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Andreas Neuenkirchen/ Yoyogi Park, Roppongi Ripper & Shinigami Games

Heute möchte ich Euch gleich drei Bücher auf einen Schlag vorstellen, nämlich die unglaublich spannenden Tokio-Krimis von Andreas Neuenkirchen.

Ich habe alle drei am Stück verschlungen, und da es sich um eine Reihe handelt, eignet sich ein gemeinsamer Beitrag sehr gut.
Vorweg kann man schon sagen: Japan-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten. Ich habe die Reihe einer japanversessenen Freundin geliehen, die lange in Tokio lebte, und ihr Kommentar war nur: „Als wäre man wieder in Tokio, genau so sieht es da aus!“ Die Ortsbeschreibungen sind also nicht nur sehr detailliert und bildlich verfasst, sondern entsprechen tatsächlich den örtlichen Gegebenheiten.

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Andreas Neuenkirchen/ Yoyogi Park, Roppongi Ripper, Shinigami Games

In den Krimis von Andreas Neuenkirchen dreht sich alles um die junge Inspektorin Yuka Sato und ihren Assistenten Shun Nakashima, die in Tokio für Recht und Ordnung sorgen.

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Yoyogi Park

Yoyogi Park/ Andreas Neuenkirchen

Der erste große Fall verlangt der jungen Inspektorin Yuka Sato und ihrem Kollegen Shun Nakashima direkt alles ab: Nach dem traditionellen Kirschblütenfest wird eine Leiche im Yoyogi Park entdeckt. Für das junge Ermittlerteam ist dies der erste große Fall. Doch bald wird er größer und größer, denn es geschehen noch mehr Morde, und alles scheint miteinander im Zusammenhang zu stehen …

Näher möchte ich hier nicht auf die Handlung eingehen, denn nichts ist schlimmer, als in einer Rezension über einen Krimi gespoilert zu werden ;).

Yuka Sato und ihr Kollege Shun Nakashima sind ein gutes Team, das einen lockeren Umgang pflegt, der sehr im Gegensatz zu den traditionellen Verhaltensweisen zu stehen scheint, die ab und an vorkommen. Das Ganze bildet einen schönen Kontrast: Moderne neben Tradition, Hand in Hand. Etwas, was wir hierzulande doch nur selten sehen, wenn wir mal ehrlich sind.

Der 1. Satz:

„Ai lag im Gras, die Augen geschlossen, umweht von einer warmen Brise, die die ersten Kirschblüten des Frühlings sanft auf ihr Gesicht legte.“

Das Buch beginnt mit einer „Dramatis Personae“, also einer Auflistung der wichtigen Personen. Das gefällt mir sehr gut, weil ich gerne mal nachschlage, besonders, wenn mir die Namen der Protagonisten nicht geläufig sind.
Überhaupt: Ich mag die Aufmachung der Bücher sehr, angefangen beim wunderschönen Cover über den aufklappbaren Einband bis hin zum visuell angenehmen Textaufbau. Denn: Das Buch ist unterteilt in fünf Akte und sieben Tage. So etwas mag ich wirklich sehr! Und auch das Lektorat hat ausgezeichnete Arbeit geleistet :).

Ein rundum spannendes und haptisch angenehmes Leseerlebnis, das Lust auf mehr macht:
Fünf Sterne.

5sterne

Titel: Yoyogi Park
Autor: Andreas Neuenkirchen
Taschenbuch:
352 Seiten
Verlag: Conbook Medien
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3943176629

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Roppongi Ripper

Roppongi Ripper/ Andreas NeuenkirchenDas junge Ermittlerteam steht vor dem nächsten großen Fall: Ein Serienmörder treibt sein Unwesen und er mordet schnell und eiskalt. Sein Motiv ist zunächst unklar: Ist es tatsächlich nur Triebbefriedigung und die Opfer sind Zufallsopfer, oder mordet der Ripper nach Plan und aus Rache? Als wäre das noch nicht genug, geht es dieses Mal Yuka Sato an den Kragen, und sie muss ausgerechnet im Revier des Rippongi Ripper untertauchen …

Der erste Satz:

„Sie wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde.“

Dieses Mal hat das Buch einen Prolog, bevor es – wie in Band 1 – mit Akten und Tagen weitergeht; es ist Sommer, während es bei Yoyogi Park Frühling ist. Spätestens hier merkt man, dass die Bücher von Anfang an als Reihe gedacht waren.
Mein Eindruck ist, dass der Autor sich mit dem ersten Band nur „warmgeschrieben“ hat, denn dieser Band ist noch spannender und unterhaltsamer als der erste. Irgendwie erwartet man ja mittlerweile bei jeder Buch-Reihe (und davon gibt es heute ja unzählbare) einen rasanten Abstieg, aber Neuenkirchen folgt nicht diesem unerfreulichen Trend, sondern steigert sich. Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut :).

Die Aufmachung und der Aufbau des Buches sind ebenso schön wie im ersten Band, nebeneinander machen sich die Bücher wirklich toll im Regal <3. Manchen ist so etwas ja egal, aber ich freue mich, wenn ein Verlag dem Leser nicht nur einen guten Inhalt, sondern auch eine schöne Aufmachung anbietet.

Fünf Sterne.

5sterne

Titel: Roppongi Ripper
Autor: Andreas Neuenkirchen
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Conbook Medien
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3943176872

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Shinigami Games

Shinigami Games/ Andreas NeuenkirchenEs ist Herbst, und der Shinigami, der Sensenmann, ein gefährlicher Psychopath, hat es auf Polizisten abgesehen. Es folgt eine rasante Jagd quer durch Tokio, von der U-Bahn über den Fischmarkt durch die düstersten Viertel bis zum Berg Takao – aber Shinigami scheint Yuka Sato und den Ermittlern immer voraus zu sein. Offensichtlich wird er mit Insider-Informationen versorgt. Es gilt, diesen durchgeknallten Mörder aufzuhalten, bevor er einen Massenmord begehen kann …

Der 1. Satz:

„Die Polizistin war kein leichtes Ziel.“

Dieses Mal beginnt das Buch nach dem Personenregister mit einer Vorrundein der ein Spiel vorbereitet und ein erster Verlierer bestimmt wird.“ Danach geht es weiter, diesmal jedoch nicht mit Akten und Tagen, nein, das Buch ist in Runden aufgeteilt, wie bei einem Boxkampf. Und das trifft es ganz gut, denn auch wie bei einem Boxkampf, so wird auch hier das Tempo von Runde zu Runde hitziger und schneller – und ganz ehrlich, ohne Personenregister und Glossar wäre ich da so manches Mal verloren gewesen  :D. Insofern unterscheidet sich dieser Band ein wenig von den ersten beiden, aber diese Änderungen sind stimmig und passen gut zum Plot. Einmal mehr stelle ich fest, wie viel Liebe in jedes Detail dieser Bücher gesteckt wurde  <3.

Sprachlich ist auch dieses Buch wieder top.
Moderne Sprache, witzige Dialoge, ein nervenzerfetzender Plot in einer traditionsreichen – und vor allem traditionslebenden – Stadt: Man mag es kaum glauben, aber auch hier:
Fünf Sterne.

5sterne

Titel: Roppongi Ripper
Autor: Andreas Neuenkirchen
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Conbook Medien
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3958891067

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Ganz besonderes Lob

Man macht es als Leser und auch als Rezensentin viel zu selten, auch mal denen, die ansonsten an einem Buch beteiligt waren, Anerkennung zu zollen. So ein Buch entsteht ja nicht nur dadurch, dass ein Autor sich hinsetzt und etwas schreibt. Da gibt es beispielsweise die Lektorinnen und Lektoren, die viel viel mehr machen, als nur Rechtschreibfehler zu finden, und die oft nicht gemocht werden, weil sie auch Kritik anbringen und häufig auch mal Kämpfe mit dem Autor austragen müssen. Da sind die Grafikdesigner und die Layouter und noch viele mehr. Stellvertretend für alle habe ich mir hier zwei Damen herausgepickt, die bei allen drei Bänden mit an Bord waren.

Ob auch sie Kämpfe mit dem Autor austragen musste, wissen wir nicht, aber das Ergebnis ihres Lektorats sind drei rundum gelungene, außergewöhnliche Bücher, daher möchte ich an dieser Stelle der Lektorin Imke Sörensen herzlich für ihre Arbeit danken!

Und was wäre ein Buch ohne Einband und Cover? Gerade dies ist heute doch oft kaufentscheidend und daher sollte es aus der Menge der vielen Bücher mit Standardcovern herausstechen. Das ist hier absolut gelungen, finde ich, die Bücher sehen natürlich in echt um einiges schöner aus als auf den Bildern hier.
Vielen lieben Dank an Nicole Laka für diese schöne und stimmige Einbandgestaltung!

Kurzbiografie des Autors

Andreas Neuenkirchen arbeitet seit 1993 als Journalist, anfangs als freier Mitarbeiter im Feuilleton Bremer Tageszeitungen und Stadtmagazine, später als Redakteur online/offline in München. Er hat bereits mehrere Romane und Sachbücher mit Bezug zu Japan veröffentlicht. Derzeit lebt er mit seiner japanischen Ehefrau und ihrer gemeinsamen Tochter in Tokio.

Fazit

Andreas Neuenkirchens Romane zeichnen sich durch eine moderne, frische, flotte, oft auch witzige Sprache aus, die ihren Reiz ganz besonders dort entwickelt, wo alte japanische Traditionen in die Geschichte einfließen.

5sterne

So hält sich Yuka Sato ganz selbstverständlich an traditionelle Schicklichkeitsregeln und schneuzt sich beispielsweise nicht in der Öffentlichkeit. Sie verbeugt sich stets vor den Verstorbenen, und das sogar mitten im japanischen Großstadttrubel. Der Kontrast zwischen dem heutigen Tokio mit seiner Popkultur, seinem Lärm und Tempo, und den alten Werten, die inmitten dieses Chaos hochgehalten werden, hat mir sehr gut gefallen. Auch der Umgang der Ermittler untereinander zählt zu den Schmuckstücken, aus denen diese Bücher zusammengesetzt sind. Es macht Spaß, ihnen lesend über die Schulter zu schauen und den coolen und witzigen Dialogen zu folgen, die ebenfalls einen starken Kontrast zu den von denselben Leuten hochgehaltenen Traditionen darstellen.

5sterne

Dass der Autor selbst in Japan lebt, ist den Büchern deutlich anzumerken, die Beschreibungen sind detailreich und bildlich, und, wie mir versichert wurde, die Örtlichkeiten betreffend absolut korrekt. Als Leser ist man so mittendrin in der Geschichte und lernt Tokio und die Japaner kennen – und doch ist da irgendwie auch eine gewisse Distanz zu den Hauptfiguren.
Für mich war das eine gelungene Kombination, denn ich habe Yuka Sato und die anderen als höflich-distanziert empfunden, und diese Art der Beschreibung voller Details, aber eben auch Distanz, passt sehr gut zu den Charakteren.

5sterne

Dreimal fünf Sterne – ich glaub, so eine Serie hatte noch kein anderer Autor in meinem Blog :D. Alle drei Bücher haben mir viel Spannung, aber auch großen Spaß beschert, und da ja noch eine Jahreszeit fehlt, habe ich zarte Hoffnung, dass da noch was kommt … 😉

Von mir gibt es hier eine absolute Kaufempfehlung, also falls ihr last-minute noch ein Buchgeschenk zu Weihnachten sucht: Eure lokalen Buchläden können euch die Bücher, falls nicht vorhanden im Laden, noch bis Samstag bestellen :).

Andreas Neuenkirchen/ Yoyogi Park, Roppongi Ripper, Shinigami Games

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Camilla Grebe/ Åsa Träf: Die Therapeutin

Siri Bergmann ist Psychotherapeutin und arbeitet gemeinsam mit ihrer besten Freundin in einer Gemeinschaftspraxis in Stockholm. Täglich befasst sie sich mit den teils grauenerregenden Schicksalen und Geschichten ihrer Patienten und hilft ihnen, ihr Leben in den Griff zu bekommen.
Doch sich selbst hat Siri längst nicht mehr im Griff. Erst musste sie den Verlust ihres Babys verkraften, kurz danach kam ihr Mann bei einem Tauchgang in vertrautem Revier ums Leben.
Siri hat panische Angst vor der Dunkelheit, trinkt zu viel, versucht, sich mit Arbeit von ihren eigenen traumatischen Erlebnissen abzulenken, und sie lebt einsam und abgeschieden in dem kleinen Haus am Meer, das sie mit ihrem Mann zusammen renoviert hat. Sie liebt das Haus, es erinnert sie an Stefan, sie will es nicht verlassen, obwohl es einen weiten Weg zur Arbeit bedeutet und obwohl es sie nachts schutzlos und einsam macht. Ihr einziger Gefährte ist ihr Kater, der ihr nachts Sicherheit gibt, während tagsüber ihre Kollegin und beste Freundin Aina versucht, Siri von ihrem tristen Leben abzulenken.Ihre Patienten vertrauen Siri – bis eine von ihnen plötzlich einen Warnbrief erhält und die Therapie abbricht. Dann verschwindet der Kater, und die Leiche eben jener Patientin taucht in der abgelegenen Bucht vor Siris Haus auf …

Vorweg: Normalerweise bekommen Rezensionen bei mir ja auch ein Bildchen vom Cover verpasst, sieht einfach netter aus und ganz ehrlich, so eine Rezension ohne Bild ist schon irgendwie nackt – in diesem Fall müsst ihr leider darauf verzichten, denn seitdem ich das Buch ausgelesen und allen davon vorgeschwärmt habe, ist es im Umlauf. Nach meiner Mutter und meiner Schwester hat es zwei Freundinnen besucht und ist nun aktuell bei der Mutter einer dritten Freundin zu Gast. Wir haben nun alle ein wenig Probleme mit der Dunkelheit, aber hey, für gute Bücher nimmt man das mal in Kauf. Und ihr bekommt dafür den scary Blick meiner Neugierkatze (die mich demletzt so manche Nacht wegen gruseliger Dinge um den Schlaf brachte)

alleswissenwollenCat ©buchjunkie.wordpress.com

Zuallererst mal: Puh. Nein, das reicht nicht: PUH.
Ich habe wirklich seit sehr langer Zeit keinen Spannungsroman mehr gelesen, der mir den Schlaf geraubt hat und der mich am Abend noch dreimal durch die Wohnung tigern ließ, um nachzusehen, ob auch wirklich alle Türen und Fenster verschlossen sind.

Die Autorinnen Camilla Grebe und Åsa Träf sind Schwestern, eine Psychologin, die andere in der Buchbranche tätig – und die beiden verstehen wirklich ihr Handwerk.
In manchen Rezensionen las ich, im Vergleich zu anderen Skandinavien-Thrillern seien diese Bücher lahm, das kann ich so nicht bestätigen. Camilla Grebe und Åsa Träf haben es geschafft, mich nicht nur emotional wirklich zu packen, sondern meine Urängste zutage zu holen; so etwas habe ich schon lange nicht mehr bei einem Buch erlebt.
Ich hab mit Siri so sehr mitgefühlt, mitgebangt, wollte nicht wahrhaben, was offensichtlich war … rundum ein nahezu perfektes Leseerlebnis.

Noch dazu bei einem Buch, das eigentlich gar nicht eingeplant war!
Ich reise ja seit einiger Zeit öfter mal durchs Land, stand an einem Bahnhof, wartete auf meinen viel zu verspäteten Zug, hatte die geplante Reiselektüre beendet –  und da lachte mich das Cover mit dem heimeligen Häuschen geradezu an (ja, ok, der 5€-Superrabatt half auch 😉 ), also kam das Buch mit, und noch im Zug war ich gefesselt. Der Weg durchs dunkle Berlin in meine leere Wohnung war dann eher weniger lustig, zu sehr war ich schon gefangen in dieser Geschichte der Verluste und Ängste, in der die Gefahren aus den unangeahnten Ecken kommen und stets im Dunkeln hervortreten. Ja, ich gebe sogar zu, meine allererste Tat nach dem nach Hause kommen war, die Katzen zu zählen. Man weiß ja nie. Und danach musste ich das Buch noch in derselben Nacht zuende lesen, denn ich hätte ohnehin kein Auge zubekommen.

Ich steh auf Thriller, auf Horror, auf Splatter – aber dieser kleine, unerhoffte schwedische Krimi, der doch eher seichter Natur ist und ohne überzogene Gewalt auskommt, dieser kleine Krimi hat mich wieder das Fürchten gelehrt. Ich ziehe meinen Hut vor den Autorinnen und diesem Erstlingswerk, das ich rundum gelungen finde.

Und, Confession No. 2: Zum ersten Mal würde ich rasend gerne ein Autorinnen-Interview führen, denn dieses Schwesternpaar schreibt nicht nur spannend, sondern scheint auch sonst einiges auf dem Kasten zu haben.
Fünf Sterne:
5sterne

 

Autorinnen:Camilla Grebe/ Åsa Träf
Titel: Die Therapeutin
Originaltitel: Någon sorts frid
Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: btb Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3442746781

Stephen King/ Doctor Sleep

Aus dem kleinen Danny Torrance, der vor über 30 Jahren im Hotel Overlook gegen seinen wahnsinnig gewordenen Vater ums Überleben ankämpfen musste, ist ein erwachsener Mann geworden. Dan ist Krankenpfleger, und ihn verfolgt nicht nur die Vergangenheit, sondern auch der Dämon Alkohol. Ohne es zu wollen, ist er seinem Vater immer ähnlicher geworden.

Ruhelos zieht er von Ort zu Ort, immer auf der Flucht vor seinem „Shining“, das er mit Drogen und Alkohol zu betäuben versucht – aber vor sich selbst kann man nur schwer davonlaufen.
Schließlich landet er als Pfleger in einem kleinen Ort in New Hampshire und entdeckt sein besonderes Talent, Sterbenden den Übergang zu erleichtern, was ihm den Spitznamen „Doctor Sleep“ einbringt. Er nimmt den Kampf gegen seine Sucht auf, findet Freunde, ein Zuhause – und jemanden, der ihm sehr ähnelt und seine Hilfe benötigt …

Stephen King/ Doctor Sleep

Ich kann mich kaum erinnern, schon mal so weit auseinanderklaffende Meinungen zu einem King-Buch gelesen zu haben. Die einen finden es so richtig scheiße, die anderen finden es fantastisch. Und ich siedel mich irgendwo dazwischen an.
Der größte Wurf von Stephen King ist es meines Erachtens nicht, auch wenn man wirklich beim Lesen gespürt hat, wie sehr ihm das Buch und die Geschichte am Herzen liegen und dass er unbedingt die Geschichte von Dan(ny) weitererzählen wollte. Die ersten 2/3 des Buches haben mir unheimlich gut gefallen, da stimmte alles, die Geschichte war gut strukturiert und fesselte mich. Und dann kam, was bei King ja leider öfter mal passiert: ein rapider Absacker.
Ich fand die letzten rund 150 Seiten einfach nur nervig.
Zu viele gewollt-spannungsgeladene Andeutungen, zerhackstückelte Kapitel und, auch das hat leider mittlerweile Tradition, eine immer schlechter werdende Übersetzung. Ich fand Dan nur noch nervig, ich fand Abra unerträglich und der zuvor doch ziemlich interessante „Wahre Knoten“ … naja. Schade.
Ich bin wirklich ein riesiger King-Fan, das wird sich in diesem Leben auch ganz sicher nicht mehr ändern, und ich hatte mich wahnsinnig auf die Fortsetzung von „Shining“ gefreut. Mich hat auch gar nicht gestört, was so viele andere Leser kritisieren, nämlich, dass der (christliche) Einfluss der Anonymen Alkoholiker sich mittlerweile zu stark in Kings Büchern widerspiegelt. Das finde ich im Grunde ok, die AA haben ihm geholfen, gesund zu werden und überhaupt noch am Leben zu sein, natürlich hat das Einfluss auf ihn.
Aber vielleicht sollte er sich wieder mehr Zeit beim Schreiben lassen. Die Bücher kommen in einem solchen Tempo heraus, dass es eigentlich nicht verwundern kann, dass das, was stark beginnt, zum Ende hin derart absackt. Offenbar versucht King, noch so viele Geschichten wie irgend möglich aufs Papier zu bekommen; und dafür sollten wir Leser eigentlich dankbar sein. Dennoch – ich würde bereitwillig auf einige Bücher verzichten, wenn sich dadurch die Qualität konstant hielte.

Autor: Stephen King
Titel: Doctor Sleep
Originaltitel: Doctor Sleep
Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
gelesen auf: Deutsch
ISBN-10: 3453268555