Danijela Pilic / Yoga Bitch

Wer „in“ ist, macht Yoga. Ob nun Stars wie Madonna oder die stylishe Großstadtfrau aus Berlin. Wobei „Yoga machen“ es nicht ganz trifft; manche Frauen leben Yoga. Nicht in der ursprünglichen Weise, sondern eher im durchaus weltlichen Stil, der vor allem darauf abzielt, einen knackigen Hintern und straffe Kurven zu bekommen. Dazu gehören nicht einfach nur die Asanas, sondern auch die Wahl des richtigen Lehrers, des richtigen Studios, der richtigen Klamotten, des richtigen Essens. Und wenn frau nicht aufpasst, erweitert sich das Ganze schnell hin zur Wahl des richtigen Schönheitsdoktors und sie selbst wird zur Yoga Bitch …

Yoga Bitch, die: (ugs.)
Frau über 30 auf der Suche nach ihrem perfekten Selbst. Dafür ist sie bereit, nie wieder Kohlenhydrate zu essen, chemische Peelings und Radiofrequenztherapie durchführen zu lassen und fünfmal die Woche ins Yoga zu gehen, um fit auszusehen und nebenbei noch die Erleuchtung zu erlangen.

Danijela Pivic beschreibt in dem Buch ihre eigenen Erfahrungen und die ihres Freundinnenkreises mit dem Yoga-Lifestyle. Das ist manchmal recht erheiternd, an vielen Stellen macht es jedoch nachdenklich. Der spirituelle Aspekt bleibt nahezu vollkommen auf der Strecke, dafür konzentriert sich das Buch viel mehr auf den ICH-Kult, den immer mehr Frauen in den thirtysomethings betreiben. Frau muss gesellschaftlichen Anforderungen entsprechen, Erfolg im Beruf haben, Partner, Familienplanung, gutes Aussehen, gutes Auftreten und das -bitte schön- auch noch komplett im Reinen mit sich selbst, ausgeglichen und entspannt. Das stellt für die Frauen, die sich darauf einlassen, eine Überforderung dar – es ist doch auch schlichtweg übermenschlich, all diesen Dingen gerecht zu werden. Die Frage ist: Wollen wir das?

Danijela Pivic möchte das im Buch zunächst nicht. Dann leckt sie Blut und begibt sich in den Hype rund um die Selbstoptimierung, will nicht nur die überflüssigen Pfunde killen, sondern sich selbst auf das bestmögliche Maß trimmen, angefangen beim idealen Hintern über die Zahnkorrektur bis hin zur Botoxbehandlung, nur um am Ende festzustellen, dass der einzige Weg zum Glück die Zufriedenheit ist.

Ursprünglich hatte ich mir das Buch in der Annahme gekauft, es ginge wirklich intensiv um Yoga und war dann doch einigermaßen überrascht vom breiten Spektrum der „Yoga Bitch“ und der Abwesenheit der eigentlichen Yoga-Philosophien.
Manche Kapitel haben mir gut, manche weniger gut gefallen.
Alles in allem berichtet das Buch doch eher von Frauen, die es sich leisten können, mal eben 200 Euro für Yoga-Hosen auszugeben und bei denen Optik und Status im Vordergrund stehen. Da zähle ich mich nicht unbedingt zu, von daher war einiges doch sehr befremdlich für mich.
Das wirklich Erschreckende war dann allerdings, dass ich mich immer wieder selbst dabei ertappt habe, bei Selbstoptimierungsschilderungen zu nicken oder für mich zu denken „Stimmt, es reicht nicht wie ich bin, ich muss besser sein“. Glücklich all jene Frauen, die von diesen Gedanken frei sind!
Ich begann unweigerlich, einige meiner Verhaltensweisen zu hinterfragen, auch wenn ich weit von dem entfernt bin, was die Autorin in ihrem Buch schildert und mich auch nicht zu dem beschriebenen Typ Frau zähle, der dem aktuellen Schönheitsideal hinterherhechelt und für die Optik auch immense Schulden in Kauf nimmt.

Besonders gut gefallen haben mir die immer wieder eingestreuten Fakten und die „Aufklärungskästchen“ (so nenne ich sie einfach mal), in denen beispielsweise Unterschiede zwischen Couch Potatoes und Fitness Freaks und die Eigenarten des „Lebenswandel-Schizos“ erklärt werden oder Auflistungen zum Thema „sie sagen – sie meinen“ zu finden sind.

Leider wirkte der Text auf mich an vielen Stellen zu sehr distanziert, zu sachlich für eine Erlebnisschilderung.
Alles in allem ist das Buch jedoch recht unterhaltsam, hält so manchen AHA-Effekt parat und regt auch zum reflektieren und nachdenken über das eigene Leben, das persönliche Schönheitsideal und eigene Verhaltensweisen an.

Bewertung:
Drei Sterne.

Titel: Yoga Bitch
Autorin: Danijela Pivic
Taschenbuch: 250 Seiten
Verlag: mvg Verlag (15. November 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3868822038

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3 Gedanken zu „Danijela Pilic / Yoga Bitch

  1. Katrin von Saiten

    Okay, ich mache zwar regelmäßig Yoga in einer Yoga-Schule, wusste aber nicht, dass man dadurch besonders „in“ ist. Zumal ich da auch mit Abstand die Jüngste (wenn nicht sogar in meinen H&M Klamotten auch noch Bestangezogenste!) bin 😉

    Dieses Buch hätte mich gereizt, wäre da nicht deine Rezension 😉

    Nochmal alles Gute zum Bloggeburtstag – ich schau jetzt öfter rein!

    Katrin

    Antwort
    1. Grete_o_Grete Autor

      Vielleicht ist deine Yoga-Schule nicht genug „in“ :-D. Ich hab dieses Schickimicki bei meinen Yoga-Schulen und -Lehrern auch nie erlebt, allerdings habe ich mal eine Probestunde in einer sehr elitären Yoga-Schule in Berlin-Mitte gemacht und da kam ich mir wirklich wie Aschenputtel vor, da ging es wirklich nur um einen Trend und nicht das Wesen des Yoga.
      Das Buch ist schon ganz unterhaltsam, aber es hat nicht den Yoga-Bezug, den die Kurzinfo wohl vermitteln will.
      Hast du schon „Schlampen-Yoga“ von Milena Moser gelesen? Das hat mir ganz gut gefallen.
      Und mehr um Yoga selbst geht es auch in https://buchjunkie.wordpress.com/2010/11/26/kristin-rubesamen-alle-sind-erleuchtet/

      Antwort
  2. Katrin von Saiten

    Irgendwie bin ich wohl etwas außen vor mit meiner Sachbuch-Yogalektüre was? „Schlampen-Yoga“ kannte ich bisher nicht mal vom Titel her 😀 Folge aber gleich mal deinem Link…

    Antwort

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