Anne Hansen / Fräulein Jensen und die Liebe

…Von einer, die auszog, ihren Traummann zu finden…

Inhalt:
Hannah Jensen ist 29 Jahre alt und Journalistin. Eine gestandene junge Frau, sollte man meinen. Hannahs größtes Problem: sie ist Single. Ungewollt, versteht sich. Dabei verliebt sie sich doch eigentlich nahezu stündlich neu und hat unzählige Traummänner, kurz: sie ist hoffnungslos romantisch und träumt vom Ritter auf dem weißen Pferd. Sobald sie sich in jemanden verguckt hat, malt sie sich gleich ihre Zukunft mit ihm in rosaroten Farben aus und ist kaum noch zu bremsen.
Da es den Ritter auf dem weißen Pferd im wahren Leben aber nun einmal nicht gibt, heult Hannah ihrer besten Freundin Pia andauernd die Ohren voll. Die ist davon so genervt, dass sie Hannah das Messer auf die Brust setzt: Zehn ihrer Traummänner darf sie treffen. Sollte darunter nicht der Richtige sein, muss Hannah aufhören mit ihren ewigen Schwärmereien und Tagträumen und sich dem echten Leben stellen, in dem man seinen Partner nun einmal meistens auf völlig unspektakuläre Weise kennenlernt – für Hannah der Albtraum schlechthin!
Also macht sie sich auf und vereinbart Interviewtermine mit ihren zehn Traumkandidaten.

Der erste Satz:

Ich verliebe mich jeden Monat so viele Male, wie ein Zugvogel die Flügel schlägt, um von Europa in die Sahara zu fliegen.

Meinung:
Eigentlich bin ich kein großer Fan von Frauenromanen.
Ab und an ist mir mal nach so einem seichten warmes-Gefühl-im-Bauch-Buch, aber nur wenige haben bislang wirklich meinen Geschmack getroffen, weil die meisten mir einfach zu kitschig, zu dramatisch, zu Porn-Faktor-lastig oder was auch immer waren.

Das Fräulein Jensen aber, das mag ich.
Nicht so, dass ich sie zu meiner besten Freundin erheben möchte – um Gottes willen, wenn mir jemand tagein tagaus mit solchen Träumereien die Ohren vollheulen würde, wäre ich wohl recht schnell recht ungeschmeidig😀.
Was ich aber am Fräulein Jensen mag, ist, dass sie sich ihre Naivität bewahrt hat, dass sie noch träumen kann und die Hoffnung nicht aufgibt.
Da sind die Männer verheiratet, schwul, untreu und brechen ihr reihenweise das Herz, aber aufgeben tut sie dennoch nicht, sie sucht weiter die Liebe und ist jedes Mal aufs Neue wieder voller Elan und Euphorie, kann sich immer wieder für neue Dinge begeistern und sich einen anderen Lebensweg für sich selbst vorstellen.
Ja, das bewundere ich, denn welche Frau in dem Alter ist noch so?

Da steht man fest im Leben, geht seinem geregelten Alltag nach, hat entweder eine Beziehung oder ist schon beziehungsgeschädigt. Diese nahezu jungfräuliche Naivität eines Fräulein Jensen hat doch kaum jemand.

Das besondere an diesem Buch ist, dass die Autorin die im Buch geschilderten Interviews alle tatsächlich geführt hat und so erfährt man ganz nebenbei auch noch das eine oder andere bislang unbekannte über Bernhard Hoecker (sorry, ich finde die zwei Pünktchen fürs „e“ grade nicht😉 ), Tim Lobinger oder auch Rocko Schamoni, die alle äußerst interessant, wenn auch zum Teil gänzlich verschiedene Meinungen über die Liebe und die Frauen haben.

Auf den ersten Blick scheint das Fräulein Jensen recht oberflächlich zu sein, der Status ihres Traummannes spielt für sie eine nicht unerhebliche Rolle.
Auf den zweiten Blick -so habe zumindest ich es empfunden- spiegelt sich genau darin jedoch die Einstellung vieler Singles wider, denen der Job, der Verdienst, das gesellschaftliche Ansehen eines potentiellen Partners bei der Suche erst einmal wichtiger sind als charakterliche Eigenschaften, die sich nun einmal nicht automatisch aus der Fassade eines Menschen ableiten lassen.
So muss Fräulein Jensen feststellen, dass der ach so rebellisch wirkende Rocko Schamoni ganz so rebellisch doch nicht ist und im stylishen Eck-Café lieber Tee denn Alkoholika bestellt, oder dass der witzige Bernhard Hoecker nichts für Prüderie übrig hat und knackige Pornowitze lustig findet.
Denn merke: nicht alles ist so, wie es nach außen zu sein scheint.
So ist Fräulein Jensen am Ende des Buches zwar immer noch Single, aber um einige (Interview)Dates und Erfahrungen reicher und auch ein wenig geerdeter.

„Fräulein Jensen und die Liebe“ hat mich amüsiert, ab und an ein wenig entsetzt und einfach gut unterhalten.
Anne Hansen schreibt locker-flockig, mit viel Witz und Situationskomik und zum Teil sehr umgangssprachlich, was ich in diesem Fall als sehr entspannend empfunden habe.
Sie bündelt die Vorurteile, die Verkrampftheit und Frustration bei der Partnersuche und die jugendliche Naivität, Euphorie, Traumfähigkeit, die wir sicherlich alle mal hatten, gekonnt zu einem harmonischen Ganzen.

Bei manchen Szenen fühlte ich mich in meine Single-Zeiten zurückversetzt, in denen ich besonders als Teenie auch zu gerne mit der rosaroten Brille durchs Leben lief und in jedem halbwegs sympathischen Mann gleich DEN Traummann zu sehen glaubte – aus heutiger Sicht unglaublich naiv und ich musste so auch das eine oder andere Mal über mich selbst lachen und fühlte mich peinlich-beschämt an so manchen eigenen Gedankengang erinnert.

Alleine dafür, für diesen kleinen Blick zurück in meine rosarote-Brille-Jugend, hat Anne Hansen die 4 Sterne redlich verdient und ich bin bereits jetzt sehr gespannt auf ihr nächstes Buch, das hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft folgen wird.

Ich bedanke mich recht herzlich beim Eichborn Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars.

Titel: Fräulein Jensen und die Liebe
Autorin: Anne Hansen
Klappenbroschur: 264 Seiten
Verlag: Eichborn
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3821860763

3 Gedanken zu „Anne Hansen / Fräulein Jensen und die Liebe

  1. Tanja

    Deine Rezension hat mich neugierig gemacht! Ich habe Dir schon vorhin über Facebook geschrieben, dass meine Liste immer größer wird. *schluchz* So viel Zaster geht diesen Monat für meine Septemberwünsche drauf und immer wieder findet man was neues. Liebe Grüsse – ich werde dann mal in die Versenkung gehen um „Cupido“ von Jillian Hoffman weiterzulesen.

    Antwort
  2. Nina [libromanie]

    U.a. aufgrund dieser Rezi habe ich das Buch ja nun auch gelesen und muss sagen: Herrlich!😀 Danke für den Tipp! Das Fräulein Jensen hat gute Aussichten, mein »Buch des Monats« zu werden.

    Liebe Grüße,
    Nina

    Antwort

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