Archiv für den Monat Juni 2013

Warum ich mich manchmal für dumm verkauft fühle

Ada Mitsou liest...

Mein Blog existiert ja nun schon eine ganze Weile und im Laufe der Jahre habe ich nicht nur Herzblut, sondern auch viel Zeit und Arbeit in „Ada Mitsou liest…“ gesteckt, um diese Seite zu meinem persönlichen, aber auch der Allgemeinheit zugänglichen Wohlfühlbereich zu machen. Die Resonanz ist ganz unterschiedlich. Manchmal schreibe ich meine Gedanken nieder und bleibe mit den Worten alleine. An anderen Tagen stellt ein Artikel den Treffpunkt für einen regen Meinungsaustausch dar. Fakt ist jedoch, dass die Besucherzahlen im Laufe der Zeit gestiegen sind, wodurch natürlich auch die Attraktivität des Blogs als potentieller Werbeträger steigt.

Bloggen ist für mich in erster Linie eine Herzensangelegenheit. Ich schreibe gerne, freue mich, wenn jemand anderes sich dadurch angesprochen fühlt und finde Gefallen daran, meine Seite zu gestalten und mit Ideen zu füllen.
Was mich jedoch nicht freut, ist, wenn ich für dumm verkauft werden soll.

Seit ein paar Monaten trudeln immer…

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Der Blog als Litfaßsäule und der Blogger als dummes Schaf

Meine Lieben,

langsam platzt mir der Kragen.

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendeine Anfrage kommt, ob ich dieses oder jenes Manuskript lesen möchte, als Allererste, das sei doch eine Ehre – gerne dürfte ich auch Fehler, die ich entdecke, korrigieren. Kostenlos, versteht sich. Es handelt sich ja schließlich um ein Privileg, den aufstrebenden Möchtegernbestsellerautor vorab und GRATIS lesen zu dürfen!

Auch immer wieder gern gelesen: Mails von Schülern, die zu faul sind, ihre Buchbesprechungen selbst zu machen und sich doch tatsächlich erdreisten, mich und andere Buchblogger darum zu bitten, dies für sie zu tun.

Dazu jede Menge Firmen, darunter Verlage, aber auch vollkommen literaturunabhängige Unternehmen, die gerne ihre Logos auf dem Blog platzieren würden.

Der letzte Tropfen auf dem übervollen Fass war heute diese Mailanfrage, die sicher auch Dutzende anderer Blogs erreicht hat:

Einer unserer Kunden möchte zur Bewerbung eines neuen Fantasyromans gerne Advertorials / Sponsored Posts auf Bücherblogs schalten.
Können Sie mir sagen, ob dies auf Ihrem Blog möglich ist, und wenn ja, zu welchem Preis? Weitere Details wären dann zu erfahren oder könnten noch geklärt werden, wenn Sie Interesse hätten mitzumachen. Im Zuge dessen wäre es gut zu wissen, welche Reichweite ihre Webseite hat (monatliche Besucherzahlen).

Den Absender nenne ich jetzt mal nicht, er behauptet von sich selbst allerdings, eines der größten deutschsprachigen Blog-Netzwerke zu sein. Ich hab den Namen heute das erste Mal gehört …

Nein, mein Blog ist keine Litfaßsäule!
Posts auf meinem Blog sind nicht zu erkaufen, meine Gunst ebenfalls nicht und positive Bewertungen oder Werbeposts schon mal gar nicht! Meine Besucherzahlen und meine Blogreichweite gehen euch einen Scheiß an!
Dieser Blog ist nicht kommerziell und wird das auch in Zukunft nicht sein!

Wenn ihr aufstrebenden Autoren eure Manuskripte korrigiert und lektoriert haben wollt – gerne! Ich lasse euch liebend gerne meine Preisliste zukommen, denn als hauptberufliche Lektorin werde ich den Teufel tun und in meiner Freizeit(!) umsonst für euch arbeiten. Es sei denn, ihr könnt es bewerkstelligen, dass ich in Zukunft auch umsonst wohnen und einkaufen kann und meine Rechnungen sich wie von Zauberhand in Luft auflösen. Eure Dreistigkeit macht mich oft genug einfach nur sprachlos.

Liebe Schüler – setzt euch gefälligst auf euren Arsch und macht eure Hausaufgaben selbst!

Und liebe Verlage und sogenannte Blog-Netzwerke:
Es hat ja lange genug gedauert, bis ihr die Nützlichkeit der Literaturblogs entdeckt hab – dass ihr jetzt aber glaubt, euch so einfach „einkaufen“ zu können, das macht mich sprachlos. Dass ihr schon lange Agenturen beauftragt, die Amazon-Bewertungen zu „pushen“ und zu verfälschen, das ist nichts Neues, in anderen Branchen ist das auch bei den Blogs schon lange traurige Realität, aber dass es nun auch die Literaturblogs erreicht, ist ein absolutes Armutszeugnis.
Statt hier sinnlos Geld zu verpulvern, solltet ihr vielleicht mal lieber in ein anständiges Lektorat und herausragende Manuskripte investieren oder aber in außergewöhnliche PR-Kampagnen, anstatt immer wieder denselben langweiligen, öden Mist zu publizieren, der vor Übersetzungsfehlern nur so strotzt.
Investiert lieber in Qualität als in Fake-Blogposts!

Ich hoffe sehr, dass die meisten Literaturblogger genügend Rückgrat beweisen und für sich, ihre Unabhängigkeit und die Qualität ihres Blogs einstehen, aber sicherlich werden sich etliche sogar noch geschmeichelt fühlen, weil jemand ihren Blog für so attraktiv hält, dass er dort Werbung platzieren will.
In den seltensten Fällen werden besagte Agenturen mehr als die Kontakt-Seite gelesen haben, dieses Werbeangebot wird also wohl kaum Rückschlüsse auf die Qualität des Blogs zulassen.


Verschont mich in Zukunft von diesen Anfragen, mein Blog und meine Meinung sind nicht käuflich!

Jojo Moyes/ Ein ganzes halbes Jahr

Louisa Clark lebt in einer schottischen Kleinstadt ein kleines, überschaubares, unspektakuläres Leben. Sie arbeitet in einem Café, wohnt noch bei den Eltern, hat einen Freund und streitet sich mit ihrer Schwester. Alles läuft in ruhigen, langweiligen Bahnen. Bis sie ihren Job verliert und als Betreuerin bei Will Traynor landet. Will ist seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt und hat jede Freude am Leben verloren. Lou und Will, zwei Menschen, die, wären ihre Leben wie geplant verlaufen, sich nie auch nur eines Blickes gewürdigt hätten und die der Zufall nun eng aneinander kettet …

Ein ganzes halbes Jahr

„Ein ganzes halbes Jahr“ landete eher durch Zufall auf meinem Kindle, hatte mich aber bereits nach den ersten Sätzen erobert.
Ein wunderschönes, einfühlsames Buch mit sehr schön gezeichneten Charakteren und einer Autorin, die sich als aufmerksame Beobachterin menschlicher Verhaltensweisen erweist und die Kunst beherrscht, ein tragisches Ende so aufzubauen, dass es dennoch ein warmes, stimmiges Gefühl beim Leser hinterlässt.

5 Sterne.
5sterne

Autorin: Jojo Moyes
Titel: Ein ganzes halbes Jahr
Originaltitel: Me Before You
Broschiert: 512 Seiten; gelesen als eBook
Verlag: rororo
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3499267031

Laurie Frankel/ Der Algorithmus der Liebe

Im wahren Leben traf man vielleicht ein Mädchen und mochte es, und das Mädchen mochte einen auch. Man verstand sich gut und fing eine Beziehung an, und wenn das gut lief, kam man sich immer näher und teilte immer mehr miteinander, man passte das eigene Leben an das des Mädchens an und verliebte sich ernsthaft, und trotzdem schlief es mit dem Zimmernachbarn, sobald man übers Wochenende nach Hause fuhr. Bei Computern traten derart groteske Abweichungen nicht auf.

Der Algorithmus der Liebe

Sam ist ein genialer Programmierer und arbeitet zusammen mit zahlreichen anderen Programmierern für eine große, erfolgreiche Partnervermittlung.

„Und aus diesem Grund wende ich mich an euch. Mit der Liebe ist das so eine Sache. Zu viele unbekannte Größen. Die Seele folgt nun mal keiner Logik, und das Herz hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Wie lässt sich das alles auf einen Nenner bringen? Und wie drückt man es in Zahlen aus und programmiert es? Wir sind Programmierer, also ist genau das unsere Aufgabe.“

Sam gelingt das Unglaubliche, er entdeckt den Algorithmus der Liebe und entwickelt ein Programm, das den perfekten Partner für jedermann findet. Was umso grotesker scheint, da Sam selbst bislang so gar keinen Erfolg in Sachen Liebe vorzuweisen hat.

Dann versuchte es Sam eine Zeit lang als Single, weil so die Gefahr, dass jemand auf seiner Seele herumtrampelte und sein Herz in tausend Stücke riss, weit geringer war. Er versuchte sich desinteressiert zu geben, nichts zu riskieren, nicht die Augen offen zu halten, seine Freizeit mit männlichen Kumpeln zu verbringen, Singleurlaube zu machen, an seiner Persönlichkeit zu arbeiten und das Kabelfernsehen abzubestellen. Doch das funktionierte auch nicht. Sich nicht zu verlieben bedeutete tatsächlich, dass man nicht verletzt wurde. Aber das brachte ja auch nichts.

Also startet Sam einen Selbstversuch – und findet so Meredith, seine große Liebe.
Das Leben könnte also rosarot sein, doch dann wird Sam zuerst gefeuert -welche Partnervermittlung verdient schließlich noch genug Geld, wenn jeder sofort den perfekten Partner findet?-, und dann stirbt auch noch Merediths geliebte Großmutter Livvie. Um ihr in ihrer Trauer beizustehen, entwickelt Sam nun einen neuen Algorithmus: Anhand alter Mails, Chats, Gesprächserinnerungen und hinterlassener Briefe entwickelt er ein Programm, durch das Meredith virtuell mit ihrer verstorbenen Großmutter kommunizieren kann. Sie erhält durch das Programm generierte eMails, die Großmutter Livvie genau so selbst geschrieben haben könnte.Meredith empfindet dies als so tröstlich, dass schnell eine Geschäftsidee daraus wird – und gleichzeitig der große Test für Sams und Merediths große Liebe.

„Der Algorithmus der Liebe“ ist ein wunderschönes, sensibles und tröstliches Buch, das dank seiner minimalistischen, knappen und dennoch gefühlvollen Sprache niemals ins Kitschige abzudriften droht.
Gleichzeitig behandelt es eine Thematik, die heutzutage immer wichtiger wird: Wie soll man mit dem virtuellen Erbe eines Menschen umgehen? Erschwert das Internetzeitalter unseren Umgang mit der Trauer oder erleichtert es sie?

Das Buch ist genauso wunderbar wie sein Cover (fast bedaure ich, mich für das eBook entschieden zu haben) – 5 Sterne.
5sterne

Autorin:
Laurie Frankel
Titel: Der Algorithmus der Liebe
Originaltitel: Goodbye For Now
Broschiert: 416 Seiten, gelesen als eBook
Verlag: Heyne Verlag
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3453268364