Yoko Ogawa / Das Ende des Bengalischen Tigers

Seltsame Dinge geschehen in Yoko Ogawas „Das Ende des Bengalischen Tigers“: Ein Kind stirbt in einem Kühlschrank, ein Tiger wird in einem Innenhof gefangen gehalten, ein Arzt wird ermordet und ein Herz wird auf, statt in der Brust getragen.

In ruhiger, poetischer Sprache erzählt die Autorin in elf Geschichten von den verschiedensten Menschen und den haarsträubendsten Ereignissen. Elf Geschichten, alle auf vielfältige Art miteinander verwoben, obwohl Protagonisten, Zeit und Orte wechseln. Jede wird aus der Sicht eines Ich-Erzählers geschildert, jede konzentriert sich auf ein anderes Geschehnis und doch trägt eine jede dazu bei, die anderen Geschichten besser zu verstehen.

Dem Leser bleibt die Aufgabe, die Geschichten in Kontext zueinander zu setzen und ehe man sichs versieht, wird aus den elf Geschichten ein Roman.

Besonders wird das Buch vor allem durch die Sprache. Gerade der Kontrast zwischen der poetischen, sanften Sprache und dem teilweise grauenerregenden Geschehen ist außergewöhnlich und dadurch sehr reizvoll.

Bewertung:
Das Buch hat mich unterhalten, fasziniert, schockiert, gefesselt und überrascht – fünf Sterne.

Titel: Das Ende des Bengalischen Tigers
Autorin: Yoko Ogawa
Originaltitel: Kamokuna Shigai, Midarana Tomurai
Gebundene Ausgabe: 221 Seiten
Verlag: Liebeskind
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3935890755

4 Gedanken zu „Yoko Ogawa / Das Ende des Bengalischen Tigers

  1. Blauraum

    Ich habe das Buch auch für japanliteratur rezensiert. Bisher habe ich noch keine anderen Bücher von Ogawa gelesen, möchte das aber bald dringend nachholen. Erzählungen mag ich nämlich eigentlich nicht so gerne.

    Antwort
    1. Grete_o_Grete Autor

      Weil mir die Sprache so gut gefallen hat, habe ich mir direkt noch ein anderes Buch von ihr besorgt.
      Ich mag Novellen/ Erzählungen/ Kurzgeschichten ja sehr gerne, daher hat mich das Buch wahrscheinlich umso mehr beglückt.
      Aktuell lese ich gerade einige Novellen von Stephen King und da ist es ganz ähnlich: Sanfte, ruhige Sprache, die einen zunächst in Sicherheit wiegt, aber grauenhaftes Geschehen und alles steht irgendwie geschichtenübergreifend miteinander in Zusammenhang bzw. es gibt überall Zusammenhänge zu der Dunklen-Turm-Reihe. So etwas gefällt mir ausgesprochen gut, wenn man neben der eigentlichen Lektüre auch noch die Zusammenhänge herstellen und erfassen muss🙂.

      Antwort
  2. Kari

    Ich liebe japanische Literatur, weil sie sich irgendwie von westlicher Literatur unterscheidet. Zwar hat meine Leselust in diese Richtung schon seit längerem eine Durststrecke, aber das Buch werde ich mir auf jeden Fall mal notieren!

    Antwort
  3. Desirée

    Von Yoko Ogawa habe ich noch nie gehört, aber das klingt ja super. Japanische Literatur interessiert mich, und ich habe vor kurzem „In der Misosuppe“ von Ryu Murakami gelesen. Das erinnert mich ein bisschen an das was Du über Geschichten geschrieben hast: Furchtbare Ereignisse und eine ganz ruhige, gelassene Sprache. Seltsam, aber sehr faszinierend.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s