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Andreas Neuenkirchen/ Yoyogi Park, Roppongi Ripper & Shinigami Games

Heute möchte ich Euch gleich drei Bücher auf einen Schlag vorstellen, nämlich die unglaublich spannenden Tokio-Krimis von Andreas Neuenkirchen.

Ich habe alle drei am Stück verschlungen, und da es sich um eine Reihe handelt, eignet sich ein gemeinsamer Beitrag sehr gut.
Vorweg kann man schon sagen: Japan-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten. Ich habe die Reihe einer japanversessenen Freundin geliehen, die lange in Tokio lebte, und ihr Kommentar war nur: „Als wäre man wieder in Tokio, genau so sieht es da aus!“ Die Ortsbeschreibungen sind also nicht nur sehr detailliert und bildlich verfasst, sondern entsprechen tatsächlich den örtlichen Gegebenheiten.

Per Klick aufs Beitragsbild gelangt Ihr auf die Verlagsseite.

Andreas Neuenkirchen/ Yoyogi Park, Roppongi Ripper, Shinigami Games

In den Krimis von Andreas Neuenkirchen dreht sich alles um die junge Inspektorin Yuka Sato und ihren Assistenten Shun Nakashima, die in Tokio für Recht und Ordnung sorgen.

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Yoyogi Park

Yoyogi Park/ Andreas Neuenkirchen

Der erste große Fall verlangt der jungen Inspektorin Yuka Sato und ihrem Kollegen Shun Nakashima direkt alles ab: Nach dem traditionellen Kirschblütenfest wird eine Leiche im Yoyogi Park entdeckt. Für das junge Ermittlerteam ist dies der erste große Fall. Doch bald wird er größer und größer, denn es geschehen noch mehr Morde, und alles scheint miteinander im Zusammenhang zu stehen …

Näher möchte ich hier nicht auf die Handlung eingehen, denn nichts ist schlimmer, als in einer Rezension über einen Krimi gespoilert zu werden ;).

Yuka Sato und ihr Kollege Shun Nakashima sind ein gutes Team, das einen lockeren Umgang pflegt, der sehr im Gegensatz zu den traditionellen Verhaltensweisen zu stehen scheint, die ab und an vorkommen. Das Ganze bildet einen schönen Kontrast: Moderne neben Tradition, Hand in Hand. Etwas, was wir hierzulande doch nur selten sehen, wenn wir mal ehrlich sind.

Der 1. Satz:

„Ai lag im Gras, die Augen geschlossen, umweht von einer warmen Brise, die die ersten Kirschblüten des Frühlings sanft auf ihr Gesicht legte.“

Das Buch beginnt mit einer „Dramatis Personae“, also einer Auflistung der wichtigen Personen. Das gefällt mir sehr gut, weil ich gerne mal nachschlage, besonders, wenn mir die Namen der Protagonisten nicht geläufig sind.
Überhaupt: Ich mag die Aufmachung der Bücher sehr, angefangen beim wunderschönen Cover über den aufklappbaren Einband bis hin zum visuell angenehmen Textaufbau. Denn: Das Buch ist unterteilt in fünf Akte und sieben Tage. So etwas mag ich wirklich sehr! Und auch das Lektorat hat ausgezeichnete Arbeit geleistet :).

Ein rundum spannendes und haptisch angenehmes Leseerlebnis, das Lust auf mehr macht:
Fünf Sterne.

5sterne

Titel: Yoyogi Park
Autor: Andreas Neuenkirchen
Taschenbuch:
352 Seiten
Verlag: Conbook Medien
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3943176629

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Roppongi Ripper

Roppongi Ripper/ Andreas NeuenkirchenDas junge Ermittlerteam steht vor dem nächsten großen Fall: Ein Serienmörder treibt sein Unwesen und er mordet schnell und eiskalt. Sein Motiv ist zunächst unklar: Ist es tatsächlich nur Triebbefriedigung und die Opfer sind Zufallsopfer, oder mordet der Ripper nach Plan und aus Rache? Als wäre das noch nicht genug, geht es dieses Mal Yuka Sato an den Kragen, und sie muss ausgerechnet im Revier des Rippongi Ripper untertauchen …

Der erste Satz:

„Sie wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde.“

Dieses Mal hat das Buch einen Prolog, bevor es – wie in Band 1 – mit Akten und Tagen weitergeht; es ist Sommer, während es bei Yoyogi Park Frühling ist. Spätestens hier merkt man, dass die Bücher von Anfang an als Reihe gedacht waren.
Mein Eindruck ist, dass der Autor sich mit dem ersten Band nur „warmgeschrieben“ hat, denn dieser Band ist noch spannender und unterhaltsamer als der erste. Irgendwie erwartet man ja mittlerweile bei jeder Buch-Reihe (und davon gibt es heute ja unzählbare) einen rasanten Abstieg, aber Neuenkirchen folgt nicht diesem unerfreulichen Trend, sondern steigert sich. Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut :).

Die Aufmachung und der Aufbau des Buches sind ebenso schön wie im ersten Band, nebeneinander machen sich die Bücher wirklich toll im Regal <3. Manchen ist so etwas ja egal, aber ich freue mich, wenn ein Verlag dem Leser nicht nur einen guten Inhalt, sondern auch eine schöne Aufmachung anbietet.

Fünf Sterne.

5sterne

Titel: Roppongi Ripper
Autor: Andreas Neuenkirchen
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Conbook Medien
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3943176872

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Shinigami Games

Shinigami Games/ Andreas NeuenkirchenEs ist Herbst, und der Shinigami, der Sensenmann, ein gefährlicher Psychopath, hat es auf Polizisten abgesehen. Es folgt eine rasante Jagd quer durch Tokio, von der U-Bahn über den Fischmarkt durch die düstersten Viertel bis zum Berg Takao – aber Shinigami scheint Yuka Sato und den Ermittlern immer voraus zu sein. Offensichtlich wird er mit Insider-Informationen versorgt. Es gilt, diesen durchgeknallten Mörder aufzuhalten, bevor er einen Massenmord begehen kann …

Der 1. Satz:

„Die Polizistin war kein leichtes Ziel.“

Dieses Mal beginnt das Buch nach dem Personenregister mit einer Vorrundein der ein Spiel vorbereitet und ein erster Verlierer bestimmt wird.“ Danach geht es weiter, diesmal jedoch nicht mit Akten und Tagen, nein, das Buch ist in Runden aufgeteilt, wie bei einem Boxkampf. Und das trifft es ganz gut, denn auch wie bei einem Boxkampf, so wird auch hier das Tempo von Runde zu Runde hitziger und schneller – und ganz ehrlich, ohne Personenregister und Glossar wäre ich da so manches Mal verloren gewesen  :D. Insofern unterscheidet sich dieser Band ein wenig von den ersten beiden, aber diese Änderungen sind stimmig und passen gut zum Plot. Einmal mehr stelle ich fest, wie viel Liebe in jedes Detail dieser Bücher gesteckt wurde  <3.

Sprachlich ist auch dieses Buch wieder top.
Moderne Sprache, witzige Dialoge, ein nervenzerfetzender Plot in einer traditionsreichen – und vor allem traditionslebenden – Stadt: Man mag es kaum glauben, aber auch hier:
Fünf Sterne.

5sterne

Titel: Roppongi Ripper
Autor: Andreas Neuenkirchen
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Conbook Medien
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3958891067

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Ganz besonderes Lob

Man macht es als Leser und auch als Rezensentin viel zu selten, auch mal denen, die ansonsten an einem Buch beteiligt waren, Anerkennung zu zollen. So ein Buch entsteht ja nicht nur dadurch, dass ein Autor sich hinsetzt und etwas schreibt. Da gibt es beispielsweise die Lektorinnen und Lektoren, die viel viel mehr machen, als nur Rechtschreibfehler zu finden, und die oft nicht gemocht werden, weil sie auch Kritik anbringen und häufig auch mal Kämpfe mit dem Autor austragen müssen. Da sind die Grafikdesigner und die Layouter und noch viele mehr. Stellvertretend für alle habe ich mir hier zwei Damen herausgepickt, die bei allen drei Bänden mit an Bord waren.

Ob auch sie Kämpfe mit dem Autor austragen musste, wissen wir nicht, aber das Ergebnis ihres Lektorats sind drei rundum gelungene, außergewöhnliche Bücher, daher möchte ich an dieser Stelle der Lektorin Imke Sörensen herzlich für ihre Arbeit danken!

Und was wäre ein Buch ohne Einband und Cover? Gerade dies ist heute doch oft kaufentscheidend und daher sollte es aus der Menge der vielen Bücher mit Standardcovern herausstechen. Das ist hier absolut gelungen, finde ich, die Bücher sehen natürlich in echt um einiges schöner aus als auf den Bildern hier.
Vielen lieben Dank an Nicole Laka für diese schöne und stimmige Einbandgestaltung!

Kurzbiografie des Autors

Andreas Neuenkirchen arbeitet seit 1993 als Journalist, anfangs als freier Mitarbeiter im Feuilleton Bremer Tageszeitungen und Stadtmagazine, später als Redakteur online/offline in München. Er hat bereits mehrere Romane und Sachbücher mit Bezug zu Japan veröffentlicht. Derzeit lebt er mit seiner japanischen Ehefrau und ihrer gemeinsamen Tochter in Tokio.

Fazit

Andreas Neuenkirchens Romane zeichnen sich durch eine moderne, frische, flotte, oft auch witzige Sprache aus, die ihren Reiz ganz besonders dort entwickelt, wo alte japanische Traditionen in die Geschichte einfließen.

5sterne

So hält sich Yuka Sato ganz selbstverständlich an traditionelle Schicklichkeitsregeln und schneuzt sich beispielsweise nicht in der Öffentlichkeit. Sie verbeugt sich stets vor den Verstorbenen, und das sogar mitten im japanischen Großstadttrubel. Der Kontrast zwischen dem heutigen Tokio mit seiner Popkultur, seinem Lärm und Tempo, und den alten Werten, die inmitten dieses Chaos hochgehalten werden, hat mir sehr gut gefallen. Auch der Umgang der Ermittler untereinander zählt zu den Schmuckstücken, aus denen diese Bücher zusammengesetzt sind. Es macht Spaß, ihnen lesend über die Schulter zu schauen und den coolen und witzigen Dialogen zu folgen, die ebenfalls einen starken Kontrast zu den von denselben Leuten hochgehaltenen Traditionen darstellen.

5sterne

Dass der Autor selbst in Japan lebt, ist den Büchern deutlich anzumerken, die Beschreibungen sind detailreich und bildlich, und, wie mir versichert wurde, die Örtlichkeiten betreffend absolut korrekt. Als Leser ist man so mittendrin in der Geschichte und lernt Tokio und die Japaner kennen – und doch ist da irgendwie auch eine gewisse Distanz zu den Hauptfiguren.
Für mich war das eine gelungene Kombination, denn ich habe Yuka Sato und die anderen als höflich-distanziert empfunden, und diese Art der Beschreibung voller Details, aber eben auch Distanz, passt sehr gut zu den Charakteren.

5sterne

Dreimal fünf Sterne – ich glaub, so eine Serie hatte noch kein anderer Autor in meinem Blog :D. Alle drei Bücher haben mir viel Spannung, aber auch großen Spaß beschert, und da ja noch eine Jahreszeit fehlt, habe ich zarte Hoffnung, dass da noch was kommt … 😉

Von mir gibt es hier eine absolute Kaufempfehlung, also falls ihr last-minute noch ein Buchgeschenk zu Weihnachten sucht: Eure lokalen Buchläden können euch die Bücher, falls nicht vorhanden im Laden, noch bis Samstag bestellen :).

Andreas Neuenkirchen/ Yoyogi Park, Roppongi Ripper, Shinigami Games

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Liebe – The World Book of Love

Lassen Sie uns doch mal über Liebe sprechen.

The World Book of Love/ Leo Bormans @Dumont Verlag

Liebe ist so eine Sache: Jeder erlebt sie, mal in dieser, mal in jener Form. Mal erzeugt sie Glück, mal Schmerz, Eifersucht, Leidenschaft, Hass, Hingabe … aber ein Leben ohne Liebe ist undenkbar und unmöglich. Sie wirklich zu verstehen leider auch.

Der Herausgeber Leo Bormans hat in „Liebe – The World Book of Love“ den Versuch unternommen, dem Leser die Thematik „Liebe“ aus verschiedenen Blickwinkeln näherzubringen. Dazu hat er eine Vielzahl internationaler Forscher aus verschiedenen Fachrichtungen dazu gebracht, sich dem Thema anzunähern und über verschiedene Aspekte zu berichten.

Man findet in dem Buch keine bloße Abhandlung darüber, was Liebe ist.
Vielmehr ist das Buch als Lesebuch zu verstehen.
Die Kapitel sind unabhängig voneinander zu lesen und laden dazu ein, das Buch stets griffbereit (in meinem Fall auf dem Nachttisch) liegen zu haben und immer mal wieder darin zu schmökern.

The World Book of Love/ Leo Bormans @Dumont Verlag

Mir gefällt besonders gut, dass im Inhaltsverzeichnis neben dem Kapiteltitel und dem Autorennamen auch dessen Herkunftsland verzeichnet ist, denn so kann man (wenn man denn mag) die Puzzlestücke wunderbar aneinanderreihen und alles in einen internationalen Kontext setzen.
Thematisiert wird so ziemlich alles, was einem zum Stichwort Liebe einfällt, als Beispiele seien hier die Kapitel „Glückliche Singles“, „Ökonomie der Liebe“, „Die Chemie der Liebe“, „Reife Liebe“, „Liebende Eltern“, „Liebe in Vietnam“, „Heilige Regeln“ oder auch „Aus Liebe töten“ genannt.

Der Aufbau und die Zusammenstellung des Buches gefallen mir ausgesprochen gut und ich gehe stark davon aus, dass das Buch noch eine lange Zeit als Dauerlektüre auf meinem Nachttisch liegen wird, denn auch mit mittlerweile 34 Jahren stellt sich mir in Liebesdingen oft nur eine Frage: WTF?!? 😉 Da ist es dann nicht schlecht, einfach mal zum „World Book of Love“ zu greifen und so irgendeine Erklärung für die schrägen Dinge zu finden, die mal wieder geschehen.

Von mir gibt es für dieses Buch volle fünf Sterne.
5sterne

 

Ich habe das Buch inzwischen auch schon zweimal verschenkt, falls ihr also mal ein für nahezu jedermann geeignetes Buchgeschenk sucht, liegt ihr mit dem „World Book of Love“ sicher nicht verkehrt.

Herausgeber: Leo Bormans
Titel: Liebe. The World Book of Love
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Dumont Buchverlag; Auflage: 1 (26. August 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3832194734
Originaltitel: World Book of Love

Kai Splittgerber und Dorothea Huber / Brehms Tierland

„Mit Stolz und Genugtuung darf ich von den ersten Tieren berichten, die ich auf Tierland entdeckte. Ich nenne sie zu Ehren meines lieben Vaterlandes: Deutsche.¹ Strandulen.

¹ In Anbetracht der widrigen Umstände meiner Expedition hat mein Vaterland diese Ehre doch nicht verdient. Dies soll auch eine Lehre für die hohen Herren von der Akademie sein: Kein Tierlandtier soll Deutscher heißen, solange nicht endlich das Geld für meine zweite Expedition bereitgestellt worden ist.“

Edmund Alfred Brehm (nicht zu verwechseln mit dem wohl weit berühmteren Alfred Edmund Brehm 😉 ) ist ein verkanntes Genie.
Missverstanden, unterschätzt, bedauerlicherweise auch an einer gewissen Katzenproblematik leidend, stets um die ihm zustehende Anerkennung ringend.
Seine Tierforschungen werden, ebenso wie seine glorreichen Erfindungen, nicht ernst genommen, seine Expeditionen von der Akademie nicht finanziert, die hohen Herren von der Akademie wagen es sogar, ihn komplettweg zu ignorieren!

Also macht er sich todesmutig auf und segelt mit dem betrügerischen Halsabschneider Kapitän Pamphile, dessen fragwürdigen Mannschaft und einem Haufen suizidaler Kaninchen auf eigene Kosten auf nach Tierland (dessen Existenz von den hohen Herren der Akademie freilich verleugnet wird).
Brav notiert er jedes Erlebnis in seinem Expeditionstagebuch, skizziert jedes seltsame Tierlandtier und in seiner unendlichen Güte legt er den hohen Herren der Akademie dieses Expeditionsbuch samt Karte von Tierland vor. Welch Glück für uns schnöde, nichtswissende Leser, da auch wir so in den Genuss der Brehmschen Genialität kommen und Anteil nehmen dürfen an dieser waghalsigen Expedition!

Hier ein kleiner Eindruck:

Meinung:
Als jemand, der mit dem Dicken Schmitt-Buch und dem dDicken Schrader-Buch groß geworden ist (Ossis ab 25 Jahren aufwärts dürften wissen, wovon ich spreche 😉 ), liebe ich illustrierte und humorige Geschichten.
Mit „Brehms Tierland“ hatte ich wahnsinnig viel Spaß, es war fast wie damals, als ich als Kind kichernd und glucksend über dem Dicken Schmitt gehangen habe – und das, liebe Autoren, dürft ihr als dickes, fettes Kompliment auffassen!

Eine aberwitzige Geschichte, die zu gleichen Teilen aus Text (der mittels verschiedener typographischer Schriften dargestellt wird und jede Menge erheiternde Fußnoten enthält) und Illustration besteht; eine Geschichte also, die gleichermaßen durch Wort und Bild erzählt wird und die so gespickt ist mit Anspielungen und Feinheiten, dass man sich wirklich Zeit nehmen und genießen muss.

Ein tolles Buch, das eigentlich schon eher ein Kunstwerk ist.


Bewertung:

Ganz klar, fünf Sterne.

Titel: Brehms Tierland
Autoren: Kai Splittgerber (Text) und Dorothea Huber (Illustrationen)
Gebundene Ausgabe: 234 Seiten
Verlag: Edition Büchergilde
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3940111821

Ulrich Holbein / Narratorium

Heute möchte ich ein weiteres Buchgeschenk meines großen Bruders vorstellen, erneut aus der Abteilung „hätte ich mir nie selbst gekauft“. Allerdings kann ich gleich vorweg sagen: dieses Buch ist wirklich toll und ich bin sehr froh über dieses Geschenk. 🙂

Kurzbeschreibung:
Kein Jahrgang ohne Klassenkasper, kein Kartenspiel ohne Joker, keine Regel ohne Ausnahme – Narren kommen in den besten Familien vor. In seinem aberwitzigen Kompendium der Narretei sammelt Ulrich Holbein die unglaublichen Lebensgeschichten von 555 lebenden und toten Persönlichkeiten. Er läßt unterschätzte Übermenschen aus den Nebeln der Weltgeschichte hervortreten und wirft neues Licht auf weltberühmte Heilige wie Franziskus von Assisi oder den Dalai Lama. Die Viten von Laozi, Kaspar Hauser, Peter Handke bis hin zu Osama bin Laden bieten Stoff für dieses hochamüsante und welthaltige, alphabetisch geordnete Erzählwerk. Ein gigantomanisches Sammelsurium kultureller Kuriosa, in dem sich Prinz Charles neben Sexguru Osho, Mohammed Ali neben Nina Hagen und Papst Benedikt XVI an der Seite von Till Eulenspiegel findet. Ein unverzichtbares Nachschlagewerk für alle Liebhaber kurioser Enzyklopädien, eine von Wissen strotzende Subsumierung der Torheiten und Genialitäten der Weltgeschichte, mit Geist und Witz erzählt von einem der hellsten Köpfe unserer Zeit.

Quelle: Amazon

Meinung:
Wie bei vielen Buchgeschenken meines Bruders war ich erst einmal stutzig. Narratorium? Was soll das sein? Ein lustiges Wortspiel? Ein Lexikon über Narren? Und wenn ja, wer kann da schon drin vorkommen, Till Eulenspiegel vielleicht?

Das Aufschlagen des Buches hilft dann schon weiter, denn im Vorwort erklärt sich der Autor ein wenig:

Kleine Narrenkunde für Anfänger: Die Welt wimmelt von Normalnarren und Extremnarren, und zwar jede Welt. Hinzu kommen Scheiche, Spinner und Schelme, und nicht zuletzt Oberspinner und – viele andere Sorten und Typen. Öffnest du einem die Tür, kommen 333 herein!

Gleichzeitig zeigt Holbein die Schwierigkeit der Abgrenzung zwischen Genie und Scharlatanerie auf und vergisst auch nicht, auf den Spiegel zu verweisen, in den man ab und an gucken sollte, eh man sein Urteil über die Narren und Spinner fällt.

Ums mal so zu sagen: Nach dem Vorwort ist man sich eigentlich direkt sicher, dass der Autor selbst einen Artikel in seinem Buch verdient hätte, allein schon für die Selbstbezeichnung als Wolkenkuckuck ;-).
Das ist durchaus positiv gemeint, denn wie sähe die Welt ohne diese Extremcharaktere aus, die einem doch durch ihr seltsames Verhalten immer mal wieder alles in den rechten Blickwinkel rücken, schockieren, aber auch amüsieren und irgendwie der Farbtupfer im grauen Einheitsbrei sind?

Die Auswahl der „Narren“ ist dann auch etwas überraschend, denn wer hätte schon auf Anhieb Ernst Bloch oder Elisabeth Kübler Ross zu jenen gezählt? Nach Lektüre der jeweiligen Artikel wird aber schnell klar: Narr ist, wer anders ist, wer was bewegt, wer extrem agiert (egal, ob menschenfreundlich oder menschenfeindlich), zumindest bei Holbein. Narr ist, wer die Welt verändert. Und dazu zählt laut Holbein ein Bloch ebenso wie ein Dieter Bohlen, ein Lessing wie ein Osama bin Laden oder der Dalai Lama.

Die Artikel selbst sind manchmal nicht so ganz verständlich geschrieben, bei vielen werden Vorkenntnisse vorausgesetzt und manchmal ist die Sprache des Autoren so fantasievoll, dass man dem Gedankengang nicht auf Anhieb folgen kann; an anderen Stellen ist die Wortwahl recht derbe, sodass man vielleicht beim Lesen des „Narratoriums“ nicht unbedingt Nahrungsmittel konsumieren sollte, die Flecken hinterlassen (ich bin selbst beim Artikel über Gerhard Polt zum Lama mutiert, an dieser Stelle eine ernstgemeinte Entschuldigung an meinen leidgeprüften Mann 😉 ).
Gespickt mit Aussagen anderer über die Person, Selbsteinschätzungen, Zitaten und einem Haufen Ironie macht die Lektüre aber auf jeden Fall Spaß und der eine oder andere BILD-Redakteur dürfte freudig überrascht gewesen sein, in einem „Nachschlagewerk“ zitiert zu werden ;-).

Die Aufmachung des fast zwei Kilogramm schweren „Narratorium“ ist ebenso massiv wie der Inhalt: Hardcover mit fantasievoll gestaltetem Schutzumschlag (auf der Rückseite findet sich eine Auswahl der im Buch enthaltenen Narren), Lesebändchen, hochwertiges Papier, viele Bilder.
Der Preis des Buches ist mit derzeit 39,90€ recht stolz – wahrscheinlich der Hauptgrund, warum ich es mir nicht selbst gekauft hätte.
Wer jedoch das Geld hat und sein Bücherregal mit einem außergewöhnlichen Nachschlagewerk schmücken möchte, der kann hier beherzt zugreifen.

Bewertung:
Ich gebe dem „Narratorium“ vier Sterne. Das Lesen hat Spaß gemacht, das Buch ist immer mal für zwischendurch sehr gut geeignet (am Stück lesen wird es wohl kaum jemand), aber ein paar Narren habe ich doch vermisst, während mir bei einigen wohl einfach auch das Vorwissen gefehlt hat und ich mit vielen Fragezeichen über dem Kopf erst einmal Wikipedia bemühen musste – aber so lernt man immerhin etwas dazu ;-).

Titel: Narratorium
Autor: Ulrich Holbein
Gebundene Ausgabe: 1008 Seiten
Verlag: Ammann Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3250105237

Heike Blümner und Jacqueline Thomae / Eine Frau – ein Buch

Mein großer Bruder ist mindestens so ein Buchjunkie wie ich, nennt eine wirklich beeindruckende Privatbibliothek sein Eigen und schenkt mir mit schöner Regelmäßigkeit Bücher, die ich mir vermutlich nie selbst kaufen würde :-D.

Ein solches Buch ist das in drei Farben erhältliche „Eine Frau- ein Buch“ (ich habe übrigens die cremefarbene Ausgabe bekommen), eine Art Ratgeber für alle nur erdenklichen Lebenslagen.

Kurzbeschreibung:
Frauen pflegen andere Vorlieben und Interessen als Männer und nicht nur das: Zwei Frauen in einem Raum können durchaus drei verschiedene Meinungen hervorbringen. Deshalb richtet sich dieses Buch an die neugierige und faktverliebte Frau. An die, die wissen möchte wie man an der Börse spekuliert und einen Striptease tanzt ohne peinlich zu wirken. An die, die sich fragt wie sie einen Heiratsantrag ablehnt oder Sterneköchin wird. Und an die, die zumindest theoretisch durchspielen will, wie man als Frau den Ironman macht, einen LKW einparkt, seine Memoiren verfasst, oder sich heilig sprechen lässt. Dieses Buch verrät mehr Geheimnisse als die beste Freundin, kümmert sich wie eine Mutter, durchschaut die Rivalin, überzeugt die Chefin, treibt an wie ein Personal Trainer, erstaunt die Anwältin und lästert wie der schwule Freund. Selbst auf die Frage in welche Handtasche sie dieses Buch stecken soll, wird jede Frau hier eine Antwort finden.

Meinung:
Das Buch ist in Abschnitte unterteilt, die so schöne Überschriften tragen wie „Die Frau zuhause“, „Die Frau mit Mann“, „Die Frau ohne Mann“ oder „Die Frau und das Alter“.
In den jeweiligen Abschnitten findet man dann meist recht kurze und verständlich bis amüsant verfasste durchnummerierte Artikel.

Mein Favorit ist aus der Rubrik „Die Frau zuhause“ der Artikel „Gelassen mit Spinnen umgehen“. Wobei ich auf die Info, dass man pro Haus von 200- 300 Spinnen ausgeht, wirklich hätte verzichten können. Da ich in einem Chalet wohne, kann man die Zahl wahrscheinlich locker verdoppeln und … nein, ich hör jetzt auf damit, sonst bekomm ich noch Schnappatmung.
Jedenfalls gefällt mir, wie der Artikel an die Vernunft appelliert und sehr schön sachlich wider die Spinnenhysterie argumentiert. Der Tipp mit dem Glas und der Postkarte wird nun in diesem Haus konsequent angewandt – wenn auch nicht von mir, sondern vom Mann 😀 Leider trägt er die Spinne nicht, wie im Buch erklärt, 30 Meter vom Haus weg, aber da arbeite ich noch dran.

Nicht alle Artikel entsprechen meinen Interessensgebieten, für vieles bin ich schlicht zu wenig Tussi, aber informativ sind sie alle zu lesen und ich habe einiges dazu gelernt.
Allzu viel Tiefgang darf man allerdings nicht erwarten, aber ich glaube, das war auch nicht das primäre Bedürfnis der Autorinnen ;-).
Ganz davon abgesehen ist das Buch optisch sehr gelungen dank Einband, Lesebändchen und geschwärzten Seitenrändern, es liegt wirklich angenehm in der Hand und sieht im Regal sehr gut aus (ich habe in meiner Buchaufstellung in einem Regal auf jegliche Systematik verzichtet, dort stehen einfach nur die Bücher, die ich von meinem Bruder bekommen habe und ich muss gestehen, dieses Regal ist optisch wirklich das ansprechendste von allen).

Bewertung:
Die Idee hinter dem Buch gefällt mir, auch wenn man inhaltlich sicher noch einiges hätte anders machen können. Als Geschenkidee finde ich es sehr schön, selbst kaufen würde ich es mir eher nicht. Solide 3 Sterne.

Titel: Eine Frau – ein Buch
Autorinnen: Heike Blümner und Jacqueline Thomae
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3866156524