Stephen King / Zwischen Nacht und Dunkel

Ein Farmer, der von dem, was er getan hat, in den Irrsinn getrieben wird.
Eine Schriftstellerin, die unbedacht eine Abkürzung wählt.
Ein Todkranker, der um eine Verlängerung bittet.
Eine Ehefrau, die glaubte, ihren Mann zu kennen.

Vier Novellen, eine Aussage:
Es kommt sowieso anders, als du es erwartest und es wird schrecklicher, als du es dir je erträumen könntest.

Stephen King zählt definitiv zu meinen Lieblingsschriftstellern.
Keiner versteht es so wie er, in den Abgründen menschlicher Ängste zu wühlen.
Noch mehr als seine Romane liebe ich seine Kurzgeschichten und „Zwischen Nacht und Dunkel“ hat mich genau darin wieder bestärkt.

Selbst in seinen besten Romanen entsteht nicht solch eine grauslige, packende Stimmung wie in den Novellen und Kurzgeschichten.
Dabei verzichtet King größtenteils dankenswerter Weise auf allzu detaillierte Beschreibungen; die sind auch überhaupt nicht notwendig, das Kopfkino läuft ohnehin auf Hochtouren.
Was in den Romanen auf mehrere hundert Seiten verteilt wird, ist in den Geschichten komprimiert und wirkt umso heftiger auf den Leser.

Das Buch besteht aus vier Novellen: „1922“, „Big Driver“, „Faire Verlängerung“ und „Eine gute Ehe“.
Kein langes Vorgeplänkel, einfach rein in die Geschichte; nicht zu viele Details, nicht zu viele Figuren, dafür umso mehr Atmosphäre und in jeder Geschichte eine Moral: Jeder muss für das, was er tut, einen Preis zahlen.

Ich könnte nicht sagen, welche der vier Geschichten in meinen Augen die stärkste ist, jede für sich hat ihre Vorzüge.
Müsste ich jedoch die schwächste benennen, wäre es für mich eindeutig „Big Driver“, da ich einiges in der Geschichte nicht so schlüssig fand wie in den anderen dreien.
Während ansonsten jeder Gedankengang und jede Handlung für mich gut nachvollziehbar war und das Ergebnis entsprechend passend, gefiel mir bei „Big Driver“ vor allem im letzten Drittel einiges nicht so gut. Mehr will ich dazu an dieser Stelle nicht sagen, es soll schließlich jeder ganz für sich allein die Geschichten auf sich wirken lassen und ich möchte hier nicht spoilern und damit den Lesegenuss verderben😉.

Kleiner Kritikpunkt:
Für meinen Geschmack hätte der Infotext im Schutzumschlag etwas reduzierter sein können bzw. so formuliert, dass er nicht so viel von der Handlung der einzelnen Geschichten verrät. Das schafft automatisch schon vor dem Lesen eine gewisse Erwartungshaltung und Voreingenommenheit, die den Geschichten durchaus auch schaden kann.

Leseempfehlung? Definitiv!

 

Kleiner Tipp: Wer sich bei „Big Driver“ etwas wundert, weil bei der Sache mit der Abkürzung irgendetwas klingelt, der werfe noch einmal einen Blick auf „Mrs. Todds Abkürzung“, veröffentlicht in den Kurzgeschichtensammlungen „Der Gesang der Toten“ und „Blut“.

 

Wertung:
Vier Sterne.

 

Autor: Stephen King
Titel: Zwischen Nacht und Dunkel
Originaltitel: Full Dark, No Stars
Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3453266995

6 Gedanken zu „Stephen King / Zwischen Nacht und Dunkel

  1. Maren

    Ich habe „früher“ alles von King verschlungen. Als er noch richtig gut war mit Sachen a la Pet Sematary und The Shining. Irgendwie wurden mir die Geschichten dann aber mit der Zeit immer lahmer und abstruser, so dass ich schon ewig nichts mehr von ihm gelesen habe (von Re-Reads der älteren Sachen mal abgesehen).
    Dieses Buch hat mich aber doch neulich schon bei Hugendubel angesprungen, da ich speziell seine Kurzgeschichten immer mochte. Ich habs aber nicht gekauft, weil mich der Preis so abgeschreckt hat.
    Jetzt wo ich deine Rezension lese, muss ich mich mal drum bemühen, ob ich es leihen/gebraucht günstiger kaufen kann🙂

    Antwort
    1. Grete_o_Grete Autor

      Mir gings zwischenzeitlich ganz ähnlich, irgendwie waren die Bücher nicht mehr so der Hit. Der Alkoholentzug hat ihm offenbar ganz gut getan😀. „Wahn“ und „Puls“ fand ich auch richtig gut, von der Reihe um den Dunklen Turm ganz zu schweigen.

      Antwort
      1. Maren

        Muaha, das mit dem Alkoholentzug ist gut. Vllt probier ichs mal, das Buch ist bei ebay häufig drin.
        „Puls“ hab ich sogar hier liegen, fällt mir gerade auf, allerdings auf Englisch. Irgendwo gab es mal King-Bücher im 3er Pack: Shining, Misery und eben dieses Cell. Die beiden ersten kenne und liebe ich, da ich sie aber damals geliehen hatte, war das Schnäppchen eine gute Möglichkeit, sie anzuschaffen (und ich speziell Shining gerne mal im Original lesen wollte). Cell hat mich nie interessiert.
        Das letzte Buch von ihm, das ich zu lesen versucht habe, weil das ja soooo gelobt wurde, war „Love“. Ich habs nach 100 Seiten oder so abgebrochen. Sowas von lahm.

        Antwort

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