Mathias Malzieu/ Die Mechanik des Herzens.

„Verschenke niemals dein Herz – an niemanden!
Denn sonst wird der Stundenzeiger deiner Uhr sich dir durch die Haut bohren, deine Knochen werden bersten, und die Mechanik deines Herzens wird für immer stillstehen.“

Die Mechanik des Herzens

Tickende Herzen, Menschen, die repariert werden müssen und die eine, einzige wahre Liebe sind Sujet des Romans „Die Mechanik des Herzens“.

Der kleine Jack wird als ungewolltes, kränkliches Kind anonym im Edinburgh des Jahres 1874 geboren. Die Hebamme Doktor Madeleine, die ausgegrenzt vom Rest der Gesellschaft lebt und Zuflucht für die Skurrilen, Seltsamen, für die Trinker und Prostituierten, eben für alle Andersartigen ist, und die Menschen so repariert als seien sie Uhren, holt Jack auf die Welt. Sein Herz ist schwach und so setzt Doktor Madeleine dem Baby eine Uhr als „Herzschrittmacher“ ein. Jack wächst heran, ein Sonderling wie alle, die im Hause Doktor Madeleines auflaufen, und als er erstmals im Alter von elf Jahren in die Stadt geht, begegnet er der hinreißenden kleinen Tänzerin Miss Acacia – der einzigen Frau, die er je lieben wird …

Beschrieben wird das Buch als „Ein phantastisches Kunstmärchen mit überbordenden Bilderwelten“ oder auch „Ein Märchen für Erwachsene – über die Liebe“.
Nach einigen Befremdlichkeiten habe ich versucht, das Buch genau so zu betrachten und anzunehmen. Mit Befremdlichkeiten meine ich das, was viele andere Leser vor mir schon bemerkt haben, nämlich die doch etwas überzogenen, expliziten sexuellen Sichtweisen und Empfindungen, die Malzieu dem elfjährigen Jack zuschreibt – einem Kind also, dem man solche Begehrlichkeiten doch eher ungern zudenkt.

Da dieses Buch aber auch sonst in kein Schema passt, ist es zumindest mir nicht allzu schwergefallen, mich nicht in diese Tatsache zu verbeißen.
Malzieus Sprache ist so wunderbar, seine Gedanken so klug, seine Beobachtungen des Menschen so treffend, seine Bilder so intensiv, dass ich am liebsten in seinen Worten gebadet hätte, so kitschig das auch klingt 😉 Keiner der Protagonisten war mir übermäßig sympathisch oder gar liebenswert, jede Figur hat ihre Sonnen-, aber auch Schattenseiten, niemand ist nur gut oder nur böse. Dieses Gefühl zu vermitteln und gleichzeitig eine Geschichte zu entwerfen, die wie ein Sog wirkt, ist in meinen Augen eine schriftstellerische Leistung, die viel zu selten gelingt!

„Kann ich die Zeit zurückdrehen, indem ich meine Zeiger in die entgegengesetzte Richtung drehe?“
„Nein, du machst dir nur die Zahnräder kaputt und tust dir höllisch weh. So was funktioniert nicht. Man kann sein Tun nicht ungeschehen machen, auch nicht, wenn man eine Uhr als Herz hat.“

Fünf Sterne.
5sterne

Dies war übrigens mein erstes vollständig auf dem Kindle gelesenes Buch – den geb ich tatsächlich nicht mehr her. 😉

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 419 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 193 Seiten
ISBN-Quelle für Seitenzahl: 3570585085
Verlag: carl’s books
Sprache: Deutsch
ASIN: B00739NK30

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