Monika Borchfeldt & Thilo von Westernhagen / Mord in Mecklenburg. Ostsee-Krimi.

Inhalt:
Viola ist Restauratorin und lebt ein idyllisches Leben in der mecklenburgischen Provinz. Sie liebt die Botanik und ist in eder freien Minute unterwegs in der Natur, um besondere einheimische Pflanzen für ihren Garten zu sammeln. Doch auf den Seidelbast, der im Park eines privaten Altersheims steht, hätte sie besser verzichtet, denn statt der schönen Pflanze gräbt sie die sterblichen Überreste einer alten Dame aus und läuft in blinder Panik auf und davon.
Die Leiche bleibt nicht lange verborgen und der Hobbyornithologe und Musikliebhaber Kommissar Jakobsen wird aus Schwerin abkommandiert, um den Fall zu lösen. Das ist zunächst gar nicht so einfach und sein Weg führt ihn in adlige Kreise, wo auch Viola seinen Weg kreuzt…

Meinung:
Grade mal 128 Seiten dünn ist dieses Büchlein und von Anfang an fragte ich mich: Kann man einen gut strukturierten Krimi auf so wenigen Seiten unterbringen?
Mein Ergebnis: Nein, kann man nicht.
Aber man kann eine zum Teil fast schon absurde Geschichte rund um einen Mord, eine obskure Adelsfamilie, einen schrulligen Kommissar und einen pflanzenliebenden Schöngeist entwickeln, die wie eine Mischung aus Theaterstück und Kurzgeschichte daher kommt und die, wäre sie deutlich länger geworden, ihren ganz speziellen Charakter wohl kaum hätte wahren können.

Irgendwie plumpst man mitten in die Geschichte hinein. Man erfährt nicht viel über die Charaktere, nur die eine oder andere Hintergrundinformation, die dann auch tatsächlich eine Rolle in der Geschichte spielt. Für Überflüssiges ist auf 128 Seiten einfach kein Platz und so spielt dann auch jede Information, die man als beobachtender Leser erhält, eine Rolle – und sei sie noch so klein.

Die Sprache ist bildlich, manchmal umgangssprachlich, manchmal ein bisschen träumerisch, ab und an auch etwas künstlerisch. Man merkt schon, dass mehr als ein Autor beteiligt war.Gut gefallen hat mir, dass einige Begrifflichkeiten verwendet wurden, die wirklich typisch mecklenburgisch sind. Besonders schmunzeln musste ich über die Eigenart einer alten adligen Dame, die ihren (wohl nicht ganz reinrassigen) Hund nur „das Gemixte“ nennt. Eine adlige Freundin meiner leider schon lange verstorbenen Großmutter pflegte ihren Hund ebenfalls so zu nennen, vielleicht ist das tatsächlich typisch baltisch, ich kann das nicht beurteilen, freue mich aber, dank des Buches an diese Episode meiner Kindheit erinnert worden zu sein.

Besonders schön finde ich, dass jedes Kapitel mit der Beschreibung einer spezifischen, in Mecklenburg heimischen Pflanze beginnt; dabei handelt es sich um Zitate aus musikalischen, literarischen oder lexikalischen Werken. Im darauf folgenden Kapitel spielt dann auch die beschriebene Pflanze eine Rolle.

Der erste Satz:

Viola rannte.

Bewertung:
Wer einen klassischen Krimi bevorzugt, ist bei diesem Buch nicht an der richtigen Adresse.
Von mir gibts für dieses außergewöhnliche Büchlein, von dem ich etwas ganz anderes erwartet hatte, vier Sterne.

Titel: Mord in Mecklenburg.
Autoren: Monika Borchfeldt & Thilo von Westernhagen
Broschiert: 128 Seiten
Verlag: Schardt
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3898412551

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