Archiv für den Monat Dezember 2014

Mein Lesejahr 2014: Ein Rückblick.

Mein Beitrag zur Blogparade soll noch nicht alles an Rückblick gewesen sein.
2014 war buchtechnisch ein mehr als erfreuliches Jahr, vielleicht auch, weil ich die Bestsellerlisten sehr ignoriert habe – das einzige Mal, dass ich mich von der Masse hab leiten lassen, war auch das einzige Buch, das mich ziemlich enttäuscht hat. Ich hab einfach nur frei Schnauze gelesen, getreu dem Lustprinzip, das 2013 wieder Einzug ihn mein Leseverhalten gefunden hat.

Ich schrieb es ja schon im letzten Jahresrückblick, aber für mich ist dieser Punkt immer noch so wichtig, dass ich mich selbst zitieren möchte:

Vor allem aber habe ich jedes “MUSS” im Zusammenhang mit meinem Hobby eliminiert. Ich muss nicht lesen, was ich nicht lesen will, ich muss nicht über das Lesen schreiben, ich muss ein Buch nicht beenden, wenn es mir nicht gefällt und selbes gilt auch für Hörbücher, und wenn ich keine Lust aufs Lesen habe, weil ich zu müde bin oder zu unkonzentriert, dann ist es auch vollkommen legitim, stattdessen Serien zu gucken. Das macht mich nicht zu einer schlechteren Leserin, das macht mich nicht ungebildeter oder unkultivierter – es macht mich einfach nur frei.
Wir müssen schon genug im Leben. In meiner Freizeit will ich ganz alleine regulieren, was ich tue, ungehindert und unblockiert von jedem “MUSS”.
Das liest sich jetzt so selbstverständlich, aber diese Erkenntnis war wichtig für mich und hat aus so manchem den Druck herausgenommen.

Ich bin in diesem Punkt 2014 noch radikaler geworden – Bücher, die mir nicht zusagen, werden nicht beendet, die Zeit ist mir zu schade und jemand anderem macht das Buch vielleicht mehr Freude. Bei Neuanschaffungen bin ich noch kritischer geworden und das hat sich gelohnt, denn in diesem Jahr haben wirklich nicht viele Bücher meinen Weg gekreuzt, die mir so gar nicht zugesagt haben. Was diesen Punkt angeht, habe ich also meinen Vorsatz für 2014 sehr gut umsetzen können.

Ich habe 2014 insgesamt 52 Bücher gelesen, also jede Woche eins. Nicht mit einberechnet sind die vielen Fachbücher, Dissertationen und Manuskripte, die ich im Brotjob täglich lese – hier im Blog zählt nur, was ich in meiner Freizeit lese und höre.
Das ist noch lange nicht wieder so viel wie vor meinem Katastrophenjahr 2011, aber ich bin damit zufrieden, vor allem, weil mir nahezu jedes dieser Bücher auf die eine oder andere Weise gefallen hat. Qualität vor Quantität. Wenn ich in anderen Blogs lese, dass die Leute sich enormen Druck machen, pro Jahr mindestens 100, wenn nicht sogar 200 Bücher zu lesen, bricht mir schon der Schweiß aus und ich bekomme Schnappatmung.
Wozu dieser Stress? Wo bleibt da das Vergnügen?
Lieber lese ich eine solch überschaubare Anzahl an Büchern und kann mich dann auch hinterher an den Inhalt und die Feinheiten erinnern, als dass ich mich jemals wieder diesem „Ich MUSS aber“-Stress aussetze. Erst jetzt merke ich, dass mich das früher nicht nur unter Druck gesetzt hat, sondern dass es sich vor allem auch so ausgewirkt hat, dass ich mich kurz nach der Lektüre kaum noch an die Inhalte der Bücher erinnern konnte. Jetzt mache ich nach jedem Buch eine kleine Pause, lasse alles sacken und schreibe mir bereits während des Lesens meine Eindrücke in einem Lesetagebuch auf – auch eine ausgezeichnete Neuerung des Jahres 2014.
Und, mal ehrlich (dass ich das mal sagen würde …): Es gibt mehr im Leben als Bücher. Literatur wird sicher immer meine große Liebe bleiben, aber da ist noch so viel mehr, was es zu entdecken und zu (er)leben gibt, manchmal muss man einfach raus, Neues wagen, die Welt sehen. Das eröffnet einem dann auch wieder ganz neue Zugänge zu den Büchern, die man sich niemals hätte vorstellen können.

Da ich in diesem Jahr viel unterwegs war, hat sich die Zahl der gehörten Hörbücher rapide erhöht – es waren 25 Stück, und auch hier gab es wenige, die mir nicht wirklich zugesagt haben.

Mein zweites Vorhaben für dieses Jahr war es ja, meinen SuB abzubauen. Nun, was soll ich sagen …  Zwar hab ich wirklich viel vom SuB weggelesen, aber dann fand hier ein toller Buchflohmarkt statt, dann war dort ein Buchladenausverkauf, und ab und an hat es mich dann doch wider besseren Wissens ins Ocelot, die Chaiselongue oder auch zu Dussmann gezogen. Ich habe zwar nicht allzu viel gekauft, aber einiges kam eben doch dazu.
Da ich aber auch gezielt ausgemistet und sehr sehr viele Bücher verschenkt habe, ist der analoge SuB derzeit auf unter 200 geschrumpft, also gut 50 weniger als zu Jahresbeginn.
Über den digitalen SuB breite ich weiterhin den Mantel des Schweigens und der Scham.

Im letzten Jahr hatte ich unter meinen Jahresrückblick ein Foto mit dem Spruch „Do more of what makes you happy“ gepostet.
Dieser Spruch begleitet mich seit diesem Jahr nun täglich und er ist das erste, was ich morgens nach dem Aufwachen sehe – eine sehr gute Anschaffung (zum Aufhängen aus Holz, gekauft bei Depot) und im Grunde ist er mein einziger Vorsatz für das kommende Jahr und er gilt für alle Aspekte des Lebens.

Was das Lesen angeht, möchte ich einfach diesen, meinen Weg weitergehen, ich brauche keine Challenges, keine Pläne, denn so, wie es in diesem Jahr gelaufen ist, hat es mir gut gefallen und so darf es gerne weitergehen.

Ich wünsche euch allen einen guten Start in das neue Jahr, habt vielen Dank für eure Treue, auch wenn es hier recht still geworden ist, und habt noch mehr Dank für eure tollen Anregungen und eure unterhaltsamen Blogs.
Vielen Dank an die vielen Autoren da draußen für die unzähligen entspannten, manchmal auch aufwühlenden Stunden, die ihr uns mit euren Büchern beschert. Ich hoffe sehr, dass der eisige Wind, der bisweilen in der Buchbranche herrscht, euch nicht zu sehr entgegen weht und dass ihr auch im kommenden Jahr weiter für unseren Lesestoff sorgt.
Alles Gute!

Neujahrsvorsatz - Lebensvorsatz

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Blogparade zum Jahresabschluss 2014

Alle Jahre wieder veranstaltet Katrin von Buchsaiten die Blogparade und dieses Jahr möchte ich zum ersten Mal teilnehmen.

Die Fragen der BSBP:BuchSaiten Jahresabschluss klein besser
* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)
* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)
* Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?
* Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?
* Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2015 lesen und warum?


Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

Da gab es gleich mehrere. Allen voran auf jeden Fall „Tessa“ von Nicola Karlsson, ich bin eigentlich ohne Erwartungen an das Buch herangegangen und es hat mich total geflasht. Die Erzählweise, Tempo, Story, an dem Buch hat für mich einfach alles gepasst.

Ebenfalls sehr begeistert hat mich die Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin. Wie so viele andere habe ich mit viel Vergnügen die Serie „Game of Thrones“ geguckt und dann zur Überbrückung der Wartezeit auf die neue Staffel mit den Büchern begonnen. Ich hätte allerdings wirklich nicht erwartet, dass die Bücher mich noch mehr begeistern als die Fernsehserie. Ich hatte angenommen, dass ein Autor, der in so einer Frequenz Bücher veröffentlicht, allenfalls mittelmäßig ist, und vielleicht haut Martin einen auch nicht unbedingt stilistisch total um, aber die Handlung macht das locker wett – ich bewundere, welch unglaublich komplexe Welt der Mann konstruiert hat. Mittlerweile lese ich Band 4 und freu mich, dass ich noch 6 Bände vor mir habe.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?
Negativ wäre übertrieben, aber ich hatte mir nach all den Lobhudeleien definitiv mehr von Toby Barlows „Baba Jaga“ versprochen, fand die Lektüre dann doch eher langweilig und den Hype nicht nachvollziehbar.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

George R. R. Martin, Ben Aaronovitch, Noam Shpancer, Roman Graf und Matt Haig. Die ersten beiden haben mich überrascht, weil ich nicht angenommen hatte, dass beide mich mit ihren Serien-Romanen begeistern würden, denn eigentlich mag ich Fortsetzungsreihen zwar im Fernsehen, aber nicht bei Büchern, und obwohl ich mittlerweile immer öfter mal etwas aus dem Fantasy-Bereich lese, würde ich das doch keinesfalls als mein bevorzugtes Genre bezeichnen. Glücklicherweise habe ich mich getäuscht und so zwei wunderbar kurzweilige Fortsetzungsreihen für mich entdeckt.
Roman Graf hat mich überrascht, weil ich zum Zeitpunkt der Lektüre noch nichts von diesem Autor gehört hatte. Er ist eher zufällig auf meinem SuB gelandet und konnte mich gleich mit zwei Titeln sehr begeistern. Noam Shpancer war eine Empfehlung einer sehr geschätzten Twitter-Bekanntschaft und ebenfalls ein absoluter Volltreffer.
Und Matt Haig bin ich zunächst eher zufällig auf Twitter begegnet, hatte mit ihm einen so anregenden Austausch, dass ich sogleich sein Buch gekauft habe – und ich habe es ganz sicher nicht bereut, es zählt für mich definitiv zu den Highlights 2014, was man auch daran erkennt, dass ich neben dem Buch auch noch das Hörbuch auf meiner Jahresliste habe ;).
Jeder dieser Autoren beschäftigt sich mit einem anderen Genre und schreibt sehr individuell, weswegen ich meine Neuentdeckungen als sehr bunt und zufriedenstellend empfinde.

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Ich schätze, auch hier liegt „Tessa“ von Nicola Karlsson vorne. Warum, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich finde das Cover einfach unheimlich schön und ansprechend, es hat mich aus dem Regal heraus angesprungen.
Ebenso „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan, welches bestimmt bei vielen Leuten in diesem Jahr ganz vorne liegt.
Ich mag Cover, die anders sind – heutzutage sehen sich viele Cover so ähnlich, dass man die Bücher kaum noch auseinanderhalten kann. Gerade bei skandinavischen Krimis oder Jugendromanen fehlt es oft an Kreativität, was wirklich schade ist. Vor allem treibt das sicher viele Buchhändler regelmäßig zur Verzweiflung, wenn Kunden das gesuchte Buch mit „Das Cover war blau mit einem Haus drauf“ beschreiben und es dazu drölfzig passende Titel gibt. 😉


Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2015 lesen und warum?

Ich möchte auf jeden Fall noch die restlichen Bände von „Das Lied von Eis und Feuer“ lesen, aber sicher zielt diese Frage eher auf Neuerscheinungen. Ich hab mich allerdings noch nicht wirklich mit den Neuerscheinungen 2015 befasst und außer den neuen Titeln von Jojo Moyes habe ich bislang nur „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq, „Fingerhut-Sommer“ von Ben Aaronovitch und „Das Jahr, in dem ich dich traf“ von Cecilia Ahern auf dem Zettel. Einfach, weil ich diese Autoren sehr gerne lese und ihre Neuerscheinungen daher Pflicht für mich sind.
Ansonsten lasse ich mich einfach überraschen, was so meinen Weg kreuzt. Und mein SuB hat ohnehin noch so viel zu bieten, dass Neuanschaffungen ja eigentlich gar nicht notwendig wären … 😉

Ildikó von Kürthy/ Endlich

„In mein behagliches Nest hat mir die Wahrheit mitten hineingekackt. Ich kann bleiben – und mir die Nase zuhalten.
Ich kann mir eingestehen, dass ich naiv war und unerwachsen, weil ich glaubte, Treue gehöre zur Liebe dazu.
Ich kann mir eingestehen, dass meine Ehe nur funktioniert, weil mein Mann alles bekommt, was er sich wünscht – jedoch nicht nur von mir […]
Willkommen, Vera Hagedorn, in der Realität.
Wurde auch höchste Zeit.“

Vera lebt ein Ildikó von Kürthy: Endlichruhiges Leben mit grauen Schinkenbroten, ätzenden Schwiegereltern und ihrem langweiligen Ehemann Marcus im noch langweiligeren Stade. Vera mag ihr ruhiges, langweiliges Leben. Irgendwie. Abenteuer erlebt sie durch ihre Freundinnen, das ist ihr genug. Glaubt sie jedenfalls. Doch genau durch eins dieser Freundinnen-Abenteuer gerät Veras ruhiges, langweiliges Leben aus dem Tritt, denn anscheinend peppt sich Ehemann Marcus sein langweiliges Leben mithilfe einer blutjungen Kosmetikerin ein bisschen auf, und das kann Vera nicht einfach so hinnehmen …

Vera hört auf, zu verdrängen. Klein beigeben will sie nicht, und so beginnt sie, gemeinsam mit ihren Freunden den Kampf gegen Nebenbuhlerin „Gutemine“ aufzunehmen und sich dabei auch endlich selbst ein Stück weiter zu entwickeln, weg von der langweiligen Kleinstadt-Hausfrau und hin zu einer fitten, begehrenswerten Autorin in der Großstadt.

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Manchmal ist es so, dass Ereignisse in unserem Leben, wirklich üble Ereignisse, unseren Horizont erweitern und unsere Augen auf Dinge lenken, die wir früher nicht wahrgenommen haben.
Genau so geht es mir mit Ildikó von Kürthy.
Früher hätte ich ihre Bücher nicht wirklich beachtet, hab mich davon nicht angesprochen gefühlt.
Dann kam das Leben, und nun sitze ich hier und amüsiere mich ganz köstlich mit ihnen, gespickt mit einem Hauch Wehmut, haufenweise Erinnerungen, aber kein Stück traurig, denn Traurigkeit schubst dieses Buch einfach vom Schirm.

Wobei, selbst jetzt im Nachhinein sehe ich keine Hinweise, nichts, was mich hätte stutzig machen müssen.
Oder?
Die langen Abende im Büro? Die Verabredungen zum Squash? Die Sanitärbedarfsmessen in Frankfurt? Da wirst du doch irre, wenn du hinter jeder Verspätung, hinter jeder Dienstreise gleich einen Betrug witterst.
Vor etwa einem halben Jahr hat er das Rasierwasser gewechselt. Und irgendwann war mir aufgefallen, dass er die Boxershorts mit den ausgeleierten Bündchen aussortiert hatte. Wurde auch höchste Zeit, hatte ich gedacht. Mehr nicht.

In vielen Rezensionen habe ich gelesen, die Story sei überzogen und unrealistisch, und zu einem gewissen Teil mag das auch stimmen – wer allerdings selbst mal etwas Vergleichbares erlebt hat (statistisch gesehen wird jede(r) von uns mindestens einmal im Leben selbst betrogen), wird bei diesem Buch immer mal wieder ganz laut „Ja! JA! Genauso ist es!“ rufen.
Inmitten all der humorigen, überzogenen Szenen liegen verdammt viel Wahrheit, Lebenserfahrung und Menschenkenntnis.

Ja, man darf misstrauisch werden, wenn er auf einmal die ausgeleierten Unterbuchsen freiwillig entsorgt, wenn er auf einmal wieder nach Jahren Rasierwasser benutzt, auffallend viel zum „Sport“ geht, seine Sportsachen aber irgendwie so gar nicht nach Schweiß müffeln. Es sind die kleinen Dinge, die sich auf einmal verändern, die man aber erst im Rückblick wahrnimmt, weil sie im eintönigen Beziehungsalltag irgendwie untergegangen waren – dabei wären sie verlässliche Alarmzeichen gewesen, wäre man nur aufmerksamer gewesen.
Hätte hätte hätte.

Ildikó von Kürthy fasst all diese kleinen Anzeichen geschickt in ihrem Roman zusammen und knüpft daraus eine unterhaltsame Geschichte, die bisweilen alberne Elemente enthält und deren Ende dann doch schon arg verkitscht und am Rande des Erträglichen ist – aber warum denn auch nicht? Warum sollte Romanfigur Vera nach all dem kein Kitsch-Ende bekommen?
Dieses Buch soll unterhalten, das tut es auch ganz fabelhaft, und das Ende tut dem gar keinen Abbruch, denn manchmal darf es eben auch mal ein verkitschtes Happy End sein – das wahre Leben ist schon hart genug und bietet selten ein Happy End.

Vier Sterne.

4sterne