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Liebe – The World Book of Love

Lassen Sie uns doch mal über Liebe sprechen.

The World Book of Love/ Leo Bormans @Dumont Verlag

Liebe ist so eine Sache: Jeder erlebt sie, mal in dieser, mal in jener Form. Mal erzeugt sie Glück, mal Schmerz, Eifersucht, Leidenschaft, Hass, Hingabe … aber ein Leben ohne Liebe ist undenkbar und unmöglich. Sie wirklich zu verstehen leider auch.

Der Herausgeber Leo Bormans hat in „Liebe – The World Book of Love“ den Versuch unternommen, dem Leser die Thematik „Liebe“ aus verschiedenen Blickwinkeln näherzubringen. Dazu hat er eine Vielzahl internationaler Forscher aus verschiedenen Fachrichtungen dazu gebracht, sich dem Thema anzunähern und über verschiedene Aspekte zu berichten.

Man findet in dem Buch keine bloße Abhandlung darüber, was Liebe ist.
Vielmehr ist das Buch als Lesebuch zu verstehen.
Die Kapitel sind unabhängig voneinander zu lesen und laden dazu ein, das Buch stets griffbereit (in meinem Fall auf dem Nachttisch) liegen zu haben und immer mal wieder darin zu schmökern.

The World Book of Love/ Leo Bormans @Dumont Verlag

Mir gefällt besonders gut, dass im Inhaltsverzeichnis neben dem Kapiteltitel und dem Autorennamen auch dessen Herkunftsland verzeichnet ist, denn so kann man (wenn man denn mag) die Puzzlestücke wunderbar aneinanderreihen und alles in einen internationalen Kontext setzen.
Thematisiert wird so ziemlich alles, was einem zum Stichwort Liebe einfällt, als Beispiele seien hier die Kapitel „Glückliche Singles“, „Ökonomie der Liebe“, „Die Chemie der Liebe“, „Reife Liebe“, „Liebende Eltern“, „Liebe in Vietnam“, „Heilige Regeln“ oder auch „Aus Liebe töten“ genannt.

Der Aufbau und die Zusammenstellung des Buches gefallen mir ausgesprochen gut und ich gehe stark davon aus, dass das Buch noch eine lange Zeit als Dauerlektüre auf meinem Nachttisch liegen wird, denn auch mit mittlerweile 34 Jahren stellt sich mir in Liebesdingen oft nur eine Frage: WTF?!? 😉 Da ist es dann nicht schlecht, einfach mal zum „World Book of Love“ zu greifen und so irgendeine Erklärung für die schrägen Dinge zu finden, die mal wieder geschehen.

Von mir gibt es für dieses Buch volle fünf Sterne.
5sterne

 

Ich habe das Buch inzwischen auch schon zweimal verschenkt, falls ihr also mal ein für nahezu jedermann geeignetes Buchgeschenk sucht, liegt ihr mit dem „World Book of Love“ sicher nicht verkehrt.

Herausgeber: Leo Bormans
Titel: Liebe. The World Book of Love
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Dumont Buchverlag; Auflage: 1 (26. August 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3832194734
Originaltitel: World Book of Love

Maya Onken/ Nestkälte. Vom Lügen, Betrügen und Verzeihen.

Maya Onken: Nestkälte. Alé führt eine festgefahrene Ehe und so kommt es zu dem, was eigentlich zu vermeiden ist, nämlich einem Seitensprung. Zu groß ist die Kälte innerhalb der Beziehung, zu sehr vermisst Alé (als Stellvertreterin für viele sich als vernachlässigt betrachtende Ehefrauen) das Prickeln, die Spannung, die Begierde. Und doch wünscht sie sich eigentlich nichts mehr, als mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter ein glückliches Leben zu führen.

Er scheint in einer anderen Welt zu leben. Am Morgen geht er in seine Computerfirma, und am Abend kommt er zwar nach Hause, aber seine Gehirnausläufer sind immer noch im Office. Er quatscht mich und Lea dann voll über Meetings, den doofen Chef, den idiotischen Programmierer. Er erzählt von der Implementierung eines neuen Programms bei einem wichtigen Kunden und kündigt somit seine nächsten Absenzen an – und merkt dabei nicht, dass ich beim Friseur war und extra für ihn den Lippenstift weggelassen haben.

Die Problematik werden sicher viele kennen, die sich in langjährigen Beziehungen befinden oder befunden haben. In unserer Gesellschaft ist das „… und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ längst überholt. Wir leben schneller, wir leben intensiver, wir erwarten mehr – auch von unseren Beziehungen. Und wenns total schief geht, gibts ja noch die Scheidung … (an dieser Stelle mag mir ein Hauch Zynismus verziehen sein). Anstatt aktiv zu reparieren, wird zerstört und alles auf Anfang gesetzt.
Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und sage (ebenso wie die Autorin es m.E. transportiert):
Jeder steht irgendwann mal auf einer der beiden, wenn nicht sogar auf beiden Seiten – als der, der betrügt und der, der betrogen wird. Beides ist schwer, beides tut weh, mit beidem müssen alle Beteiligten fertig werden. Dass das nicht immer einfach ist, versteht sich wohl von selbst.

Maya Onken hat mit diesem Buch ihren zweiten Roman über Alé und deren Liebesleben abgeliefert, auch wenn „Ratgeberroman“ wohl besser passt, wie es der liebe Flattersatz in seiner Rezension so schön gesagt hat. So gibt es zum Buch dazu ein kleines Büchlein im Hosentaschenformat, in dem die Autorin alle Seiten der Dreiecksbeziehungen beleuchtet, auch die unvermeidliche Schuldfrage, und wertvolle Hinweise gibt und Beratungsstellen nennt. Wer will schließlich schon beim Fremdgehen erwischt werden (sorry, wieder dieser zynische Unterton …).
Auch schlägt Maya Onken im gesamten Buch einen Ton an, den ich irgendwo zwischen erzählend, beratend und aufklärend-erläuternd anordnen würde; manchmal ist mir die Sprache zu gewollt, irgendwo zwischen flappsig und hochgestochen; in jedem Fall ein für mich gewöhnungsbedürftiger, ungewöhnlicher Schreibstil.
Man merkt ihrer Schreibe deutlich den pädagogischen Background an.
Maya Onken lässt ihre Protagonistin alles analysieren, reflektieren, auswerten – für meinen Geschmack ein wenig zu sehr, worunter auch die erzählerische Ebene leidet. Für alles hat sie Fallbeispiele in Form von Freundinnen, alles wird bis ins Kleinste auseinandergenommen und systematisiert. Vielleicht wäre eine Markierung als Ratgeber treffender gewesen; ich sortiere das Buch hier im Blog kurzerhand in beide Rubriken ein, als Ratgeber UND als Roman.

Es ist mir, trotz eines guten Beginns, nicht gelungen, eine Verbindung zu Alé aufzubauen, weder im Positiven noch im Negativen. Ich blieb nach dem Lesen zurück mit dem Gefühl: Joa. Nett. Aber ein Roman war das jetzt nicht wirklich und eine Initialzündung hat das Buch auch nicht ausgelöst.
Wenn überhaupt, haben mich einige Dinge ziemlich sauer gemacht und daran erinnert, dass ich in meinem Denken und Beziehungsleben offenbar naiv-konservativ bin und nicht schwarz-weiß denke; bei Problemen gibt es in meinen Augen immer zwei Beteiligte und Probleme sind auch nur zu lösen, indem beide daran arbeiten. Gemeinsam. Keiner sollte sich für den Partner aufgeben, aber beide müssen sehr wohl investieren: Gefühle, Zeit, Achtsamkeit.
So gesehen muss ich der Autorin dann doch zugestehen, dass sie mich schon emotional gepackt hat – wenn auch wohl anders als erhofft.

Um es deutlich zu sagen: Ich habe ja in den letzten Jahren einiges zur grundlegenden Thematik gelesen (aufmerksamen LeserInnen wird dies wohl nicht entgangen sein und sie werden ihre -wohl treffenden- Rückschlüsse gezogen haben …) und sollte ich ein Buch empfehlen – „Nestkälte“ wäre es wohl eher nicht.
Das mag bei jemandem, der sich noch so gar nicht mit Affairen, Seitensprüngen, Beziehungsdramen und dergleichen, vor allem deren Folgen befasst hat, ganz anders sein und ich kann mir gut vorstellen, dass das Buch vielen Frauen in festgefahrenen Beziehungen helfen kann, sich zu sortieren.
Ich war dafür offenbar nicht die richtige Leserin, vielleicht gerade weil ich nicht unbelastet an das Thema herangehen konnte.

Maya Onken: Nestkälte.

Ich gebe dem Buch drei Sterne. Auch wenn ich mit der Protagonistin nicht warmgeworden bin, ist es stilistisch doch interessant zu lesen und sprachlich sauber aufgebaut.
3sterne

Eine sehr schöne (und wie immer umfassende) Rezension zu dem Buch gibt es beim lieben Blogger-Kollegen Flattersatz zu lesen, auf den ich an dieser Stelle nachhaltig verweisen möchte, allein schon, um auch die männliche Sicht auf das Buch kennenzulernen :D.

Autorin: Maya Onken
Titel: Nestkälte. Vom Lügen, Betrügen und Verzeihen.
Broschiert: 250 Seiten
Verlag: Xanthippe
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3905795240

Jojo Moyes/ Ein ganzes halbes Jahr

Louisa Clark lebt in einer schottischen Kleinstadt ein kleines, überschaubares, unspektakuläres Leben. Sie arbeitet in einem Café, wohnt noch bei den Eltern, hat einen Freund und streitet sich mit ihrer Schwester. Alles läuft in ruhigen, langweiligen Bahnen. Bis sie ihren Job verliert und als Betreuerin bei Will Traynor landet. Will ist seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt und hat jede Freude am Leben verloren. Lou und Will, zwei Menschen, die, wären ihre Leben wie geplant verlaufen, sich nie auch nur eines Blickes gewürdigt hätten und die der Zufall nun eng aneinander kettet …

Ein ganzes halbes Jahr

„Ein ganzes halbes Jahr“ landete eher durch Zufall auf meinem Kindle, hatte mich aber bereits nach den ersten Sätzen erobert.
Ein wunderschönes, einfühlsames Buch mit sehr schön gezeichneten Charakteren und einer Autorin, die sich als aufmerksame Beobachterin menschlicher Verhaltensweisen erweist und die Kunst beherrscht, ein tragisches Ende so aufzubauen, dass es dennoch ein warmes, stimmiges Gefühl beim Leser hinterlässt.

5 Sterne.
5sterne

Autorin: Jojo Moyes
Titel: Ein ganzes halbes Jahr
Originaltitel: Me Before You
Broschiert: 512 Seiten; gelesen als eBook
Verlag: rororo
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3499267031

Laurie Frankel/ Der Algorithmus der Liebe

Im wahren Leben traf man vielleicht ein Mädchen und mochte es, und das Mädchen mochte einen auch. Man verstand sich gut und fing eine Beziehung an, und wenn das gut lief, kam man sich immer näher und teilte immer mehr miteinander, man passte das eigene Leben an das des Mädchens an und verliebte sich ernsthaft, und trotzdem schlief es mit dem Zimmernachbarn, sobald man übers Wochenende nach Hause fuhr. Bei Computern traten derart groteske Abweichungen nicht auf.

Der Algorithmus der Liebe

Sam ist ein genialer Programmierer und arbeitet zusammen mit zahlreichen anderen Programmierern für eine große, erfolgreiche Partnervermittlung.

„Und aus diesem Grund wende ich mich an euch. Mit der Liebe ist das so eine Sache. Zu viele unbekannte Größen. Die Seele folgt nun mal keiner Logik, und das Herz hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Wie lässt sich das alles auf einen Nenner bringen? Und wie drückt man es in Zahlen aus und programmiert es? Wir sind Programmierer, also ist genau das unsere Aufgabe.“

Sam gelingt das Unglaubliche, er entdeckt den Algorithmus der Liebe und entwickelt ein Programm, das den perfekten Partner für jedermann findet. Was umso grotesker scheint, da Sam selbst bislang so gar keinen Erfolg in Sachen Liebe vorzuweisen hat.

Dann versuchte es Sam eine Zeit lang als Single, weil so die Gefahr, dass jemand auf seiner Seele herumtrampelte und sein Herz in tausend Stücke riss, weit geringer war. Er versuchte sich desinteressiert zu geben, nichts zu riskieren, nicht die Augen offen zu halten, seine Freizeit mit männlichen Kumpeln zu verbringen, Singleurlaube zu machen, an seiner Persönlichkeit zu arbeiten und das Kabelfernsehen abzubestellen. Doch das funktionierte auch nicht. Sich nicht zu verlieben bedeutete tatsächlich, dass man nicht verletzt wurde. Aber das brachte ja auch nichts.

Also startet Sam einen Selbstversuch – und findet so Meredith, seine große Liebe.
Das Leben könnte also rosarot sein, doch dann wird Sam zuerst gefeuert -welche Partnervermittlung verdient schließlich noch genug Geld, wenn jeder sofort den perfekten Partner findet?-, und dann stirbt auch noch Merediths geliebte Großmutter Livvie. Um ihr in ihrer Trauer beizustehen, entwickelt Sam nun einen neuen Algorithmus: Anhand alter Mails, Chats, Gesprächserinnerungen und hinterlassener Briefe entwickelt er ein Programm, durch das Meredith virtuell mit ihrer verstorbenen Großmutter kommunizieren kann. Sie erhält durch das Programm generierte eMails, die Großmutter Livvie genau so selbst geschrieben haben könnte.Meredith empfindet dies als so tröstlich, dass schnell eine Geschäftsidee daraus wird – und gleichzeitig der große Test für Sams und Merediths große Liebe.

„Der Algorithmus der Liebe“ ist ein wunderschönes, sensibles und tröstliches Buch, das dank seiner minimalistischen, knappen und dennoch gefühlvollen Sprache niemals ins Kitschige abzudriften droht.
Gleichzeitig behandelt es eine Thematik, die heutzutage immer wichtiger wird: Wie soll man mit dem virtuellen Erbe eines Menschen umgehen? Erschwert das Internetzeitalter unseren Umgang mit der Trauer oder erleichtert es sie?

Das Buch ist genauso wunderbar wie sein Cover (fast bedaure ich, mich für das eBook entschieden zu haben) – 5 Sterne.
5sterne

Autorin:
Laurie Frankel
Titel: Der Algorithmus der Liebe
Originaltitel: Goodbye For Now
Broschiert: 416 Seiten, gelesen als eBook
Verlag: Heyne Verlag
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3453268364