Archiv für den Monat Juli 2011

Alexandra Reinwarth/ Das Glücksprojekt. Wie ich (fast) alles versucht habe, der glücklichste Mensch der Welt zu werden.

Um es gleich vorweg zunehmen: Dieses Buch ist bislang mein Jahreshighlight 2011.

Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, wann mir jemals ein Buch so einen Spaß gebracht hat!

Alexandra Reinwarth hat ein Jahr lang alles Mögliche und Unmögliche getestet, um ihr persönliches Glückslevel zu optimieren.
Nicht, dass sie zuvor übermäßig unglücklich gewesen wäre, aber eine gewisse Grundunzufriedenheit war einfach da und das Gefühl: Das muss noch besser gehen.

Mein Entschluss steht fest: Ich will aus meinem Leben das Größtmögliche herausholen. Ich will größt-glücklich-möglich sein.
Und zwar ab: Jetzt.

Und so hat sich die tapfere Heldin in die Schlacht gestürzt, hat sich mit vielen Ratgebern bewaffnet und es mit Sport und Buddhismus, mit Lach-Yoga, Wallfahrten, Kleiderschrankoptimierung, Bestellungen beim Universum oder auch Tricks aus der Psychokiste aufgenommen und sich (was längst überfällig war) ein Haustier angeschafft. Eben all die Dinge, die in den ach so populären „wie werde ich zufrieden“-Ratgebern immer so empfohlen werden (als Beispiele seien hier mal Eckart von Hirschhausens „Glück kommt selten allein“ oder Marie Mannschatz‘ „Buddhas Anleitung zum Glücklichsein“ genannt, auf beide Bücher bezieht sich die Autorin immer wieder und sie stehen auch bei mir im Regal, aber das nur so am Rande…).

Wer jetzt einen drögen Ratgeber erwartet, liegt Kilometer, ach, Galaxien weit entfernt von der Realität!
Mit viel Humor geht die Autorin an die Sache, berichtet von Pleiten, Pech und Pannen, lässt sich auch immer wieder überraschen und überrascht auch den Leser, denn so unterhaltsam das Buch auch ist, aus jedem Kapitel kann man etwas für sich selbst mitnehmen, reflektieren, sich selbst mal einer kleinen Bestandsprüfung unterziehen. Und immer wieder lachen.

Insbesondere das Haustierkapitel hat mir einen Lachflash par excellence beschert, die Tränen liefen mir dermaßen, dass der Hausherr schon ganz besorgt ob meines Geisteszustandes war.

Ich will jetzt gar nicht weiter auf den Inhalt des Buches eingehen, das endet dann nur wie in Rezensionsversuch 1 + 2 damit, dass ich mich wieder festlese und außerdem will ich auch nicht zu viel verraten, ihr sollt nämlich selbst mit Lachmuskelkater gesegnet werden.
Bestellt hatte ich mir dieses Buch mehr oder weniger durch Zufall, ich hatte mir bereits die „Yoga Bitch“ in den Warenkorb gelegt und sah dann, dass „Das Glücksprojekt“ von den Käufern des Buches wärmstens empfohlen wurde.
Neugierig habe ich es also auch bestellt, aber ich hätte nie, wirklich NIE erwartet, dass es mich derart begeistern könnte. Und damit steh ich nicht allein da, Katrin von BuchSaiten ging es nicht anders als mir 😉 und inzwischen findet man immer mehr begeisterte Rezensionen zu dem Buch.
Spart euch all die anderen Ratgeber, dieses Buch macht schon beim Lesen glücklich, versprochen!
Geht am besten sofort in den Buchladen und holt euch dieses Buch. Jetzt gleich!

Der erste Satz:

Dies ist kein Glücksratgeber.

Bewertung:
Eigentlich müsste ich für „Das Glücksprojekt“ die sechs Sterne einführen ;-), aber ich belasse es einfach bei der Höchstnote, den fünf Sternen und betone noch einmal: Lest dieses Buch!

Titel: Das Glücksprojekt. Wie ich (fast) alles versucht habe, der glücklichste Mensch der Welt zu werden.
Autorin: Alexandra Reinwarth
Taschenbuch: 250 Seiten
Verlag: mvg Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3868822052

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[abgebrochen] Hörbuch: Bernd Stelter/ Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben

Worum geht es?
Herr Stelter, der ehemalige Pfundskerl, hat ordentlich abgenommen und wie jeder andere Promi mit Diäterfolg muss er also nun auch in Buch- und Hörbuchform davon berichten …

Grund des Abbruchs:
Laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig.
Nicht nur, dass Herr Stelter so gar keine Hörbuchstimme hat (also zumindest nicht für meine wählerischen Ohren), er schwafelt und labert und schwafelt und labert, und zwar ausschließlich langweiliges Alltagsgeschwätz.
Für Stelter-Fans mag das wenigstens amüsant sein, da ich mit dem Stelter-Humor aber so gar nicht kompatibel bin, hat es mich einfach nur entsetzlich angeödet und wurde irgendwann dermaßen nervig, dass ich schnell und schmerzlos abgeschaltet habe.

Am liebsten würde ich null Sterne vergeben, aber ich halte mich mal schön brav an meine eigene Regel, die da besagt: Bewerte nur, was du wirklich gelesen/ gehört hast. Aber es fällt diesmal wirklich schwer. Wirklich.

Stephen King/ Atlantis

Fünf Novellen, alle miteinander verbunden, obwohl sie zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten spielen und in jeder ein anderer Protagonist zu Wort kommt.
Die erste Geschichte spielt 1960, die letzte 1999 und mit ihr schließt sich der Kreis rund um die Hauptprotagonisten Bobby, Carol und Sully-John. Nicht jeder von ihnen taucht in jeder Geschichte auf, dennoch erfährt man etwas über sie, über ihren Werdegang, ihre Entwicklung und ihr Leben.
Kinder werden zu rebellischen Jugendlichen, die ihrerseits zu angepassten oder auch aufrührerischen Charakteren heranreifen, aneinander geraten, sich verlieren, sich in komplett verschiedene Richtungen entwickeln.
Ein weiteres zentrales Thema in allen fünf Novellen ist der Vietnamkrieg und seine vielfältigen Auswirkungen auf die amerikanische Gesellschaft, die auch im Jahr 1999 noch deutlich spürbar waren.

Stephen King hat mit „Atlantis“ eine sehr nachdenkliche Novellensammlung geschrieben, die so rein gar nichts mit Horror zu tun hat, sondern sich sehr kritisch mit der jüngeren amerikanischen Geschichte und Politik sowie der amerikanischen Gesellschaft auseinandersetzt.
Ein paar Fantasy-Elemente kommen selbstverständlich vor, vor allem in der ersten Novelle mit dem Titel „Niedere Männer in gelben Mänteln“. Vor allem hier taucht auch immer wieder ein Bezug zu Stephen Kings Meisterwerk, dem Zyklus rund um den „Dunklen Turm“, auf und wer die Bücher dazu gelesen hat, wird manchen Aha-Effekt erleben können. Doch trotz dieser Fantasy-Elemente ist das Buch keinesfalls zum Fantasy-Genre zu zählen und ebenso wenig zum Horror- oder Spannungsgenre. Spannung kommt zwar vor, aber nicht in dem Maße, wie man es eigentlich von King gewohnt ist.

Wer Stephen King bislang für einen untalentierten Schreiberling hielt, dessen Horizont nicht über Blut, Horror und Gemetzel hinaus reicht, der anspruchslose Bücher für anspruchslose Menschen schreibt (ja, diese Denke ist leider immer noch häufig anzutreffen), der wird hoffentlich durch „Atlantis“ endlich eines besseren belehrt.

Was ich an diesem Buch zu bemängeln habe, sind ein paar unschöne Übersetzungsfehler, über die man jedoch in Betrachtung des Gesamtwerks gelassen hinwegsehen kann. Außerdem finde ich das deutsche Cover im Vergleich zur amerikanischen Taschenbuchausgabe nicht sonderlich gelungen, auch wenn es sich natürlich so rein optisch sehr gut in die Neuauflagen der King-Bücher einfügt.

Der erste Satz:

Bobby Garfileds Vater hatte zu denen gehört, die schon mit zwanzig bis dreißig Jahren die Haare zu verlieren beginnen und so circa mit fünfundvierzig völlig kahl sind.

Bewertung:
Nichts anderes kommt in Frage als fünf Sterne.

Ein Song, der vor allem in der zweiten Novelle „Herzen in Atlantis“ immer wieder erwähnt wird und sich durch das gesamte Buch zieht, ist „96 tears“ von ? and the Mysterians, und wer ihn bisher nicht kannte, hat hier nun die Gelegenheit, sozusagen als Soundtrack zum Buch 😉

Titel: Atlantis
Originaltitel: Hearts in Atlantis
Autor: Stephen King
Taschenbuch: 800 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (8. Februar 2011)
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3453435711

Yoko Ogawa / Das Ende des Bengalischen Tigers

Seltsame Dinge geschehen in Yoko Ogawas „Das Ende des Bengalischen Tigers“: Ein Kind stirbt in einem Kühlschrank, ein Tiger wird in einem Innenhof gefangen gehalten, ein Arzt wird ermordet und ein Herz wird auf, statt in der Brust getragen.

In ruhiger, poetischer Sprache erzählt die Autorin in elf Geschichten von den verschiedensten Menschen und den haarsträubendsten Ereignissen. Elf Geschichten, alle auf vielfältige Art miteinander verwoben, obwohl Protagonisten, Zeit und Orte wechseln. Jede wird aus der Sicht eines Ich-Erzählers geschildert, jede konzentriert sich auf ein anderes Geschehnis und doch trägt eine jede dazu bei, die anderen Geschichten besser zu verstehen.

Dem Leser bleibt die Aufgabe, die Geschichten in Kontext zueinander zu setzen und ehe man sichs versieht, wird aus den elf Geschichten ein Roman.

Besonders wird das Buch vor allem durch die Sprache. Gerade der Kontrast zwischen der poetischen, sanften Sprache und dem teilweise grauenerregenden Geschehen ist außergewöhnlich und dadurch sehr reizvoll.

Bewertung:
Das Buch hat mich unterhalten, fasziniert, schockiert, gefesselt und überrascht – fünf Sterne.

Titel: Das Ende des Bengalischen Tigers
Autorin: Yoko Ogawa
Originaltitel: Kamokuna Shigai, Midarana Tomurai
Gebundene Ausgabe: 221 Seiten
Verlag: Liebeskind
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3935890755

Gabriel A. Neumann / Masala Highway. Abenteuer Alltag in Indien

Kurzinfo:
Masala nennen sich die Gewürzmischungen, die Curry-Gerichten ihre unverkennbare Note geben. Je nach Region, Ort oder auch Haushalt werden sie anders zusammengestellt, süßlich, mild oder scharf. Genauso vielfältig wie die Masala-Varianten ist das Land selbst, aus dem die Mischung kommt: Indien.

Der Subkontinent ist die der Bevölkerungszahl nach größte Demokratie der Welt – zugleich bleibt es aber auch das Land der bemalten Elefanten, heiligen Männer und des scharfen Essens. Was an einem Maharaja im Land der Könige modern ist und wie man die richtige von neun Eisenbahnklassen wählt, erzählt der Autor, der das Land seit Mitte der neunziger Jahre bereist. Folgen Sie ihm auf seinem persönlichen Masala Highway: Namaste und willkommen in Indien!

Quelle: Dryas Verlag

Indien liegt seit Jahren im Trend, nicht zuletzt dank des weltweiten Erfolgs der Bollywood-Filme.

Indien, das bedeutet für viele Europäer und Amerikaner: exotische Mahlzeiten, überfüllte Städte, Dschungel, Yoga, Selbstfindung.
Doch Indien hat auch darüber hinaus viel zu bieten.

Gabriel A. Neumann schafft es, die typischen westlichen Vorstellungen von Indien mit den tatsächlichen Gegebenheiten in Einklang zu bringen, und das in einem vollkommen kitschfreien Reiseführer – seit „Eat Pray Love“ auch nicht mehr ganz selbstverständlich ;-).

Von Beginn an merkt man, dass der Autor selbst sehr indienerfahren ist, dass er auch abseits der ausgetretenen Touristenpfade unterwegs war, völlig untouristische Dinge entdeckt und erlebt hat.

Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt, die so schöne Namen tragen wie „Die Zeit läuft anders auf Bahnsteig B“ oder „Auch Heilige müssen arbeiten“.
Im Detail befasst sich der Autor darin mit den Möglichkeiten des Reisens in Indien, mit der Religion, Bollywood und seinen Filmen, Tabus und Fettnäpfchen, Politik, den indischen Tieren und dem Alltag auf dem indischen Land. Alle Kapitel greifen ineinander, sodass man am Ende des Buches alle wesentlichen Bereiche zum Thema Indien-Reise touchiert hat. Garniert werden die Erzählungen mit einigen farbenfrohen und ausdrucksstarken Bildern, die ebenso wie der Text sehr vom eigenen Erleben des Autoren geprägt sind. Und zum Schluss kommt noch ein kleiner Anhang zum Thema Bollywood, in dem einige wesentliche Punkte des indischen Films erläutert werden – genau mein Ding, denn ich bin bekennender Bollywood-Fan ;-).

Das Buch ist keiner jener Reiseführer, die man immer dabei hat, um noch mal nachzuschlagen, sondern eher ideal zur Reisevorbereitung und zum „Appetit anregen“. Dabei ist es aber keinesfalls oberflächlich gehalten, sondern kratzt auch mal etwas kritisch an der Fassade.

Interessant und lobenswert: Mit dem Kauf des Buches wird der Verein „Deutsch-Indische Zusammenarbeit e.V.“ unterstützt, 50 Cent von jedem verkauften Buch gehen direkt an den Verein, der gemeinsam mit lokalen Partnern die Lebensbedingungen der armen Bevölkerung Indiens zu verbessern versucht.

Bewertung:
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und meine Neugier auf Indien deutlich verstärkt.
Vier Sterne.

Titel: Masala Highway. Abenteuer Alltag in Indien.
Autor: Gabriel A. Neumann
Broschiert: 174 Seiten
Verlag: Dryas
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3940855183

Herzlichen Dank an BloggDeinBuch.