Archiv der Kategorie: Tierisch

Akif Pirinçci/ Göttergleich. Ein Felidae-Roman.

Akif Pirinçci: Göttergleich

Keine Zeit, keine Zeit …

Kater Francis, Protagonist der Felidae-Reihe, ist in die Jahre gekommen. Für Abenteuer fühlt er sich längst zu alt, doch dann katapultiert ihn ein Unfall wieder mitten hinein: Auf einmal läuft die Zeit rückwärts – zumindest jeweils für acht Minuten und sechsundfünfzig Sekunden. Francis hält sich selbst schon für senil und seine Familie schickt ihn zu einer Art „Katzenpsychiater“, doch natürlich steckt hinter den Zeitreisen sehr viel mehr, wie Francis schon bald herausfindet …

Ich habe die ersten vier Bände der Felidae-Reihe geliebt, was für fantastische Katzen-Krimis waren das!
„Göttergleich“ ist nun Band sieben, der achte Band ist bereits in Vorbereitung … doch schon seit Band fünf ist für mich irgendwie die Luft raus.
Akif Pirinçci schreibt ganz wunderbar, daran hat sich nichts geändert, eher im Gegenteil.
Aber was zu Beginn den Reiz der Reihe ausmachte, dieser freche, kluge, gewitzte, mutige Kater, der Abenteuer erlebt, der die Grenzen des Kätzischen immer wieder überschreitet, indem er z.B. im Flugzeug heimlich mitreist oder lernt, einen Computer zu bedienen, dabei aber trotzdem die ganze Zeit hier in unserer Welt ist, das wird nun zunehmend zur Luftnummer. Ein bisschen Fantasy – ok, aber inzwischen wird die Felidae-Reihe eindeutig zu sehr Fantasy, fast schon Science Fiction; nichts mehr vom ursprünglichen Krimi-Stil zu finden. Alles wirkt überzogen, nichts ist mehr realistisch und Francis ist kein gewitzter Detektiv, sondern ein alter, tölpelhafter, ungeschickter Katzenherr, der von einem Unglück ins nächste stolpert.

Vielleicht sollte Francis endlich in den wohlverdienten Ruhestand geschickt werden. Ich für meinen Teile werde keine weiteren Bände mehr lesen, denn ich möchte Francis als den in Erinnerung behalten, als der er sich einst in mein Leserherz gestohlen hat.

Drei Sterne. Sprachlich wie gewohnt gut, aber als Fortsetzung der Francis-Reihe eine Katastrophe. Selbst die Untigerin ließ sich nur mit Tricks zu Coverfotos überreden …
3sterne

 

Autor: Akif Pirinçci
Titel: Göttergleich. Ein Felidae-Roman.
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3453268463

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Gwen Cooper / Homer und ich: Wie mir ein blindes Kätzchen die Freude am Leben zurückgab

Gwen ist mitsamt zwei Katzen, gebrochenem Herzen und reichlich orientierungslos auf Wohnungssuche und lebt vorübergehend bei einer Freundin, als sie einen Anruf von ihrer Tierärztin erhält: Es gäbe da ein sehr besonderes Kätzchen, das dringend ein Zuhause suche und das niemand haben wolle. Um nicht als eiskalt dazustehen, ist Gwen einverstanden, es sich anzusehen – aber nehmen will sie es auf keinen Fall, ihr Leben ist doch schon chaotisch genug, auch ohne eine dritte Katze. Als sie das kleine, augenlose Fellbündel sieht, kippt ihr Entschluss jedoch ganz schnell. Der kleine Kater, nur wenige Wochen alt, konnte nie sehen, wegen einer Infektion mussten ihm die Augen entfernt werden und doch wirkt er kräftig, lebensfroh, richtiggehend selbstbewusst.

„Er ist so winzig, war mein erster Gedanke. Meine beiden Katzen waren fast ebenso jung gewesen, als ich sie aufgenommen hatte, aber ich hatte vergessen, wie unglaublich klein ein vier Wochen altes Kätzchen ist. […] Sein Fell war ganz schwarz und hatte die statisch-elektrische Flaumigkeit, die sehr kleine Kätzchen nun einmal haben, als lehne ihr Pelz sich gegen die Vorstellung auf, flach zu liegen. Wo seine Augen gewesen waren, befanden sich zwei kleine Nähte, und um den Hals trug er einen dieser Plastikkegel, mit denen man Tiere daran hindert, an Nähten oder Wunden zu kratzen.“

Der kleine blinde Kater bekommt den Namen Homer, nach dem blinden Verfasser des Heldenepos „Odysseus“, denn eins steht ohne Zweifel fest: Homer ist ein Held. Mit Heldenart orientiert er sich in seiner neuen Umgebung, erschnüffelt und erlauscht sich Hindernisse und Ziele und passt sich so schnell an, dass Gwen immer wieder nur staunen kann. Homer ist sich seiner Behinderung nicht bewusst – er kennt das Leben ja gar nicht anders! Er springt, spielt, balgt, tollt und kuschelt wie jede andere Katze seines Alters, er erforscht seine Welt und er hat keine Angst.
Und Gwen lernt von ihm. Sie lernt, sich einfach mal etwas zu trauen und ganz selbstverständlich das Gute vom Leben zu erwarten, sie lernt, Verantwortung zu übernehmen und das Leben von einer neuen Warte aus zu betrachten.

„Ich habe Homer also nicht aufgenommen, weil er süß und klein war oder weil er hilflos war und mich brauchte. Wenn man in einem Wesen etwas so Kostbares zu sehen glaubt, sucht man einfach nicht nach Gründen – ungünstige Zeit, Geldmangel und so weiter -, es sich selbst zu überlassen. Man nimmt sich vor, stark genug zu sein, um mit diesem Geschöpf zu leben, egal was passiert. Wenn man das tut, wird man allmählich zu dem, was man bewundert.
Damit will ich sagen, dass ich meine erste wirklich reife Entscheidung hinsichtlich einer Beziehung traf, als ich beschloss, dieses augenlose Kätzchen mit nach Hause zu nehmen.“

Ob Umzüge, Jobwechsel oder Männergeschichten, Homer legt die Rahmenbedingungen fest: Das Umfeld muss passen und wer nicht mit Homer kann, wer nur Mitleid für ihn empfindet und nicht seine Stärke sieht, ist nicht der Richtige für Gwen. Sie und ihre drei Katzen wachsen zu einer festen kleinen Familie zusammen und fast jeder, der Homer trifft, ist überrascht, wie gut der Kater seine Blindheit kompensiert. Natürlich besteht Gwens Leben nicht nur aus Höhen, doch auch die Tiefen wie bspw. den 11. September 2001 (Gwen und die Katzen sind kurz zuvor nach New York und auch noch ausgerechnet in die Nähe der Twin Towers gezogen) meistern sie mit Bravour und schließlich gelingt es auch einem Mann, nicht nur Gwens, sondern auch sämtliche Katzenherzen zu erobern …

„Homer und ich“ ist ein wunderschönes und zu Herzen gehendes Buch, das von tiefer Liebe und viel Verständnis und Einsicht zeugt.
Sicherlich geht mir das Buch auch deswegen so ans Herz, weil auch meine eigenen Katzen weder gesund noch auf gewöhnlichem Weg zu mir gekommen sind, aber ich glaube, das Buch hat diese Wirkung auf jeden, der Tiere und insbesondere Katzen liebt. Gwen Coopers Geschichte ist nicht nur wahr, sie ist auch wunderschön geschrieben.
Ich hatte das Buch binnen einer Nacht durch, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte, denn Homers Wesen hatte mich ganz schnell in seinen Bann gezogen und Gwen Coopers Art, die Dinge in Worte zu packen, fesselt mindestens genauso. Dieses Buch ist wie eine feste, warme, kätzische Umarmung.

Wer Gwen und Homer mal in bewegten Bildern sehen möchte, hat hier die Gelegenheit:

Autorin: Gwen Cooper
Titel: Homer und ich: Wie mir ein blindes Kätzchen die Freude am Leben zurückgab
Originaltitel:Homer’s Odyssey: A Fearless Feline Tale, or How I Learned about Love and Life with a Blind Wonder Cat
Gebundene Ausgabe: 340 Seiten
Verlag: mvg Verlag
Gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3868821673

Kai Splittgerber und Dorothea Huber / Brehms Tierland

„Mit Stolz und Genugtuung darf ich von den ersten Tieren berichten, die ich auf Tierland entdeckte. Ich nenne sie zu Ehren meines lieben Vaterlandes: Deutsche.¹ Strandulen.

¹ In Anbetracht der widrigen Umstände meiner Expedition hat mein Vaterland diese Ehre doch nicht verdient. Dies soll auch eine Lehre für die hohen Herren von der Akademie sein: Kein Tierlandtier soll Deutscher heißen, solange nicht endlich das Geld für meine zweite Expedition bereitgestellt worden ist.“

Edmund Alfred Brehm (nicht zu verwechseln mit dem wohl weit berühmteren Alfred Edmund Brehm 😉 ) ist ein verkanntes Genie.
Missverstanden, unterschätzt, bedauerlicherweise auch an einer gewissen Katzenproblematik leidend, stets um die ihm zustehende Anerkennung ringend.
Seine Tierforschungen werden, ebenso wie seine glorreichen Erfindungen, nicht ernst genommen, seine Expeditionen von der Akademie nicht finanziert, die hohen Herren von der Akademie wagen es sogar, ihn komplettweg zu ignorieren!

Also macht er sich todesmutig auf und segelt mit dem betrügerischen Halsabschneider Kapitän Pamphile, dessen fragwürdigen Mannschaft und einem Haufen suizidaler Kaninchen auf eigene Kosten auf nach Tierland (dessen Existenz von den hohen Herren der Akademie freilich verleugnet wird).
Brav notiert er jedes Erlebnis in seinem Expeditionstagebuch, skizziert jedes seltsame Tierlandtier und in seiner unendlichen Güte legt er den hohen Herren der Akademie dieses Expeditionsbuch samt Karte von Tierland vor. Welch Glück für uns schnöde, nichtswissende Leser, da auch wir so in den Genuss der Brehmschen Genialität kommen und Anteil nehmen dürfen an dieser waghalsigen Expedition!

Hier ein kleiner Eindruck:

Meinung:
Als jemand, der mit dem Dicken Schmitt-Buch und dem dDicken Schrader-Buch groß geworden ist (Ossis ab 25 Jahren aufwärts dürften wissen, wovon ich spreche 😉 ), liebe ich illustrierte und humorige Geschichten.
Mit „Brehms Tierland“ hatte ich wahnsinnig viel Spaß, es war fast wie damals, als ich als Kind kichernd und glucksend über dem Dicken Schmitt gehangen habe – und das, liebe Autoren, dürft ihr als dickes, fettes Kompliment auffassen!

Eine aberwitzige Geschichte, die zu gleichen Teilen aus Text (der mittels verschiedener typographischer Schriften dargestellt wird und jede Menge erheiternde Fußnoten enthält) und Illustration besteht; eine Geschichte also, die gleichermaßen durch Wort und Bild erzählt wird und die so gespickt ist mit Anspielungen und Feinheiten, dass man sich wirklich Zeit nehmen und genießen muss.

Ein tolles Buch, das eigentlich schon eher ein Kunstwerk ist.


Bewertung:

Ganz klar, fünf Sterne.

Titel: Brehms Tierland
Autoren: Kai Splittgerber (Text) und Dorothea Huber (Illustrationen)
Gebundene Ausgabe: 234 Seiten
Verlag: Edition Büchergilde
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3940111821

Frühlingsbegleitliteratur

An dieser Stelle mal keine Rezension. Stattdessen möchte ich euch gerne einige Bücher vorstellen, die mich durch Frühling, Sommer und Herbst begleiten :-).

Wir sind gerne in der Natur unterwegs und interessieren uns für Tiere und Pflanzen. Klar, dass da entsprechende Nachschlagewerke mit dabei sein müssen, man entdeckt ja immer irgendetwas, was man noch nicht kennt ;-). Für diese Bücher haben wir uns entschieden, weil sie über einen ordentlichen (wenn auch bei weitem nicht vollständigen) Inhalt verfügen, vor allem aber auch, weil sie fast alle Hosentaschenformat haben und so wirklich auf jedem Ausflug dabei sein können.

 

Habt ihr auch solche Begleitbücher oder könnt ihr welche empfehlen?

Remco Campert / Tagebuch einer Katze

Inhalt:
Pöff heißt die Katzendame, die bei „Brille“ und „Rock“ lebt und die eigentlich lieber einen anständigen Katzennamen hätte und nicht ein „Armutszeugnis der Namensgebung“. Mit ihren Menschen hat Pöff es nicht einfach, manchmal stecken die sie einfach in die „Trawo“, die tragbare Wohnung, und fahren mit ihr weg und viel zu oft verwenden die schwanzlosen Zweibeiner das staubsaugende drohende Ding und stören Pöff damit in ihrer Ruhe. Dazu kommen Albträume von kichernden Mäusen und der Rote Harry, der Horror der Höfe. Aber eine Katze wie Pöff weiß natürlich, wie man mit all dem umzugehen hat.

Meinung:
Als Bediensteter in einem Katzenhaushalt hat man ja meistens haufenweise kätzischer Lektüre im Regal.
Was habe ich Tränen gelacht über „Schmitz Katze“ und wie saß ich nickend wie ein Wackeldackel da bei der Lektüre von „Miau sagt mehr als tausend Worte“.
Aber von allen meinen Katzenbüchern ist mir dieses das Liebste! ♥

Das einzige, was ich daran zu kritisieren habe, ist seine Kürze!
Viel zu schnell hat man das Büchlein durchgelesen und möchte eigentlich noch viel viel mehr von und über Pöff und ihre Zweibeiner erfahren.

Man merkt, dass Remco Campert viel Erfahrung mit Katzen hat und diese wunderbaren Geschöpfe liebt und respektiert.
Mit viel Sprachgefühl, Humor und Beobachtungsgabe berichtet er aus dem Katzenalltag. In 30 kleinen Kapiteln lässt Campert seine Pöff von den kleinen und großen Dingen im Katzenleben erzählen und hat so ein Buch geschaffen, dass jedem Katzenfreund ans Herz gehen dürfte.

Die ersten Sätze:

Madonna, Thelonious, Napoleon, Justine, Kleopatra, Vincent, T.S. Eliot, Lolita, Sokrates, Zelda, Beethoven, Fellini, Venus, Malaparte, Kousbroek, Isebel, Adinda…
Da haben Sie ein paar Namen von Katzen aus den Gärten hinter dem Haus, in dem ich mit Brille und Rock wohne.
Einer wie der andere: Namen, die sich sehen lassen können, mit Sorgfalt und Liebe von den Zweibeinern ausgewählt, die zu diesen Katzen gehören.

Nennen wir ihn: Multaluli.
Nennen wir sie: Madame de Pompadour.
Zweibeiner mit Geschmack.
Ich heiße Pöff. Jawohl, Sie lesen richtig. Pöff.
Ein Name wie eine Sprachstörung.

Bewertung:
So wunderschön, dass nichts anderes als fünf Sterne in Betracht kommt.

 

Autor: Remco Campert
Titel: Tagebuch einer Katze
Originaltitel: Dagboek van een poes
Gebundene Ausgabe: 75 Seiten
Verlag: Arche Verlag
Gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3716023778