidee finde ich es sehr schön, selbst kaufen würde ich es mir eher nicht. Solide 3 Sterne.

Titel: Eine Frau – ein Buch
Autorinnen: Heike Blümner und Jacqueline Thomae
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3866156524

, ,

13 Kommentare

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 45 other followers