Tom Rachman / Die Unperfekten

Eine internationale Tageszeitung mit Sitz in Rom sieht nach 50 Jahren ihrem Ende entgegen. Der Erbe des Blattes bringt seinem Hund mehr Aufmerksamkeit entgegen als dem Unternehmen und bei den Mitarbeitern geht es infolgedessen drunter und drüber…

Was, wenn ein Zeitungserbe seinem Basset mehr Interesse entgegenbringt als dem Schicksal seines Blattes? Was wird aus der unglückseligen Ruby (alleinstehend, immer auf der Suche nach dem Mann fürs Leben)? Aus Ed, der gefeuert wird und sich an der zuständigen Sachbearbeiterin (alleinerziehend, drei Kinder und keine Zeit für die Liebe) rächt? Aus der Chefredakteurin Kathleen (verheiratet mit einem Weichei und verliebt in einen anderen)? Und aus Lloyd, der, einsam wie ein Straßenhund, aus Not eine Story erfindet und auffliegt?

Quelle: DTV

Allerorts wird „Die Unperfekten“ in den höchsten Tönen gelobt. Das Buch sei ein Spiegel unserer Zeit, ein gesellschaftskritischer Gegenwartsroman, der den Niedergang der Printmedien widerspiegelt, leichtfüßig geschrieben und mitreißend.

So ganz kann ich mich diesen Lobgesängen nicht anschließen.
Das Buch liest sich leicht weg und die Stories sind auch recht amüsant. Besonders wenn man Redaktionserfahrung hat, kommt einem das eine oder andere bekannt vor.
Auch gelingt es Rachman, in den einzelnen Stories durchaus interessante Charaktere zu skizzieren und ihre höchst individuellen Reaktionen auf das sie betreffende Geschehen.
Allerdings ist da auch eine unübersehbare Oberflächlichkeit und Distanz, alles ist irgendwie unpersönlich und nüchtern.

Die Sprache ist knapp gehalten, die Sätze kurz, kein Raum für Ausschmückungen oder über das Notwendige hinausgehende Details.
Wer die minimalistische Schreibe mag (in Amerika scheint das aktuell der Literaturtrend schlechthin zu sein), der wird sicherlich angetan sein.
Mir persönlich war das dann doch etwas zu viel Abstand zu den Figuren.
Für Kurzgeschichten finde ich diesen Stil in Ordnung; im Grunde entsprechen die einzelnen Portraits auch mehr Kurzgeschichten denn einem Roman. Das Buch ist aber nun einmal als Roman konzipiert und das funktioniert in meinen Augen nicht optimal.

Damit entspricht das Buch irgendwie seinem Titel: es ist unperfekt, unrund, hat aber auch genau dadurch einen gewissen Reiz. Es ist zumindest mal etwas ganz anderes als ein klassischer Roman.

Der erste Satz:

Lloyd schiebt das Bettzeug beiseite und rennt in weißer Unterwäsche und schwarzen Socken zur Wohnungstür.

Bewertung:
Drei Sterne.

 

Autor: Tom Rachman
Titel: Die Unperfekten
Originaltitel: The imperfectionists
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3423248211

6 Gedanken zu „Tom Rachman / Die Unperfekten

  1. Annette

    Danke für die Rezension. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich fand es leicht zu lesen mit ein paar Aha-Effekten und doch anspruchsvoll von der Thematik. Mir gefiel die Darstellung der Charaktere besonders gut. Ich fand es nicht oberflächlich wie Du es beschreibst. Die Handlungsstränge hängen alle zusammen, die Personen teilen alle dasselbe Schicksal. Ich kann es nur weiter empfehlen. 5 Sterne von mir.

    Antwort
    1. Grete_o_Grete Autor

      Schön, dass du hier vorbeigeschaut hast und danke für deinen Kommentar🙂.
      Das ist doch das tolle an Büchern: Jeder liest sie anders und betrachtet sie anders. Für dich sind es glatte 5 Sterne, für mich ist es da leider weit von entfernt. Dafür gibt es dann sicher Bücher, von denen ich begeistert bin und die dir dann gar nicht gefallen😉.

      Antwort
  2. Pingback: Review: Die Unperfekten (Buch)

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