Archiv für den Monat September 2010

Der 100. Kommentar – and the winner is…

Auf  Twitter habe ich es gestern vorsichtig angedeutet, dass denjenigen, der den 100. Kommentar postet, eine Überraschung erwartet.
An die große Glocke hängen wollte ich es nicht, es sollten ja schon echte Kommentare sein 😉
Und dann wurde es eben richtig spannend!
Vier Kommentare binnen einer halben Stunde!

Ich freu mich riesig über jeden Kommentar und bin immer noch ganz baff, dass mein Blog überhaupt wahrgenommen wird angesichts der Fülle großartiger Bücherblogs!

And the winner is….

Hasenwiesel

für ihren Kommentar zu Faye Kellermans „Arglist“.

Du hast nun einen Buchwunsch frei, Details folgen per eMail.

Herzlichen Glückwunsch!

Ich bastel schon am nächsten Gewinnspiel, das wird dann allerdings nicht ganz so überraschend kommen 😉

Susanne Henke / Makellose Morde to go

Klappentext:
„Mit ihren weißen Fluffhaaren sehen sie aus wie ein Löwenzahnstrauß. Einmal pusten, und sie lösen sich in Luft auf. Wenn es doch nur so einfach wäre.“

Aufgeben? Niemals. Henkes Helden sind der Traum eines jeden Arbeitgebers: engagiert, flexibel und lösungsorientiert. Kein Einsatz ist ihnen zu hoch für Quote oder Kundenglück, den Platz in der ersten Reihe, das Lächeln der Liebsten oder die ungestörte Ruhe ihres Refugiums. Menschen wie du und ich, scharfzüngig seziert und pointiert in den Abgrund gestoßen. Ein giftig-guter Cocktail garstiger Geschichten, der (schaden-) freudigen Genuss verspricht.

Meinung:
Ich liebe Kurzgeschichten.
Ich liebe es, bei solchen Erzählungen mitten in die Situation hinein geworfen zu werden, ohne jedwedes Vorwissen belastet und einfach nur den Moment beobachtend.
Meiner Meinung nach sind Kurzgeschichten nicht einfach nur „Einstiegsübungen“, wie es leider in vielen Anleitungen für angehende Schriftsteller geschrieben steht, sondern sie erfordern viel Fingerspitzengefühl und Talent, wenn sie gut sein sollen.

In einigen Rezensionen habe ich gelesen, dieses Buch sei ja nett, aber doch alles viel zu kurz, man würde ja niemanden kennenlernen können in der Zeit, keine Sympathien entwickeln können, man wüsste ja eigentlich gar nicht, worum es geht – ja aber genau DAS macht doch eine Kurzgeschichte aus!

Die Kurzgeschichte muss in wenigen Zeilen auf den Punkt kommen, sie muss vom ersten Satz an fesseln.
Da hat der Autor nicht kapitelweise Zeit, seine Charaktere zu entwickeln, geschweige denn einen roten Faden.
Da kann der Leser nicht sanft auf das eigentliche Geschehen vorbereitet werden und er wird mit dem, was geschieht, dann auch einfach stehen gelassen.
Das muss so.
Das kann nicht jeder.
Das ist kein Makel, sondern eine Kunst und es ist die Aufgabe des Lesers, den Text auf sich wirken zu lassen, zu analysieren, für sich eine Aussage zu finden (die eben nicht automatisch auf dem Silbertablett serviert wird – manchen verwöhnten Romanleser verwirrt das nachhaltig).

Eine gute Kurzgeschichte setzt voraus, dass der Autor nicht nur mit Worten umgehen kann, sondern dass er auch eine feine Beobachtungsgabe hat.
Susanne Henke beherrscht beides. In ihren Geschichten findet man alltägliche Situationen, ihre Figuren haben alltägliche Namen, alltägliche Berufe. Nur wie sie handeln, das ist eben nicht immer so ganz alltäglich. Nicht immer enden die Geschichten tödlich und nicht immer handelt es sich um Mord, aber Schadenfreude und ein bisschen Gemeinheit ist immer dabei und auch nicht zu knapp Kritik an gesellschaftlichen Gepflogenheiten.

Ich will jetzt keine einzelnen Geschichten raus picken, auf ihre Art und Weise hat mir jede gut gefallen, auch wenn ich bei manchen mehr grübeln musste als bei anderen. Das ist übrigens etwas, was ich sehr mag. Wenn ich nach einer Kurzgeschichte nicht kurz innehalten und nachdenken muss, dann hat sie mir mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gefallen und kaum bis gar keinen Eindruck hinterlassen ;-). Und ok, ich gebs zu, speziell bei „Loslassen“ und bei „WM Baby“ war meine Schadenfreude nicht zu leugnen.
Die Sprache ist kraftvoll, punktgenau, aber nicht verschnörkelt oder unverständlich.

Der erste Satz:

„Nur das Blubbern des Whirlpools unterbricht die Stille der Nacht“.

Bewertung:
Saubere vier Punkte und die Hoffnung, bald noch mehr von Frau Henke zu lesen.

Titel: Makellose Morde to go – Erlesene Verbrechen und herzerfrischende Gemeinheiten
Autorin: Susanne Henke
Taschenbuch: 130 Seiten
Verlag: Books on Demand
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3839192528

Nochmals recht herzlichen Dank an BoD für die Zusendung dieses Rezenionsexemplars.

Faye Kellerman / Arglist

Faye Kellerman: ArglistInhalt:
Genoa Greeves ist steinreich und beruflich erfolgreich. Beides wäre sie nie geworden, wäre sie in der Schule nicht von ihrem Lehrer unterstützt und gefördert worden. Tragischerweise wurde dieser vor 15 Jahren grausam ermordet und Genoa hat seinen Tod nie überwunden. Als nun ein Musikproduzent auf ähnliche Weise wie damals der Lehrer ermordet wird, ergreift Genoa die Chance und bietet dem Los Angeles Police Department eine millionenschwere Geldspende an, vorausgesetzt, der alte Fall wird noch einmal aufgenommen und der Mörder gefasst.
Peter Decker soll den Fall neu aufrollen und glaubt zunächst nicht an einen Zusammenhang der Morde, bis sich der damalige Ermittler überraschend das Leben nimmt- unmittelbar, nachdem Decker ihn zu dem alten Mordfall befragt hatte…

Meinung:
Ich habe dieses Buch direkt nach Uta Treders „Alchemistin“ gelesen. Mein Hirn wollte Entspannung und ich dachte, mit einem Krimi kann ich da nicht viel falsch machen. Dieses Buch hat dann doch etwas mehr Entspannung geliefert als ich gehofft hatte.

Zunächst einmal hatte ich wieder so viel Glück wie bei Beate Baums „Ruchlos“, ich habe nämlich einen Band aus einer Serie erwischt. Das konnte ich nicht wissen, da „Arglist“ ein Geschenk war und ich es mir nicht selbst gekauft habe, ansonsten wäre ich wohl über diese nicht ganz unwesentliche Tatsache gestolpert.
Kellerman schreibt offenbar seit nun schon Jahrzehnten Krimis rund um Peter Decker und seine Frau Rina und gestandene Fans kennen die beiden demnach in- und auswendig.
Nun ist es nicht so, dass man das Buch nicht lesen kann, wenn man die anderen Bände nicht kennt, aber ich persönlich mag einfach nicht mittendrin in eine Serie einsteigen, denn dann gibt es immer Andeutungen betreffend früherer Fälle, Geschehnisse, Entwicklungen und ich sitze ahnungslos da und weiß nicht, wovon die Rede ist. Das mag ich nicht besonders. Aber nun gut.

Wie ich den Rezensionen auf anderen Buchseiten entnehmen kann, ist dies wohl auch noch Kellermans schlechtester Roman. Noch so ein Volltreffer, der mich allerdings hoffen lässt und ich möchte nicht ausschließen, vielleicht noch ein anderes Buch aus der Decker-Reihe zu lesen, denn ich würde nun schon gerne wissen, wie Faye Kellerman so richtig gut schreibt.
Bei diesem Buch ist mir das eindeutig verwehrt worden. Es ist nun mit Abstand nicht das schlechteste, was ich je gelesen habe. Es war ganz ok und barst wenigstens nicht vor Rechtschreibfehlern ;-). Aber es war jetzt auch nicht der Brüller, nicht wahnsinnig packend und unglaublich kreativ.

Der Spannungsbogen baut sich parallel zur Handlung sehr langsam auf. Man lernt erst einmal einige Leute kennen, die Umstände, erfährt eine ganze Menge über Deckers jüdisches Familienleben und seine Frau Rina, die offenbar fantastisch kochen kann (ja, einige Male hab ich bei den Menubeschreibungen Magenknurren bekommen :-D). So weit, so gut.
Das mit der sich langsam aufbauenden Spannung könnte ich verschmerzen, aber was mich wirklich genervt hat, war die Fülle an auftretenden Personen. Ich musste einige Male zurückblättern, weil ich nicht mehr wusste, wer wer ist und wieso der nun was tut. Das hat der Spannung keinen positiven Schub geleistet.
Die Handlung an sich war solide aufgebaut und bot eine nicht uninteressante Entwicklung, obwohl mir schon recht früh klar war, wer der Mörder ist. Einige der Charaktere waren für meinen Geschmack sehr interessant geschildert und das hat dem Buch letztlich dann doch die Bewertung gerettet.
Weniger erfreulich war dann wieder das Ende, das irgendwie im Zeitraffer daher kam – zuerst dachte ich, meinem Buch würden einige Seiten fehlen, aber nein, das sollte so.
Ob das nun ein stilistisches Mittel darstellen sollte oder ob der Autorin am Ende die Lust an der eigenen Geschichte vergangen ist: Man weiß es nicht.

Der erste Satz:

Vor fünfundzwanzig Jahren belächelte man sie als Nerds.

 

Bewertung:
Ich habe das Buch zu Ende gelesen und es war nicht durchgehend langweilig, langatmig und öde. Zuerst wollte ich noch zwei Sterne geben, weil ich prinzipiell denke, dass die Autorin ihr Handwerk beherrscht, aber das Buch war dann einfach doch zu lahm und verdient nur einen Stern.

 

Titel: Arglist
Originaltitel: The Mercedes Coffin
Autorin: Faye Kellerman
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: btb Verlag
Erscheinungsjahr: 2009
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3442738939

Johan Theorin / Nebelsturm

Johan Theorin: NebelsturmInhalt:
Joakim Westin zieht mit seiner Frau und den Kindern auf den alten Hof Aludden auf der Insel Öland.
Hier, auf dem aus alten Schiffsplanken errichteten Gehöft, dessen Geschichte sprichwörtlich in die Wände gemeißelt ist, wollen sie sich ein neues Leben aufbauen, weg von den alten, dunklen Schatten, die auf ihrem Leben lasten. Doch auch Aludden ist nicht frei von dunklen Geheimnissen und bald schon wird die junge Familie auseinandergerissen und lernt die Tücken des öländischen Nebelsturms kennen, der nichts so hinterlässt, wie es einmal war…

Meinung:
Schon der Erstling von Johan Theorin, „Öland“, hat mir sehr gut gefallen und auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Theorin hat es erneut geschafft, Öland vor dem geistigen Auge lebendig werden zu lassen. Meiner Meinung nach sogar noch besser als im ersten Buch.
Die Charaktere sind noch ausgereifter, die Atmosphäre noch dichter und was die Spannung angeht- ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und habe bis zum Morgengrauen gelesen.  Die Sprache ist schlicht und prägnant und stellt in manchen Teilen des Buches einen krassen Gegensatz zur Handlung dar. Grade, wenn es um die mystischen Erzählungen aus der Vergangenheit des Hofes Aludden geht, die in Briefform immer wieder eingestreut werden, tut diese Sprache dem Buch gut, denn so droht es an keiner Stelle ins Kitschige abzudriften.
„Nebelsturm“ dreht sich nicht nur um die Familie Westin, sondern in erster Linie um die Geschichte der Insel und um ihre aktuellen Probleme, wie zum Beispiel das der Entvölkerung. Gegenwärtiges und Vergangenes finden gleichermaßen ihren Platz und heraus kommt ein Buch, das fesselt, unterhält und ordentlich Gänsehaut erzeugt.
Fast würde ich mir wünschen, ich hätte das Buch noch nicht gelesen und könnte es an einem so richtig ekelhaften, nasskalten Herbstabend das erste Mal aufschlagen – das muss einfach die perfekte Herbstlektüre sein :-D.

Übrigens stehen die Bücher mal abgesehen vom Handlungsort und einigen wenigen Personen nicht in direktem Zusammenhang, es braucht also niemand zu befürchten, mit „Nebelsturm“ den zweiten Band einer Fortsetzungsreihe zu erwischen, die man ohne den ersten Band nicht versteht.

Der erste Satze:

Mein Buch, liebe Katrine, beginnt in jenem Jahr, in dem Hof Aludden erbaut wurde.

Bewertung:
Eigentlich würde ich mir, wie auch schon bei der Rezension zu „Öland“ erwähnt, gerne noch eine Spanne nach oben offen halten, denn der Herr Theorin scheint ein Autor zu sein, der sich nochmals steigern kann, aber „Nebelsturm“ hat mir so gut gefallen, mich so gefesselt und neugierig auf Öland gemacht, dass ich einfach fünf Sterne geben muss.


Wer jetzt noch nicht so ganz überzeugt ist, findet HIER eine Leseprobe zum Buch.

Titel: Nebelsturm
Originaltitel:
Nattfak
Autor:
Johan Theorin
Gebundene Ausgabe
: 446 Seiten
Verlag
: Piper
Erscheinungsjahr: 2009
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3492050913

Bücher-Challenge: Der Geschichte auf der Spur

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, meine Teilnahme an Leserunden und Challenges so niedrig wie möglich zu halten. Lesen ist Freizeit, ist Entspannung und da mag ich keinen wie auch immer gearteten Druck.

Ich lasse mir ungern sagen, was ich wann zu lesen habe, da bin ich eigen.
Aber diese Challenge hat mich dann doch (wahrscheinlich auch berufsbedingt) gleich begeistert und da die Zeitspanne der Challenge großzügig genug ist und die Challenge dann auch noch jede Menge freie Wahl lässt, bin ich jetzt einfach mal dabei:

BC Challenge-Banner

Die Dauer:

Die historische Challenge dauert exakt ein Jahr. Startschuss ist am 06.10.2010, Schluss am 05.10.2011.


Die Aufgabe:

12 Stationen durch die Menschheitsgeschichte

1. Ur- und Frühgeschichte

Anforderung: Ein Buch zu einem der beiden Themen muss gelesen werden.

* Vorgeschichte (Steinzeit, etc.)
* Frühe Hochkulturen (Ägypten, Mesopotamien, Indien, China, Mykenische Kultur )

2. Antike

Anforderung: Ein Buch zu einem der drei Themen muss gelesen werden.

* Antikes Griechenland (8. – 4. Jahrhundert v.Chr.)
* Römisches Reich (5. Jh. v.Chr. – 5. Jahrhundert)
* Sonstige Antike (Perserreich, Kelten, etc.)

3. EXKURS #1

Anforderung: Ein Buch zu folgendem Thema muss gelesen werden.

* Sagen in der Geschichte

Anmerkung: Denkbar ist z.B. die Sage um Troja, König Arthus, Tristan und Isolde, Nibelungen, etc.

4. Mittelalter

Anforderung: Je ein Buch zu allen der drei Themen muss gelesen werden.

* Frühes Mittelalter (5. – 10. Jahrhundert)
* Hochmittelalter (11. – 13. Jahrhundert)
* Spätmittelalter (14. – 15. Jahrhundert)

Hinweis: Wir wissen, dass das Mittelalter ein europäischer Begriff ist, benutzen den Begriff der Einfachheit halber jedoch auch für den restlichen Teil der Welt. Seht dies bitte also als eine zeitliche und keine örtliche Abgrenzung.

5. EXKURS #2

Anforderung: Ein Buch zu folgendem Thema muss gelesen werden.

* Die Kreuzzüge (1096-1444)

Anmerkung: Der Roman muss sich in irgendeiner Art und Weise mit den Kreuzzügen befassen.

6. Neuzeit

Anforderung: Je ein Buch zu zweien der vier Themen muss gelesen werden.

* Frühe Neuzeit: Reformation & Dreißigjähriger Krieg (1517 – 1648)
* Absolutismus & Aufklärung (1648 – 1789)
* Zeiten des Umbruchs (1789-1815)
* Nationalismus, Industrialisierung & Kolonialismus (19. Jahrhundert)

7. EXKURS #3

Anforderung: Ein Buch zu folgendem Thema muss gelesen werden.

* Kolonialisierung (Amerika, Indien, Australien, Afrika etc.)

Anmerkung: Denkbar ist Amerikanische Unabhängigkeit, Australien als Strafkolonie, Indien als Britische Kolonie, etc.)

8. Neueste Geschichte

Anforderung: Je ein Buch zu zweien der drei Themen muss gelesen werden.

* Die Welt von 1900 – 1945 (Jahrhundertwende, Russische Revolution, Weimarer Republik, etc.)
* Erster Weltkrieg (1914 – 1918)
* Nationalsozialismus & Zweiter Weltkrieg (1933 – 1945)


Weitere Informationen, z.B. zu den Teilnahmebedingungen, findet ihr direkt auf Buecher-Challenges.de

Anne Hansen / Fräulein Jensen und die Liebe

…Von einer, die auszog, ihren Traummann zu finden…

Inhalt:
Hannah Jensen ist 29 Jahre alt und Journalistin. Eine gestandene junge Frau, sollte man meinen. Hannahs größtes Problem: sie ist Single. Ungewollt, versteht sich. Dabei verliebt sie sich doch eigentlich nahezu stündlich neu und hat unzählige Traummänner, kurz: sie ist hoffnungslos romantisch und träumt vom Ritter auf dem weißen Pferd. Sobald sie sich in jemanden verguckt hat, malt sie sich gleich ihre Zukunft mit ihm in rosaroten Farben aus und ist kaum noch zu bremsen.
Da es den Ritter auf dem weißen Pferd im wahren Leben aber nun einmal nicht gibt, heult Hannah ihrer besten Freundin Pia andauernd die Ohren voll. Die ist davon so genervt, dass sie Hannah das Messer auf die Brust setzt: Zehn ihrer Traummänner darf sie treffen. Sollte darunter nicht der Richtige sein, muss Hannah aufhören mit ihren ewigen Schwärmereien und Tagträumen und sich dem echten Leben stellen, in dem man seinen Partner nun einmal meistens auf völlig unspektakuläre Weise kennenlernt – für Hannah der Albtraum schlechthin!
Also macht sie sich auf und vereinbart Interviewtermine mit ihren zehn Traumkandidaten.

Der erste Satz:

Ich verliebe mich jeden Monat so viele Male, wie ein Zugvogel die Flügel schlägt, um von Europa in die Sahara zu fliegen.

Meinung:
Eigentlich bin ich kein großer Fan von Frauenromanen.
Ab und an ist mir mal nach so einem seichten warmes-Gefühl-im-Bauch-Buch, aber nur wenige haben bislang wirklich meinen Geschmack getroffen, weil die meisten mir einfach zu kitschig, zu dramatisch, zu Porn-Faktor-lastig oder was auch immer waren.

Das Fräulein Jensen aber, das mag ich.
Nicht so, dass ich sie zu meiner besten Freundin erheben möchte – um Gottes willen, wenn mir jemand tagein tagaus mit solchen Träumereien die Ohren vollheulen würde, wäre ich wohl recht schnell recht ungeschmeidig :-D.
Was ich aber am Fräulein Jensen mag, ist, dass sie sich ihre Naivität bewahrt hat, dass sie noch träumen kann und die Hoffnung nicht aufgibt.
Da sind die Männer verheiratet, schwul, untreu und brechen ihr reihenweise das Herz, aber aufgeben tut sie dennoch nicht, sie sucht weiter die Liebe und ist jedes Mal aufs Neue wieder voller Elan und Euphorie, kann sich immer wieder für neue Dinge begeistern und sich einen anderen Lebensweg für sich selbst vorstellen.
Ja, das bewundere ich, denn welche Frau in dem Alter ist noch so?

Da steht man fest im Leben, geht seinem geregelten Alltag nach, hat entweder eine Beziehung oder ist schon beziehungsgeschädigt. Diese nahezu jungfräuliche Naivität eines Fräulein Jensen hat doch kaum jemand.

Das besondere an diesem Buch ist, dass die Autorin die im Buch geschilderten Interviews alle tatsächlich geführt hat und so erfährt man ganz nebenbei auch noch das eine oder andere bislang unbekannte über Bernhard Hoecker (sorry, ich finde die zwei Pünktchen fürs „e“ grade nicht 😉 ), Tim Lobinger oder auch Rocko Schamoni, die alle äußerst interessant, wenn auch zum Teil gänzlich verschiedene Meinungen über die Liebe und die Frauen haben.

Auf den ersten Blick scheint das Fräulein Jensen recht oberflächlich zu sein, der Status ihres Traummannes spielt für sie eine nicht unerhebliche Rolle.
Auf den zweiten Blick -so habe zumindest ich es empfunden- spiegelt sich genau darin jedoch die Einstellung vieler Singles wider, denen der Job, der Verdienst, das gesellschaftliche Ansehen eines potentiellen Partners bei der Suche erst einmal wichtiger sind als charakterliche Eigenschaften, die sich nun einmal nicht automatisch aus der Fassade eines Menschen ableiten lassen.
So muss Fräulein Jensen feststellen, dass der ach so rebellisch wirkende Rocko Schamoni ganz so rebellisch doch nicht ist und im stylishen Eck-Café lieber Tee denn Alkoholika bestellt, oder dass der witzige Bernhard Hoecker nichts für Prüderie übrig hat und knackige Pornowitze lustig findet.
Denn merke: nicht alles ist so, wie es nach außen zu sein scheint.
So ist Fräulein Jensen am Ende des Buches zwar immer noch Single, aber um einige (Interview)Dates und Erfahrungen reicher und auch ein wenig geerdeter.

„Fräulein Jensen und die Liebe“ hat mich amüsiert, ab und an ein wenig entsetzt und einfach gut unterhalten.
Anne Hansen schreibt locker-flockig, mit viel Witz und Situationskomik und zum Teil sehr umgangssprachlich, was ich in diesem Fall als sehr entspannend empfunden habe.
Sie bündelt die Vorurteile, die Verkrampftheit und Frustration bei der Partnersuche und die jugendliche Naivität, Euphorie, Traumfähigkeit, die wir sicherlich alle mal hatten, gekonnt zu einem harmonischen Ganzen.

Bei manchen Szenen fühlte ich mich in meine Single-Zeiten zurückversetzt, in denen ich besonders als Teenie auch zu gerne mit der rosaroten Brille durchs Leben lief und in jedem halbwegs sympathischen Mann gleich DEN Traummann zu sehen glaubte – aus heutiger Sicht unglaublich naiv und ich musste so auch das eine oder andere Mal über mich selbst lachen und fühlte mich peinlich-beschämt an so manchen eigenen Gedankengang erinnert.

Alleine dafür, für diesen kleinen Blick zurück in meine rosarote-Brille-Jugend, hat Anne Hansen die 4 Sterne redlich verdient und ich bin bereits jetzt sehr gespannt auf ihr nächstes Buch, das hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft folgen wird.

Ich bedanke mich recht herzlich beim Eichborn Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars.

Titel: Fräulein Jensen und die Liebe
Autorin: Anne Hansen
Klappenbroschur: 264 Seiten
Verlag: Eichborn
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3821860763