[Gastrezension] Eva Baronsky / Herr Mozart wacht auf

Da ich ja so meine Probleme mit dem lieben Herrn Mozart hatte, hat sich die liebe Regina bereit erklärt, nicht nur dem Buch ein neues Zuhause zu geben, sondern es auch für meinen Blog zu rezensieren. Und anscheinend ist das Buch in die richtigen Hände geraten😉

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„Der Mann, der sich nur daran erinnert, am Vorabend als Wolfgang Amadé Mozart auf dem Sterbebett gelegen zu haben, kann sich die bizarre Umgebung nicht erklären, in der er erwacht: Musik ohne Orchester, Fuhrwerke ohne Pferde, Licht ohne Kerzen. Ist er im Vorhof zur Hölle oder im Paradies angelangt, und vor allem: mit welchem Auftrag? Ein göttlicher Spaß, verblüffend und tragikomisch, ein Spiel mit Zeiten und Identitäten.“ (Klappentext)

Er wacht in einem fremden Zimmer auf, hat keine Ahnung, wie er in dieses Zimmer kam, noch dazu in dieses Bett, weiß nicht, wer die Männer in der Wohnung sind. Nur an eins erinnert er sich, seinen Namen: Wolfgang Amadé Mozart, Compositeur. Die beiden Männer indes finden das gar nicht komisch und werfen ihn kurzerhand hinaus. Sie haben eine WG-Party veranstaltet und dachten, einer ihrer Gäste hätte den komischen Kauz einfach mitgebracht. Weil Wolfgang seine Kleidung verdorben hat und offensichtlich auch sonst völlig neben der Spur ist, hat Enno, einer der beiden WG-Bewohner, Mitleid und drückt ihm eine Altkleidertüte in die Hand, bevor er ihn am Stephansdom aus dem Auto lässt. So beginnt eine irrwitzige Reise durch Zeit und Raum, denn das Wien des Wolfgang Mozart existiert nicht mehr. Stellen wir uns vor, wir würden über Nacht im Jahr 2500 landen! Wir würden verrückt werden.

Das Buch hat mir ausnehmend gut gefallen.
Eva Baronsky nutzt eine sehr gefühlvolle Sprache, fast schon „musikalisch“, ohne je kitschig zu werden.
Sie beschreibt die kleinen und großen Dramen dieses Lebens oft sehr witzig, manchmal auch melancholisch. Und Dramen gibt es viele. Sei es die Annäherung an moderne sanitäre Anlagen oder die simple Tatsache, ohne ein Ausweispapier einfach nicht existent zu sein. Sein Freund Pjotr, ein polnischer Geiger, der illegal in Wien arbeitet und den „Penner“ Wolfgang auf der Straße aufgegabelt hat, hält ihn für verrückt, erkennt aber das musikalische Genie und verschafft ihm Arbeit in verschiedenen Bars und Restaurants. So bleibt es auch nicht aus, dass Menschen mit Musikverstand auf ihn aufmerksam werden, was einerseits natürlich wunderbar ist, andererseits aber neue Probleme schafft. Heutzutage kann man einfach nicht genial sein, ohne irgendwo her zu kommen. Ein Musikverleger, dem Wolfgang seine Arbeiten vorlegt, bringt es auf den Punkt: „Das alles ist wirklich großartig, aber es klingt einfach zu sehr nach… Mozart!“

Ein wirklich empfehlenswertes, wunderbares Buch für jeden Mozartliebhaber, fünf Sterne! 

3 Gedanken zu „[Gastrezension] Eva Baronsky / Herr Mozart wacht auf

  1. Juliane

    Ich war auf einer Lesung von Eva Baronsky und habe da einen Ausschnitt von dem Buch gehört. Mein Fall ist es ehrlich gesagt auch nicht, aber sie schreibt wirklich sehr melodisch. Die Stimmung war richtig klasse, mit großen Kerzenständern, deren Flammen dann tolle Schatten auf sie und die Wände geworfen hat… hachja.

    Antwort

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