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Mein Lesejahr 2014: Ein Rückblick.

Mein Beitrag zur Blogparade soll noch nicht alles an Rückblick gewesen sein.
2014 war buchtechnisch ein mehr als erfreuliches Jahr, vielleicht auch, weil ich die Bestsellerlisten sehr ignoriert habe – das einzige Mal, dass ich mich von der Masse hab leiten lassen, war auch das einzige Buch, das mich ziemlich enttäuscht hat. Ich hab einfach nur frei Schnauze gelesen, getreu dem Lustprinzip, das 2013 wieder Einzug ihn mein Leseverhalten gefunden hat.

Ich schrieb es ja schon im letzten Jahresrückblick, aber für mich ist dieser Punkt immer noch so wichtig, dass ich mich selbst zitieren möchte:

Vor allem aber habe ich jedes “MUSS” im Zusammenhang mit meinem Hobby eliminiert. Ich muss nicht lesen, was ich nicht lesen will, ich muss nicht über das Lesen schreiben, ich muss ein Buch nicht beenden, wenn es mir nicht gefällt und selbes gilt auch für Hörbücher, und wenn ich keine Lust aufs Lesen habe, weil ich zu müde bin oder zu unkonzentriert, dann ist es auch vollkommen legitim, stattdessen Serien zu gucken. Das macht mich nicht zu einer schlechteren Leserin, das macht mich nicht ungebildeter oder unkultivierter – es macht mich einfach nur frei.
Wir müssen schon genug im Leben. In meiner Freizeit will ich ganz alleine regulieren, was ich tue, ungehindert und unblockiert von jedem “MUSS”.
Das liest sich jetzt so selbstverständlich, aber diese Erkenntnis war wichtig für mich und hat aus so manchem den Druck herausgenommen.

Ich bin in diesem Punkt 2014 noch radikaler geworden – Bücher, die mir nicht zusagen, werden nicht beendet, die Zeit ist mir zu schade und jemand anderem macht das Buch vielleicht mehr Freude. Bei Neuanschaffungen bin ich noch kritischer geworden und das hat sich gelohnt, denn in diesem Jahr haben wirklich nicht viele Bücher meinen Weg gekreuzt, die mir so gar nicht zugesagt haben. Was diesen Punkt angeht, habe ich also meinen Vorsatz für 2014 sehr gut umsetzen können.

Ich habe 2014 insgesamt 52 Bücher gelesen, also jede Woche eins. Nicht mit einberechnet sind die vielen Fachbücher, Dissertationen und Manuskripte, die ich im Brotjob täglich lese – hier im Blog zählt nur, was ich in meiner Freizeit lese und höre.
Das ist noch lange nicht wieder so viel wie vor meinem Katastrophenjahr 2011, aber ich bin damit zufrieden, vor allem, weil mir nahezu jedes dieser Bücher auf die eine oder andere Weise gefallen hat. Qualität vor Quantität. Wenn ich in anderen Blogs lese, dass die Leute sich enormen Druck machen, pro Jahr mindestens 100, wenn nicht sogar 200 Bücher zu lesen, bricht mir schon der Schweiß aus und ich bekomme Schnappatmung.
Wozu dieser Stress? Wo bleibt da das Vergnügen?
Lieber lese ich eine solch überschaubare Anzahl an Büchern und kann mich dann auch hinterher an den Inhalt und die Feinheiten erinnern, als dass ich mich jemals wieder diesem „Ich MUSS aber“-Stress aussetze. Erst jetzt merke ich, dass mich das früher nicht nur unter Druck gesetzt hat, sondern dass es sich vor allem auch so ausgewirkt hat, dass ich mich kurz nach der Lektüre kaum noch an die Inhalte der Bücher erinnern konnte. Jetzt mache ich nach jedem Buch eine kleine Pause, lasse alles sacken und schreibe mir bereits während des Lesens meine Eindrücke in einem Lesetagebuch auf – auch eine ausgezeichnete Neuerung des Jahres 2014.
Und, mal ehrlich (dass ich das mal sagen würde …): Es gibt mehr im Leben als Bücher. Literatur wird sicher immer meine große Liebe bleiben, aber da ist noch so viel mehr, was es zu entdecken und zu (er)leben gibt, manchmal muss man einfach raus, Neues wagen, die Welt sehen. Das eröffnet einem dann auch wieder ganz neue Zugänge zu den Büchern, die man sich niemals hätte vorstellen können.

Da ich in diesem Jahr viel unterwegs war, hat sich die Zahl der gehörten Hörbücher rapide erhöht – es waren 25 Stück, und auch hier gab es wenige, die mir nicht wirklich zugesagt haben.

Mein zweites Vorhaben für dieses Jahr war es ja, meinen SuB abzubauen. Nun, was soll ich sagen …  Zwar hab ich wirklich viel vom SuB weggelesen, aber dann fand hier ein toller Buchflohmarkt statt, dann war dort ein Buchladenausverkauf, und ab und an hat es mich dann doch wider besseren Wissens ins Ocelot, die Chaiselongue oder auch zu Dussmann gezogen. Ich habe zwar nicht allzu viel gekauft, aber einiges kam eben doch dazu.
Da ich aber auch gezielt ausgemistet und sehr sehr viele Bücher verschenkt habe, ist der analoge SuB derzeit auf unter 200 geschrumpft, also gut 50 weniger als zu Jahresbeginn.
Über den digitalen SuB breite ich weiterhin den Mantel des Schweigens und der Scham.

Im letzten Jahr hatte ich unter meinen Jahresrückblick ein Foto mit dem Spruch „Do more of what makes you happy“ gepostet.
Dieser Spruch begleitet mich seit diesem Jahr nun täglich und er ist das erste, was ich morgens nach dem Aufwachen sehe – eine sehr gute Anschaffung (zum Aufhängen aus Holz, gekauft bei Depot) und im Grunde ist er mein einziger Vorsatz für das kommende Jahr und er gilt für alle Aspekte des Lebens.

Was das Lesen angeht, möchte ich einfach diesen, meinen Weg weitergehen, ich brauche keine Challenges, keine Pläne, denn so, wie es in diesem Jahr gelaufen ist, hat es mir gut gefallen und so darf es gerne weitergehen.

Ich wünsche euch allen einen guten Start in das neue Jahr, habt vielen Dank für eure Treue, auch wenn es hier recht still geworden ist, und habt noch mehr Dank für eure tollen Anregungen und eure unterhaltsamen Blogs.
Vielen Dank an die vielen Autoren da draußen für die unzähligen entspannten, manchmal auch aufwühlenden Stunden, die ihr uns mit euren Büchern beschert. Ich hoffe sehr, dass der eisige Wind, der bisweilen in der Buchbranche herrscht, euch nicht zu sehr entgegen weht und dass ihr auch im kommenden Jahr weiter für unseren Lesestoff sorgt.
Alles Gute!

Neujahrsvorsatz - Lebensvorsatz

Ildikó von Kürthy/ Endlich

„In mein behagliches Nest hat mir die Wahrheit mitten hineingekackt. Ich kann bleiben – und mir die Nase zuhalten.
Ich kann mir eingestehen, dass ich naiv war und unerwachsen, weil ich glaubte, Treue gehöre zur Liebe dazu.
Ich kann mir eingestehen, dass meine Ehe nur funktioniert, weil mein Mann alles bekommt, was er sich wünscht – jedoch nicht nur von mir […]
Willkommen, Vera Hagedorn, in der Realität.
Wurde auch höchste Zeit.“

Vera lebt ein Ildikó von Kürthy: Endlichruhiges Leben mit grauen Schinkenbroten, ätzenden Schwiegereltern und ihrem langweiligen Ehemann Marcus im noch langweiligeren Stade. Vera mag ihr ruhiges, langweiliges Leben. Irgendwie. Abenteuer erlebt sie durch ihre Freundinnen, das ist ihr genug. Glaubt sie jedenfalls. Doch genau durch eins dieser Freundinnen-Abenteuer gerät Veras ruhiges, langweiliges Leben aus dem Tritt, denn anscheinend peppt sich Ehemann Marcus sein langweiliges Leben mithilfe einer blutjungen Kosmetikerin ein bisschen auf, und das kann Vera nicht einfach so hinnehmen …

Vera hört auf, zu verdrängen. Klein beigeben will sie nicht, und so beginnt sie, gemeinsam mit ihren Freunden den Kampf gegen Nebenbuhlerin „Gutemine“ aufzunehmen und sich dabei auch endlich selbst ein Stück weiter zu entwickeln, weg von der langweiligen Kleinstadt-Hausfrau und hin zu einer fitten, begehrenswerten Autorin in der Großstadt.

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Manchmal ist es so, dass Ereignisse in unserem Leben, wirklich üble Ereignisse, unseren Horizont erweitern und unsere Augen auf Dinge lenken, die wir früher nicht wahrgenommen haben.
Genau so geht es mir mit Ildikó von Kürthy.
Früher hätte ich ihre Bücher nicht wirklich beachtet, hab mich davon nicht angesprochen gefühlt.
Dann kam das Leben, und nun sitze ich hier und amüsiere mich ganz köstlich mit ihnen, gespickt mit einem Hauch Wehmut, haufenweise Erinnerungen, aber kein Stück traurig, denn Traurigkeit schubst dieses Buch einfach vom Schirm.

Wobei, selbst jetzt im Nachhinein sehe ich keine Hinweise, nichts, was mich hätte stutzig machen müssen.
Oder?
Die langen Abende im Büro? Die Verabredungen zum Squash? Die Sanitärbedarfsmessen in Frankfurt? Da wirst du doch irre, wenn du hinter jeder Verspätung, hinter jeder Dienstreise gleich einen Betrug witterst.
Vor etwa einem halben Jahr hat er das Rasierwasser gewechselt. Und irgendwann war mir aufgefallen, dass er die Boxershorts mit den ausgeleierten Bündchen aussortiert hatte. Wurde auch höchste Zeit, hatte ich gedacht. Mehr nicht.

In vielen Rezensionen habe ich gelesen, die Story sei überzogen und unrealistisch, und zu einem gewissen Teil mag das auch stimmen – wer allerdings selbst mal etwas Vergleichbares erlebt hat (statistisch gesehen wird jede(r) von uns mindestens einmal im Leben selbst betrogen), wird bei diesem Buch immer mal wieder ganz laut „Ja! JA! Genauso ist es!“ rufen.
Inmitten all der humorigen, überzogenen Szenen liegen verdammt viel Wahrheit, Lebenserfahrung und Menschenkenntnis.

Ja, man darf misstrauisch werden, wenn er auf einmal die ausgeleierten Unterbuchsen freiwillig entsorgt, wenn er auf einmal wieder nach Jahren Rasierwasser benutzt, auffallend viel zum „Sport“ geht, seine Sportsachen aber irgendwie so gar nicht nach Schweiß müffeln. Es sind die kleinen Dinge, die sich auf einmal verändern, die man aber erst im Rückblick wahrnimmt, weil sie im eintönigen Beziehungsalltag irgendwie untergegangen waren – dabei wären sie verlässliche Alarmzeichen gewesen, wäre man nur aufmerksamer gewesen.
Hätte hätte hätte.

Ildikó von Kürthy fasst all diese kleinen Anzeichen geschickt in ihrem Roman zusammen und knüpft daraus eine unterhaltsame Geschichte, die bisweilen alberne Elemente enthält und deren Ende dann doch schon arg verkitscht und am Rande des Erträglichen ist – aber warum denn auch nicht? Warum sollte Romanfigur Vera nach all dem kein Kitsch-Ende bekommen?
Dieses Buch soll unterhalten, das tut es auch ganz fabelhaft, und das Ende tut dem gar keinen Abbruch, denn manchmal darf es eben auch mal ein verkitschtes Happy End sein – das wahre Leben ist schon hart genug und bietet selten ein Happy End.

Vier Sterne.

4sterne

Stephen King/ Böser kleiner Junge


„Das Leben kann schön sein. Es kann es wert sein, dass man darum kämpft.“
„Für manches Leben gilt das bestimmt. Für meines nicht […]“

Stephen King: Böser kleiner Junge
George Hallas sitzt im Todestrakt und soll in Kürze hingerichtet werden. Er hat ein Kind getötet.
Bislang hat er zu seiner Tat geschwiegen, doch nun öffnet er sich seinem Pflichtverteidiger Leonard Bradley und erzählt ihm, wie ihn der böse kleine Junge mit der Propellermütze um einfach alles gebraucht hat, schließlich auch um sein Leben  …

Im November 2013 war Stephen King zum ersten Mal in Deutschland zu Gast. Man sagt ja immer, man solle möglichst nie seine Idole treffen, aber in diesem Fall habe ich es keine Sekunde bereut und bin unheimlich froh darüber, diesen einmaligen Autor einmal live getroffen zu haben.
Kurz nach seiner Reise kündigte er an, dass er von Deutschland und Frankreich so begeistert wäre, dass in Kürze eine Novelle zunächst nur auf Deutsch und Französisch erscheinen würde. Mit „Böser kleiner Junge“ hat er seine Ankündigung in die Tat umgesetzt.

„Böser kleiner Junge“ ist eine großartige, wenn auch kurze Novelle, sprachlich wie gewohnt famos und, wie die meisten seiner Bücher, mit Zitaten und Querverweisen zu seinen anderen Geschichten gespickt.

Viele Leser kritisieren die Kürze der Geschichte und empfinden sie als öde und langweilig – dem kann ich mich nicht anschließen, mir hat sie sehr gut gefallen und das war bislang nicht unbedingt bei jeder King’schen Kurzgeschichte der Fall.

Empfehlung!

Fünf Sterne.
5sterne

Autor: Stephen King
Titel: Böser kleiner Junge
Originaltitel: Bad Little Kid
Format: eBook/ ePup
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 62 Seiten
Verlag: Heyne Verlag

Angelika Felenda/ Der eiserne Sommer

„Ja, lesen S‘ nur, was da steht“, sagte Steiger. „Das ist wirklich unglaublich. Der Konvoi mit dem Erzherzog ist einfach weitergefahren, obwohl bereits eine Bombe auf die Fahrzeuge geworfen worden war. Null Sicherheitsvorkehrungen. Und dann hat sich der Fahrer auch noch verfahren! Und ist umständlich umgekehrt, damit der Attentäter ja genügend Zeit g’habt hat, die Majestäten totzuschießen.“
Reitmeyer blickte auf das Bild unter der Schlagzeile. „Der fährt in einem offenen Wagen durch Sarajewo? Durch ein Gebiet, das die Österreicher annektiert haben?“
„Sag ich doch!“, rief Steiger. Wenn der schon einen Besuch im Pulverfass von Europa machen muss, hätt‘ man wenigstens für einen anständigen Fahrer sorgen müssen, nicht so einen Hornochsen.“

Angelika Felenda/ Der Eiserne Sommer

Es ist Sommer 1914.
Der Kolonialismus ist auf seinem Höhepunkt, Europa greift nach der Welt, der Industrialismus hat die Gesellschaft verändert, politische Krisen an allen Ecken, kurz: Die Welt ist im Umbruch.
Und nun fällt auch noch Erzherzog Franz Ferdinand, der Thronfolger Österreich-Ungarns, gemeinsam mit seiner Gattin einem Attentat zum Opfer. Noch weiß man nicht, dass dieses Attentat der Auslöser des Ersten Weltkriegs sein wird und es wird auch noch einige Zeit dauern, bis der europäischen Bevölkerung das Ausmaß bewusst wird.

„Ein neuer Balkankrieg, meinen Sie? Ich weiß nicht“, sagte Reitmeyer. Er ging zu seinem Schreibtisch hinüber und starrte einen Moment auf die Aktenberge. „Wieder eine Krise.“ Dann drehte er sich zu Klotz um. „Aber haben wir nicht ständig Krisen? Mal geht’s um Nordafrika, das andere Mal um Bosnien. Vor drei Jahren haben wir alle gedacht, die zweite Marokkokrise wäre der Startschuss für den großen europäischen Krieg. Aber jedes Mal ist es wieder abgewendet worden. Man hat sich verständigt. Nichts ist passiert. Und selbst die ewigen Balkankrisen …“
„Der Balkan“, sagte Steiger verächtlich. „Ein Haufen Straßenräuber, Umstürzler und Terroristen. Ist längst an der Zeit, dass da drunten mal einer aufräumt.“

Trotz der Brisanz läuft das Leben in München in gewohntem Gang weiter und auch die Polizei hat wie üblich zu tun, denn Diebe und Mörder nehmen keine Rücksicht auf weltpolitische Krisen.
Eine Reihe von Todesfällen beschäftigt Kommissär Sebastian Reitmeyer. Besonders der anonyme Tote aus der Isar bereitet ihm Kopfzerbrechen, denn was zunächst nach Ertrinken aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als filigraner Mord.
Auf der Suche nach der Identität des Toten führt die Spur in Militärkreise, vor allem in das Café Neptun, einem Treffpunkt für Homosexuelle aus gutbürgerlichen Kreisen und dem Militär. Kommt der Mörder etwa aus diesen gehobenen Schichten? Gegen das Militär darf Reitmeyer nicht ermitteln, doch er will dem Täter unbedingt auf die Spur kommen und legt sich dabei mit jedem an, der ihn zu behindern versucht …

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„Der eiserne Sommer“ ist ein gelungener Debut-Roman, dessen Handlung sorgfältig zwischen Lokalkolorit und Weltgeschehen platziert ist.
Die Hauptfiguren – immer mal wieder mit Mundart versehen – sind interessant gezeichnet, und dank ihrer Blickwinkel bekommt man einen umfassenden Einblick in die damalige Zeit inklusive ihrer gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten und Ungleichbehandlungen. Man spürt die Umbruchstimmung quer durch alle Gesellschaftsschichten hindurch und die aufgeheizte politische Atmosphäre mit ihren Ressentiments und dem wachsenden Nationalismus, und man sieht in den dunklen, stinkenden Abgrund, der sich hinter der Maske von Sitte, Anstand und Moral verbirgt.
Das Ganze wird in einer leichten, bildreichen Sprache erzählt, die allerdings bisweilen etwas langatmig wird – vor allem am Ende hätten ruhig ein paar Seiten zusammengestrichen werden können, das hätte der gelungenen Geschichte keinen Abbruch getan.
Besonders gefallen hat mir, dass man dank Kommissär Reitmeyer einen interessanten Einblick in das pathologische Wissen und Vorgehen sowie die Ermittlungsmethoden der damaligen Zeit erhält.

Von mir gibt es für Kommissär Reitmeyers ersten Fall vier Sterne.
4sterne

Autorin: Angelika Felenda
Titel: Der eiserne Sommer
Taschenbuch: 435 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3518465422

Miriam Pielhau/ Radiergummitage

„Radiergummitage. So hießen Tage, die ein Fall waren für den Radiergummi des Universums. Tage, die Maja Pauly im Kalender gedanklich mit lauter wütendem Gekrickel überzogen hatte, weil sie dem ureigenen Maßstab nach misslungen waren. Wobei sie persönlich für dieses Misslingen verantwortlich war. Und zwar allein.“

Miriam Pielhau: RadiergummitageMaja ist Single, Schauspielerin an einem Braunschweiger Theater und hat bereits Zeit ihres Lebens eine unglaubliche Abneigung gegen die Zahl 35. Sie meidet sie, wo es nur geht, ist sogar einmal nicht in eine Traumwohnung gezogen, weil das Haus die Nummer 35 trug. Nun wird sie jedoch 35 Jahre alt und kann dieser Zahl schwerlich entgehen.

Um das Jahr mit der „35“ besser zu überstehen, überlegt sie sich, sich selbst jeden Monat eine Aufgabe zu stellen, die es zu meistern gilt. Aufgaben, die es in sich haben, bei denen sie etwas tun muss, das sie bislang noch nie getan hat, die sie aus ihrer Komfortzone herausbringen und ihren Horizont erweitern. Unterstützt wird sie dabei von ihren Freundinnen und der 85jährigen Nachbarin und Zieh-Oma Lina …

Da ich selbst kürzlich 35 Jahre alt wurde und kinderloser Single bin, klang die Thematik des Buches für mich recht verlockend, vor allem, weil man gleich zu Beginn des Buches erfährt, dass die Autorin alle beschriebenen Aufgaben selbst gemeistert hat.
Miriam Pielhau hat, wie ich finde, eine angenehme Art zu schreiben, ungeschnörkelt, frisch, das Buch liest sich flott und enthält einiges an Umgangssprache.
Mit der Handlung an sich und der Protagonistin bin ich leider dennoch nicht so richtig warm geworden. Vermutlich hatte ich ein Buch erwartet, mit dessen Hauptakteurin ich mich irgendwie identifizieren könnte, dies ist hier aber so gar nicht der Fall.
Viele Rezensenten bezeichnen das Buch als „urkomisch“, so weit würde ich jedoch nicht gehen. Es ist bisweilen amüsant, aber wirklich zum lachen hat es mich nicht gebracht und auch nennenswerte neue Einblicke und Sichtweisen habe ich nicht gewonnen. Ein wenig schade fand ich, dass der Titel (und damit die Beschreibung von Tagen, die man am liebsten aus dem Kalender ausradieren würde), nur am Anfang aufgegriffen wird und dann dieser Zusammenhang, der ein roter Faden hätte werden können, verloren geht.

Ich hatte einen kurzweiligen Nachmittag mit dem Buch, dauerhaft in Erinnerung bleiben wird es mir über den Titel hinaus allerdings wohl eher nicht.

Drei Sterne.

3sterne

Autorin: Miriam Pielhau
Titel: Radiergummitage
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3832162627

Marisha Pessl/ Die alltägliche Physik des Unglücks

„… ich will ehrlich zu Ihnen sein, Mr van Meer. Der Name ist nicht gesund. Die anderen Mitschüler machen sich darüber lustig. Sie nennen sie Marineblau. Ein paar ganz Schlaue sagen Kobalt zu ihr. Und Cordon bleu. Sie sollten sich eine Alternative ausdenken.“

Marisha Pessl: Die alltägliche Physik des UnglücksBlue van Meer führt ein für einen Teenager eher ungewöhnliches Leben. Ihre Mutter ist schon früh verstorben und ihr Vater, der Universitätsprofessor Gareth van Meer, Spezialist auf dem Fachgebiet der Kriegsführung, zieht seitdem wie ein Nomade durch das Land und bleibt selten länger als ein Semester am selben Ort.
So ist Blue gezwungen, ebenfalls alle paar Monate die Schule zu wechseln, nirgends kann sie Wurzeln schlagen, nirgends findet sie Freunde, überall ist sie „der Freak“. Da ist es nicht verwunderlich, dass ihr Bücher mehr Heimat sind als jeder Ort.

In ihrem letzten Schuljahr beschließt ihr Vater, mit ihr das ganze Jahr am selben Ort zu bleiben, um die verbleibende gemeinsame Zeit vor dem College genießen zu können.
Blue besucht eine renommierte Schule, wird schnell eine der besten Schülerinnen dort (was bei einem IQ von 175 nicht verwundert) und lernt zum ersten Mal ihre Mitschüler näher kennen. Die Schauspiellehrerin Hannah Schneider nimmt Blue unter ihre Fittiche und führt sie in einen Kreis von Schülern ein, der sich jeden Sonntag bei der Lehrerin zum Essen trifft. Jene Mitschüler heben sich deutlich durch ihre Eigenarten vom Rest der Schule ab, sodass Blue sich ihnen nach einer Zeit des Fremdelns und Annäherns schnell zugehörig fühlt – bis Hannah plötzlich stirbt …

Wer weder metaphernreiche Sprache noch Querverweise zu anderer Literatur mag, wird mit diesem Buch sicherlich so seine Schwierigkeiten haben. Daher verwundert es nicht, dass die Meinungen zu „Die alltägliche Physik des Unglücks“ wie eine Schere auseinanderklaffen.
Die bildhafte Sprache mag nicht jedermanns Ding sein, mir hat sie jedoch sehr gut gefallen, ich empfand sie nicht als überladen oder schwerverdaulich, ganz und gar unkitschig. Die Sprache an sich hat mir ebenso gefallen wie die vielen Metaphern, literarischen Verweise und auch die immer wieder im Buch untergebrachten Illustrationen.

Das Ganze gibt der Geschichte ein wenig den Aufbau einer wissenschaftlichen Abhandlung, und ganz so verkehrt ist das auch nicht: Blue van Meer ist zwar jung, aber durch den Einfluss ihres Vaters ein durch und durch verkopfter Mensch, der zu jedem Ereignis automatisch nach Zuordnungen und Querverweisen sucht. Ihr analytisches Wesen findet sich so in der Erzählweise wieder und das ist auch goldrichtig, denn schließlich wird die ganze Geschichte aus ihrer Sicht geschildert. Ganz nebenbei bekommt der Leser so auch interessante Literaturempfehlungen und ich empfinde diesen Stil auch ganz und gar nicht als den Lesefluss hemmend, langatmig oder störend.
Diesem analytischen, querdenkenden Charakter als absoluter Kontrast gegenübergestellt ist das Cover, das doch eher verspielt, mädchenhaft, rosarot ist. Anscheinend fühlten sich einige LeserInnen von diesem Cover fehlgeleitet, anders kann ich mir die vielen Rezensionen nicht erklären, die bemängeln, das Buch sei zu schwer und würde so gar nicht zum Cover passen.
Aber gut, es soll ja immer noch Leute geben, die ein Buch ausschließlich nach seinem Cover beurteilen … Wer meint, den Inhalt nach der Verpackung beurteilen zu können, dürfte nicht nur in literarischer Hinsicht so manchen Denkfehler haben. Ich empfinde das Cover durch den Kontrast zur Protagonistin sehr stimmig und wenn man die Handlung verstanden hat, fügt es sich ebenfalls gut ins Gesamtbild ein.

Sprache, Geschehen, Tempo, Darstellung – mir hat an diesem Buch einfach alles gefallen, auch wenn ich sicherlich nicht alles verstanden habe und beim zweiten Lesen noch so manchen AHA-Moment haben werde. Dass ich dieses Buch irgendwann ein zweites Mal lesen werde, steht für mich bereits jetzt fest, sodass das Buch in meinem „re-read-Regal“ seinen Platz gefunden hat (Ordnung muss schließlich sein).

Fünf Sterne

5sterne

Autorin: Marisha Pessl
Titel: Die alltägliche Physik des Unglücks
Originaltitel: Special Topics in Calamity Physics
Gelesen auf: Deutsch
Taschenbuch: 720 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch
ISBN-13: 978-3596170739

Paul Kohl/ 111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazi-Zeit

Peter Kohl: 111 Orte in Berlin auf den Spuren der NazisIch liebe liebe liebe es, mit einem Buch in der Hand (m)eine Stadt zu erkunden.

Nun lebe ich ja schon recht lange in Berlin, habe während meines Studiums jahrelang als Stadtführerin gearbeitet und allein deswegen ohnehin alles über die Stadt verschlungen, was mir so in die Finger kam. Wirklich Neues erwarte ich daher kaum noch von Berlin-Büchern, dieses Büchlein hat mir nun allerdings doch so einiges gezeigt, was ich noch nicht kannte, viel Vergessenes in Erinnerung gerufen und war mir in den letzten Wochen bei einigen Stadtspaziergängen ein treuer Begleiter.

Die meisten Sachen kannte ich zwar schon (bspw. die Blindenwerkstatt von Otto Weidt, das Jüdische Waisenhaus, die „Euthanasie“-Zentrale, die Comedian Harmonists, den Flakturm Humboldthain usw.), fand aber die Aufbereitung sehr gelungen.

So findet man die Beschreibung der Historie auf der linken Seite und auf der gegenüberliegenden Seite zwei Abbildungen, einmal aus der Zeit des Nationalsozialismus und darunter aus hePeter Kohl: 111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazisutiger Zeit, was die eindeutige Identifikation der Orte ermöglicht. Auch die Zusammenstellung der einzelnen Orte finde ich gut durchdacht.

 

Und dann waren da eben doch einzelne Sachen, die ich bislang nicht kannte.
Zum Beispiel wusste ich nicht, wo Adolf Hitlers Bruder seine Kneipe hatte, von der „Roten Kapelle“ hatte ich irgendwann zwar schon mal gehört, kannte aber weder Details noch den Ort und ebenso ging es mir mit der Fahnenfabrik Geitel, dem Großmufti von Jerusalem und seiner nationalsozialistischen Propaganda sowie dem Murellenberg.

Dadurch, dass das Buch vPeter Kohl: 111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazisom Titel her auf 111 Orte begrenzt ist, fehlen naturbedingt einige Orte, das tut dem Buch insgesamt aber keinen Abbruch.

Wer sich für Berlin und seine Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus interessiert und die Standard-Städteführer leid ist, wird an diesem Buch sicherlich Gefallen finden.

 

5sterne

Autor: Paul Kohl
Titel: 111 Orte in Berlin auf den Spuren der Nazi-Zeit
Broschiert: 240 Seiten
Verlag: Emons
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3954512201

Richard Mason/ Die geheimen Talente des Piet Barol

Richard Mason/ Die geheimen Talente des Piet BarolAmsterdam im Jahr 1907:
Der junge Piet Barol, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, jedoch eine gute Ausbildung genossen hat, ist gewillt, es im Leben zu etwas zu bringen.
Er bekommt dank eines Empfehlungsschreibens und seines außergewöhnlichen Charmes eine Stelle als Hauslehrer bei der vermögenden Hoteliers-Familie Vermeulen-Sickerts.
Sein ungewöhnlich gutes Aussehen, sein Talent für Sprache und Musik und sein Vermögen, jedermann um den kleinen Finger zu wickeln, scheinen ihm den Weg in die feine Gesellschaft zu ebnen. Doch sein Traum ist es, in Amerika das große Geld zu machen und er ist bereit, dafür viel zu riskieren …

Ehrlich gesagt habe ich von diesem Buch lediglich ein bisschen leichte Unterhaltung erwartet. Ich hatte es schon etwa ein Jahr ungelesen im Regal stehen – und könnte mich dafür ohrfeigen.
Was ich bekommen habe, war ein Meisterwerk der schönen Sprache und der bildlichen, fabelhaften Erzählkunst.
Richard Mason hat mich von der ersten Seite an mit seinen Worten verzaubert und das Amsterdam der Belle Époque vor meinen Augen auferstehen lassen, sodass ich das Buch eigentlich am liebsten nie beendet hätte.
Piet Barol ist nicht immer ein feiner Mensch, aber er weiß, was er will und was er dafür tun muss, und er scheut kein Risiko – wie könnte man so einen Protagonisten nicht ins Herz schließen?
Mit Freude habe ich gelesen, dass es eine Fortsetzung des Buches geben soll – ich kann es kaum erwarten!

 

Fünf Sterne.
5sterne

Autor: Richard Mason
Titel: Die geheimen Talente des Piet Barol
Originaltitel: History of a Pleasure Seeker
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3570101360

David Levithan/ Letztendlich sind wir dem Universum egal

David Levithan/ Letztendlich sind wir dem Universum egalJeder von uns hat sich sicherlich schon einmal vorgestellt, jemand anderes zu sein, ein anderes Leben zu führen, an einem anderen Ort zu leben, einfach mal in die Rolle eines anderen Menschen zu schlüpfen.
Für A ist das alles Normalität, er kennt es nicht anders.
Jeden Morgen erwacht er in einem anderen Körper, an einem anderen Ort, in einem anderen Leben.
Er selbst bezeichnet sich als Gast, als Treibgut. Nie weiß er, wer er am nächsten Morgen sein wird oder wo, er kann es nicht steuern. Jeden Tag lebt er das Leben eines anderen Menschen und versucht dabei, so unauffällig wie möglich zu bleiben und kein Chaos in den Leben der anderen zu hinterlassen, sich nicht einzumischen.

„Es ist schwer, im Körper von jemandem zu sein, den man nicht mag, weil man ihn trotzdem achten muss. In der Vergangenheit habe ich manchmal Schaden im Leben von anderen angerichtet und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es mich nicht loslässt, wenn ich Mist baue. Also versuche ich, vorsichtig zu sein.“

A selbst hat keinen Namen, keine Eltern, keine Freunde – bis er auf Rhiannon trifft.

„Ich bin Treibgut, und so einsam das mitunter sein kann, es ist auch enorm befreiend. Ich werde mich niemals über jemand anderen definieren. Ich werde nie den Druck von Gleichaltrigen oder die Last elterlicher Erwartung spüren. Ich kann alle Teile eines Ganzen betrachten und mich auf das Ganze konzentrieren, nicht auf die Teile. Ich habe gelernt zu beobachten, weit besser als die meisten anderen Menschen. Die Vergangenheit setzt mir keine Scheuklappen auf, die Zukunft motiviert mich nicht. Ich konzentriere mich auf die Gegenwart, denn nur in ihr ist es mir bestimmt, zu leben.“

Der Wunsch, sein Leben mit ihr zu verbringen, wird so stark, dass er zum ersten Mal gegen seine Regeln verstößt. Doch wie soll eine Liebe funktionieren, wenn man nie weiß, wer man am nächsten Tag ist? Wie soll Rhiannon jemanden lieben, der jeden Tag anders aussieht, mal Mädchen, mal Junge ist? Genügt es, dass das Innere, das Wesen, immer dasselbe ist, die Hülle jedoch nicht?

„Gestern ist eine andere Welt. Ich will wieder dorthin zurück.“

Ich finde es unglaublich schwer, dieses Buch angemessen zu besprechen, zu sehr hat es mich beeindruckt. Davon abgesehen gibt es natürlich schon haufenweise tolle Besprechungen zu dem Buch, hier zum Beispiel,  hier, hier oder auch hier.

David Levithan hat ein kluges, sensibles, wundervolles Buch über die Liebe und das Erwachsenwerden geschrieben.
Die Idee, dass jemand jeden Tag in einem anderen Körper steckt, klingt zunächst seltsam, doch Levithan hat es geschafft, dass nichts an diesem Buch unstimmig ist.
Zwar wird nicht jede Frage beantwortet – warum ist A so, warum sind die Körper, in die er schlüpft, alle so alt wie er, warum befinden sie sich immer im selben Bundesstaat der USA wie der Körper, in dem A am Tag zuvor war? –, die Beantwortung dieser Fragen ist aber gar nicht notwendig, denn sie sind im Grunde für den gesamten Plot vollkommen irrelevant. Es geht hier um etwas anderes. Um die Frage nämlich, ob Liebe unabhängig vom Geschlecht und vom Körper überdauern und funktionieren kann – und um die Frage, ob man aus Liebe wirklich alles tun darf, oder ob nicht vielmehr der Verzicht, das Loslassen, das größte Zeichen wahrer Liebe sind.

„So wird es immer für mich sein. Eingesperrt in einem Zimmer. Gefangen in mir selbst.“

David Levithan/ Letztendlich sind wir dem Universum egal

„Anfangs war es schwer, einen Tag nach dem anderen durchzustehen, ohne ernsthafte Beziehungen zu knüpfen oder Veränderungen im Leben anderer zu hinterlassen.“

Wirkt A zu Beginn der Erzählung noch recht besonnen, kühl, als habe er sich eben mit seiner seltsamen Existenz abgefunden, bricht im Laufe der Handlung all seine Verzweiflung und Hilflosigkeit auf. Er fühlt sich ausgeliefert, gefangen, wie ein Spielball des Universums. Dabei treten durchaus auch unangenehme Charakterzüge zutage.

Mir hat sehr gefallen, mit welcher Genauigkeit Levithan A’s Gefühle und Gedanken beschreibt, ohne dabei kitschig zu werden. Insgesamt zeichnet sich der Schreibstil durch eine ideale Mitte aus: Nah genug dran, um in die Geschichte eintauchen, aber weit genug weg, um von außen einen Blick auf alles werfen zu können.
Auch das Ende, an dem sich ja, liest man mal einige Rezensionen, offensichtlich die Geister scheiden, hat mir in seiner offenen Art gut gefallen.
A ist ein Charakter mit Ecken und Kanten, der,  obwohl er es zu wissen glaubt, seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat und auf der Suche ist.
Man weiß nicht genau, welches Geschlecht A eigentlich hat, ich habe nun „er“ geschrieben, weil sich das für mich am stimmigsten anfühlte, möchte diesen ungewissen Punkt jedoch nicht unerwähnt lassen.

Das Cover und die Aufmachung des Buches finde ich sehr gelungen und ansprechend, ich hatte das Buch richtig gerne in der Hand und bin doch sehr froh, mich für die Printausgabe und gegen das eBook entschieden zu haben. Ich freue mich schon sehr darauf, andere Bücher von David Levithan zu lesen.

Fünf Sterne.
5sterne

Autor: David Levithan
Titel: Letztendlich sind wir dem Universum egal
Originaltitel: Every Day
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: FISCHER FJB
Gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3841422194

Toby Barlow/ Baba Jaga

Toby Barlow/ Baba JagaWill, ein mäßig erfolgreicher amerikanischer Werbetexter, lernt im Paris der 50er Jahre die bezaubernde Zoja kennen.
Was er nicht weiß: Zoja ist eine russische Hexe, die seit Jahrhunderten um keinen Tag gealtert ist, sich von reichen Männern aushalten lässt und diese irgendwann „entsorgt“. Unglücklicherweise war sie bei ihrem letzten Liebhaber ein wenig ungeschickt und hat nun die Polizei auf den Fersen.
Doch auch Will ist nicht das, was er auf den ersten Blick zu sein scheint, denn hinter der Fassade des Werbetexters versteckt sich ein CIA-Agent, dem das Glück in letzter Zeit allerdings nicht sonderlich hold war und der sich ebenfalls vor einigen Leuten verstecken muss …

„Ein heißes Bad erinnerte sie fast immer an die grimmige, eisige Kälte, die im Laufe der Jahre so oft die Fänge in ihre Knochen geschlagen hatte. Sie musste mit diesen Erinnerungen vorsichtig sein. Wenn sie sie unerwartet überfluteten, ausgelöst vielleicht durch etwas so Geringfügiges wie den Duft blühender Nelken oder den Geschmack von Anis, konnten sie sie überwältigen und ihr die Kräfte rauben. Aber sich jene tödlichen Tage von Eis und Kälte ins Gedächtnis zu rufen, während sie behaglich in einem warmen Bad lag, fühlte sich ungefährlich an. Es war so, als würde der wilde Jäger Frost sie, von der dichten Wolke aufsteigenden Dampfs umwallt und umhüllt, nicht finden können.“

Ich war sehr gespannt auf „Baba Jaga“, hatte ich doch nur Gutes über dieses Buch gehört, ja, regelrechte Begeisterungsstürme. Seit meiner Kindheit liebe ich Geschichten über die Baba Jaga und alleine deswegen musste ich dieses Buch lesen.
Leider kann ich mich nicht so wirklich den Begeisterungsstürmen anschließen. Die Rahmenhandlung hat mir gefallen, allein die Idee schon, Baba Jaga meets CIA-Agent.
Toby Barlow kann sehr schön schreiben, gar keine Frage, vor allem gefällt mir das Vokabular, seine Sätze klingen melodisch und geschmeidig; dennoch wurde ich mit dem Buch nicht so richtig warm. Die immer wieder eingestreuten Rückblenden, die Hexenlieder und das oft langatmige Geschehen haben es mir nicht ermöglicht, in die Geschichte einzutauchen, irgendwie war mir das alles zu durcheinander und es tauchten zu viele Personen auf.
„Baba Jaga“ ist ein nettes Buch, aber nachhaltig in Erinnerung wird es mir eher nicht bleiben.

Drei Sterne.
3sterne


Autor:
Toby Barlow
Titel: Baba Jaga
Originaltitel: Babayaga
Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: Atlantik
Gelesen auf: Deutsch
ISBN-13: 978-3455600001