Archiv für den Monat November 2010

Kristin Rübesamen / Alle sind erleuchtet

Kurzbeschreibung:
Es ist die Welt der Verdrehten. Jeden Tag schieben und schlängeln sich Menschen erwartungsvoll in Haltungen, die Tiernamen tragen wie Hund, Cobra, Fisch, stellen sich auf den Kopf und atmen durch ein Nasenloch. Was suchen sie in dieser schwindelerregenden Disziplin? Kristin Rübesamen unterrichtet seit zehn Jahren Yoga in New York, London, Berlin und hat dabei die Menschen und ihre Sehnsüchte sehr gut kennengelernt. Manchmal zu gut.Immer wenn etwas schiefläuft, tauchen Yogis auf. Noch nie war es so schick, Yoga zu üben, noch nie hat die Sehnsucht nach einem friedlichen Leben so sexy ausgesehen. Yoga ist im Westen zum Mittelstandsphänomen geworden und scheint die Antwort zu geben auf die Frage nach einem Halt in unwirtlichen Zeiten.

Yoga hat Kristin Rübesamen gelehrt, genau hinzuschauen. Yoga hat ihre Aufmerksamkeit geschärft, ihr Disziplin beigebracht und Kraft gegeben. Anderen nimmt es die Rückenschmerzen und lässt sie vielleicht zum ersten Mal mit erhobenem Kopf durchs Leben gehen. Bluthochdruck, Depressionen, Impotenz – modernes Yoga soll immer helfen.

Aber Genügsamkeit und Nähe zu Gott? Macht es die Nervösen nicht vielleicht empfindlicher, die Geknickten noch wehleidiger, die Sanften debil und die Aggressiven unerträglich? Materialisten sind auch im Yoga die größten Körperfetischisten. Hat der Westen Yoga ruiniert? Kann Yoga überhaupt das erschöpfte Selbst, wie es die Soziologen nennen, retten? Oder führt es doch zur stillen Revolution? Kristin Rübesamen erzählt von ihrem Weg von New York bis Berlin-Wedding: Warum sie anfing, im Studio um die Ecke zu üben, berichtet von ihren Lehrern und ihrer Erfahrung als Lehrerin. Sie führt uns einmal um die Welt, um dann wieder beim Geheimnis des nach unten schauenden Hundes zu landen – flüchtig, staunend und voller Respekt.

Yoga ist Entspannung? Nur was für Hippies? Falsch. Aufklärung statt Erleuchtung.

Quelle: Amazon

Meinung:
Ich lese sehr gerne Tagebücher, Autobiographien und persönliche Erzählungen und in diesem Fall war das wohl für mich und das Buch ein großer Vorteil, wenn ich mir so die Rezensionen anderer Leser anschaue. Viele ärgern sich darüber, dass das Buch sehr auf die persönliche Laufbahn von Frau Rübesamen fokussiert ist. Offenbar hat man sich da mehr allgemeine Anleitung und auch Erleuchtung erhofft ;-), obwohl eigentlich schon die Kurzbeschreibung diesbezüglich ausreichend Informationen liefert: Es ist die Beschreibung eines sehr persönlichen Weges und die bringt nun einmal eine sehr persönliche, bisweilen auch egoistische, möglicherweise sogar egomanische Berichterstattung mit sich.

Für mich stellt das nun so gar kein Problem dar, ich empfinde es sogar als großen Vorteil, denn bei so einem Buch erwarte ich keine Anleitung à la „Wie werde ich der perfekte Yogi“.
Ich habe Yogaerfahrung, ich mag Yoga, aber als Yogi würde ich mich nicht bezeichnen. Vielleicht auch ein Vorteil, so konnte ich lockerer an dieses Buch herangehen als so mancher verbissene Yogafan.

Halten wir also mal fest: ich fand besonders diesen tagebuchähnlichen Stil und die Reisebeschreibungen schön. Und was mir noch mehr gefallen hat, war, dass Kristin Rübesamen Yoga nicht auf Teufel komm raus VERKAUFEN will. Sie propagiert nicht, dass Yoga ALLES besser macht und das macht das Buch für mich sympathisch.

Dennoch bekommt „Alle sind erleuchtet“ keine absolute Empfehlung.
Der Schreibstil macht es nicht ganz einfach, am Ball zu bleiben; manche Formulierung ist einfach zu abgehoben, zu abgedreht, zu abschweifend.
Bei manchen Dingen konnte ich nicht folgen, weil einige Einschiebungen mich so dermaßen aus dem Kontext gebracht haben, dass ich ganze Absätze mehrfach lesen musste, um den Sinn erfassen zu können.
Diverse Satzkonstruktionen sind wirklich nicht gelungen und werden bedauerlicherweise von so manchem Schreib-, manchmal auch Sinnfehler ergänzt, der nicht hätte sein müssen (wobei ich jetzt einfach mal zugeben muss, dass mich die „Verse“, die einen Körperteil bezeichnen soll, zum schmunzeln gebracht hat, der Fehler sei verziehen, der passiert den Besten 😉 ).

Wer sich also nicht von Abschweifungen und sich windenden Sätzen stören lässt und lieber tagebuchartige Erzählungen denn dröge Anweisungen liest, wer kein verbissener Yogi ist und sich einfach dafür interessiert, warum manche Menschen einen bestimmten Weg einschlagen, der wird wohl an diesem Buch sein Vergnügen haben.
Ich hatte es, auch wenn es manchmal nicht ganz so leicht war ;-).

Der erste Satz:

Wenn Sie genau hinsehen, werden Sie feststellen, dass ich etwas schief stehe.

Bewertung:
Ich gebe drei Sterne.

Herzlichen Dank an die Berlinverlage für dieses Rezensionsexemplar!

Autorin: Kristin Rübesamen
Titel: Alle sind erleuchtet
Gebundene Ausgabe: 347 Seiten
Verlag: Berlin Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3827009494

Christoph Scholder / Oktoberfest

Inhalt:
Das Gas wirkte in Sekunden. Plötzlich war es in dem riesigen Bierzelt still. Totenstill. Der zweite Wiesn-Sonntag. Weiß-blau erstreckt sich der Himmel über München, Tausende strömen auf das größte Volksfest der Welt. Partystimmung, so weit das Auge reicht, ausgelassen tanzen die Leute in den riesigen Zelten. Niemand ahnt, dass dieser Nachmittag um exakt vier Minuten vor sechs in einem Höllenszenario enden wird. Denn genau zu diesem Zeitpunkt gibt Oleg Blochin, der skrupellose Kommandeur einer russischen Elite-Soldateska, seinen Männern den Befehl, das Betäubungsgas im ersten Bierzelt freizusetzen. Und das ist erst der Anfang: Schlag auf Schlag geht es weiter, 70 000 Menschen werden zu Geiseln in einem hochriskanten Spiel auf Leben und Tod …

Quelle: Amazon

Meinung:
Endlich mal wieder ein spannender Thriller von einem deutschen Autoren mit Schauplatz Deutschland!

Das Oktoberfest wird Schauplatz einer gigantischen Geiselnahm: Was zunächst etwas hanebüchen klingt, weiß der Autor geschickt in einer fesselnden Story zu verpacken. Mit zunächst immer wieder wechselnden Handlungsorten wirkt der Einstieg etwas verwirrend, doch genau darin liegt auch das Geheimnis des Spannungsbogens, den Scholder gekonnt aufzieht, zwischendurch abflachen lässt, um ihn zum Ende hin dann noch einmal so richtig gen Himmel schießen zu lassen. So schnell werde ich sicherlich nicht mehr das Bedürfnis haben, Teil einer großen Menschenansammlung zu sein ;-).

Besonders gut gefallen haben mir die wirklich sehr gute und gründliche Recherche zu den militärischen Gegebenheiten und die themenbezogenen Zitate, mit denen die Kapitel eingeleitet werden.

Ein absolut empfehlenswertes Buch, auf das ich ohne die Lovelybooks-Leserunde wahrscheinlich gar nicht aufmerksam geworden wäre, von daher an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an das LB-Team!

Der erste Satz:

Als der alte Mann seinem Besucher lächelnd die Tür öffnete, konnte er nicht wissen, dass er nur noch neunzig Sekunden zu leben hatte.

Bewertung:

 

Autor: Christoph Scholder
Titel: Oktoberfest
Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
Verlag: Droemer
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3426198889

Interessante Suchanfragen – pass auf, was du dir wünschst…

Erst neulich schrieb ich bei Maren auf Bibliomanie noch, dass ich gerne auch mal kuriose Suchanfragen auf meinem Blog hätte.
Frei nach dem Motto „Pass auf, was du dir wünschst – es könnte wahr werden“ sitze ich nun hier und schüttle nur den Kopf.
Warum auch immer, folgende Suchanfrage hat offenbar jemanden auf meinen Blog geführt:

„wie man katzen erwürgt lustige anleitung“

Klaus Uhlenbrock / Der Lingwurm

Klaus Uhlenbrock: Der Lingwurm.Inhalt:
Geköpfte Schafe und ein Frauenmord: ein rätselhafter Mörder gibt der Schweizer Kriminalpolizei Rätsel auf. Er zieht von Kanton zu Kanton, reißt den Schafen auf mysteriöse und brutale Weise den Kopf ab und tötet anschließend auf einer der Weiden eine junge Frau. Schon mehrfach ist er auf diese Weise vorgegangen, doch fehlt der Polizei bislang jede Spur.

Dann wird im Wallis das erste geköpfte Schaf gefunden und der junge Oberwalliser Polizist Philip Stoffel sieht sich vor der schwierigen Aufgabe, gemeinsam mit dem nicht unbedingt sympathischen und definitiv besessenen Berner Kommissar Mangold  den nächsten Frauenmord zu verhindern…


Meinung:
Ein Krimi, dessen Handlungsort nahe des eigenen Wohnorts liegt: da liest man natürlich noch mal mit anderen Augen.
Mein Fazit: Das Oberwallis unterscheidet sich doch sehr vom Unterwallis ;-). Da der Autor selbst eine zeitlang im Oberwallis gelebt hat, gehe ich davon aus, dass er das Leben dort recht gut kennt und so, wie die Menschen dort im Buch geschildert werden, sind sie hier bei uns ganz und gar nicht. Fast möchte ich sagen „zum Glück“, denn sie wirken doch oft sehr hinterwäldlerisch. Die Oberwalliser, die ich kenne, sind alles andere als das, sagen aber selbst, dass man ihnen genau diese Eigenschaft oft nachsagt und eine Oberwalliser Zeitung bestätigte in einem Artikel, dass Klaus Uhlenbrock die Figuren sehr authentisch schildern würde. Na dann ;-).
Die Handlung ist an sich recht spannend und kreativ, wird für meinen Geschmack zum Ende hin dann aber doch zu hanebüchen.
De Schreibstil ist manchmal etwas holperig und hat mir an einigen Stellen nicht wirklich gefallen, insgesamt liest sich das Buch aber flüssig. Ich glaube, der Autor kann das besser.
Trotzdem fand ich es schön, mal wieder einen Regio-Krimi mit Schauplatz Schweiz zu lesen.

Der erste Satz:

Philip Stoffel sah auf die fremdländischen Kennzeichen hunderter von Autos, die seit den frühen Morgenstunden das Oberwallis durchquerten.

Bewertung:
Die Handlung hat mich zum Ende hin nicht mehr überzeugt und was mich wirklich stellenweise gestört hat, waren die Schreibfehler ( vor allem fehlende oder falsch gesetzte Kommas – da mag ich kleinlich sein, aber es stört mich eben, auch wenn es sich hier noch im Rahmen hielt).
Zwei Sterne.

 

Autor: Klaus Uhlenbrock
Titel: Der Lingwurm
Broschiert: 292 Seiten
Verlag: Tecklenborg
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3939172291

Gianluca Morozzi / Panik

Gianluca Morozzi: PanikKurzbeschreibung:
Bologna an einem heißen Sommertag.
Im Fahrstuhl eines Apartmenthauses stecken drei Menschen fest:
Claudia, eine Studentin, die als Kellnerin jobbt, der junge Tomas, der mit seiner Freundin nach Amsterdam flüchten will, und Aldo, der ein Doppelleben führt: Denn der Familienvater ist ein psychopathischer Mörder.
Keiner hört die Rufe der Eingeschlossenen, auch nach Stunden ist noch keine Hilfe in Sicht. Die Luft im Aufzug wird immer stickiger, und die Aggression unter den dreien nimmt zu. Vor allem Aldo kann sich kaum noch beherrschen. Dann geht plötzlich das Licht aus …

Quelle: Amazon

Meinung:
Ich kann es zwar nicht mit Sicherheit sagen, aber ich glaube, das war mein erster italienischer Krimi. Und der hatte es gleich in sich!
Die Handlung klingt auf den ersten Blick vielleicht nicht so, ist aber durchaus kreativ, auch wenn ich für meinen Geschmack ein wenig zu schnell auf des Rätsels Lösung gekommen bin.
Morozzi versteht es, so fesselnd zu schreiben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Besonders die Charaktere sind sehr lebendig gezeichnet; sie strotzen allesamt nicht vor Sympathie und haben ihre Fehler, aber man fiebert dennoch mit – oder gerade deswegen? Man kann Tomas`Angst ebenso gut nachvollziehen wie Aldos Provokationen und seine unbeherrschte Aggression oder Claudias hilflose Wut. Die Atmosphäre ist durchweg klaustrophobisch und irgendwie erdrückend, ganz wie die Situation der Hauptfiguren.
Der Krimi hat seine Höhen und Tiefen, ist aber wirklich lesenswert (außer vielleicht für Menschen, die bereits jetzt an Fahrstuhlangst leiden 😉 ) und grenzt sich sprachlich sehr (angenehm!) von den meisten derzeit auf dem Buchmarkt vertriebenen Krimis ab.

Der erste Satz:

Ferro wäscht das Messer unter dem Wasserhahn ab.

Bewertung:
Obwohl mir Handlung, Sprache und Charaktere sehr gut gefallen haben, gebe ich nur drei Sterne. Manches hätte einfach besser ausgebaut werden können und ich bin einfach viel zu schnell hinter die Lösung gekommen. Trotzdem, wie oben schon erwähnt, ein wirklich lesenswertes Buch!

 

Autor: Gianluca Morozzi
Titel: Panik
Originatitel: Blackout
Broschiert: 242 Seiten
Verlag: Goldmann
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3442461585

Tana French / Grabesgrün

Klappentext:
»Ich sehne mich nach der Wahrheit. Und ich lüge.«
Wer bringt ein kleines Mädchen um und bahrt es auf dem Opferaltar einer Ausgrabungsstätte auf? Jede Spur, die die beiden jungen Dubliner Ermittler Rob Ryan und Cassie Maddox verfolgen, führt sie nur tiefer in ein Dickicht, in dem sich alle Gewissheiten in ihr Gegenteil verkehren. Und keiner darf erfahren, dass Rob vor vielen Jahren selbst etwas Furchtbares erlebt hat – im Wald bei ebenjener Ausgrabungsstätte …

Quelle: Fischer Verlag

Meinung:
Eine packende Handlung, klar ausgearbeitete Charaktere, eine sensible und gleichzeitig aufwühlende Sprache, genau das richtige Maß an Spannung und ein leichter Gruselfaktor – für mich der beste Krimi, den ich in diesem Jahr gelesen habe.

Der erste Satz:

Stellt euch einen Sommer vor wie aus einem Fünfzigerjahre-Kinderfilm in ländlicher Kulisse.

Bewertung:
Fünf Sterne.

 

Autorin: Tana French
Titel: Grabesgrün
Originaltitel: In the Woods
Broschiert: 704 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.)
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3596175420

Kate Mosse / Wintergeister

Kurzbeschreibung:
Die Trauer im Herzen reist der junge Frederick Watson 1928 durch den Süden Frankreichs. Er hofft, Ablenkung zu finden von seinen trüben Gedanken, die ihn nun schon zu lange begleiten. Durch Zufall landet er in einem kleinen, abgelegenen Dorf inmitten der Pyrenäen, nimmt dort an einer traditionsreichen Feier teil und lernt ein umwerfendes Mädchen kennen. Doch kaum ist sie da, ist sie auch wieder verschwunden und niemand will sie kennen. Frederick begibt sich auf die Suche…

Meinung:
Kate Mosse hat mit „Wintergeister“ einen wunderschönen, stimmungsvollen Roman abgeliefert, der mich sehr überrascht hat. Fredericks eigenes Schicksal steht im Mittelpunkt, aber auch die Hoffnung, Schicksalsschläge überwinden und wieder am Leben teilnehmen zu können. Ebenso im Mittelpunkt steht die Geschichte der Region, ohne dass jedoch eine dröge historische Belehrung daher kommt (was bei der Thematik durchaus schnell passieren kann). Kate Mosse versteht es vielmehr, beide Geschichten so miteinander zu verweben, dass sie Hand in Hand gehen, auch wenn sie Jahrhunderte auseinander liegen. Die Trauer, die zunächst das beherrschende Gefühl ist, weicht mehr und mehr und am Ende fühlt man sich erleichtert und hoffnungsvoll. Zwar wird nicht alles gut, aber es wird besser.
Die Sprache ist einfach, dicht, atmosphärisch und sehr bildhaft, man fühlt sich durch die exakten Beschreibungen schnell mitten in den Süden Frankreichs und die spröden Pyrenäen versetzt und auch die Figuren bleiben einem nicht lange fremd.
Ich bin mit gänzlich anderen Erwartungen an dieses Buch herangegangen und wirklich mehr als positiv überrascht von dieser wunderschönen Geschichte, auch wenn ich mir am Ende irgendwie noch etwas „mehr“ gewünscht hätte. Objektiv betrachtet ist das Ende perfekt so, wie es ist, aber hier kommt einfach das Mädchen in mir durch ;-).

Der erste Satz:

Er ging wie jemand, der erst kürzlich wieder auf die Beine gekommen ist.

Bewertung:
Vier Sterne.

Herzlichen Dank an den DROEMER Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

 

Autorin: Kate Mosse
Titel: Wintergeister
Originaltitel: The Winter Ghosts
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3426198902