Archiv der Kategorie: Frauenroman

Mila Lippke / Morgen bist du noch da

Provokation war der wichtigste Bestandteil meiner Kunst. Ich setzte sie strategisch ein, um eine Reaktion beim Publikum zu erzielen, und ich war damit weit gekommen. Doch in diesem Augenblick fühlte ich mich befangen. Ich ahnte, dass ich genau dadurch etwas von dem verloren hatte, was ich mit meiner Kunst einmal auszudrücken versucht hatte: Gefühle. Gefühle, die sich sonst nicht beschreiben ließen, die sich den Möglichkeiten meiner Sprache entzogen.

Mila Lippke: Morgen bist du noch da ©Ullstein VerlagLioba ist 42 Jahre alt, Künstlerin und hat, seit sie denken kann, ein schwieriges, sehr distanziertes Verhältnis zu ihrer Mutter.
Umso überraschter ist sie, als ihre Mutter zur Ausstellungseröffnung der Tochter extra nach Berlin anreist.
Konfrontiert mit den ausgestellten „Kuschelmuschis“ und „Fellfotzen“ und den Ansichten ihrer Tochter zum Thema weibliche Sexualität, verlässt die spröde Mutter die Ausstellung schnell wieder, erleidet jedoch in der Bahn einen Schlaganfall.

Meine Mutter war kein körperlicher Mensch. Zärtlichkeiten hatte sie stets sparsam verteilt.

Nun ist Lioba als einzige Verwandte in der Verantwortung, sie muss sich um die Mutter kümmern, muss deren Angelegenheiten regeln.

Trotz aller Aufgewühltheit, trotz aller innerer Zerrissenheit war dies ein Moment, in dem ich die Ironie verspürte, dass ich all die Jahre meines bisherigen Lebens darum gekämpft hatte, mich als eigenständiges Wesen zu definieren. Ausgerechnet während meine Mutter im Krankenhaus lag und ich ihrem Einfluss gänzlich hätte entzogen sein müssen, war ich ihr unmittelbar ausgeliefert.

Dabei ist Liobas Leben gerade kompliziert genug, denn seit Kurzem weiß sie, dass sie ein Kind erwartet. Ungeplant, ungewollt, unehelich, so wie sie selbst einst in die Welt kam.

Sie reist in ihre alte Heimat Köln, in die Wohnung ihrer Mutter. Diese Reise und die Krankheit der Mutter öffnen jedoch eine Tür in die Vergangenheit, durch die Lioba erst unfreiwillig und gequält, dann jedoch wie von einem Sog angezogen schreitet. Sie lernt die Mutter von einer vollkommen neuen Seite kennen, erfährt über die Familie, was ihr bisher vorenthalten wurde und muss ihre Sicht der Dinge so manches Mal überdenken.

Indem ich mich erinnerte, diesmal ganz neu und anders, spürte ich, wie ich meiner Mutter ihre Vergangenheit zurückgab und dadurch auch eine Zukunft für sie und mich schuf.

Die Entwicklung, die die Protagonistin im Laufe des Buches erfährt, lässt auch den Leser nicht unberührt.

Mila Lippke verfügt über ein selten-wunderbares Sprachgefühl und die Fähigkeit, den Leser während der Geschichte mit Worten wie in einen Mantel einzuhüllen. Während Lioba dem Familiengeheimnis näher kommt, das in die Zeit des Nationalsozialismus zurückreicht, wärmen wir uns in diesen Worten und den wunderschönen Formulierungen, fühlen uns geborgen und sind doch selbst mittendrin in der Erzählung. Ich wünschte, ich könnte so manchen Satz einfach aus dem Buch herausreißen und in meinem Herzen einschließen, damit er immer bei mir ist.

Schon lange habe ich kein solch vereinnahmendes Buch mehr gelesen, das mich so sehr berührt hat, ohne mich zu erschüttern oder aufzuschrecken; das so eine Tiefe hat, mich aber mit Leichtigkeit bei der Hand nimmt und mitzieht. Es ist ein leises Buch und hinterlässt doch eine laute Erinnerung.

Mir selbst fehlen leider die Worte, um auch nur annähernd zu beschreiben, welche Wirkung das Buch auf mich hatte und mit Beruhigung sehe ich, dass es anderen auch so geht.
Durch die Rezension von Dorota bin ich überhaupt erst auf das Buch aufmerksam geworden und wollte es unbedingt sofort lesen.An dieser Stelle einen herzlichen Dank dafür, denn ich weiß nicht, ob ich in der Buchhandlung „einfach so“ über den Roman gestolpert wäre und ob mich Cover und Klappentext hätten überzeugen können, es zu kaufen.

Bei Ada Mitsou kann man ein sehr schönes Interview mit der Autorin lesen und sie selbst bloggt gemeinsam mit drei Kolleginnen auch ab und an über sich und ihre Arbeit.

Ein wunderbares Buch, glatte fünf Sterne.

Autorin: Mila Lippke
Titel: Morgen bist du noch da
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3548283494

Laurie Notaro / Spooky little girl

Lucy hat mehr als nur eine Pechsträhne: Aus dem Traumurlaub wird ein Horrortrip, nach ihrer Rückkehr muss sie feststellen, dass ihr Verlobter sie kommentarlos vor die Tür gesetzt hat und dann wird sie auch noch gefeuert. Man sollte meinen, das würde ausreichen, doch nein, falsch gedacht, denn zur Krönung dieser Pechsträhne gerät Lucy auch noch unter einen Bus. Und selbst im Jenseits hat die arme Lucy nicht ihre Ruhe, denn ihr wird der Zugang zum „Großen Land“ verweigert. Offenbar hat Lucy im Leben einiges vermasselt und muss nun zum Ausgleich eine Mission bewältigen, die es in sich hat …

Buchtitel und Cover verleiten dazu, dieses Buch als simple „ChickLit“ abzustempeln. Wie schön, dass das Buch selbst dann doch einiges mehr zu bieten hat und ich mich überzeugen ließ, dass es mir gefallen könnte 😉
Irgendwie ist diese Storyline „Mädchen stirbt und muss noch ein wenig rumspuken, eh sie im Jenseits das Paradies findet“ ziemlich ausgelutscht und zuerst dachte ich, es sei nur ein müder Abklatsch von Adena Halperns „Die 10 besten Tage meines Lebens“, doch Laurie Notaros Buch bietet mehr als das und abgesehen von der „Mädchen stirbt und kommt ins Jenseits“-Thematik gibt es nur wenige Gemeinsamkeiten zwischen den Büchern.

Es geht um eine junge Frau, der, um es mal deutlich zu sagen, das Leben so richtig in die Fresse gehauen hat.
Ihr Leben gerät ohne ihr Zutun aus den Fugen und sie dabei sprichwörtlich unter die Räder.
Im Jenseits muss sie nun lernen, die Gegebenheiten, sprich: ihren Tod, zu akzeptieren und ihre Mission wird zu einer Reise der Selbsterkenntnis. Lucy muss erkennen, welche Spuren sie im Leben und bei den Menschen hinterlassen hat und zu Beginn scheinen das nicht sonderlich viele zu sein, denn abgesehen von ihrer Schwester, ihrem Neffen und ihrer Hündin Tulip scheint niemand Lucy zu vermissen. Doch wie auch zu Lucys Lebzeiten, sind auch im Tod die Dinge manchmal nicht so, wie sie scheinen.

Die Geschichte wird auf unterhaltsame, aber niemals platte Art und Weise geschildert, manchmal muss man lachen, manchmal wird man nachdenklich, und, so viel darf man wohl verraten, das Ende lässt einen doch relativ beruhigt und fast schon mit Lucys Schicksal versöhnt zurück.

Spoiler (zum lesen bitte die untenstehende weiße Fläche markieren):
Was mich ganz besonders berührte, war das Nachwort, in dem die Autorin von der echten „Lucy“ schreibt, einer jungen Frau, die nach einer sagenhaften Pechsträhne auf einmal spurlos verschwindet und deren Freunde erst nach langer Zeit von ihrem Ableben erfahren. Unter diesem Aspekt bekommt die Geschichte dann noch eine Extraportion Tiefgang.

Kritikpunkte:
Ab der Mitte des Buches wird die Handlung sehr gerafft, sodass sich ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass die Autorin eine feste Seitenzahl einzuhalten hatte, in die sie ihre Geschichte „quetschen“ musste. Vieles, was gerne ausführlicher hätte geschildert werden können, wird nur noch „mal eben schnell“ erwähnt und es gab doch manche Schlüsselszene, auf die ich mich das ganze Buch hindurch gefreut hatte und die durch diese Straffung sehr an Effekt verloren hat.

Der erste Satz:

Bereits als das Taxi am Straßenrand anhielt, wusste Lucy Fisher, dass sie etwas Außergewöhnliches sah.

Fazit:
Sicher ist „Spooky little girl“ nicht das anspruchsvollste aller Bücher, aber es bietet doch weit mehr als man auf den ersten Blick meinen könnte und manch kritischen Blick auf die Menschen und das Leben. Mich hat es einige Stunden sehr gut unterhalten und dafür gebe ich ihm verdiente vier Sterne.

Autorin: Laurie Notaro
Titel: Spooky little girl. Ein Geist zum Verlieben.
Originaltitel: Spooky Little Girl
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3764503857

Giuseppina Torregrossa / Kirschen auf Ricottaschnee

„Als die Geschichte zu Ende war, hing ein merkwürdiger Duft nach Heiligkeit und Ricotta in der Luft.“

Cassatelle sind heilig in Agatas Familie.
Cassatelle, das sind die kleinen Agathenküchlein; Küchlein in Form von Brüsten, gefüllt mit Ricottaschnee und verziert mit einer Kirsche.
Traditionell werden sie am Tag des Festes der Heiligen Agatha gebacken.
Die Heilige und ihre Küchlein spielen eine zentrale Rolle in der Geschichte der Familie, um die es in diesem Buch geht.

Die Hl. Agatha lebte einst in Catania auf Sizilien und war der Legende nach eine gottesfürchtige, von allen geachtete Jungfrau. Von der Schönheit der jungen Frau angezogen, machte der Statthalter ihr Avancen, die Agatha ablehnte. Aus Zorn verschleppte der Statthalter sie und steckte sie für einen Monat in ein Hurenhaus, doch auch danach zeigte sich die junge Frau standhaft und wehrte die Annäherungsversuche des Mannes ab. Aus Zorn ließ dieser ihr schließlich die Brüste abschneiden. In der Nacht darauf erschien Agatha im Traum Petrus, der ihre Wunden versorgte und wie durch ein Wunder waren die Brüste am kommenden Morgen nachgewachsen.

Aufgrund dieser Legende gilt die Hl. Agatha unter anderem als Helferin bei Brusterkrankungen und wird besonders auf Sizilien verehrt.
So auch in der Familie von Agata, um die es in dieser Geschichte geht und die die Tradition der Cassatelle, der Agathenküchlein, sehr ernst nimmt.

Agata erfährt nicht besonders viel Liebe oder gar Aufmerksamkeit durch ihre Eltern. Die einzigen Konstanten in ihrem Leben sind Großmutter Agata, die wie Klein-Agatas Familie in Palermo lebt, sowie die Großeltern Margherita und Alfonso draußen auf dem sizilianischen Land, im Dorf Malavacata, wohin Agata von ihren Eltern für einige Zeit abgeschoben wird.

Von ihren beiden Großmüttern lernt Agata viel über die Geschichte der Frauen ihrer Familie und über deren oft tragische Schicksale.
Von Urgroßmutter Luisa beispielsweise, einer emanzipierten Frau und glühenden Anhängerin der Heiligen Agatha. Luisa mit den schönen Brüsten, die ihr schließlich zum Verhängnis wurden.
Von deren Tochter, Großmutter Agata, die in einer höllischen Ehe gefangen war und ihre Brüste als Gefahr empfand.
Von den Tanten Nellina und Titina, die ebenfalls weder mit den Männern noch mit den Brüsten viel Glück im Leben zu haben scheinen.
Und schließlich schließt sich der Kreis bei Agata selbst, die zunächst aus Trotz einen Lebensweg einschlägt, der so manchen steinigen Pfad bereit hält und auf dem sich die Tradition um die Hl. Agatha als Hilfe in der Not erweist …

Ich bin bekanntlich nicht die typische Leserin von Frauenromanen und kann mich nur für ganz wenige Bücher aus diesem Genre begeistern, aber „Kirschen auf Ricottaschnee“ gehört definitiv dazu!
Das Buch beginnt sanft, fast schon verträumt und legt dann rasant an Tempo zu. Ich war wie gefangen in der dynamischen Erzählung, gefesselt vom Stil der Autorin.
Die anfänglich sanfte Sprache entwickelt sich ebenso wie die Geschichte, wird schließlich regelrecht derbe, passt sich dem Geschehen an.

Ich saß mit offenem Mund über dem Buch, konnte die Entwicklung kaum fassen – wie kann ein Buch, das anfangs leicht wie eine Feder ist, auf einmal zum Aufschrei und zur schmetternden Ohrfeige und dann doch wieder leicht, fast beschwingt werden?

Für mich ist dieses Buch ein absolutes Highlight, sowohl vom Schreibstil als auch von der Geschichte her.
Besonders schön finde ich, dass gleich zu Anfang des Buches das Rezept zu den Cassatelle zu finden ist – man fühlt sich diesen Küchlein nach der Lektüre einfach irgendwie verbunden.

Der erste Satz:

Am Vorabend des Festes der heiligen Agatha holte mich meine Großmutter Agata, die ebenso herzensgut wie die Heilige war, von zu Hause ab.

Bewertung:
Fünf Sterne.

 

Autorin: Giuseppina Torregrossa
Titel: Kirschen auf Ricottaschnee
Originaltitel: Il conto delle minie
Gebundene Ausgabe: 347 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3455402513

Anne Hansen / Fräulein Jensen und die Liebe

…Von einer, die auszog, ihren Traummann zu finden…

Inhalt:
Hannah Jensen ist 29 Jahre alt und Journalistin. Eine gestandene junge Frau, sollte man meinen. Hannahs größtes Problem: sie ist Single. Ungewollt, versteht sich. Dabei verliebt sie sich doch eigentlich nahezu stündlich neu und hat unzählige Traummänner, kurz: sie ist hoffnungslos romantisch und träumt vom Ritter auf dem weißen Pferd. Sobald sie sich in jemanden verguckt hat, malt sie sich gleich ihre Zukunft mit ihm in rosaroten Farben aus und ist kaum noch zu bremsen.
Da es den Ritter auf dem weißen Pferd im wahren Leben aber nun einmal nicht gibt, heult Hannah ihrer besten Freundin Pia andauernd die Ohren voll. Die ist davon so genervt, dass sie Hannah das Messer auf die Brust setzt: Zehn ihrer Traummänner darf sie treffen. Sollte darunter nicht der Richtige sein, muss Hannah aufhören mit ihren ewigen Schwärmereien und Tagträumen und sich dem echten Leben stellen, in dem man seinen Partner nun einmal meistens auf völlig unspektakuläre Weise kennenlernt – für Hannah der Albtraum schlechthin!
Also macht sie sich auf und vereinbart Interviewtermine mit ihren zehn Traumkandidaten.

Der erste Satz:

Ich verliebe mich jeden Monat so viele Male, wie ein Zugvogel die Flügel schlägt, um von Europa in die Sahara zu fliegen.

Meinung:
Eigentlich bin ich kein großer Fan von Frauenromanen.
Ab und an ist mir mal nach so einem seichten warmes-Gefühl-im-Bauch-Buch, aber nur wenige haben bislang wirklich meinen Geschmack getroffen, weil die meisten mir einfach zu kitschig, zu dramatisch, zu Porn-Faktor-lastig oder was auch immer waren.

Das Fräulein Jensen aber, das mag ich.
Nicht so, dass ich sie zu meiner besten Freundin erheben möchte – um Gottes willen, wenn mir jemand tagein tagaus mit solchen Träumereien die Ohren vollheulen würde, wäre ich wohl recht schnell recht ungeschmeidig :-D.
Was ich aber am Fräulein Jensen mag, ist, dass sie sich ihre Naivität bewahrt hat, dass sie noch träumen kann und die Hoffnung nicht aufgibt.
Da sind die Männer verheiratet, schwul, untreu und brechen ihr reihenweise das Herz, aber aufgeben tut sie dennoch nicht, sie sucht weiter die Liebe und ist jedes Mal aufs Neue wieder voller Elan und Euphorie, kann sich immer wieder für neue Dinge begeistern und sich einen anderen Lebensweg für sich selbst vorstellen.
Ja, das bewundere ich, denn welche Frau in dem Alter ist noch so?

Da steht man fest im Leben, geht seinem geregelten Alltag nach, hat entweder eine Beziehung oder ist schon beziehungsgeschädigt. Diese nahezu jungfräuliche Naivität eines Fräulein Jensen hat doch kaum jemand.

Das besondere an diesem Buch ist, dass die Autorin die im Buch geschilderten Interviews alle tatsächlich geführt hat und so erfährt man ganz nebenbei auch noch das eine oder andere bislang unbekannte über Bernhard Hoecker (sorry, ich finde die zwei Pünktchen fürs „e“ grade nicht 😉 ), Tim Lobinger oder auch Rocko Schamoni, die alle äußerst interessant, wenn auch zum Teil gänzlich verschiedene Meinungen über die Liebe und die Frauen haben.

Auf den ersten Blick scheint das Fräulein Jensen recht oberflächlich zu sein, der Status ihres Traummannes spielt für sie eine nicht unerhebliche Rolle.
Auf den zweiten Blick -so habe zumindest ich es empfunden- spiegelt sich genau darin jedoch die Einstellung vieler Singles wider, denen der Job, der Verdienst, das gesellschaftliche Ansehen eines potentiellen Partners bei der Suche erst einmal wichtiger sind als charakterliche Eigenschaften, die sich nun einmal nicht automatisch aus der Fassade eines Menschen ableiten lassen.
So muss Fräulein Jensen feststellen, dass der ach so rebellisch wirkende Rocko Schamoni ganz so rebellisch doch nicht ist und im stylishen Eck-Café lieber Tee denn Alkoholika bestellt, oder dass der witzige Bernhard Hoecker nichts für Prüderie übrig hat und knackige Pornowitze lustig findet.
Denn merke: nicht alles ist so, wie es nach außen zu sein scheint.
So ist Fräulein Jensen am Ende des Buches zwar immer noch Single, aber um einige (Interview)Dates und Erfahrungen reicher und auch ein wenig geerdeter.

„Fräulein Jensen und die Liebe“ hat mich amüsiert, ab und an ein wenig entsetzt und einfach gut unterhalten.
Anne Hansen schreibt locker-flockig, mit viel Witz und Situationskomik und zum Teil sehr umgangssprachlich, was ich in diesem Fall als sehr entspannend empfunden habe.
Sie bündelt die Vorurteile, die Verkrampftheit und Frustration bei der Partnersuche und die jugendliche Naivität, Euphorie, Traumfähigkeit, die wir sicherlich alle mal hatten, gekonnt zu einem harmonischen Ganzen.

Bei manchen Szenen fühlte ich mich in meine Single-Zeiten zurückversetzt, in denen ich besonders als Teenie auch zu gerne mit der rosaroten Brille durchs Leben lief und in jedem halbwegs sympathischen Mann gleich DEN Traummann zu sehen glaubte – aus heutiger Sicht unglaublich naiv und ich musste so auch das eine oder andere Mal über mich selbst lachen und fühlte mich peinlich-beschämt an so manchen eigenen Gedankengang erinnert.

Alleine dafür, für diesen kleinen Blick zurück in meine rosarote-Brille-Jugend, hat Anne Hansen die 4 Sterne redlich verdient und ich bin bereits jetzt sehr gespannt auf ihr nächstes Buch, das hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft folgen wird.

Ich bedanke mich recht herzlich beim Eichborn Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars.

Titel: Fräulein Jensen und die Liebe
Autorin: Anne Hansen
Klappenbroschur: 264 Seiten
Verlag: Eichborn
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3821860763